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Sufis und Derwische

Die ersten Sufis (=Derwische) soll es nach muslimischer Überlieferung schon zu Lebzeiten des Pro­pheten Mohammed im 7. Jahrhundert gegeben haben. Sie sollen oft als einzelne Asketen und Aske­tinnen gelebt haben, mit dem Zentrum im heutigen Irak. Im 9. Jhd., in der Gegend von Persien und Türkei, entwickelte sich die Lehre hin zum poetischen frommen Lobpreis Gottes und der Suche nach intuitiver Gotteserkenntnis (Ma’rifa). Ziele waren die innere Liebe, die Vereinigung mit Gott und die Übergabe des individuellen Willens an den Willen Gottes. Der Perser al-Ghazālī (1058 -1111), der be­reits in Konflikt mit dem orthodoxen Islam kam, lehnte eine starre Dogmatik ab und lehrte den Weg zu einem Gottesbewusstsein, das aus dem Herzen entspringt. Der Lehre al-Ghazālīs gemäß besitzen die Menschen in ihrer Brust ein „feinstoffliches Herz“, das in der Welt der Engel beheimatet ist, und an dem man arbeiten muss, da es dem Menschen den Weg zurück ins Paradies weist.

Aus: Wikipedia: Die ersten Sufi-Ordensgemeinschaften (Tariqa) entstanden im 12. Jhd., heute vor al­lem verbreitet in Marokko, Mauretanien und Mali. Das Wort Sufi hat mehrere mögliche Herkünfte: vielleicht von arabisch ṣūf  = „Schurwolle“, das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist; oder von ṣafā = „rein sein“ von Unwissenheit. Gemeint sind  Unwissenheit, Unkenntnis, Aberglauben, Dog­matismus, Egoismus und Fanatismus sowie frei von Beschränkungen durch die soziale Schicht, politi­sche Überzeugung, Rasse oder Nation. Andere, vor allem westliche Vertreter eines „universellen Su­fismus“, brachten das Wort Sufi (auch als Sofi als Bezeichnung für einen Weisen, der sich in’s An­schauen des Göttlichen versenkt, geschrieben) mit dem griechischen Wort sophia („Weisheit“) oder mit dem hebräischen Wort aus der Kabbala En Sof („es hat kein Ende“) in Verbindung. Die Jüdische Enzyklopädie (Bd. XI, S. 579 ff.) betrachtet die Kabbala und die Chassidim, die jüdischen Mystiker, als aus dem Sufismus entstanden, bzw. als mit ihm identische Tradition.

Klassische sufische Autoren wie al-Kalābādhī (gestorben zwischen 990 und 995) haben die Sufis au­ßerdem zu den sogenannten Ahl as-Suffa („Leute des Schattendachs“) in Beziehung gesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Personen, die sich zu Lebzeiten Mohammeds in Medina um ihn scharten und in erzwungener oder freiwilliger Armut lebten. Al-Kalābādhī vertrat die Auffassung, dass ein Sufi jemand sei, der den Ahl as-Suffa von seinem Charakter ähnele. Es wird außerdem be­hauptet, dass das Wort Sufismus auf die Leute der ersten (Gebets-)Reihe (ṣaff-i avval) hindeuten kann.

Vor allem in der Zeit unseres Mittelalters wurde der Sufismus als bedeutendster Teil des Islam ver­standen, und breitete sich von Indien, Zentral- und Südasien über Anatolien (Türkei), Irak, den Balkan bis Libyen, Sudannach Senegal aus, und zwischen 13. und dem 16. Jhd. entstanden vielerorts Zentren oder „Logen“ (zawiya, khanqah, or tekke) mit Schulen mit angeschlossenen Unterkünften, Küchen, Bibliotheken – auch für ärmere Schüler. Erst im 20. Jhd. gerieten die traditionellen Rituale und Dokt­rinen unter massiver Kritik – entweder durch Islamische Reformer, oder durch Nationalisten. Sie wur­den verdrängt, die Logen geschlossen oder gar verboten. Mitunter verschmolzen ihre sufischen Vor­stellungen, gemeinsam mit türkischen und persischen Vorstellungen, mit denen der Aleviten (z.B. in Zypern, Griechenland, Albanien, Bulgarien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Kosowo, und neuer­dings auch in den USA.) In Afrika finden wir Sufis in Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko und Sene­gal.

In der englischen Wikipedia finden wir ergänzende Erläuterungen wie folgt: „Historically, Sufis have often belonged to different ṭuruq or „orders“ – congregations formed around a grand master referred to as a wali who traces a direct chain of successive teachers back to the Islamic prophet, Muhammad. These orders meet for spiritual sessions (majalis) in meeting places known as zawiyas, khanqahs or tekke. They strive for ihsan (perfection of worship), as detailed in a hadith: „Ihsan is to worship Allah as if you see Him; if you can’t see Him, surely He sees you.“ Sufis regard Muhammad as al-Insān al-Kāmil, the primary perfect man who exemplifies the morality of God, and see him as their leader and prime spiritual guide.

All Sufi orders trace most of their original precepts from Muhammad through his cousin and son-in-law Ali, with the notable exception of one. Although the overwhelming majority of Sufis, both pre-mo­dern and modern, were and are adherents of Sunni Islam, there also developed certain strands of Sufi practice within the ambit of Shia Islam during the late medieval period, particularly after the forced conversion of Iran from majority Sunni to Shia:“(…)

„Sufis believe that by giving bayʿah (pledging allegiance) to a legitimate Sufi shaykh, one is pledging allegiance to Muhammad; therefore, a spiritual connection between the seeker and Muhammad is established. It is through Muhammad that Sufis aim to learn about, understand and connect with God. Ali is regarded as one of the major figures amongst the Sahaba who have directly pledged allegi­ance to Muhammad, and Sufis maintain that through Ali, knowledge about Muhammad and a connection with Muhammad may be attained. Such a concept may be understood by the hadith, which Sufis regard to be authentic, in which Muhammad said, „I am the city of knowledge and Ali is its gate“

Übersetzen wir zusammengefasst: die Sufis [arabisch auch: tasawwuf, in der Bedeutung von: „ein Sufi werden“] unterteilen sich in Orden, die sich um einen Großmeister sammelten, der in direkter Blutline auf erfolgreiche frühere Lehrer bis zu Mohammed zurückreichen. Diese Ordensmitglieder treffen sich regelmäßig zur Gottesverehrung. Mohammed wird als vorzüglicher herausragender Mann angesehen, ihr Anführer und spiritueller eigentlicher Lehrer ist und der beispielhaft die Güte und Größe Gottes widerspiegelt.

Alle Sufi-Orden führen ihre Lehren auf Mohammed und seinen Cousin und Schwiegersohn Ali zurück, obwohl die große Mehrheit von ihnen Sunniten sind. Neben Sufi-Praktiken gibt es auch schiitische Einflüsse, vermutlich aus dem Mittelalter stammend, als Iran zum Übertritt von den Sunni zur Schia gezwungen worden war.“

Sufis glauben, wenn jemand einen Scheich (= Lehrer) um Unterweisung bittet, er sich auch durch ihn an Mohammed wendet, und eine geistige Verbindung wird hergestellt. Durch Mohammed wird der Sufi belehrt und mit Gott verbunden. Ali als Schüler des Propheten wird als Hauptfigur und Beispiel solcher Verbindung gesehen, wie es aus den als authentisch betrachteten Hadithen hervorgeht, in denen Mohammed sagt: „Ich bin die Stätte des Wissens und Ali ist das Tor.“

Vor allem in der Zeit unseres Mittelalters wurde der Sufismus als bedeutendster Teil des Islam ver­standen, und breitete sich von Indien, Zentral- und Südasien über Anatolien (Türkei), Irak, den Balkan bis Libyen, Sudannach Senegal aus, und zwischen 13. und dem 16. Jhd. entstanden vielerorts Zentren oder „Logen“ (zawiya, khanqah, or tekke) mit Schulen mit angeschlossenen Unterkünften, Küchen, Bibliotheken – auch für ärmere Schüler. Die Namen der verschiedenen Orden leiten sich in der Regel von ihren Gründern ab, und sie haben auch eigene Embleme und Symbole.

Erst im 20. Jhd. gerieten die traditionellen Rituale und Doktrinen unter massiver Kritik – entweder durch Islamische Reformer, oder durch Nationalisten. Sie wurden verdrängt, die Logen geschlossen oder gar verboten. Mitunter verschmolzen ihre sufischen Vorstellungen, gemeinsam mit türkischen und persischen Vorstellungen, mit den der Aleviten (z.B. in Zypern, Griechenland, Albanien, Bulga­rien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Kosowo, und neuerdings auch in den USA.) In Afrika finden wir Sufis in Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko und Senegal.

 

Glaubensvorstellungen und Mystik

Das Streben eines Sufis gilt der Transzendenz, d.h. der Loslösung von Besitz, von sinnlicher Wahrneh­mung, individuellen Eigenschaften, vom eigenen Ego und die Auflösung in das eine, göttliche Prinzip. Damit ist das oberste Ziel der Sufis, Gott in diesem Leben so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen. Die transzendente Wahrheit muss erfahren werden, nicht nur intellektuell erfasst und verstanden werden. Dabei wird Gott oder die Wahrheit als „der Geliebte“ erfahren. Der Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Niedere Triebe und das Ego sollen in positive Eigenschaften und eine reine Seele verwandelt werden. Diese letzte Stufe, die mystische Gotteserfahrung als Zustand des Einsseins mit Gott (tauhid) als „unio mystica“,  bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten. Über das eigene, gereinigte Selbst wird ein Weg in das unbe­wusste der Seele gesucht und von dort ein Tor zur Ebene des Göttlichen. Während die traditionellen Muslime auf ein Leben nach dem Tod und dem Jüngsten Gericht im Paradies hoffen, versuchen die Sufis die göttliche Präsenz bereits zu Lebzeiten zu erfahren, und damit in den vorirdischen, vorschöp­ferischen Zustand „fitra“ zu gelangen, dem Zustand der Reinheit und Unschuld.

Der Begriff Sufismus wurde 1821 in Deutschland geprägt. Ein Sufi bezeichnet sich selbst in der Regel nicht als solcher, vielmehr verwenden Sufis für sich Bezeichnungen wie „Menschen der Wahrheit“, „Meister“, die „Nahen“, „Suchende“, „Schüler“ oder „Reisende“. In der Regel lehnen sich die ver­schiedenen Sufi-Orden entweder an die sunnitische oder schiitische Lehre an, oder an beide an oder betrachten sich als eigene islamische Richtung. Die Vertreter eines „universellen Sufismus“ oder „pantheistischen Neo-Sufismus“ meinen, dass die Zugehörigkeit zum Islam keine Bedingung für den Sufi ist. Nach Meinung der Anhänger des universellen Sufismus existiert diese Form der Mystik aber schon seit Bestehen der Menschheit, damit schon länger als der geschichtliche Islam. In frühislami­schen Zeit lehnten einige Sufis ohnehin die Schari’a als Einengung des wahren Glaubens ab. Daher konnten auch westliche nicht-islamische Sufi-Ableger entstehen. Heute werden Sufis z.B. in Iran, Pa­kistan und Saudi-Arabien verfolgt. Islam-Fanatiker verübten Attentate und Selbstmordanschläge auf Sufis und deren Einrichtungen und heiligen Schreine. Die Wahabiten in Saudi-Arabien, die sogar die Gräber von Mohammed und dessen Verwandte und Anhänger zerstören ließen, verdammen Musik und Tanz und betrachten Sufis als gotteslästerliche Ketzer. – Die Derwische selbst sehen hingegen im „Dschihad“ allein den  Kampf eines jeden Einzelnen um sein eigenes Seelenheil und keine Aufforde­rung zum Krieg.

Der Begriff „Derwisch“ (darwīsch) leitet sich vom persischen Wort dar = Tor, Tür ab. Der von Persien bis Indien bunt gekleidete Derwisch wandert gewissermaßen über die Schwelle zwischen diesseitiger irdischer Welt und jenseitig göttlicher Welt hin und her. Der persische Begriff steht allerdings auch für „Bettler“, der von Tür zu Tür wandert. Oder auch für einen asketischen Mönch, Zauberer, Magier oder Fakir. In Ägypten oder in der Türkei arbeiten Derwische (Kadiri) oft z.B. als Fischer. Die uns be­kannten tanzenden Derwische in der Türkei sind dem Mevlevi-Orden zugehörig. Meist tragen typi­sche Derwische eine spitze Kappe (oder turmartigen Hut) und eine umgehängte Bettlertasche. Die Bektaschi, eine andere Gruppe (eng mit den Aleviten verwandt) konsumieren beim rituellen Mahl (sofra = „Tisch“) bei Zusammenkünften zu Salz und Brot auch Alkohol (Wein) und es gibt dabei keine Geschlechtertrennung. – Kann man sie wirklich zu den Muslimen zählen?

Auf seinem Weg durchwandert der Sufi oder Derwisch geistig folgende Stationen:

  1. Schari‘a („islamisches Gesetz“)
  2. Tariqa („der mystische Weg“)
  3. Haqīqa („Wahrheit“)
  4. Ma’rifa („Erkenntnis“)

(Bei den Aleviten kommt Ma’rifa vor Haqiqa, da das Göttliche die „einzige Wahrheit“ ist.) Das religi­öse irdische Gesetz Scharia regelt die individuellen Rechte zwischen den Menschen: „dein und mein“. Tariqa meint hingegen, wie etwa bei Derwischen oder in den Orden vorgesehen, jeden geschwister­lich und mit Liebe zu behandeln, und Freude wie Eigentum miteinander zu teilen: „meins ist deins und deins ist meins“. Fortgeschrittene Sufis der Stufe Haqiqa erkennen, das alle Dinge von Gott kom­men, wir gar nichts besitzen, sondern bestenfalls verwalten: „weder meins noch deins“. Auf dem Ni­veau der Erkenntnis (Ma’rifa) gibt es „kein ich und kein du“. Der einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist. Dies ist das oberste Ziel des Sufismus.

 

Die Rose und die Liebe

Der Sufismus gebraucht oft das Symbol der Rose: die Dornen stehen für die Scharia, der Stängel für die Tariqa (der Weg), die Blüte für die Haquqa (Wahrheit) und der Duft für Ma’rifa, die Erkenntnis. „Hierbei lässt sich folgende Sichtweise der Sufis erkennen: Die Dornen schützen den Stängel, ohne sie könnte die Rose leicht von Tieren angegriffen werden. Ohne den Stängel haben die Dornen allein aber keinerlei Bedeutung; es ist deutlich zu sehen, dass die Sufis Schari’a und Tariqa unbedingt als zusam­mengehörig betrachten. Der Stängel ohne Blüte wäre nutzlos, und auch eine Blüte ohne Duft hätte keinen Zweck. Der Duft alleine ohne die Rose hätte aber ebenfalls keine Möglichkeit zu existieren.“

Der Mittelpunkt der echten sufistischen Lehre ist die Liebe (arabisch hubb, ‚ischq, mahabba), die im­mer im Sinne von „Hinwendung (zu Gott)“ zu verstehen ist. Die Sufis glauben, dass sich die Liebe in der Projektion der göttlichen Essenz auf das Universum ausdrückt. Dies lässt sich oftmals in den „be­rauschten“ Gedichten vieler islamischer Mystiker erkennen, die die Einheit mit Gott und die Gottes­liebe besingen. In der Symbolik des Sufismus steht der Wein für die Liebe Gottes, der Sheikh für den Mundschenk und der Derwisch für das Glas, das mit der Liebe gefüllt wird, um zu den Menschen ge­tragen zu werden.

Die Sufis glauben, dass Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat, der im tiefsten Herzen verborgen ist. Gleichzeitig wird dieser Funke durch die Liebe (Hinwendung) zu allem, was nicht Gott ist, verschleiert, genauso wie durch die Aufmerksamkeit gegenüber den Banalitäten der (materiellen) Welt, sowie durch Achtlosigkeit und Vergesslichkeit.

Der Perser al-Ghazālī (Abū Hāmid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazālī, 1055-1111) bezeichnet die Liebe zu Gott als das eigentliche Endziel der Stationen auf dem Weg zu Gott. Als ihn selbst die Familie ablenkte und finanzielle Dinge plagten, fand er keine Ruhe und Stille, und die Weisheit war ihm ver­hüllt. Erst später konnte er dies ändern. Er sagt daher, dass nur Gott allein der Liebe (und Hinwen­dung) würdig ist; die Liebe zu Muhammad nennt er lobenswert, weil sie nichts anderes ist, als die Liebe zu Gott. Die Liebe zu den Gottesgelehrten und Frommen ist ebenfalls lobenswert, denn „man liebt diejenigen, die den Geliebten lieben“. Isa bin Maryam (Jesus, Sohn der Maria) wird im Islam oh­nehin als der „Prophet der Liebe“ gesehen. Die Liebe zu Gott ist das einzige, was wirklich zählt (und zählen sollte). Auch nicht Vorstellungen von göttlichen Strafen oder Belohnungen. – Man sah, wie man erzählt, die Mystikerin Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaisiyya (gestorben 801) in den Straßen von Basra, mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, ant­wortete sie: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Para­dies anbete, sondern einzig und allein aus Liebe zu Ihm.“

Einer der wichtigsten Vertreter des Sufismus war Muhyiddin Muhammad b. ‚Ali Ibn ‚Arabi (1165-1240) aus Murcia in Andalusien. Ibn ‚Arab war ein Lehrer, Philosoph, Mystiker und Poet. Von seinen 800 Schriften sind noch 100 erhalten, vor allem widmete er sich der Kosmologie, der Einheit in aller Schöpfung und der göttlichen Vereinigung. Er sagte selbst, seine Schriften wären von Gott isnpiriert.

 

Versammlungen und Meditation

Die spirituellen wöchentlichen Versammlungen, zu denen Sufis sich im Kreis sitzend oder stehend treffen,  mit Gebeten, Meditation, Musik, gewissen rituelle Körperbewegungen und Atemübungen, werden von einem Lehrer (Scheich oder Murschid) geleitet. Das waren ursprünglich vorbildliche, an­gesehene spirituelle Autoritäten. Das wurde später verdrängt durch die „Blutlinie als Erbe des Pro­pheten Mohammed“ verdrängt, die mehr und mehr Gewicht gewann. Der Scheich wurde nur noch als Vermittler und Fürsprecher betrachtet. Die unterrichtenden Sheiks erzählten und erzählen den Derwischen bei den Versammlungen Lehrgeschichten mit tiefgründigen Bedeutungen. Es soll dabei nicht (nur) die Verstandesebene angesprochen werden, denn die Sufi-Lehre besteht nicht nur aus der Theorie, sondern vielmehr aus dem inneren Begreifen und dem praktischen Handeln. Analog dazu sagen sie, dass es zwar viele Bücher über den Sufismus gibt; den Sufismus in den Büchern zu finden sei aber unmöglich. Analog dazu betrachten die Sufis einen Religionsgelehrten, der sein Wissen nicht praktiziert, als einen Esel, der eine schwere Last an Büchern trägt, die ihm aber nichts nützen, weil er schließlich nichts damit anfangen kann.

Durch tägliche Meditationen (dhikr) und geistige Übungen (chalwa) wollen Sufis Gott nahe kommen. (Dies wird im orthodoxen Islam sehr kritisch gesehen oder gar als Ketzerei und Gotteslästerung ver­dammt. Wer es unter strenggläubigen Muslimen wagt, zu behaupten, er hätte – oder sei – die „Wahrheit“, also Gott, wurde und wird öffentlich hingerichtet.) – Einen persönlichen Lehrer zu fin­den, ist für die eigene Entwicklung hilfreich. Es wird erwartet, vor allem in gewissen Orden, dass die Schüler ihrem Lehrer, lange Zeit dienen, selbst über den Unterricht hinaus. Zur Meditation rezitieren Sufis bestimmte Stellen aus dem Koran oder wiederhole göttliche Attributen (z.B. die 99 Beinamen Gottes). Denn die göttlichen Namen und Attribute sind über die gesamte Welt verteilt, und IN ihr. – Ein weiteres Mittel, um sich durch Dhikr weiter zu entwickeln, ist die Musik, die meist gesungen die Namen Gottes rezitiert, oder die Liebe zu Gott und zu Mohammed besingt. Kommen Sufis einem me­ditativen „unbewusst kreisenden, schaukelnden“ Zustand nahe, geraten sie mitunter in Trance. Ei­nige Sufigemeinschaften verletzen sich in Trance absichtlich, indem sie Wangen und Körperteile durchstechen, um ihr völliges Vertrauen in Gott unter Beweis zu stellen. Mevlevi-Derwische aus der Türkei (z.B.) drehen sich während der Meditation (dhikr bzw. Tanz, sema) um die eigene Achse, um in Trance zu geraten. Die Meditation als Mittel zur Vervollkommnung wird so geschätzt, dass man auch mitten in weltlichen Belangen immer wieder kurz innehalten und meditieren und beten solle. Eigent­lich soll das gesamte irdische Leben zu einem Gebet werden.

 

Der Sündenfall – Naqshbandiyya und Cemaat

In der Türkei war die AKP unter Recep Tayyip Erdogan ursprünglich eng mit der Fethullah-Gülen-Be­wegung verbunden, die er heute (nach 2015) als extremistisch, staatsfeindlich und terroristisch be­trachtet. Gülen, der neben 60 Bücher noch Essays und Gedichte schrieb, war ein Anhänger des Kur­den Said Nursi (1876-1960), der ein philosophisch-religiöser Wegbereiter des Islamismus als Antwort auf atheistischen Materialismus und Marxismus war. Gülen war ein erzkonservativer neoliberal ge­sinnter Prediger, der hunderte Privatschulen bis in die ehemals sowjetischen Turkstaaten, Pakistan und Malaysia gründete. Sein Einfluss existiert auch in Bosnien-Herzegowina, Kosowo, Albanien – auch in Deutschland. Außerdem gründete Gülen  zahlreiche Bildungsvereine, Radio- und TV-Sender, Zeitungen, Wohnheime, Gewerkschaften, Versicherungen, Unternehmungen und sogar zwei Kran­kenhäuser. Sein Netzwerk hat an die vier Millionen Anhänger.

Die Gülen-Bewegung wurzelt in der Sufi-Tradition, und zwar in der ursprünglich persischen Tradition der Naqshbandiyya (Siddiqiyya nach Abū Bakr as-Șiddīq als angeblicher Lehrer-Vorfahr). Dieser Orden unterscheidet sich allerdings von allen anderen Sufi-Orden dadurch, dass er sich in die sozialen und politischen Angelegenheiten einmischt.  Die Einflussnahme und Steuerung  der Politik im Sinne der Scharia waren immer für den Orden wichtig. Seit ihrer Entstehung im 13. Jh. verzichtete dieser Orden auf Musik, Tanz und Gesang in ihren Zeremonien, sie verrichteten schweigenden ihre dhikr. Es gab eine enge Beziehung zwischen Meister und Jünger durch eine „gegenseitigen Versenkung“, bei der der Jünger das Bild seines Meisters in seinem Herzen behält. Der Meister ist für ihn wie ein Spiegel, der den Propheten reflektiert und durch ihn strömt das göttliche Licht weiter zu ihm hin. Ein weiteres Merkmal bildeten private Gespräche zwischen Meister und Jünger (sohbet).

Im 17. Jhd. wollten die Mogul-Sultane im Indien den Islam mit dem Hinduismus verbinden. Ihr Anfüh­rer war Scheich Ahmad Sirhindi (1564-1624). Statt die Sufi-Theologie der „Einheit des Seins“ mit Gott und die Lösung von der irdischen Scharia sollte (wieder) eine „Einheit der Schau“ nach oben ange­strebt werden, und die Scharia wieder eine Rolle spielen. Um als Sufi akzeptiert zu werden, musste man die äußeren Vorschriften der Scharia befolgen, welches Sirhindi als dem Weg der Sufis überle­gen ansah. Der Jünger kann nicht mehr selbst mit Gott eins werden, sondern nur „Gott schauen“, und zwar durch die Vermittlung des Meisters als „Repräsentant Gottes“. In der Schau werden Gott und seine Schöpfung als unterschiedlich wahrgenommen, und die höchste Stufe der spirituellen Ent­wicklung bestünde nur (noch) in der totalen Unterwerfung unter Gott. Die islamischen Gelehrten (ulama) sollten die eindeutigen Verse des Koran für Urteile anwenden, die Sufis über die mehrdeuti­gen meditieren. Sirhindi betrachtete außerdem in Indien die Praxis von Schiiten und bisherigen Sufis als Irrglauben und ungläubige Hindus ohnehin als nur so viel wert wie Hunde.

Die zweite Veränderung der Naqshbandiyya war das Werk von Dia‘ al Din Khaled (1776-1827) in Da­maskus.  Er entwickelte den soziopolitischen Aktivismus und die Bindung an den orthodoxen Islam als Hauptbestandteile des sufischen „Naqshbandiyya Khalidiyya“. Nicht Theologie, sondern religiöse Er­ziehung war die Hauptbeschäftigung der Bruderschaft. Außerdem musste kein Jünger (mit nun kürze­rer Ausbildung) mehr den Meister selbst sehen. Es reichte, nur das Bild des Meisters im Geist zu ver­gegenwärtigen. Diese Richtung breitete sich nun überall im Osmanischen Reich aus. Anders als die fanatischen Wahabiten in Arabien, waren diese Leute aber der Moderne gegenüber aufgeschlossen. Schließlich unterstützten sie die Jungosmanen, bekämpften aber die Jungtürken und nach dem 1. Weltkrieg Kemal Atatürk (1924 Abschaffung des Kalifats in der Türkei), der 1925 alle Sufi-Orden ver­bot. Die Naqschbandis verlagerten heimlich ihre Tätigkeiten von Logen in Moscheen und Privatwoh­nungen und überlebten, benannten sich auch um von „Bruderschaft“ (tariqat) in eine Gemeinschaft (cemaat) von Laien. Als Ersatz für charismatische Meister stünden nunmehr die Schriften von Sirhindi (maqtubat) zur Verfügung. Sie sind neben dem Koran auch eine Hauptlektüre bei der Mission in Deutschland.

Said Nursi schaffte die traditionelle Überlieferungskette (der Blutlinien) völlig ab, der Meister wurde durch Schriften ersetzt, die Gemeinschaft wurde zum Leserkreis, die die Koranexegese des Nursi las. Der Glauben wurde in dem des Islam integriert. Die Welt gilt als ein Ausdruck der Attribute Gottes und das Studium der Naturwissenschaften wird so zur Pflicht. Der Weg zu Gott ist nicht mehr der Pfad der Sufis, sondern vielmehr die Schule und die Universität. Daher legte auch Nursis Schüler Gü­len so viel Wert auf gute Bildung und Leserkreise (genannt „Lichthäuser“), in dem neben den Schrif­ten von Nursi die von Gülen als „sobhet“ studiert wurden. Gülen gründete auch eigene Nachhilfeein­richtungen, von der cemaat streng kontrolliert, und von dort wurden auch Leute in seine Gemein­schaft rekrutiert. Dann kamen noch viele andere Bereiche, wie Wohlfahrt, Medien, Wirtschaft usw. dazu, die allesamt in In- und Ausland ein Netzwerk bildeten. Der Dienst an anderen (hizmet) wird fälschlich im Westen als „Wohltätigkeit“ verstanden, aber bei den Naqschbandis ist die eigene Voll­kommenheit nur erreichbar, wenn sie die Gesellschaft in Richtung Scharia lenken, eben z.B. durch praktizierte Wohlfahrt, und durch die Verbreitung des Islam. Die Zugehörigkeit zur Cemaat erfolgt nicht durch eine offizielle Aufnahme, sondern durch Arbeit für sie und durch Akzeptanz der Lehre. Und je nachdem, wie fleißig und willig man sich darin zeigt, steigt man in der Hierarchie auf. Man soll äußerlich „mit der Schöpfung sein“, aber innerlich mit dem Schöpfer. Das gesamte Leben wird dadurch zu einem Gottesdienst. – Wie perfekt das System Gülen ist, zeigt sich, dass man darüber kaum was bei Wikipedia (deutsch) zu lesen bekommt…

Gülen gab sich im Westen als sufistischer Philosoph aus, verfolgte aber insgeheim ständig dieselben politischen Ziele wie die sunnitische Muslimbruderschaft und die Salafisten. In Wahrheit wollte er ei­nen islamistischen Staat. Gülen „islamisierte“ sozusagen den türkischen Nationalismus: der Abfall vom Islam sei (todeswürdiger) Hochverrat, Unglaube sei ein Verbrechen, Frauen seien immer unter­geordnet. Freilich gab er sich in der Öffentlichkeit moderat und pazifistisch, seine wahre Macht war aber der „tiefe unsichtbare Staat“ im Hintergrund der Türkei, die keinen laizistischen Staat und keine Kemal-treues Militär duldete, und die die Gesellschaft mit einem „Netz fundamental-muslimischer Intelligenz“ unterminierte.  Wikipedia: „Kritiker beschuldigten die Gülen-Bewegung, bereits während ihres bis zum Jahr 2013 andauernden engen Bündnisses mit der türkischen Regierungspartei AKP, ih­ren damaligen Einfluss auf Polizei und Justiz zur massenhaften Inhaftierung Tausender politischer Gegner genutzt und dazu Ermittlungsverfahren manipuliert, Beweise gefälscht und ihre Medien zur politischen Diffamierung missbraucht zu haben.“ (…) „Noch 1987 säuberte die Militärführung die Mi­litärakademie von Anhängern Gülens, dem sie in internen Berichten (zuletzt 1992) vorwarf, dass er unter dem Vorwand, sich für eine Ordnung einzusetzen, in der man islamisch leben könne, tatsäch­lich langfristig eine islamistische Revolution und die Einführung des islamischen Rechts (Şeriat), vor­bereite. Zu diesem Zweck erweitere er systematisch seinen Einfluss im Medien- und Bildungssystem, unterwandere Militär- und Polizeischulen und bilde Selbstmordkommandos aus.“

Erdogan wollte unverkennbar selbst einen nationalen und islamischen fundamentalistischen Staat nach eigenem Geschmack als neues Osmanisches Reich schaffen, eigene Netzwerke  und sich selbst als Führer der islamischen Welt darstellen, und zwar ohne die Konkurrenz eines Gülen, der ihn mit öffentlichen Korruptionsvorwürfen politisch schwächen wollte. Was zum Putschversuchs-Vorwurf 2016 gegen Gülen führte. 2018: eine in Deutschland aufgedeckte ausgeklügelte PR-Strategie zeigte, wie die Gülen-Bewegung schon seit Jahren gezielt gegen kritische Journalisten in Deutschland vor­ging. – Seit 2016 lebt der mächtige neoliberale Gülen in den USA (wo auch sonst?) und wird von dort nicht ausgeliefert. Obwohl… In der „Wirtschaftswoche“, noch 16. Juli 2016: Gülen vertrat „eine mysti­sche Form des Islams mit einer entschiedenen Betonung von Demokratie, Bildung, Wissenschaft und Dialog zwischen den Religionen (…). Anhänger des Imams begannen, an die 1000 Schulen in mehr als 100 Ländern zu gründen. In der Türkei entstanden Universitäten, Krankenhäuser, Wohltätigkeitsorga­nisationen und ein großes Medienimperium der Gülen-Bewegung. (…) Im Mai wurde einer Gülen-Schule in Texas vielfacher Visabetrug vorgeworfen: Türkische Lehrer seien in großer Zahl in den US-Staat geholt worden und es seien sowohl Staats- als auch Bundesgesetze verletzt worden, indem sie höher als amerikanische Lehrer bezahlt worden seien. Zudem habe das Netzwerk, Harmony Public Schools, bei Ausschreibungen türkische Anbieter bevorzugt.“

Wobei Erdogans Einfluss heute ausgedehnt wird alle, die außerhalb der Türkei mit türkischer Ab­stammung leben. Ein liberaler, laizistischer Staat und eine moderate Religion war nie Erdogans Ziel, so scheint es, sondern gegenüber dem Westen anfänglich nur Mittel zum Zweck. Islamische Orden sind heute in der Türkei verboten – ausgenommen (aus touristischen Gründen?) einzig der Mevlevi-Orden der Rifa’iyya, der mit Cemalnur Sargut von einer Frau geleitet wird, und deren Mitglieder aus der oberen Mittelschicht stammen. Ihr Orden (der tanzenden Derwische) hat auch einen Lehrstuhl für Sufismus an der Universität von Istanbul. Die außergewöhnlich starke Rolle von Frauen bei den türkischen Rifa’iyya geht auf den Ordensvater Kenan Rifai zurück. Rifai benannte als seine direkte Nachfolgerin eine Frau, Samiha Ayverdi, die nach seinem Tod 1950 an die Spitze des Ordens trat. Von ihr übernahm wiederum Cemalnur Sargut die Führung.

Sargut: „Sufismus ist der Prozess, in dem der Mensch zur inneren Ruhe findet, indem er eine Bezie­hung zu seinem Schöpfer aufbaut und sein zersplittertes Sein zum Ganzen zusammenfügt. Wenn die­ser innere Frieden erreicht ist, dann findet der Mensch in dieser Welt das Himmelreich; und wer in dieser Welt das Himmelreich findet, dem wird es in jeder Welt beschieden sein. Das ist Sufismus.“ (…) „Wenn wir unterschiedliche Ansichten akzeptieren können und wenn wir verstehen, dass jedes Ge­schöpf den Namen Gottes trägt – dass nicht nur Menschen, auch Tiere und Pflanzen und sogar ein Stück Holz ein Teil von Gott sind. Dieses Gefühl gilt es zu finden, was übrigens viele Moslems auch nicht wissen – aber das ist die Erfüllung der islamischen Mystik, wir nennen es den Höhepunkt. Tole­ranz, Liebe, die Ansichten aller Menschen zu achten – das ist die Essenz des Sufismus.“

https://www.youtube.com/watch?v=8sVIzZwDuzI (German / Deutsch, with under titles in English, 8 min.) – Youtube, 31.8.2015

https://www.youtube.com/watch?v=JSoU_RB-EXE (in English, 18 min.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus

https://www.deutschlandfunk.de/politischer-islam-in-der-tuerkei-erdogan-hat-die-tuerkei-in.886.de.html?dram:article_id=420390

https://www.deutschlandfunk.de/mystik-in-der-tuerkei-eine-frau-leitet-einen-sufi-or­den.886.de.html?dram:article_id=411095

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClen-Bewegung

Ghadban, Ralph: „Die Sufi-Dimension der Gülen-Bewegung“, KAS Berlin, 18.2.2014. Online aus dem web am 26.6.2019:  http://www.ghadban.de/de/wp-content/data/Die-Sufi-Dimension-der-G%C3%BClen-Bewegung1.pdf

https://en.wikipedia.org/wiki/Sufism

Ich habe hier einige bemerkenswerte Links gesammelt, aus dem Web am 10.1.2013, Quelle wie im Link angegeben!

Diese Beiträge belegen, wie sehr „höhere Tierarten“ nichts anderes sind als Mitgeschöpfe bzw. uns „fremde Lebensformen“ auf diesem Planeten, die aber ebenfalls das Recht auf Leben und gute Behandlung haben sollten, und wie sehr das „Säugetier Mensch“ mit seinem spezialisierten Großhirn“ in seinem Größenwahn und Unverständnis die Tiere (als fremde Lebensform) unterschätzt, benachteiligt, rücksichtslos ausbeutet und ohne Verstand und Ethik ermordet. Und ich wünschte, die Menschen alle könnten das Unrecht, das sie tun, auch im Herzen endlich fühlen:

Katze bringt Grabbeigaben und trauert am Grab: http://www.krone.at/Haustiere/Kater_besucht_taeglich_das_Grab_seines_Herrchens-Treuer_Italiener-Story-346980

Katze entdeckt, dass nur Nahrung für ihr Rudel nach Hause zu bringen nicht ausreicht: http://www.youtube.com/watch?v=fDX7tevXO1E

Hunde, die lieben: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/35329/2/1, http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/35329/1/1

Straßenkater versucht 2 Stunden lang verzweifelt, seine angefahrene Katzenfreunde wiederzubeleben: http://www.youtube.com/watch?v=gorJf08WoTk

Erwachsene Löwen küssen menschliche Freunde, so z.B.: http://www.youtube.com/watch?v=cmotCGKr4bk

Affen halten Haustiere: http://www.youtube.com/watch?v=0q4ManKz7bc
Dabei gab es eine Doku, in der wilde Paviane bei einer Müllhalde (mitten in einem noch halbwegs grünen Naturbereich!) gezeigt wurden, die den dort lebenden verwilderten Hunden ihre Welpen stehlen (!) und sie als eigene Haustiere aufziehen. Diese werden dann zum Schutz gehalten und verteidigen „ihre“ Affenhorde später. ( http://www.youtube.com/watch?v=U2lSZPTa3ho )

Aufrecht gehender Gorilla: http://www.youtube.com/watch?v=OvselT4MKbw

Bonobo kommuniziert mit Mensch: http://www.youtube.com/watch?v=fiRWhYjNA88, http://www.youtube.com/watch?v=l_FgwJ2-E-g -Anm.: Kanzi konnte auch per Lexiogramm beigebrachte Infinitiv-Verben und Adjektive verwenden und so eigene Wünsche ausdrücken, wie es aus einer früheren Doku vor Jahren hervorging. Z.B. (Ich) will lieber Banane. (Ich) will nicht Ball. (Ich will) trinken Limonade. Schokolade (mag ich, ist) gut. (Anderen Bonobos brachte man für die Forschung auch Begriffe der Gebärdensprache zum Gebrauch bei.)

„Höhere“ Tierarten können eine bestimmte Anzahl einfacher menschlicher Worte erlernen und verstehen, angefangen mit ihrem Namen. Anders herum versuchen sie mit Menschen zu kommunizieren. Hunde schnappen sich einen leeren Wassernapf und stellen ihn z.B. vor den Menschen hin. Und meine Katzen setzen sich z.B. neben den leeren Futternapf und fixieren mich mit den Augen. (Wie ich schon erwähnte – wenn Katzen wollen, dass man wohin sieht und Zusammenhänge begreift, dann leiten sie die Aufmerksamkeit von Mensch oder Artgenossen mimisch-gestisch dorthin. Z.B. durch Starren, (Kratzen, typisches Rufen etc.). Sie selbst reagieren erkennend ebenso, wenn der Mensch seinerseits das betont tut. Und wenn meine Katze zuhause MICH ruft und genau MICH meint, ruft sie weinerlich „Jahuuuu“. Macht sie bei anderen Katzen oder Menschen definitiv NICHT. Jahuuu gehört, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, nicht zu den Baby-Mama-Ruflauten. Meine Katze reagiert übrigens schneller, wenn ich meinerseits Katzen-Rufe verwende oder ihren Namen singe (!) statt ausspreche. Nicht weil sie das sonst nicht verstehen würde, nein – sie ist über soviel „Höflichkeit“ von mir entzückt und belohnt das einfach.

Raben „fischen“ mit Werkzeug nach Maden: http://www.youtube.com/watch?v=5_xpJWnXgEE

Hund rettet Hund: http://www.youtube.com/watch?v=f5OEKA47xFI

Hund trauert um 12jährigen ermordeten Jungen: http://www.youtube.com/watch?v=iUqcmTzpuSk

Grausamer Umgang mit Hunden in Ukraine: http://www.youtube.com/watch?v=gwBN69-esPs

Tierleid durch Animalhoarding: http://www.ltk-hessen.de/fileadmin/www_ltk_hessen_de/altbestand/pdf/ofensberger-animal-hoarding.pdf

Alptraum Schlachthof, oder: „Man ist letzlich das, was man isst“: http://www.youtube.com/watch?v=_rGnco_4zEg, http://www.youtube.com/watch?v=u-i83e3AyeM, http://www.youtube.com/watch?v=JI2BwU9UMqo

Eigentlich gibt es soviele Beispiele, dass man sie niemals alle je aufzählen könnte. Wer selbst Haustiere hat und Empathie genug, sie auch innerlich zu verstehen, der weiß das alles bereits…

Der Killer in us

Ich überlege mir immer wieder, warum viele Menschen nicht imstande sind, sich in andere Geschöpfe hineinzufühlen, nicht in Ihresgleichen und schon gar nicht in Tiere oder Pflanzen. Nun gut, Pflanzen sind von uns biologisch sehr verschieden, und zu Insekten usw. werden wir ebenfalls schwer einen Zugang finden. Aber was ist mit höheren Tieren?

So viele Tiere werden abgeschlachtet – kann einen nicht verwundern, machen doch die Menschen das auch mit anderen Menschen. Menschen probieren ihren Killerinstinkt ja immer zuerst am Tier aus (z.B. bei der Jagd, und dann, wenn möglich, am Menschen, z.B. im Krieg.) Aber Tiere werden auch ohne Notwendigkeit gequält und getötet. Ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Und das weist für mich schon auf eine schwere Störung in der Empfindungsfähigkeit hin. Vielleicht ist es so, dass eine natürliche Emotionsschranke dafür sorgt, dass wir keine Empathie mit unseren Beutetieren haben, andernfalls könnten wir sie gar nicht essen. Freunde hingegen können wir kaum essen und Verwandte schon gar nicht (und kannibalistische Menschen machten das aus einem anderen, rituell-religiös-magischen Grund). Je fremder uns ein Lebewesen ist, desto weniger Skrupel scheinen wir zu haben, es zu töten und/oder zu verspeisen. Vor allem, wenn es die „passende“ Größe hat und man es gefahrlos kann. Freunde hingegen verschonen wir, weil wir viel Gemeinsames in ihnen entdecken.

Schlussfolgerung: Offensichtlich sehen viele Menschen Tiere als fremd und minderwertig an, weil sie zuwenig Gemeinsamkeiten mit ihnen entdecken. Wobei Menschen diese Einstellung sogar auf Fremde, Behinderte und Konkurrenten übertragen. Sich selbst betrachten sie als etwas ganz anderes als ein Tier, etwas fast Göttliches, als „Krone der Schöpfung“. Sie sehen, dass die Tiere zwar etliche Dinge biologisch mit uns gemeinsam haben, und sogar die menschlichen Embryonen unsere evolutionären Tierstufen nachvollziehen, aber man spricht dennoch den Tieren z.B. Emotionen ab. Heute, in unserer Kultur vielleicht weniger, früher jedenfalls betrachtete man Tiere noch als „Bioautomaten“ die keine Emotionen oder Gedanken haben, sondern einfach in ihren Reaktionen angeborenen Programmen folgen. Das führte dazu, dass man „überflüssige, lästige Kätzchen“ in einen Sack mit einem Stein steckte und einfach ertränkte. Oder dass Hundebesitzer einfach auf Bello 1 den Bello 2, 3, 4 usw. folgen ließen und so taten, als wäre das immer derselbe (!) Hund. Ein Tier hatte somit keine „individualität“ oder Persönlickkeit und sein „Wert“ als Bioautomat berechnete sich rein nach seinem Nutzen. Kein Nutzen = kein Wert! Übrigens sprachen Wissenschaftler diesem „Automaten“ sogar Schmerzempfinden ab… Noch heute ist man sich nicht einig, ob Fische Schwerzen empfinden können oder nicht…. (Und doch reagieren sie, oder…?)

Tiere – nur organische Automaten ohne Emotion?

Mit dieser zurückgebliebenen  Einstellung konnte man ungestraft mit Tieren tun, was immer man wollte. Die Erfindung des Elektrischen Stuhls in den USA durch Thomas Edison beruhte auf dem Streit mit George Westinghouse über die Gefährlichkeit von Wechselstrom gegenüber Gleichstrom. (Wechselstrom war die physikalisch effektiver für Geräte.) Trotz Proteste von Westinghouse wurde Edison nicht müde, zwecks Verteufelung des Wechselstroms zugunsten seiner Gleichstrom-Erfindungen die öffentliche grausame (und langsame) „Exekution“ von Tieren mit Wechselstrom vorzuführen, wobei die Tiere entsetzlich dabei litten. Er exekutierte einen gefährlichen Elefanten (der zu groß war und einfach nicht sterben wollte), hunderte Haustiere (gegen eine Fangprämie eingefangen und an ihn verkauft), und am Ende wurde so der Elektrische Stuhl zur Hinrichtung von Menschen erfunden. http://de.wikipedia.org/wiki/Elektrischer_Stuhl

Zykon B, mit dem in Ländern heute noch Tiere in „Tierheimen“ vergast werden, wurde gegen Menschen im Holocaust eingesetzt, nachdem man es gegen Insekten und Tieren erfolgreich eingesetzt hatte und nachdem die Verwendung von Giftgas bereits im 1. Weltkrieg unglaublich viele Menschen umgebracht und tausende Überlebende durch zerstörte Nerven und Gehirn schwerst geschädigt hat. Voraussetzung für den Holocaust als fabriksmäßig aufgezogener Massenmord war einerseits die Entwicklung der industriellen Ermordung und Zerlegung von Tieren bei Massenschlachtungen am Fließband für die Nahrungskette, z.B. in Chikago, als auch die „Entmenschlichung“ und Entpersonalisierung, Entindividualisierung von Menschen, die man zu Insekten (Parasiten), Tiere (Ratten) und für „behindert, unwert, minderwertig, fremd“ erklärt hat.

Die gemeinsame Seele allen Lebens

Um zu erkennen, dass Tiere eine Seele haben wie wir, müssen wir erst selbst erkennen, dass wir selbst eine Seele haben. Menschen, die derartig grausam mit anderen Menschen oder Tieren umgehen, haben ihre eigene Seele nicht gefunden und erkannt (sofern sie eine haben), sie hören weder ein Gewissen noch empfinden sie Reue und haben keine Empathie für andere Lebensformen. Sie sind vom universellen Sein abgeschnitten. Die Außenwelt spiegelt nur das wider, was in einem ist – in diesem Fall – nicht viel. Wenn wir aber unsere eigene (göttliche) Seele in uns erkennen, erkennen wir sie auch bei den Tieren und damit werden sie einem nicht mehr fremd, sondern verwandt, befreundet. Das ist die wesentliche Voraussetzung dafür, dass man Tiere in ihrer Persönlichkeit, ihrem Wesen und Art achtet, liebt und versteht.

Ich „vermenschliche“ dabei Tiere nicht, sondern ich fühle eine innere Verbindung, eine geistige Brücke.

Ich sehe dem Tier in die Augen, aber ich sehe tiefer als den Augengrund, ich sehe Seele, Emotionen darin, ich sehe seine Stärken und natürlich seine Schwächen („Behinderungen“). Natürlich haben sich Tiere anders spezialisiert als das Tier  Mensch, und haben darum andere Sinne, Überlebensstrategien und Gewohnheiten entwickelt als der Mensch, der vor allem sein Großhirn und das abstrakte Denken als Überlebensstrategie entwickelt hat. (Hätten ja auch Klauen, Hufe und Hörner sein können – Glück gehabt!) Und daher sind uns Tiere in einigen Bereichen überlegen, in anderen Bereichen jedoch (z.B. in der Fähigkeit zu abstraktem Denken, rascher Auffassung und schneller Entschlusskraft) ist der Mensch überlegen. Aber gerade was die Gehirnzentren von Klein- und Mittelhirn betrifft (d.h. Instinkte und Emotionen) sind uns die höheren Tiere ebenbürtig, auch wenn ihre cognitiven Fähigkeiten einfach bescheidener sind. (Hätten sie ein größeren Großhirn, wären sie uns noch ähnlicher!)

Sind geringere intellektuelle Fähigkeiten daher wirklich eine „Behinderung“, ein Makel? Was wir jeweils von der Natur mitbekommen haben sollte genügen, dass wir (Tier und Mensch) imstande sind, in dieser Umwelt so zu überleben, wie wir sind. Darum sind wir, wie wir sind – und nicht, weil wir irgendwie von der Schöpfung bevorzugt wären… Werden die Würfel der Evolution auf unserer Welt neu gemischt, ändern sich die Lebensbedingungen, dann kann sich die Überlegenheit des Menschen im Überlebenskampf rasch ändern…

Ich sehe daher den Tieren in die Augen und sehe meine jüngeren Brüder und Schwestern. Und wie ich sie als solche erkenne und liebe, erkennen sie auch mich.

Gibt es eine bedingungslose Liebe? Kann ein Mensch bedingungslos lieben? Soll er das überhaupt?

Für mich ist Liebe vor allem VERSTEHEN, sich in Einklang setzen können, Eins-sein.

Wenn man etwas oder jemand vollkommen versteht, vielleicht weil man alles selbst mal getan oder erlebt hat (und sich dann weiterentwickelt hat), weil man auch selbst mal in dessen „Schuhen gegangen“ ist, dann bewertet man nicht und hasst nicht. Man versteht, wo der herkommt, wo er jetzt steht, wohin er gehen wird. Verstehen bedeutet nicht, dass man etwas gut heißt, oder alles mit sich machen lässt, oder man jemand grenzenlos deckt egal was er tut. Verstehen heißt einfach, dass man dessen Wesen kennt und weiß, warum er etwas getan hat und nicht anders kann (weil er eben in diesem Moment da auf seinem perslönlichen Level ist und nirgendwo sonst). Und das bedeutet, man heißt zwar etwas nicht gut, aber ist auch nicht böse und hasserfüllt.

Beispiel: wenn meine Katze etwas runterwirft oder auf den Teppich kotzt, dann erfreut mich das zwar nicht, aber sie ist eben eine Katze und macht was eine Katze so macht und dafür, dass sie eine Katze ist, kann ich ihr doch nicht böse sein, oder? Das Lernvermögen von Katzen ist beschränkt.

Wenn nun mein Freund alles runter werfen würde und besoffen auf den Teppich kotzt, dann erfreut es mich auch nicht, aber eigentlich verhält er sich auch nur wie er sich in seinem Bewusstseinsstand eben verhalten muss und ich dürfte ebenfalls nicht böse sein (sofern mir das bewusst geworden ist). Allerdings würde ich diesen für mich unerfreulichen Zustand ABSTELLEN und ihn, mit allem Verständnis und Liebe, vor die Tür setzen, zumindest bis er gelernt hat, sich zu benehmen.

Ich vergleiche das immer auch mit einem Krokodil: ich liebe Tiere und bin für Artenschutz. Ich verstehe auch ein Krokodil und seine einfache Krokodil-Denke und möchte, dass Krokodile leben, aber ich würde nicht mich als Beute für ein Krokodil anbieten und mich beißen und fressen lassen.

Ich setze somit „bedingungslos“ unter Anführungszeichen, denn das hört sich so an, als ob man weder Erwartungen setzt – was ja noch angeht – aber auch passiv alles erduldet und allem zustimmt. Das ist keine Liebe, das ist Masochismus. Zur Liebe z.B. zu Kindern gehört auch ab und an Strenge und ein NEIN. Zur Liebe gehört allerdings auch, dass ich verstehe, dass sich Kinder wie Kinder benehmen müssen, wenn sie nichts anderes wissen und beigebracht bekamen. Wenn sie es nicht besser wissen. Da ist Wut und Böse-Sein für Eltern fehl am Platz. Das gilt auch im übertragenem Sinn: wer geistig weiter sein will, hat auf Schwächere, Kleinere, Unwissendere Rücksicht zu nehmen und sie zu verstehen. Und das bedeutet auch: sie zu lieben, sich innerlich mit ihnen verbunden zu fühlen. Trotzdem.

Gott ist allumfassende Liebe, aber auch Strenge. Es ist uns nicht alles erlaubt, schließlich sind wir keine Mikroben mehr sondern haben ein Gehirn, Erkenntnisfähigkeit und eine Seele. Wenn wir uns nicht entsprechend benehmen, entfernen wir uns selbst von dieser Liebe und dem Licht. Wenn wir meinen, unseren eigenen Willen und unsere eigenen Wünsche höher stellen zu dürfen als die Liebe (z.B. zur Schöpfung, die Rücksicht gegenüber anderen), entfernen wir uns von dieser Liebe und dem Licht.

Da wir als Teil der Schöpfung auch auch ein Teil Gottes sind (und seinen Atem, seinen Geist in uns tragen), haben wir auch Teil an seiner Weisheit und Liebe: wir sind zwar nicht Gott (= das Ganze und viel mehr, darüber hinaus) – aber wir sind als Teil eine „Mini-Miniatur-Ultra-Miniatur-Ausgabe“ von Gott. Insofern kann man Liebe zu sich selbst, Liebe zur gesamten Schöpfung und Liebe zu Gott nicht trennen, sie gehören zusammen. Man kann nicht das eine hassen und das andere lieben.

Gott und und das Gesetz der Liebe
Die Menschen schaffen sich je nach Bewusstsein, Zeitgeist und Kultur die jeweilige Vorstellung von Gott, und dieses Bild ändert sich.
Von diesem Bild („menschliche Interpretation“) muss man die „ewiggültige Wahrheit“ (Göttlichkeit, der Logos) unterscheiden, die auch das mitumfasst, das wir als Mensch nicht oder noch nicht verstehen oder was uns immer (inkarniert) ein Rätsel bleiben muss. Früher stellte man sich Gott/Götter als launige „Übermenschen“ vor, viele Menschen in der materialistischen Zeit können mit diesem antiken Bild nichts mehr anfangen und lehnen mit dem Bild auch die Göttlichkeit an sich ab, es gäbe sie nicht. Genauer gesagt ersetzen sie das alte Bild gegen eine neue (erschaffene)  Gottheit: die der Wissenschaft, oder der Vernunft, oder des Geldes, oder einfach des eigenen Ichs.
Sprechen wir von der ewiggültigen Wahrheit bzw. Weisheit, dem absoluten Sein, der allumfassenden Liebe… oder wie wir dieses Göttliche an sich bezeichnen wollen. Sie ist nicht personell, und doch kann sie sich uns offenbaren, sie spricht mit uns innerlich in Worten oder Bildern (Meditation), man kann mir ihr (sie wie mit jedem Geschöpf, mit Pflanzen, sogar mit Steinen oder Abstraktem) innerlich kommunizieren, sie sendet uns aufbauende liebevolle Energien, und wenn wir dabei die Augen schließen wird es in uns und um uns ganz Licht. Sie ist PRÄSENT, sie ist das Sein an sich, omnipotent und überall. Sie ist überall, in der gesamten Schöpfung, und auch IN UNS, wodurch wir ein Teil von dieser göttlichen Kraft und göttlichem Sein sind. (Sofern wir mit ihr mitschwingen – andernfalls verdüstern wir uns, entfernen uns.)
Geistiges Heilen
Heilen bedeutet nicht nur Energievermittlung, sondern auch die Anregung der (Wieder-)Herstellung dieser inneren/äußeren Harmonie mit dem Sein an sich. Gänzlich oder zumindest (je nach Heiler) teilweise. Soweit der eben selbst mit dem Göttlichen mitzuschwingen in der Lage ist. Und der Betreffende offen ist und sein eigenes dazutut. „Heilen“ muss derjenige sich selbst, und kann derjenige sich selbst, wenn die Harmonie mit dem Göttlichen wiederhergestellt wurde, wenn die aurischen Frequenzen entsprechend sind – zuerst erfolgt die Heilung geistig, dann wandelt sich der schwerfälligere Körper.
Sind allerdings bereits schwere körperliche Schädigungen da und manifest, kann der Mensch diese normalerweise nicht wieder beheben (dazu wäre ein ganz anderes Energie- und Bewusstseins-Level erforderlich), der biologische Körper kann nicht alles regenerieren. Auch der Alterungsprozess lässt sich für uns mit geistigen Mitteln nur hinauszögern, aber nicht für immer aufhalten. Was aber rein geistig möglich ist, ist mitunter verblüffend. Dennoch sollte man bei wirklichen Krankheiten und Notfällen immer auch Ärzte hinzuziehen, denn die Medizin nicht heranzuziehen, wenn sie gute Lösungen anbieten kann, ist rein töricht ! Geistiges Heilen steht zur Medizin nicht in Konkurrenz, sondern beide sind tadellos kombinierbar. Hauptsache, es hilft.
Gebet
Gebet – ist eine innere Hinwendung, Ausrichtung auf das Göttliche, eine Art Meditation, die man oft mit Bitten (selbstformuliert) in Gedanken und Worten anreichert. Die Bitten und Gedankenbilder können Fürbitten für einen selbst oder andere sein, oder die Bitte um Weisheit, Stärke, Unterstützung, Schutz oder um eine Antwort auf eine quälende Frage. Man kann einen Umweg nehmen und dazu Symbole und Entitäten als Vermittler wählen (Symbole, geistige Wesen, Avatare oder Heilige, Engel, Götter…). Oder man wendet sich direkt mit seinem ganzen „Herzen“, mit seinem Gefühl, seinem inneren Wesen, seiner Seele an das „Göttliche“ an sich, „den Kosmos“, den höchsten Geist… Ziel des Gebetes ist Kommunikation, Interferenz der eigenen Schwingung mit der göttlichen höchsten universellen Schwingung und die so einfließenden Energien und Weisheiten (Bewusstsein) für sich selbst und für andere zu nutzen. Dazu bedarf es einer inneren Vorbereitung, um in diesen Zustand, in diese geistige Haltung zu gelangen, und die Befolgung weniger einfacher Regeln.
Das „Vaterunser“ ist ja als Gebet eigentlich ein Muster, ein Konzept mit vielen okkulten Bezügen, wenn man ein Auge dafür hat, wie man so einen inneren Kontakt herstellt., wie man dabei vorgeht, welche Schritte dabei zu beachten sind. Es ist pure Magie.
„Mantras“ sind hingegen wiederholte Lautvibrationen, die einen bestimmten inneren Zustand erzeugen sollen. Ihr visuelles Pendant ist das (geometrische) Mandala. Das visuelle symbolische Pendant zum Vaterunser wäre das Kreuzzeichen bzw. das aufrechtstehende Pentagramm. Das visuelle Pendant zum selbstformulierten Gebet wäre ein selbstgemaltes Bild oder Symbol. Das nur als Anregung für den Leser, was alles ein Gebet sein kann – nämlich der gebrauch von Düften, Opfergaben, das Herstellen eines Bildes, Gedankenbilder, Segensbilder, Kontemplation über ein Thema, das Entzünden einer Kerze, das Hören oder Spielen von Musik, feierliche Vorbereitungen… einfach alles was ich bewusst tue, um mit dem Göttlichen einen Kontakt herzustellen und innerlich mit diesem Strom, dieser geistigen Liebe zu kommunizieren. Mit einer bestimmten inneren (liebevollen) Haltung kann ich aus fast allem, was ich tue, ein unaufhörliches Gebet machen.
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Vgl. bereits vorhandene Texte dazu hier: