Category: Nachrichten, Politik und Gesellschaft


 
 
Die EU ordnet für Österreich (und für alle anderen Staaten!) die Bespitzelung aller Telefonate und Internetvorgänge (z.B. Emails) an:

http://www.krone.at/krone/S32/object_id … index.html
www.krone.at, Rubrik Österreich, 5.7.2009:

"EU klagt Österreich
Kommission klagt wegen Vorratsdatenspeicherung"


"Die EU-Kommission hat der Republik Österreich eine Klage wegen Nicht-Umsetzung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung zugestellt. Vor dem EuGH beschwert sich die Kommission, weil Österreich zu den unter Datenschützern umstrittenen Datenspeicher-Maßnahmen noch kein Gesetz erlassen hat. (…) Durch die Vorratsdatenspeicherung sollen die Telefonie- und Internetverbindungen aller Bürger aufgezeichnet werden – also auch die Daten jener, die völlig unbescholten sind. Im Falle eines Strafverfahrens wegen bestimmter Delikte kann dann die Justiz auf die präventiv gespeicherten Daten zugreifen.

[Die österreichische Infrastrukturministerin Doris] Bures meinte am Sonntag, dass bereits nach dem Urteil des EuGH vom Februar, in dem das EU-rechtskonforme Zustandekommen der Richtlinie bestätigt wurde, wurde in Österreich eine Gruppe unabhängiger Experten beauftragt, einen Gesetzesentwurf zu erstellen. Der Entwurf soll allen datenschutzrechtlichen und rechtsstaatlichen Standards und Erfordernissen gerecht werden.

In der ExpertInnen-Gruppe unter Federführung des Boltzmann-Instituts für Menschenrechte sind nicht nur Grundrechts-, Datenschutz- und Strafrechtsexperten, sondern auch Fachleute aus der technischen Praxis vertreten. (…) Da es sich um eine Speicherung von Daten auf Vorrat handelt, also ohne, dass es Verdachtsmomente gegen eine bestimmte Person gibt, seien höchste datenschutzrechtliche und rechtsstaatliche Standards "ein absolutes Muss", so Bures. Daher will die Ministerin nur eine "Mindestumsetzung der EU-Richtlinie", also eine maximal sechsmonatige Speicherdauer der Daten. Die EU-Richtlinie sieht eine Bandbreite von 6 Monaten bis 2 Jahren vor.

(…) Mit der Umsetzung ist frühestens Anfang 2010 zu rechnen."

————————————————————————–

PS: Die Schweiz bespitzelt das Internet (Emails) schon längst.
Die Flugdaten der Passagiere z.B. werden mit den USA, die als Zentrale seit Bush ALLE Daten der Fluglinien sammelt – auch die von Europa – ausgetauscht. Alles kam auf Betreiben der USA (Bush) zustande – auch der neue biometrische Reisepass mit den Fingerabdrücken. Wozu Biometrie? Na, weil die Computer von Überwachungskameras eine Gesichtersoftware haben.

Advertisements
 
 
Aus: http://www.tt.com/tt/home/story.csp?cid=9771527&sid=57&fid=21  TT.com (Tiroler Tageszeitung online), Rubrik Überblick, vom 21.6.2009, von Beate Troger
 
"Kunsteis“ ärgert Bauern, Sojabohnenanbau boomt

Industriell hergestelltes Speiseeis enthält kaum noch Milch.

 

Die Landwirtschaft in Ostösterreich setzt stärker auf Soja, während Milchbauern um die Existenz bangen."

"(…) Rund acht Kilo Eis verzehrt der Österreicher pro Jahr. Ein Drittel des Eiskonsums entfällt auf die Eisdielen, zwei Drittel auf industrielle Produkte im Handel. Doch im Speiseeis in den Tiefkühltruhen der Supermärkte muss man die Milch in der gefrorenen Leckerei immer öfter mit der Lupe suchen. Der Anteil der Milchfette im Eis sinkt kontinuierlich“, ist Josef Moosbrugger, Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft in der Landwirtschaftskammer (LK), sauer. Die Tirol Milch etwa stellt im Herbst ihre Eisproduktion komplett ein. (…)

Der Begriff Eis ist nicht geschützt. Sogenanntes „Cremeeis“ muss laut EU-Lebensmittelrecht mindestens 50 Prozent Milchbestandteile enthalten. „Die korrekte Bezeichnung findet man daher kaum noch auf den Packungen“, warnt der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Und wie beim milchfreien Kunstkäse ist die mangelnde Deklaration das Problem. Der Kunde weiß nicht, was er isst, und ist angehalten, das Kleingedruckte zu entschlüsseln. „Wenn Milch oder Milchpulver an erster Stelle der Zutatenliste steht, heißt das nicht, dass viel Milch enthalten ist“, so Verena Darnbaur vom VKI. Meist werden „pflanzliche Fette“ an zweiter Stelle der Aufzählung angeführt – „oder immer öfter an erster Stelle“. Darunter verbirgt sich günstiges Palmöl, das Fett der Ölpalme aus dem Amazonas oder Südostasien. Auch Soja erfreut sich wachsender Beliebtheit. Nur Eisdielen seien der Milch laut AK treu geblieben. (…)

Auf TT-Anfrage schreibt Jutta Bednarz, Nestle-Produktmanagerin von Schöller Eis, „dass sich der Geschmack des Kunden verändert hat“, „der gesundheitsbewusste Konsument mag den schweren, buttrigen Geschmack nicht mehr“. (…) Unilever („Eskimo“) wollte keine Stellungnahme abgeben. (…) Als Alternative wird für die Industrie und die heimische Landwirtschaft die Sojabohne immer interessanter. (…)

—————————————————————————————————

Es reicht eben nicht zu sagen, dass der angeblich mündige Konsument seien Wahl trifft. Nein, er muss das kaufen, was die Lebensmittelkonzerne im Geschäft anbieten – in Österreich existiert bekanntlich ein Monopol von 4- 5 riesigen Anbietern, die auch sonst noch untereinander Absprachen treffen. Diverse Absprachen wären zwar verboten, aber kontrolliert ja vom Staat einfach keiner. (Warum wohl…?) Also der Konsument muss kaufen, was angeboten wird, oder wie in diesem Fall eben den ganzen Sommer über kein Eis essen.

 

Konsumenten sind sowas wie angelocktes Vieh, das man mit Abfall füttert, und das dafür Geld einbringt. Mehr sind wir für die doch gar nicht. Qualität? Gesunde Produkte? Aber nicht doch, die ist doch nur noch für Eliten in Elitengeschäfte, zu denen man vermutlich mit dem Privatjet anreist, um mal einzukaufen. Sogar die hunderttausende unerwünschte Werbepapierfetzen im Postkasten, mit denen wir zugemüllt werden,  dürfen wir selbst bezahlen, sobald wir diese Geschäfte betreten und was kaufen. Ist alles auf den Preisen draufgeschlagen.

Ja, der Analogkäse – warum ist "Käse" kein geschützter Begriff??? Man produziert Analogfleisch aus miesesten Fleischabfallstücken, man produziert Analogkäse aus gesättigten höchst ungesunden Fetten, und man produziert selbstverständlich Kunsteiscreme. Und bitte fragt erst gar nicht, wie die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Ländern aussehen, von wo wir diese Öle uns Sojabohnen beziehen.

Vorigen Freitag kaufte ich mir im S…-Geschäft einen Becher Eis mit Haselnuss, Hausmarke Konzern S… Keine einziges Haselnussstückchen zu sehen. Milch, aber vermutlich eher zur Tarnung auf der Inhaltsliste, damit es ausschaut als ob…  1-, 2- und dreifach gesättigte und ungesättigte Fettsäuren, "kann Spuren von Soja enthalten" (SO NENNT MAN DAS GEPANTSCHE, Allergiker freuen sich), Aroma- und Farbstoffe usw. usw. Ach wie freut sich doch meine Leber, das zu hören! Alles war dann picksüß aber so richtig nach Nuss schmeckte es nicht. Es schmeckte unecht und billig. Selbst im halbaufgetautem Zustand, also sehr weich, war es noch eiskalt wie der Weltraum, mir taten alle Zähne weh.

So richtig eine Wahl hatte ich nicht, die anderen Eissorten sind inzwischen nicht wirklich besser, die einzige kleine Eissorte der Tirol Milch (bei uns bekannt), die mal mit echter Milch begonnen hat, aber zunehmend Ersatzstoffe verwendet hat, wird lt. Meldung eingestellt.

Übrigens: ICH wurde nicht gefragt, ob ich den "buttrigen Geschmack von echtem Eiscreme" mag oder nicht (JA, ich mag ihn!) und wenn ich mir die Kommentare auf obigen Artikel ansehe, ging es den anderen Lesern genauso. Aber wenn wir das Kunstfraß von klein auf essen, dann merken wir es irgendwann gar nicht mehr, weil wir echte und gesunde Produkte nicht mehr kennen. Wir blödes pekunäres Schlachtvieh, wir!

 

—————————————————–

 

Nachtrag vom 6. Juni 2009, Montag: Wie die Konsumenten von diversen Sendungen im deutschen TV am Wochende erfahren konnten, gibt es auch die übliche Praxis im Gaststätten, Pizzerien usw. statt Kochschinken (ohnehin dubiose Zusammensetzung) ein noch lausigeres Produkt zu verwenden: den Analagschinken. Der Dreck besteht hauptsächlich aus Stärke, Wasser, und Farbe, Würzmittel und Konservierungsmittel und ein paar Brocken Fleich oder so ähnlich. In dem dunkelrosa Stück leuchten die paar Brocken weißlich heraus. Aufgeschnitten, sieht es so aus wie kleine Stückchen Schinken, verliert aber unmäßig Wasser. In Deutschland wurde dieser Analogschinken in ca. 1/3 aller überprüfter Gaststätten gefunden.

Natürlich wird NIRGENDWO ausgezeichnet, dass das KEIN echter Schinken ist. Man nennt das verbrecherisch-betrügerischerweise Käse, Schinken usw. und verlangt vom Kunden den entsprechenden vollen Preis. Und sollten wo Inhaltsstoffe angegeben sein, dann gibt man eben ein paar Prozent echte Ware in die Mixtur, damit der dumme Kunde glaubt, das wäre das was er kaufen wollte. Die Lebensmittelindustrie, von der EU gedeckt, ist echt groß darin, die Kunden zu betrügen, mal so, dann durch halbleere Packungen oder neuerdings die Freigabe der Packungsgrößen.

 

 
Rechtsruck in Österreich, Rechtsruck in Europa
 
Im Absolutismus herrschte der König mit Hilfe seiner Soldaten absolut. Kritiker wurden eingekerkert. Die Eliten prassten, die Bevölkerung darbte.

Als man den König entmachtete, setzten sich die nationalistische rechte bürgerlichen Faschisten mit Hilfe des Militärs an seine Stelle und herrschten absolut nach ihren Vorstellungen. Kritiker wurden eingekerkert. Die Eliten prassten, die Bevölkerung darbte.

Man möchte meinen, die Bevölkerung lernt aus der Geschichte dazu. Aber nein: der Austrofaschismus scheint zurückzukehren, 10 Jahre neoliberal-konservative Schüssel-ÖVP und FPÖ/BZÖ (Haider, Strache) in der Politik reichen offenbar dazu.

PS: man kann auch als Sozialist eine nationalistische faschistische Diktatur errichten, selbst prassen und die Bevölkerung ausbeuten, siehe Stalin oder Mao. Ob rot, ob schwarz, Stinktiere stinken alle gleich.

Das sklavische Gehorsamkeits- und Obrigkeitsprinzip, bereits den Kindern eingebläut, statt eigenes Gewissen und eigenes Nachdenken, war immer die beste Vorbedingung für Faschisten.

——————————————————————————————————————–
Aus: http://derstandard.at/fs/1244460578904/ … arken-Mann, derStandard vom 14.6.2009, Rubrik Inland

WERTESTUDIE
Studie: Sehnsucht nach dem "starken Mann"

=>"Ein Einblick in die österreichische Seele: Die Bürger halten zunehmend weniger von Demokratie, sie misstrauen der Regierung, und 43 Prozent wollen Ausländern jede politische Tätigkeit im Inland untersagen" (siehe Bericht = im angegebenen Link. Ausgewertet wurden Aussagen von 1500 Menschen, per Zufallsprinzip aus allen Schichten ab 18 Jahren vom Herbst 2008.)
14. Juni 2009, 18:03

„(…) Ein Fünftel der Bevölkerung kann sich sehr oder ziemlich gut vorstellen, "einen starken Führer zu haben, der sich nicht um ein Parlament und um Wahlen kümmern muss". Dieser Befund stammt nicht etwa aus einer afrikanischen Militärdiktatur, nein, er ist eines der bemerkenswertesten Ergebnisse der aktuellen, breit angelegten Wertewandel-Studie, die in Österreich 2008 – und damit zum dritten Mal – durchgeführt wurde (siehe dazu auch Grafiken). Mithilfe dieser Umfrage wird traditionell der Wandel der Einstellungen der Bürger in ganz Europa untersucht, und zwar in Zeitabständen von rund zehn Jahren.

Was unser Land betrifft, förderte das Herausgeber-Trio Regina Polak, Ursula Hamachers-Zuba und Christian Friesl zutage, dass sich die Österreicher "zunehmend gegenüber der Politik verweigern" .
Dies manifestiere sich einerseits an ihrem "geringen politischen Interesse". Zum anderen, stellen die Studienautoren fest, dass das Vertrauen in die Institutionen "in teils beängstigendem Ausmaß sinkt" – weil eben selbst die Demokratie nicht mehr unumstritten sei. 1999, bei der letzten Befragung, konnten sich nämlich "nur" 15 Prozent der Landsleute vorstellen, von einem starken Mann angeführt zu werden.
(…)Wer der FPÖ nahesteht, antwortet diesbezüglich ähnlich wie der Durchschnitt. Deutlich stärker für die autoritäre Variante entscheiden sich allerdings ausländerfeindliche Menschen, etwa jene, die "sich wie Fremde im Land fühlen" (34 Prozent) und solche, die Zuwanderung "generell verbieten" möchten (57 Prozent).
Noch ein überraschendes Ergebnis: Mittlerweile sieht es die Hälfte der Österreicher (exakt 51 Prozent) für gut an, wenn "Experten und nicht die Regierung darüber entscheiden, was für das Land das Beste ist". Und sechs Prozent halten es gar für erstrebenswert, dass "das Militär das Land regieren" sollte. Zum Vergleich: Vor zehn Jahren fand diese Vorstellung bloß ein Prozent verlockend.
(…) Seit Anfang der Neunziger, hält die Wertestudie fest, ist die Zustimmung zu ausländerfeindlichen Aussagen sogar gestiegen. So verlangen etwa acht von zehn Österreichern, dass "Ausländer ihren Lebensstil ein bisschen besser an den der Inländer anpassen" sollen. Und immerhin die Hälfte (49 Prozent) meint sogar, dass man Ausländer ruhig "wieder in ihre Heimat zurückschicken sollte, wenn Arbeitsplätze knapp werden".
(…) Was verlangen die Österreicher der Politik überhaupt ab? Was sind ihre Ziele fürs Land? An erster Stelle liegt "der Kampf gegen steigende Preise" , den ein Drittel als wichtigstes, ein Fünftel als zweitwichtigstes Ziel nennt … (…) Überhaupt zeigt die Befragung eine Neigung der Österreicher zum Autoritarismus auf, was ihre Werte betrifft. 27 Prozent stimmen immer noch dem Satz zu: "Wo strenge Autorität ist, dort ist auch Gerechtigkeit." 40 Prozent meinen: "Das Wichtigste, was Kinder lernen müssen, ist Gehorsam." Von den Parteienpräferenzen her ist der Autoritarismus eher eine Sache von FPÖ- und SPÖ-Anhängern (40 beziehungsweise 39 Prozent), ÖVP- sowie BZÖ-Wähler liegen mit 29 und 26 Prozent im Durchschnitt, Grün- und LIF-Sympathisanten mit zwölf und neun Prozent deutlich darunter.
Das bedenkliche Ergebnis der Untersuchung lautet daher: Während die Gruppe der "Autoritären" hierzulande in den letzten Jahren "stetig und deutlich" gewachsen ist, sind die "liberalen Idealisten" mittlerweile noch weniger als früher geworden. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 15. Juni 2009)“
 
Reflexionen über die Art der menschlichen Partnerwahl
 
Aus Wikipedia, Stichwort:
 
" Polygamie ":
 

"Die Polygamie (…) bezeichnet eine Form der Vielehe und der Duldung von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen. Bei zwei Ehen spricht man von Bigamie. Polygamie wird im Allgemeinen als das Gegenteil von Monogamie verstanden. Polygamie als gesellschaftliche Institution ist zu unterscheiden von Polyamory, bei der die Partner einvernehmlich entgegen gesellschaftlichen Normen mehrere offen geführte und individuell ausgehandelte Liebesbeziehungen eingehen können und die sich als Subkultur mit der Queer-Bewegung überschneidet.

Es wird unterschieden zwischen Polyandrie (Vielmännerei – bei der eine Person mehrere männliche Partner hat) und Polygynie (Vielweiberei – bei der eine Person mehrere weibliche Partner hat) sowie der sogenannten Gruppenehe (Polygynandrie) und anderen Eheformen, bei denen mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind. Polyandrie ist besonders in [matriarchalen] Ackerbaukulturen auf niederer Stufe (Hackbau) verbreitet, während Polygynie eher [patriarchalen] Kulturen mit viehzüchterischem Hintergrund kennzeichnet. Entscheidend ist bzw. war ursprünglich, dass das Geschlecht, das den Hauptteil zum Lebensunterhalt liefert, [und dem Haus, Grund und Ressourcen gehören,] das andere Geschlecht auch in dieser Beziehung dominiert."

In römisch-griechischer (klassischer) Zeit ist Polygamie durchwegs verschwunden und bei Christen ausdrücklich nicht vorgesehen, obwohl im (jüdischen) Alten Testament durchwegs üblich. Witwen hatten sogar das RECHT, vom Schwager geheiratet (und damit versorgt) zu werden. Wo Polygamie üblich war oder ist, gibt es gewöhnlich eine oder mehrere Hauptfrauen und dazu Nebenfrauen (z.B. um männliche Nachkommen zu zeugen), auch die Dienerinnen wurden sexuell "benützt".

Wiki: "In allen mehrheitlich muslimischen Ländern außer Tunesien, der Türkei und den Ländern der früheren Sowjetunion ist die Polygamie legal und wird praktiziert. Die berühmteste Person der Polygamie im Islam ist sicherlich der ehemalige saudische König Abd al-Aziz ibn Saud, der Schätzungen zufolge 3000 Frauen in seinem Harem gehabt haben soll, zu dem neben Ehefrauen auch Konkubinen, Töchter und Sklavinnen gezählt werden. (…)

Gemäß dem islamischen Recht darf ein Mann bis zu vier Frauen ehelichen, sofern ihm seine erste Frau dies erlaubt. Jeder Frau hat er einen eigenen Haushalt und eigenes Vermögen einzurichten sowie eine Mitgift zu geben. Oft pflegen die Frauen keinen engen Kontakt untereinander, sondern leben getrennt in jeweils eigenen Wohnungen oder Zimmern, manchmal auch an verschiedenen Orten. Zuweilen untersagen gesetzliche Regelungen jenen Männern, die nicht jeder Frau einen eigenen Hausstand einrichten können, die Polygamie. (…)

Einige moderne Muslime betonen hingegen, dass der Koran die Polygamie verbiete. Dabei berufen sie sich auf Sure 4:129: „Und ihr könnt zwischen den Frauen keine Gerechtigkeit üben, so sehr ihr es auch wünschen möget.“ In Verbindung mit dem Gebot der Gleichbehandlung nach 4:3 und Argumenten aus dem näheren Kontext schlussfolgern sie, dass eine Mehrehe nur in wenigen, besonders außergewöhnlichen Situationen erlaubt sei; als Beispiel wird Männermangel infolge eines Krieges genannt. Grundsätzlich sei jedoch die Einehe vorzuziehen.Gegner dieser Position glauben, dem traditionellen Verständnis folgend, dass 4:129 weder Polygamie verbietet noch von ihr abrät, sondern den Mann anleitet, alle seine Frauen gerecht zu behandeln, auch wenn er sie nicht alle in gleicher Weise wird lieben können oder für sie das Gleiche empfinden wird. "

Aus: (http://www.swissinfo.ch/ger/index.html?siteSect=105&sid=4158638) Swissinfo.ch vom 24.8.2003: "Vielweiberei seit jeher stark verbreitet": Demnach ist die Monogamie frühestens vor 20 000 Jahren aufgekommen. Der Familienverband wies (genetisch belegt) jedenfalls viel mehr Frauen auf, die weiter gewandert sind als Männer, d.h. wenige Männer hatten normalerweise mehrere Frauen und viele Kinder, während viele Männer offensichtlich keine Nachkommen hatten. Damit herrschte diesbezüglich eine ähnliche Situation wie bei Primaten. Ähnlich auch der Artikel in "Welt online", Wissen, vom 12. Augurst 2007: "Vormenschen praktizierten Vielweiberei wie Gorillas"  (http://www.welt.de/wissenschaft/article1099911/Vormenschen_praktizierten_Vielweiberei_wie_Gorillas.html)

 

Hochzeit als Rechtsakt oder aus Liebe?

Siehe u.a. Wikipedia: "Hochzeitsfeier", oder (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,537086,00.html) Spiegel online, Wisenschaft, 15.3.2008, "Zweckgemeinschaft ohne Gefühl":

In unseren Breiten kommt das Wort "Hochzeit" von "Hohes Fest", genauso wie es Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder Allerheiligen hohe Festtage, Feiertage, waren. Im alten Rom gab es eine zeremonialle Ehe (ohne Scheidungsmöglichkeit) nur für den Obersten Priester (Pontifex Maximus), die im Tempel geschlossen wurde; die normalen Römer selbst benützten (wie auch nördliche Volksstämme) großteils die "Gewohnheitsehe", d.h. Mann und Frau lebten mindestens 1 Jahr (im Haus des Mannes) zusammen und bekamen legitime Nachkommen ("Kinder", d.h. solche, die der Mann und der Clan anerkannten). Formalitäten (Rechte, Pflichten, Mitgift, Einkommen, Scheidungsmöglichkeiten ua.) wurden bestenfalls vom Familienclan nach den jeweils herrschenden Sitten ausgehandelt. Eine Ehe war vor allem ein Rechtsakt des Clans und des Pater Familias und oft von den Eltern befohlen. Spiegel online: Rom: "Hatten sich die Väter geeinigt, fand die Verlobung statt, zu der neben den näheren Verwandten auch einflussreiche Gäste geladen waren. Vor Zeugen gaben die beiden jungen Leute ihre Zustimmung zur Ehe. Danach tauschten sie Geschenke aus, insbesondere überreichte der Bräutigam seiner Braut einen Ring als sichtbares Zeichen des Eheversprechens. Er steckte ihn auf den vierten Finger ihrer linken Hand, von dem man glaubte, dass von ihm ein Nerv ausging, der direkt zum Herzen führte. Eine romantische Geste? Wohl nicht, im Lateinischen steht cor, das Herz, nicht weniger für das Gefühl, sondern eher für Verstand oder Mut. (…) Vor allem im Haus der Braut [im Pubertätsalter] herrschte in der nächsten Zeit rege Betriebsamkeit. Am Vorabend der Trauung legte sie in einem uralten Ritual ihre Kleidung ab und opferte diese zusammen mit ihren Spielsachen auf dem Altar der Hausgötter. Damit nahm sie symbolisch Abschied von ihrer Kindheit, sie war jetzt eine erwachsene Frau, bereit, einen Mann zu empfangen. [Es folgten Bad, Parfüms, spezielle lockige Frisur.] Hernach schlüpfte die Braut in die tunica recta, die saumlose Tunika, welche sie aus selbst gesponnenem Garn gewebt hatte, umgürtete diese mit einem doppelten Wollgürtel und verknotete ihn. Dieser durfte erst wieder in der Hochzeitsnacht und nur vom Bräutigam persönlich geöffnet werden. Derart bekleidet verbrachte sie die letzte Nacht in ihrem Elternhaus."

Daneben zeugte der verheiratete Mann auch illegitime Kinder mit Konkubinen und Dienstboten (sogenannte "Kegel"). Sklaven und Minderjährigen war eine rechtsgültige Ehe verboten. Im Christentum wurde der Segnung des Paares durch einen Priester – noch ohne Kirche, sondern im Freien – immer wichtiger. Erst später wurde die Segnung zunehmend in die neugebauten Kirchen (= eigentlich urspr. öffentliche Versammlungshallen!) verlegt.

Wiki: "Im [christlichen] Mittelalter war die formelle Trauung noch nicht Pflicht. Heimliche Verlöbnisse (Matrimonia clandestina) oder so genannte ‚Winkelehen’, die ebenfalls heimlich geschlossen wurden, waren rechtsgültig, aber wegen ihrer Heimlichkeit rechtlich schwer zu handhaben. Nach der Reformation wurde die Ehe erst von protestantischen und weltlichen Obrigkeiten, dann auch von der katholischen Kirche als Schwelle für die Ausübung legitimer Sexualität etabliert. Im katholischen wurde die obligatorische Trauung vom Konzil von Trient im 16. Jahrhundert eingeführt. [Anm.: die Frage einer legetimen Ehe für Priester stellte sich daher zuvor gar nicht!] Eine formgültige Ehe wurde seit dieser Zeit durch contractio (der Ehevertrag) und consummatio (Vollzug der Ehe) geschlossen. Weil der Vollzug der Ehe zur Rechtsgültigkeit erforderlich war, wurde er unter Zeugen vorgenommen [d.h. Zeugen im und vor dem Gemach!]. Da zu dieser Zeit eine Scheidung undenkbar war, musste stattdessen bei Bedarf versucht werden, den Nachweis zu erbringen, dass die Voraussetzungen der Eheschließung fehlerhaft festgestellt worden waren, die Ehe also von vornherein ungültig war.

Zwischen 1489 und 1770 ist die Trauung per Stellvertreter / Handschuhehe belegt. Das war eine besondere Zeremonie der Trauung in Abwesenheit des Bräutigams. Ein Stellvertreter des Bräutigams (ein Gesandter bzw. Diplomat) vollzog „per procurationem“ dabei formell die Eheschließung. Vor 1800 waren die meisten Partner bis zum Zeitpunkt der Hochzeit offiziell Junggesellen und Jungfrauen. In Traueintragungen im Kirchenbuch wurde im allgemeinen die Bezeichnung Jungfrau (abgekürzt J.) für die Braut gebraucht, solange der Pfarrer nicht vom Gegenteil überzeugt war. War er das, so wurde die Braut als „Deflorata“ oder gar „Impraegnata“ bezeichnet, und die Trauung fand „auf Verordnung“ bzw. „in der Stille statt“, wobei dann oft der Name des Brautvaters in der Traueintragung fehlt." Die gesetzlich verpflichtende Zivilehe – vor einer kirchlichen Eheschließung – kam in den Staaten erst nach der Französischen Revolution auf, d.h. im Laufe des 19. Jhd.

"Die Kirchliche Trauung hat in der evangelischen Kirche nur rituelle Bedeutung, sie ist ein Segensgottesdienst anlässlich der Eheschließung; in der katholischen Kirche begründet sie das Sakrament der kirchenrechtlichen Ehe." (Ein Sakrament ist eine heilige, unauflösbare rituelle Weihe unter Mitwirkung Gottes. Eine Segnung hingegen ist nur ein Gebet, eine Bitte an Gott um Segen.) Daher wird eine christliche Eheschließung bei Katholiken als unauflöslich betrachtet (unter Rückgriff auf die Ehe des Pontifex Maximus im alten Rom), nicht aber bei Protestanten. Bei Orthodoxen herrscht die Meinung vor, dass eine Scheidung bei einer irrtümlich und daher nicht segenreichen Heirat möglich ist, und damit eine Wiederverheiratung, aber diese dann im Stillen vollzogen wird. Weiters sehen die meisten evangelischen Kirchen kein Hindernis darin, auch gleichgeschleichtliche Paare zu segnen. In der katholischen Kirche ist das Sakrament nur einem heterosexuellem Paar erlaubt, das Gewicht liegt dabei an der Zeugung von Kindern, die von Gott gesegnet empfangen und geboren werden.

Ehen im Hinduismus: "Die Ehe wird in den klassischen Rechtstexten des Hinduismus (Dharmashastras) als heiliges Sakrament (Samskara) definiert. Das Band zwischen Ehemann und Ehefrau wird als Gesetz der Natur aufgefasst und beide werden vor dem Gesetz als eine Person betrachtet. Die formelle Übergabe der Braut durch den Vater (Sanskrit, Kanyadan, wörtl.: „Mädchengabe“) und das siebenmalige Umringen des heiligen Feuers durch Bräutigam und Braut (Saptapadi) haben essentielle Bedeutung für hinduistische Heiraten." Es gibt zwar keinen Brautkauf, aber eine ansehnliche Mitgift ist geradezu Pflicht und es sind normalerweise strenge Kastenregeln zu beachten. Durch die Engländer wurden ab M. 19. Jhd. die Witwenverbrennung und die Vielehe verboten und die Scheidung ermöglicht. Eine Hochzeit richtet sich nach jeweiligen Traditionen von Land und Kaste und dauert normalerweise mehrere Tage.

 

Monogamie versus Polygamie – Für und Wider

Was spricht gegen die Polygamie? Es gibt in etwa gleich viele männliche als weibliche Kinder; männliche Kinder werden statistisch nur nach Kriegen u.a. in erhöhter Zahl geboren (muss wohl ein kollektive unbewusste Maßnahme sein). Man könnte natürlich argumentieren, dass in der Wildnis unfähige Männer durch Kämpfe ausselektiert werden und sich nicht fortpflanzen können. Der Beste hat dann mehrere Weiber zur Verfügung (allein dadurch, dass sie ihn freiwillig anhimmeln).

Manchmal KANN es unter bestimmten Lebensbedingungen von Vorteil sein, wenn eine Familie mehrere Frauen hat – wegen Geburten-, Einkommens- und Arbeitsteilung. Nicht zu vergessen, das Frauen bei der Geburt sterben können. Der eine Mann dient eigentlich dann nur dazu, andere (feindliche) Männer von der Familie abzuwehren. Umgekehrt kommt es in (matriarchalen) Gesellschaften zu Vielmännerei, wenn es mehrere Männer bedarf, um den Nachwuchs in einer Familie zu erhalten – die Männer haben dann zu arbeiten.

Das normale Bild sieht allerdings so aus, dass die Familie durch Großeltern, unverheiratete Tanten und Onkel und ältere Kinder unterstützt wird (d.h. durch den Clan) und diese immer mitgearbeitet haben oder in traditionellen Familienverbänden mit Arbeitsteilung noch mitarbeiten. In der Tierwelt wären das typische Rudel, z.B. bei Wölfen.

Blöd, das die Großfamilien zunehmend ausfallen, also zurück zur Vielweiberei… Vielmännerei…. Seitensprüngen… ?

Ja, alles recht tierisch, geprägt durch Pheromone, unbewusste Bevorzugungen bei der Partnerwahl (Gesundheit, Aussehen, Potenz, Prestige), Fortpflanzungstrieb…
Nur: ist der Mensch NUR EIN TIER?

Ein geistig-spiritueller Mensch ist jedenfalls mehr als ein Tier und wird an solchen Praktiken und Ansichten keine Freude haben. Beginnend damit, dass er als Partner eher einen Seelenverwandten sucht, der mit ihm geistig harmoniert, ihn ergänzt, mit dem er sich austauschen kann. Er wird zwar viele Freunde/Freundinnen haben, aber mit nur einem – dem innigsten Seelenverwandten – eine Beziehung führen, aus innigster Liebe. Und mit dem, was man liebt, will man auch zusammen sein und zusammen bleiben.

"Rudelbumsen" und Bordellbesuche werden den Geistmenschen nicht befriedigen, denn da ist keine Liebe dabei, d.h. keine geistige Befriedigung. Das bleibt dann den Tiermenschen vorbehalten, die gar nicht wissen, dass sie eine Seele haben. Oder gar der Partner/die Partnerin eine einzigartige Seele ist. Für den Tiermenschen sind Partner austauschbar: was halt gerade der Trieb will, das wird getan. Ohne viel darüber nachzudenken. Außerdem ist innere Verbundenheit mit austauschbaren Partnern kaum verhanden und das (Ur-)Vertrauen an potentielle Partner schwach ausgebildet. Wenn die Freiheit zu groß ist, kann man im Ozean der Freiheit am inneren Alleinsein ertrinken.

Ehe oder nicht, wie auch immer – verdienen die Kinder nicht, Vater und Mutter zu haben und gesichert aufzuwachsen, ohne Trennungsgefühle und Verlustängste miterleben zu müssen? Oder sind Kinder langsam entbehrlich und daher die Frau auf die Mithilfe von Männern nicht mehr angewiesen? Frauen verdienen noch immer nicht genug, um Kinder so ohne weiters alleine aufziehen zu können.

 

In diesem Sinne hat die Vorstellung einer unlösbaren Ehe, beruhend auf ein Sakrament, sicher seine Berechtigung. Geht aber irgendwie am Menschen vorbei, da der Großteil der Menschheit eben nicht aus spirituell erhabenen Menschen besteht (was Christen idealerweise eigentlich sein sollten), sondern noch viel Tierisches mit sich trägt. Und weil der Mensch sich weiterentwickelt – statt vollendet zu sein – entwickeln sich auch Paare auseinander. Oder werden geradezu zum Desaster für alle beteiligten.

 
 
"100 Millionen für die Freiheit von Julius" (Aus: derStandard.at, Rubrik Wirtschaft – Finanzen & Börse, 02. April 2009)

(…) Wien – Die Justiz hat am Donnerstag zunächst die Untersuchungshaft über den abends zuvor verhafteten Julius Meinl V. verhängt. Gegen die Zahlung einer Kaution in der Rekordhöhe von 100 Mio. Euro hieß es am Nachmittag werde Meinl wieder freigelassen. Vorerst muss der Banker aber nun doch in U-Haft bleiben.

Bei der Kaution soll es sich um keine Bankgarantie sondern um die Überweisung einer liechtensteinischen Bank auf das Gerichtskonto bei der BAWAG P.S.K. handeln. (…)

Woher das binnen kürzester Zeit aufgebrachte Geld stammt, konnte Meinl-Anwalt Herbert Eichenseder nicht sagen: "Das weiß ich Gott sei Dank selber nicht." (…) Laut Akt der Staatsanwaltschaft geht es für Meinl und MEL-Vorstände um den Verdacht des Betrugs, der Untreue ("durch die nicht veröffentlichen Zertifikatsrückkäufe zu überhöhtem Preis" ) und im Konnex mit der Gebührenstruktur des MEL-Geschäftsmodells um "mögliche Spesenschinderei" . Zudem besteht der Verdacht des Insiderhandels, Verletzung der Prospektpflicht sowie Bilanzfälschung. Bei Untreue drohen bis zu zehn Jahre Haft. (…)

Die Meinl Bank habe über die Partly Paid Shares (PPS) Einfluss auf MEL gehabt, ebenso sei der Einfluss Meinls auf die Managementgesellschaften in Jersey durchaus vorhanden gewesen. Sitzungen hätten in Österreich stattgefunden, die Jersey-Gesellschaften seien Briefkastenfirmen gewesen. Sollte dem so sein, wäre für die MEL österreichisches Recht anzuwenden. (…)

Meinl war Vorstandschef der Meinl Bank; inzwischen ist er in deren Aufsichtsrat zurückgetreten. (…) Was die Glieder der Indizienkette gegen Meinl zumindest enger machen dürfte: Die Befragten gaben Hinweise, in welchen Dokumenten welche Spuren zu finden sind. Das war wichtig für die Ermittler: Bei der Hausdurchsuchung wurden um die 70.000 interne Mails beschlagnahmt, ganz abgesehen von hunderttausenden elektronischen Geschäftsunterlagen.(Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.3.2009)"
——————————————————————————

Anmerkung: Nun kann das ja wohl keine Überraschung sein, habe ich doch selbst irgendwo in einem Journal mal vor Jahren gelesen, dass nur windige Gesellschaften ihren Sitz auf Jersey haben, so ähnlich wie auf den Kayman Inseln. Anleger freilich kann man ja munter damit täuschen, vor allem wenn man prominente Mitarbeiter anwirbt…

"Woher das Geld stammt, weiß ich Gott sei dank selber nicht..", da werden wohl einige Freunde mit Liechtenstein-Konto das große Zittern vor einer ev. Aussage Meinls bekommen haben…

—————————————————————————–
"Karl-Heinz Grasser geht auf Jobsuche" (Aus: derStandard.at, Rubrik Wirtschaft – Finanzen & Börse, 5. April 2009)

(…)
"Wien – Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hängt sein Engagement bei Meinl International Power (heißt jetzt IP) an den Nagel. Ihm gehört ein Drittel der IP-Managementgesellschaft, diesen Anteil gibt er nun zurück.

Sein Engagement im einstigen Meinl-Reich hätte Grasser in den kommenden Monaten ohnehin überdenken müssen, denn der von rebellischen Anlegern übernommene Energie-Fonds wird liquidiert. Damit verliert Grasser den einzigen Kunden der Managementgesellschaft. Aus der Meinl Bank – ihr gehört der Rest des IP-Managements – heißt es, dass es sich um eine geplante und einvernehmlich getroffene Maßnahme handelt.

Grasser wehrt sich dagegen, dass er in der Causa Meinl "Verdächtiger" sei. Er sei lediglich "Auskunftsperson". Dass Grasser und Hans Haider (Ex-Verbund-Chef und Ex-MIP-Chef) weiterhin in den Akten geführt werden, liegt an der ursprünglichen Strafanzeige im Fall Meinl.

Heftig bestritten hat die Meinl Bank einen Bericht der Schweizer SonntagsZeitung, wonach der vergangene Woche in U-Haft genommene und gegen eine Rekord-Kaution von 100 Mio. Euro wieder entlassene Banker Julius Meinl V. eine Flucht in die Schweiz geplant haben soll. (…) (bpf, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2009)"

____________________________________________________________

Auszug aus den Kommentaren zum obigen Artikel vom 5.4.2009, um 10:25 (über die Richtigkeit der folgenden Behauptungen kann keine Verantwortung übernommen werden! Ich gebe die Kommentare nur wieder]:

"gu si 06.04.2009 14:35

Grasser Kriminalfall Riemergasse II
Die Handelsrichter schreien auf. Eine Übersiedlung würde rund 3,5 Millionen Euro (rund 49 Millionen Schilling) pro Jahr mehr verschlingen, rechnet der Betriebsausschuss beim Handelsgericht dem Finanzminister vor. Der hört nicht hin. Die Riemergasse muss weg.
Grassers Freund Plech muss sich die Hände gerieben haben. Denn er vermittelte der Republik nun im Auftrag der Firma Porr als Ersatz für das alte Gerichtsgebäude den Citytower auf der Landstraße. Nicht umsonst, versteht sich: Die Republik zahlt Grassers Freund eine Provision in der Höhe von 607.476 Euro (rund zehn Millionen Schilling).
—————————————————————–

Grüass eich god olle mitanonda 06.04.2009 15:29

Provision
und wer die üblichen Maklerverträge kennt weiss, dass angenommen werden darf, dass die Provision 2-mal bezahlt wurde: Vom Verkäufer und vom Käufer.
—————————————————————–

gu si 06.04.2009 14:35

Grasser Kriminalfall Riemergasse I
Wie es der Zufall so will, feilt Grassers Freund Plech nicht nur am lukrativen Verkauf der staatlichen Immobilien. Er vermittelt der Republik zur selben Zeit auch passende Bürogebäude, wenn Bedarf besteht. Das sieht dann so aus: Der Finanzminister und der blaue Justizminister Dieter Böhmdorfer wollen sich plötzlich vom ehrwürdigen Gerichtsgebäude in der Riemergasse trennen. Obwohl ihm die Handelsrichter vorrechnen, dass das Gebäude gerade teuer renoviert wurde, scheint es dem Justizminister trotz Nähe zur U3 "verkehrstechnisch ungünstig" gelegen und dem Finanzminister außerdem viel zu teuer.
————————————————————————

Grüass eich god olle mitanonda 06.04.2009 15:27

Der Finanzminister und der blaue Justizminister Dieter Böhmdorfer ..
verbindet, richtig, der verblichene Jörg Haider. Der Herr Fionanzminister gehörte zur "Buberlpartie", während der Herr Justizminister zu seinen Anwälten gehörte.
————————————————————————–
(…)
————————————————————————–
gu si 06.04.2009 14:08

BUWOG Jede Handlung von Grasser ein Kriminalfall
Bestätigt wurde die Kritik am Deal um die Bundeswohnungen durch den Rechnungshof: Die ehemaligen Bundesimmobilien (62.000 Wohnungen, 5,1 Mio. Quadratmeter unbebaute Grundstücke, 400 Gewerbeimmobilien, 23.000 Parkplätze) wären heute dreimal so viel wert wie beim Verkauf, so das oberste Kontrollorgan der Republik. Der Rechnungshof kritisierte auch, dass die Republik wenige Monate nach dem Verkauf auf das im Gegenzug für vom Staat gewährte günstige Darlehen vereinbarte Einweisungsrecht verzichtet hat. Wenn das vorher bekannt gewesen wäre, hätte das „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Erhöhung der Kaufangebote geführt“, so der Rechnungshof

Alle mithelfen, dieser Mann muss hinter Gittern.

———————————————————————————–
meteor 06.04.2009 14:17

BUWOG-Chef Ernst-Karl Plech war Vermieter von Grassers Wohnung und Freund."
———————————————————————————-

Meine Frage nun hier: Wie korrupt ist eigentlich Österreich?????

Das erinnert mich eklatant an das, was die ÖVP so in Tirol getrieben hat: da haben schwarze Bürgermeister und Vorstand einfach eigenmächtig Gemeindegrund verkauft, sehr, sehr, sehr billig – meist an sich selbst, Freunde oder Verwandte! – obwohl der Grund bis zu 10x mehr wert war. Den Grund haben sie behalten oder eben teuer weiterverkauft, auf alle Fälle viel damit verdient.
 
Macht ja alles nichts, solange der Staat (= wir alle!) dabei draufzahlen, damit ein paar Heinis reich werden.
Bei den Staatsbetrieben (z.B. Post) funktioniert das so: man sorgt dafür, dass der Betrieb saniert ist und dann sorgt man kurzfristig für rote Zahlen, damit man eine Begründung für einen Verkauf hat. Verkauft werden dann die finanziellen Rosinen, dem Ramsch – die lästige Versorgung der Bevölkerung am Land z.B. – überlässt man dem Staat oder aber sperrt einfach Schalter, Gebäude, Infrastruktur zu.
 
Andere Variante: man verkauft Staatsbesitz, was kurzfristig die Kassen füllt und das Budget frisiert (gegen viel Provision, versteht sich), aber least dann alles sündteuer von Privaten (=Aktiengeiern) zurück: Dienstautos, Bundesgebäude, aber auch Kanalisation, Wasser… Kanalisation wurde z.B. in die USA für 100 Jahre verkauft und wir dürfen jetzt 40 Jahre zurückleasen, dann darf der Besitzer sich auch andere Methoden einfallen lassen, denn die Politiker, die das gemacht haben, sind ja dann tot und können nicht zur Rechenschaft gezogen werden. In der Zwischenzeit darf der US-Besitzer mit den Aktien (in Fonds) unserer Kanalisation spekulieren. Wem dann das Kärntner Wasser oder Stromanteile oder was auch immer am Ende tatsächlich gehört, und ob der jemals in Sanierungen investieren wird, das wissen allein die Götter.
 
Immobilienhandel: Bei den Geschäften mit den Immobilien der Republik Österreich (CBL-Geschäfte) soll es nicht einmal einen einzigen vollständigen Vertragstext bei heimischen Vertragspartnern gegeben haben, und keine Ausschreibung, trotz der EU-weiten Ausschreibungspflicht bei so großen Transaktionen, – hört man. – Wer weiß davon mehr?

 

Fortsetzung 8. April 2009:

Wie wurde das gestern abend im "Report" von ORF 2 erklärt? Da ist die Meinl-Bank, die streut Aktien aus = Meinl European Land (MEL). Eigentlich ein Schmähgeschäft, dieses MEL sollte Grundstücke für Geschäfte im ehem. Osten "erschließen" *lol* . Die Anleger kaufen Aktien, die aber nichts wert sind, und weil die Aktien sinken, kauft die Meinl-Bank die Aktien, damit der Kurs steigt und es so aussieht, als seien sie was wert. Das Geld der Anlieger wird wie mit einem Staubsauger abgesaugt.

Da solche Manipulationen selbst im britischen Jersey verboten sind, gründet die Meinl-Bank – neben einem Dutzend anderer Schmähgesellschaften – (angeblich) eine namens "Somali", lokalisiert irgendwo in der Karibik. Die macht diese Drecksarbeit, die nichtswerten MEL-Aktien zu kaufen und den Kurs künstlich hochzuhalten. Sagen wir so, die Meinl-Bank bestreitet offiziell, dass ihr Somali gehört, aber der Geschäftsführer ist derselbe wie in anderen Gesellschaften der Meinl-Bank…

Wie bei Madoff klappte es wunderbar, solange die Bilanzen gefälscht werden, (so die zusammengefasste Aussage), Beteiligungen der Bank ODER des Personals der Bank (Geschäftsfüher, Vorstandsmitglieder bis hin zu Meinl selbst) geheim gehalten werden und immer frisches Anleger-Geld proportional ansteigend nachfließt, um solche Manipulationen (Käufe) aufrecht erhalten zu können. Man muss nur irgendwo sitzen, wo die Bilanzen nicht sonderlich kontrolliert werden. (Anm.: bzw. mit Bestechungen, wie offenbar in den USA bei Maddof, wo unter Bush die Finanzkontrollore nie "was fanden", obwohl ganz Wallstreet den Braten roch und es Anzeigen von Privaten gab.)

Wie beim Pyramidenspiel kollabiert es dann mal, die frischen Gelder von Anlegern des MEL bleiben aus, keine Käufe via Somali und Co. mehr, wusch und plötzlich wird allen klar, die Aktien sind nichts wert und waren nie was wert. Das zuvor per Pyramidenspiel abgesaugte Geld – ist jetzt wo??? Na irgendwo, irgendwer stand an der Spitze des Pyramidenspiels. Die Investoren unten beißen die Hunde und gehen leer aus. Meinl behauptet, er stand nicht oben und sein Name ist Hase, er weiß von nix. (Aber im breiten ledernen Chefsessel der Bank bei Sitzungen saß er, dem Filmmaterial nach, sehr gerne…)

Komische Gesellschaften, die nur aus ein paar Hanserl bestehen. Aus 1, 2, 3 Personen…?

——————————————————————

Wie war das damals bei Grassers Homepage damals als Finanzminister?

Die österreichische Industriellenkammer bezahlt 100.000 € für eine Grasser-Homepage (zum Lobe der "New Economy") an einen Freund von Grasser, der die Arbeit gar nicht selbst macht, sondern um vieles Billiger an echte Profis weiterleitet. Den Rest behält er sich als – Provision? – bzw. auch Grasser hat was von der Homepage, aber "das schenkt er ja einer (von ihm gegründeten) caritativen Institution" und darum muss er es nicht versteuern. Fragt sich nur – hat die das Geld je gesehen, oder floß es als Aufwandsentschädigung gar wieder an Grasser zurück? Weiß das jemand? Ich nicht. Fragen über Fragen…

 
Manchesterliberalismus – Militarismus – Imperialismus – Kolonialismus
 
Im 19. Jhd. entwickelte sich eine unglaubliche nationale Arroganz von Völkern gegenüber andere, fremde und womöglich weniger erfolgreiche Völker. Dies, verbunden mit Geldgier und bereits seit 100, 200 Jahren bestehender staatliche unterstützter Handelskompagnien führte zum Erwerb von Kolonien, indem man zuerst in technisch und militärisch unterentwickelte Länder Handelsstützpunkte anlegte, dann diese von Soldaten beschützen ließ und am Ende ganze Territorien gewaltsam und brutal annektierte. Leider haben die Deutschen als Kolonialmacht ebenso gewütet. Wer hat nicht mal die Hunnen-Rede Wilhelms II. gehört, wie man mit Asiaten umzugehen hat, die den nötigen Respekt vermissen lassen? (Gemeint hat der damit die Chinesen nach dem Boxer-Aufstand.)
 
Die West- und Ostindien-Kompagnien, die Handelsgesellschaften der europäischen Länder – die mit voller Militärmacht ihrer Länder unterstützt wurden – waren immer Vorboten der Kolonialisierung. Selbst wenn man die angebliche Missionierung als Vorwand anführte – ging es doch immer nur um Beutemachen und Ausplündern von fremden Ländern, so auch in Lateinamerika oder Asien. Doch Kolonialgeschichte ist etwas, was prinzipiell in der Schule und sogar an der Uni kaum gelehrt wurde oder wird. Und sie mündete als Ergebnis in den 1. und 2. Weltkrieg mit allen Folgen (wobei die fanatischen Kommunisten auf ihre Art auch nur Kolonien schufen nur anders benannten). Imperialismus ist heute eine peinliche Sache, sei es für Katholiken, sei es von Puritaner (Calvinisten) oder Anglikaner. Weil zutiefst unchristlich und menschenverachtend. Aber damals äußerst lukrativ.

Die Weißen haben damals nicht nur andere Völker auf fremden Kontinenten abgeschlachtet, sondern traurigerweise auch sich in Europa selbst. Grenzenlose Geldgier, Machtgier, Arroganz: ohne die Zeit 1800 bis 1925 mit allen ihren negativen Entwicklungen in Europa und im Rest der Welt hätte es keinen Hitler und keinen Holocaust in dieser Form gegeben.

 
 
Einige kurze Erläuterungen zu folgenden Begriffen:
  
Manchesterliberalismus:
 
Eine politische und soziale Strömung, ausgehend von der Freihandelsbewegung, lokalisiert  vor allem in der Textilindustrie um Manchester. Die Ideen des Freihandels stammten von David Hume, Adam Smith und John Stuart Mill. "Als Freihandel bezeichnet man einen internationalen Handel (Außenhandel), der nicht durch Handelshemmnisse wie Zölle oder Import-Kontingente eingeschränkt ist. Die Idee des Freihandels basiert auf dem klassischen Wirtschaftsliberalismus. Eine daraufhin ausgerichtete Wirtschaftspolitik bezeichnet man als Freihandelspolitik, eine dem Freihandel entgegengesetzte Politik als Protektionismus."(1) Die herrschende wirtschaftsliberale Ideologie besagte, dass der Staat sich in keinster Weise in die Wirtschaft einmischen darf, auch nicht durch Sozialprogramme, Steuerauflagen, Marktregulierung oder Schutz und Förderung der eigenen Märkte (= Protektionismus), sondern dass der Markt sich selbst regelt und nur eine freie Wirtschaft zu reichen Bürgern und einem prosperierenden Staat führt.
 
"Die Liberalen um Richard Cobden und John Bright sahen im Protektionismus die Ursache für die Verelendung der Massen und im Freihandel den Schlüssel zu mehr Wohlstand. Der Protektionismus, verkörpert beispielsweise durch die Corn Laws, galt bei Freihändlern nicht nur als schädlich für das Ausland, sondern auch für die Wirtschaft im Inland. Nach Ansicht der Unternehmer waren die hohen Getreidepreise der wichtigste Grund für das hohe Lohnniveau in Großbritannien. Sinkende Getreidepreise hätten ihrer Ansicht nach die Möglichkeit eröffnet, die Löhne und damit die Produktionskosten zu senken. (…) 
 

Schon Adam Smith hatte im 18. Jahrhundert davor gewarnt, dass Einfuhrbeschränkungen insbesondere bei Grundgütern wie Getreide bei ärmeren Bürgern zu Unterernährung führen könnten. Dennoch belegte die britische Regierung 1815 die Getreideeinfuhr mit einem hohen Zoll, um den Getreidepreis künstlich hochzuhalten (auch als Antwort auf Napoleons Kontinentalsperre). Die hohen Zölle führten dann tatsächlich zu einer großen Hungersnot; im Winter 1847 beklagte man in England 250.000 Hungertote. (…)

Außerdem erhofften die Manchesterliberalen vom Freihandel mehr Frieden, denn die zunehmende Abhängigkeit durch die fortgeschrittene Arbeitsteilung zwischen den Völkern sollte es – so die Manchesterliberalen – den Regierungen nahezu unmöglich manchen, ihre Völker gegeneinander aufzuhetzen. (…) Die Manchesterliberalen lehnten den damals praktizierten Militarismus ab, weil sie auch darin eine Ausnutzung (z. B. durch Wehrpflicht) der ärmeren Bevölkerungsschichten durch das Königshaus und den Adel sahen. Der Kolonialismus wurde genauso abgelehnt, weil er als „teures Hobby“ des Adels angesehen wurde und auch nur mit Militär betrieben werden konnte. Zudem hielten die Manchesterliberalen die Schaffung von Kolonien und die Bevormundung und Ausnutzung der dort lebenden Menschen für Unrecht. Die Manchesterliberalen engagierten sich auch gegen die Sklaverei. (…) Die Anhänger des Manchestertums waren durchgängig kosmopolitisch. Sie sahen sich als Weltbürger, die Grenzen, welche freien Reise- und Warenverkehr behinderten, abschaffen wollten, weil sie darin die Ursache für Kriege und Elend sahen. Sie betonten daher den Nutzen des Freihandels für alle Völker.
 

Die Manchesterliberalen waren Befürworter der Demokratie und Befürworter von freien, geheimen und gleichen Wahlen, obwohl beispielsweise Cobden skeptisch gegenüber dem allgemeinen Wahlrecht (welches das Zensuswahlrecht ablöste) blieb, denn er befand, dass eine grundlegende Bildung für alle notwendig sei, um an Wahlen teilnehmen zu können. Er sah in den noch sehr ungebildeten Massen leichte Beute für Hassschürer und Besitzstandswahrer (Sozialisten und Konservative). (…)

Ab 1840 existierte der vom Deutsch-Briten John Prince-Smith geführte Deutsche Freihandelsverein. (…) Das endgültige Ende des Einflusses der Manchesterliberalen auf die Politik Bismarcks kam 1879/1880, als Bismarck seine Schutzzollpolitik durchsetzte. 1880 kam es auch zum Bruch in der Nationalliberalen Partei. Die deutschen Manchesterliberalen, allen voran Hermann Schulze-Delitzsch, nahmen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Genossenschaftswesens und der Arbeitervereine. Die Ablehnung des Freihandels war im Deutschen Reich populär. Vor allem Handwerker, Landwirte und Großgrundbesitzer fühlten sich durch den zunehmenden Welthandel, die Industrialisierung und eine liberale Wirtschaftsordnung (ohne Zunftwesen, ohne Meisterzwang) bedroht." (2)

Wie sehen daraus, dass die ursprüngliche Forderung der liberalen Groß- und Bildungsbürger nicht nur pekunäre, sondern auch sozialpolitische Inhalte besessen hatte, bis sich die liberale Bewegung nach rechts und links spaltete. Durch die Forderung der liberalen Wirtschaftskapitalisten nach freiem Markt, freier Produktion, freiem Wettbewerb kam es zur (ersatzlosen) Beseitigung von alten gewachsenen sozialabsichernde Strukturen wie der Beseitigung von Zünften (mit ihren Notkassen für Zunftangehörige und deren Familien) und dem Meisterzwang (zugunsten von industrieller Produktion mittels ungelernter Arbeitskräfte) – was bisher von Zünften Ausgeschlossenen (wie etwa Juden) diese neue industriellen Branchen öffnete – , sowie zur Bauernbefreiung (d.h. die Gutsherren mussten nicht mehr für alte oder überflüssige Landarbeiter sorgen und setzten sie auf die Straße; die Bauern konnten aus Geldmangel aber ihre Felder nicht kaufen oder verloren sie bei Missernten!). Der freie Wettbewerb und freie billigere Einfuhren führten zum Aussterben von Berufen und zu unerhörtem Lohndumping. Durch Umweltkatastrophen, Missernten und steigender Bevölkerung kam es nicht im Mindesten zu einer Verbilligung der Lebenserhaltungskosten (Nahrung), sondern nur zu sinkenden Einkommen für die Unterschichten. Während die Liberalen sich im In- und Ausland nach immer mehr Märkte und billigere Produktionsstätten zur Steigerung ihrer Profite umsahen, sahen die Konservativen die liberale Wirtschaftspolitik als Bedrohung ihrer bisherigen Einnahmen z.B. aus der Landwirtschaft (durch Kornimporte) und die Sozialisten die liberalen großbürgerlichen Unternehmer als Ausbeuter, ständig bemüht nach Profitsteigerung auf Kosten von sinkenden Löhnen und immer mehr eingeforderte Arbeitsleistung. Die Antisemiten kritisierten den "jüdischen Kapitalismus" in Produktion und Bankwesen. 

 

Militarismus und Imperialismus, alt und neu:

Den Militarismus frönen vor allem imperialistische Staaten. Oberste Pflicht eines Soldaten ist der absolute Gehorsam zu seinem Landesherrn und dessen Staat, und indem man Männer auf Jahre einer zwangsweisen Ausbildung beim Heer unterwirft und bewusst und überall das Militär glorifiziert, werden militärische Strukturen innerhalb der Gesellschaft implementiert und zur Norm, so wie im preußisch-wilhelminischen Staat.  

"Militarismus als kultureller Stil ist geprägt von der übertriebenen Wertschätzung militärischer Hierarchien, Waffen, Orden, Uniformen (die bei gesellschaftlichen Anlässen den Frack bzw. schwarzen Anzug ersetzen können), Paraden, Mythen, Rituale (z.B. des Stechschritts) und vom Muster von Befehl und Gehorsam. Oftmals werden Gewaltanwendung (wie im Krieg) und damit einhergehende Bewusstseinszustände und Emotionen glorifiziert (…) und erscheinen als Heldenverehrung. Der Soldat wird zum Rollenmodell für die Gesellschaft (Der Soldat, der Soldat | ist der erste Mann im Staat) und entwickelt den entsprechenden Dünkel. Eine Übertragung militärischer Prinzipien auf die Zivilgesellschaft wird angestrebt bzw. hat stattgefunden. Beispiele für eine derartig geprägte Gesellschaftsordnung sind z. B. der Wilhelminismus und der Nationalsozialismus (…)".(3)

Unter dem Begriff Imperialismus (von lat. imperare „herrschen“; imperium „Weltreich“; z. B. Imperium Romanum) versteht man die Bestrebungen eines Staates, seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen. (…) In der Neuzeit trat die Erscheinung des „Imperialismus“ im Gefolge der bürgerlichen Revolution zuerst in England, dann in Frankreich auf. Das Wort findet sich zwar schon in der Bezeichnung „Britisches Empire“, wurde aber in der Form „Imperialismus“ erstmals für die Großmachtbestrebungen Napoléon Bonapartes benutzt. Geläufig wurde der Begriff „Imperialismus“ im Zusammenhang mit der europäischen Expansionswelle zwischen 1870 und 1914 verwendet. In Bezug auf das Deutsche Reich wird dabei häufig nicht beachtet, dass die englische Übersetzung von Reich „empire“ lautet. Daher sprach man im englischsprachigen Ausland von der kaiserlichen Reichsregierung als Imperial German Government. Das Großmachtstreben der europäischen Mächte führte dann auch zum Ersten Weltkrieg, mit dem das „Zeitalter des klassischen Imperialismus“ endete.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Begriff „Imperialismus“ ganz allgemein für Bestrebungen benutzt, die – z. B. aus ideologisch-missionarischen Gründen – eine Weltherrschaft oder zumindest die Herrschaft über großräumige Gebiete außerhalb des eigenen Staates anstreben. (…)

Gegenwärtig können die Vereinigten Staaten als einzige imperiale (nicht notwendigerweise jedoch als einzige imperialistische) Macht bezeichnet werden, wobei man die Stellung der Vereinigten Staaten nicht mit den alten „klassischen“ imperialistischen Mächten gleich setzen sollte (Münkler, Imperien). Der Politologe Herfried Münkler warf vor kurzem auch die Frage auf, ob den Vereinigten Staaten der Sprung über die so genannte augusteische Schwelle gelingen könnte. Nach Judith Butler rechtfertigten die Vereinigten Staaten den Irak-Krieg mit einem "imperialen Recht", da sie ihn weder durch national noch international geltendes Recht begründen können. Die unilaterale Politik der Vereinigten Staaten seit dem 11. September [2001, Anschläge] hat auch zu einer neuen Imperialismusdebatte geführt. Hierbei wird der neue Imperialismus v.a. von einigen konservativen US-Außenpolitikern explizit gefordert. Dagegen wendet sich die neue imperialismustheoretische Diskussion, die den neuen Imperialismus als die gewaltförmige Durchsetzung der „neoliberalen Globalisierung“ begreift, wobei unter Globalisierung hier das „Eindringen kapitalistischer Sozialbeziehungen in jede Facette unseres Lebens und jeden Winkel unseres Planeten“ (Leo Panitch/Sam Gindin) verstanden wird. Der britische Wirtschaftsgeograph David Harvey begreift den neuen Imperialismus als eine neue Form kapitalistischer Akkumulation, die aus dem Scheitern der fordistischen Akkumulation durch erweiterte Reproduktion entstanden sei. Diese neue Form, die in den 1970er Jahren entstand und sich in den 1980er Jahren durchsetzte, bezeichnet Harvey als Akkumulation durch Enteignung. Frank Deppe u. a. begreifen die neue imperial(istisch)e Politik aus den ökonomischen, politischen und ideologischen Strukturen des amerikanischen Imperiums als dem „Manager“ des globalen Kapitalismus. Der neue Imperialismus sei die „externe Stabilisierung eines internen Regimes.“ (4)

Kommentar dazu: Wenn sich ein Imperium neuerdings auf Geldakkumulation durch Firmenkannibalismus stützt, dann ist es naheliegend, dieses Imperium auch durch Geld(mangel) und wertlos gewordene Firmen zu stürzen…

 

Kolonialismus:

Als Kolonialismus bezeichnet man ein Diktat einer herrschenden Minderheit (volksfremde und/oder kulturfremde nicht anpassungswillige Kolonialherren) über die Masse eines unterworfenen, nicht wehrfähigen unterlegenen Kolonialvolkes, wobei die Kolonialherren auf Kosten der Einheimischen ihre Interessen und Ziele durchsetzen, sie mit Sendungsideologie rechtfertigen und sich selbst für höherwertig einstufen.

"Als Kolonialzeit bezeichnet man heutzutage gemeinhin die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus, der mit dem Übergreifen von Portugal bzw. Kastilien auf Afrika zu Beginn des 15. Jahrhunderts einsetzte und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 andauerte, obwohl es zu allen Zeiten Kolonialzeiten gab (vgl. die römische Kolonialzeit, arabische Kolonialzeit etc.). Eine Zuspitzung erfuhr die Ideologie und Praxis des Kolonialismus durch den Imperialismus. (…) Der Begriff ist zu unterscheiden von der Kolonisation, einem Phänomen, das sich, genau so wie der Kolonialismus, in allen Weltgegenden in verschiedenen Zeiträumen nachweisen lässt, (…).

Ein weiteres Charakeristikum bildet der weltgeschichtlich seltene Unwille der kolonialen Herrscher sich auch auf die unterworfenen Gesellschaften zuzubewegen. Man erwartete von den Beherrschten eine fast totale Akkulturation an die Normen und Gebräuche Europas. Im 19. Jahrhundert wurde diese einseitigen Anpassungsforderungen durch die angeblich unüberwindliche rassische und kulturelle Höherwertigkeit der weißen Rasse gerechtfertigt. Somit kam es durch die europäische Expansion nie zu einer Kultursynthese, wie sie etwa die griechische Kolonisation im Hellenismus vollbrachte.

Man sprach auch von the white man’s burden, den kulturell „zurückgebliebenen“ Völkern die „Zivilisation“ zu bringen. Dies beinhaltet neben der Überzeugung von der eigenen Überlegenheit noch zusätzlich das Sendungsbedürfnis diese anderen auch durch aggressiv-expansionistisches Vorgehen aufzuzwingen." (5) Beispiele: Preußens "Grenzkolonisation" im Slawengebiet, deutscher versuchter Grenzkolonialismus über Österreich hinaus nach Osten bis ans Schwarze Meer. Zuvor schon die Verusche iener "Heidenmissionierung" im Rahmen eines "göttlichen Heilsplans für Barbaren".  "Auch der spätere US-amerikanische und japanische Kolonialismus bedienten sich solcher sendungsideologischen Rhetorik. Andere traditionale Kulturen, wie z. B. auch die chinesische Hochkultur, waren selbstverständlich auch von ihrer Höherwertigkeit überzeugt, gingen aber nicht dazu über sie ihren Nachbarn aufzuzwängen." (…) (5)

Zum Thema Sklavenhandel, Gold- und Gewürzhandel, ausgehend von Europa seit der Antike bis in unsere Zeit, siehe Wikipedia.

Kolonialmächte im Spätmittelalter waren Genua, Venedig (die auch Sklavenhandel betrieben) und ein wenig Pisa. Kolonialmächte in der Kolonialzeit bis 19. Jhd.: Portugal, Spanien, England/Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Dänemark/Norwegen, Deutsches Reich; Italien, Russland, Belgien, das Osmanische Reich, USA und Japan. Im kleineren Umfang Österreich, Schweden, Brandenburg-Preußen, Kurland. Länder, denen durch "ungleiche Verträge" ein Halbkolonialstatus aufgezwungen wurden: Kaiserreich China, Saudi-Arabien, Jemen, Iran, Afghanistan, Korea, Siam, Äthiopien. "Ob der Zionismus zum Kolonialismus gezählt werden kann, ist eine höchst umstrittene und politisch aufgeladene Frage, die im Umfeld des Nahostkonflikts immer wieder aufkommt." (5) Die weltweite neoliberale Wirtschaftsideologie durch Diktat der USA wird in weiten Kreisen ebenfalls als eine Art "Kolonialismus neu" betrachtet.

Mit "Imperialismus" verbindet sich der Versuch eines Aufbaus von transkontinentalen Imperien und das Bestreben, die eigenen Nationalinteressen international zur Geltung zu bringen. Globale Interessensvertretung und die (globale) Erschließung großer Wirtschaftsräume in Übersee gelang nur Großbritannien und den USA völlig, (der USA dabei ohne eigentliches Kolonialimperium,) anderen Kolonialmächten wie Spanien, Frankreich, dem Deutschen Reich, Russland/Sowjetunion und Japan nur teilweise oder vorübergehend. Entweder waren sie global zu wenig präsent oder wirtschaftlich zu schwach für einen Aufbau globaler Märkte. 

 

Zur Geschichte der Kolonien in der Neuzeit bis 1999:

"Die Entstehungen der ersten Banken in norditalienischen Stadtstaaten vereinfachte die Zusammenführung größerer Geldmengen für die teuren überseeischen Unternehmungen. Da aber dennoch die Gewinnaussichten sehr vage waren, übernahm häufig der Staat die Kosten des Seeexpeditionen um das hohe Risiko zu mindern. Die privaten Unternehmen beteiligten sich meist nur an der Befrachtung der Schiffe mit Lebensmitteln und Tauschwaren und erhielten dafür einen festgelegten Teil des Gewinns aus den Eroberungsfahrten. (…)

Nach katholischer Ansicht ist der Papst der Stellvertreter Christi. In dieser Funktion waren Päpste, der Meinung, über neu entdeckte Länder verfügen zu können. Als 1455 mit der päpstlichen Bulle Romanus Pontifex den Portugiesen das Patronat für die Missionierung Asiens zugesprochen wurde, erhielten diese auch das Recht, Länder zu erobern sowie Heiden zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen. 1493 wurden den Spaniern mit Inter caetera die Rechte an neuen Ländern in Amerika „geschenkt“, denen sie den katholischen Glauben bringen sollten. Die missionarischen Absichten, das Christentum über die ganze Welt zu tragen, wurden später überlagert von dem vordergründig zivilisatorischen Motiv, die für "zurückgeblieben" und "wild" gehaltenen Völker an den Segnungen der europäischen Kultur teilhaben zu lassen. (…) Als Rechtfertigung für die Inbesitznahme wurde die Ideologie des Sozialdarwinismus in Verbindung mit der wissenschaftlich inzwischen widerlegten Theorie menschlicher Rassen konstruiert.

Im Fall von Australien und Teilen Amerikas wurde das Land als unbesiedelt deklariert, weil es keine Staaten gab. In anderen Gegenden wurden Staaten militärisch unterworfen, oder über Handelsbeziehungen und Diplomatie vereinnahmt. Siedler der jeweiligen Kolonialmacht nutzen die beschlagnahmte Region und genossen höhere Rechte als die Einheimischen.(…) Die Erschließung und Inbesitznahme der Kolonien erfolgte häufig zunächst auf Initiative und Risiko von privaten Gesellschaften, die von ihrem Staat dazu aber mit einem Schutzbrief legitimiert wurden. (…) [Dem Mutterland] traten sie die Herrschaft meist erst dann ab, wenn sich das wirtschaftliche Engagement nicht mehr lohnte bzw. mit zu hohem Risiko verbunden war. (…)

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts schlug dann auch noch das nationalistische Expansionsdenken in imperialistische Rivalität um, welches zu einem Wettlauf um die Eroberung und Beherrschung auch noch der letzten Weltgegenden führte, die als Verhandlungsmasse im Machtpoker der europäischen Großmächte und als Symbol nationaler Größe zu dienen hatten. (…) Die Ära des Kolonialismus im engeren Sinne ging in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende, als fast alle ehemaligen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Aufgrund der Festlegung von Grenzen auf dem Reißbrett durch die ehemaligen Kolonisatoren ergaben sich in Afrika und im Nahen Osten immer wieder Kriege, da diese Grenzziehungen kulturelle Zusammenhänge kaum berücksichtigt hatten. Viele Staaten der Dritten Welt befanden sich auch nach ihrer Unabhängigkeit in einem Zustand wirtschaftlicher Abhängigkeit von ihren ehemaligen Kolonisatoren. Die letzten Beendigungen einer Kolonialherrschaft in einer bedeutsamen Kolonie waren die von Hongkong 1997 und von Macao 1999. – Neuere Bestrebungen, kolonialistische Machtstrukturen herzustellen, bezeichnet man als Neokolonialismus." (5) 

Als Mittelding und Versuch eines Neokolonialismus und Imperialismus muss man wohl Angriff und Ausbeutung des Irak (Öl) durch die USA (Bush-Ära ab 2003) bezeichnen. Und was stellt die Mission der (arabischen) sunnitischen Wahabiten oder Taliban anderes dar als religiösen Kolonialismus?

Die Kolonialzeit ist gekennzeichnet durch unendlich viele Fälle von Gräuel, Massaker, Verstümmelungen, Gewaltexzesse, Sklaverei, Enteignungen von Land und Ausbeutung. Die privaten Handelsgesellschaften (Gesellschafter: reiche Großbürger und Adelige) hatten meist keine Hemmungen und Skrupel, solange nur ausreichend Profite erzielt wurden. Bei Widerstand oder Aufruhr rief man nach militärischer Unterstützung durch das Mutterland. Unterentwickelte Völker wurden nicht als gleichwertige Menschen wahrgenommen, sondern als so eine Art versklavbares "Nutzvieh" ohne Rechte. Diese Einstellung wurde religiös, ideologisch oder sozialdarwinistisch gerechtfertigt. Die Zerstörung der einheimischen Gesellschaft, Kultur und Tradition wurde bewusst in Kauf genommen oder sogar angeordnet (siehe Indio-Kulturen in Lateinamerika).

Lese dazu auch: http://buntegartenlaubeno7.spaces.live.com/blog/cns!656F1EEF7FFB1856!518.entry

 

Deutsche Kolonien: Allein in Namibia wurde das Volk der Herero (80.000 Menschen) gezielt zu bis zu 80% ermordet, was als erstes gewolltes Genozid der Geschichte einging, und die ersten deutschen Konzentrationslager gab es da ebenfalls (1904-1908), wo jeder 2. Insasse da starb.
siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama 

Als gezielter Genozidversuch gilt für mich ebenso der Versuch der Vereinigten Staaten, die Prärie-Indianer ab 2. H. 19. Jhd. auszurotten, indem sie die Büffel auszurotten versuchten. Die Überlebenden wurden "eingesammelt" und in Gewaltmärschen in "Reservate" getrieben, d.h. auf kleine Gebiete ohne viel Wert für die weißen Siedler. Und diese "Indianerreservate" wurden immer weiter  nach Westen verlegt, immer öder und immer kleiner. In den Reservaten waren die Indianer auf Versorgung durch die Regierung angewiesen, und diese Versorgung war gotterbärmlich.

"Zu diesem Zeitpunkt [bis 1870] lebten gemäß Schätzungen 60 Millionen Bisons in Nordamerika. Nach der Ankunft der Weißen mit ihren Schusswaffen in den Plains begann eine massenhafte Vernichtung. Bis 1870, so hat Scott Taylor, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Calgary, rekonstruiert, töteten indianische wie weiße Jäger allerdings nur so viele Bisons, wie sie für ihren eigenen Bedarf benötigten. 1871 entwickelten dann Gerber in Großbritannien und Deutschland ein neues Verfahren, mit dem Büffelleder in Schuhsohlen und Antriebsriemen für Maschinen verwandelt werden konnte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 rüsteten sämtliche europäische Staaten ihre Armeen neu aus, darunter auch mit Stiefeln für Soldaten. Wegen der damit verbundenen Profite erlegten die Bisonjäger die Tiere in Massen, wobei sie nur das Leder interessierte; das Fleisch ließen sie auf den Prärien verrotten. (…)
Eine Rolle spielte auch die Erschließung des Lands mit Eisenbahnlinien; (…) Mit der Eröffnung der Central Pacific Railroad wurde es ein Volkssport, vom Zug aus mit dem Gewehr Bisons abzuschießen. So konnte ein einziger „Büffeljäger“ etwa 50 bis 100 Tiere täglich erlegen. Einer der bekanntesten Bisonjäger war William F. Cody, der bald Buffalo Bill genannt wurde. Von 1872 bis 1874 wurden pro Jahr mehr als eine Million Büffelfelle nach Osten verfrachtet. Durch die Eisenbahnlinie war das Vorkommen der Büffel in eine Nord- und eine Südherde geteilt worden. Zuerst wurde die Südherde ausgerottet, dann auch die Nordherde. Nur der Nordwesten mit seinen Verteidigern, den Lakota und Cheyenne, konnte zunächst noch größere Bisonherden halten. Um den Stämmen dieser Plains-Indianer die Lebensgrundlage zu nehmen und sie durch Hunger in ihre Reservationen zu zwingen, dezimierten die Weißen auch diese Bisonherden stark. Die letzten 10.000 Tiere erlegten sie, indem sie an Wasserlöchern Scharfschützen aufstellten.
Dank der Gründung des Yellowstone-Nationalparkes im Jahre 1872 erhielten die Bisons noch rechtzeitig ein Rückzugsgebiet."

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanischer_Bison

"Frühamerikanische Endlösung der Indianerfrage! Wie die Statistik aussagt, wurde die rote Bevölkerung in Nordamerika von ursprünglich etwa 890 000 auf 270 000 im Jahre 1901 dezimiert, also auf rund ein Drittel der autochthonen Bevölkerung. Im Kalifornien des Goldrausches zählte man 1848 noch 100000 Indianer, 1859 waren es nur noch 30 000, 1895 noch 15 000, bis 1911 der letzte freie Indianer wie ein von weitem zugereistes Stück Wild, verstört vor Angst und Hunger, im Hof des Schlachthauses von Orville auftauchte.‘ (…) Hinter solch nüchternen Zahlen verbergen sich viele Verbrechen: etwa die totale Ausrottung der reichen Büffelherden, von denen die Indianer lebten. 370 Verträge hat die Regierung gebrochen! Der" „Wilde" wurde von den puritanischen Einwanderern nicht mit dem Menschen, sondern mit jagdbarem Wild gleichgesetzt, eine halbe Stufe tiefer noch als der schwarze Sklave, den man, wie das Haustier, wohl schikanieren, nicht aber einfach abschießen zu dürfen glaubte. Es hat lange gedauert, bis diese Einstellung überwunden war. Vor 1924 ist kein Indianer in den Genuß der Bürgerrechte gekommen. Noch 1940 verweigerten sieben Staaten den Indianern das Wahlrecht."
(aus: http://www.zeit.de/1971/22/Voelkermord-in-Amerika ,  Zeit online vom 28.5.1971: "Völkermord in Amerika", von Marianne von Matuschka)
 
Bis in den 1960er Jahren gab es verfügte Zwangsabtreibungen, Kindesabnahmen und Zwangsunterricht in weißen Schulen, Verbot der indianischen Sprache für diese Kinder, Zwangsmissionierung. Viele entwurzelte Indianer haben sich bis heute nicht vom Schicksal ihres Volkes erholt und sind alkoholkrank.
 
 
So erbärmlich ging man mit Indianer um, mit Afrikaner, mit Asiaten, mit Arabern – und so auch mit Juden.

 
Zitat-Quellen, u.a.:

 

Da gab es schon mal unlängst eine mehrteilige Dokumentation über den Kolonialismus der Deutschen in Afrika, was bereits sehr, sehr grausam und blutig geschildert war und dabei kam auch Belgien zu Sprache. Es wird nur zuwenig darüber bereichtet, sonst würde man im Kolonialismus der europäischen Mächte (GB, Deutschland, Belgien…) ab 1890 die Vorwegnahme und die Parallelen zum Genozid ab 1941 erkennen. Nun, gestern 15.2.2009 versteckte ORF 2 die 90-minütige-Dokumentation „Schatten über dem Kongo“, nach dem gleichnamigen Buch von Adam Hochschild (Klett-Cotta, 2006 in 7. Aufl.), im Programm um 23 Uhr.Ende 19. Jhd. war der Kongo als blühendes Land dicht von Schwarzen besiedelt, 1921 waren lt. Zählung und Angabe binnen 40 Jahren mehr als die Hälfte der Menschen verschwunden, gestorben, überall verfallene und verwüstete Siedlungen, man zählte nur noch 10 Mio. Einwohner. Das bedeutet, das 10 Mio. Menschen ermordet worden sind. Die Kulturen und Völker im Gebiet waren vernichtet, die Menschen traumatisiert und zerrissen, Kulturschätze ins Ausland geschafft worden, die Menschen galten weniger als Vieh.

Zur Geschichte des Kongo: siehe ein Kommentar von Renate Wiggershaus (Neue Züricher Zeitung) zum Buch A. Hochschildts bei Amazon.de (http://www.amazon.de/Schatten-%C3%BCber-Kongo-Adam-Hochschild/dp/3499613123):

„Als der portugiesische Kapitän Diogo Cão 1482 auf der Suche nach Gold die Westküste Afrikas entlangsegelte, «entdeckte» er als erster Europäer die riesige Mündung des Kongo. Ein wenig flussaufwärts lebte die Bevölkerung in einem hochentwickelten Staatswesen, an dessen Spitze der Mani-Kongo (Herr des Kongo) Nzinga Mbemba stand. Die Schwarzen begegneten den Weissen gastfreundlich und arglos. Nach kurzer Zeit begann ein reger Briefwechsel zwischen dem portugiesischen König Manuel und dem kongolesischen Herrscher, einem weltoffenen, wissbegierigen Mann, der rasch die portugiesische Sprache erlernt hatte. Doch er musste schon bald erkennen, dass es sich nicht um eine faire Beziehung handelte. Die Schwarzen erfüllten die Forderungen der Portugiesen nach der Lieferung von Elfenbein und Sklaven. Sie selber bekamen aber nicht die erbetenen Lehrer, Ärzte, Bootsbauer, Medikamente, sondern lediglich Stoffe und veraltete Waffen. Wachsende Bitterkeit schlug in Verzweiflung um, als zehn Neffen des Mani-Kongo, die er zum Studium nach Portugal geschickt hatte, dort als Sklaven verkauft wurden.

1665 kam es zu einer Schlacht, in der die Portugiesen siegten und nach der der letzte Mani-Kongo enthauptet wurde. Ein Menschenhandel von unvorstellbaren Ausmassen setzte ein, an dem sich Portugiesen, Franzosen, Holländer, Briten und Belgier beteiligten. Millionen von Afrikanern wurden nach Brasilien, Mittel- und Südamerika verschleppt. Mit der Abschaffung des Sklavenhandels 1838 war die Ausbeutung Schwarzafrikas keineswegs beendet. Unter dem philanthropischen Deckmantel, Schwarzafrika die Zivilisation zu bringen, wurde das Land weiter geplündert.“

König Leopold II. von Belgien hat den Kongo mittels seiner „Internationalen Afrikanischen Gesellschaft“ als seinen Privatbesitz mit privaten Söldnern und schwarzen Söldnern mit der schweren Nilpferd-Peitsche ab 1885 einrichten, regieren und ausplündern lassen, man schätzt er hat 700 Mio. Pfund (1,1 Mrd. Dollar) daraus persönlichen Gewinn gezogen. Durch den Kongo (Kaffee, Kautschuk, Elfenbein, Minen) wurde er zeitweise zum reichsten Mann Europas. Nicht nur wurden die Menschen im Kongo überfallen und versklavt und schlimmer als Tiere behandelt. Die Menschen wurden mit Gewalt zur Kautschukgewinnung gezwungen, was lebensgefährlich und schmerzhaft war (bis 30 m hoch in Bäume klettern, den brennenden Saft am eigenen Leib trockenen lassen um ihn nach unten zu befördern usw.), wer zuwenig Ertrag lieferte wurde ausgepeitscht oder man hackte ihm die Hände ab. Zu Tausenden. Frauen, Kinder und Alte nahm man wegen den Männern als Geiseln, Frauen wurden vergewaltigt, überlebende Kinder verkauft oder in Waisenhäuser gesteckt, um aus ihnen (gewaltsam) regimetreue Soldaten zu machen. Die Gräuel waren einfach unglaublich. Wer nicht in den Plantagen starb, starb als Sklave in den Minen. Die eigenen Böden konnten kaum ausreichend für die Bevölkerung bewirtschaftet werden, die Verstümmelten ohne Hände waren so ohnehin den Hungertod ausgeliefert.Die belgische Regierung vertuscht bis heute und weigert sich, die historischen Archive zu öffnen. Durch Missionare und Reisende drangen trotzdem Berichte ab 1901 an die Presse, auch als Leopold die Archive im Kongo verbrennen ließ um die Spuren zu beseitigen, verstummten die Stimmen nicht, doch tat man international politisch alles, um Kritiker zum Schweigen zu bringen. Der König wurde sogar noch als Förderer hingestellt, der den Schwarzen Kultur brächte. Die Belgier erregte viel eher, wie miserabel der König, der eher auf kleine Mädchen stand, Frau und Töchter behandelte. Vor seinem Tod übertrug der König die Regierungsgewalt an die belgische Regierung, aber die machte im selben Stil weiter, gepeitscht und ausgebeutet wurde bis 1951. Mit dem ersten demokratisch gewählten Präsidenten Patrick Lumumba konnte sich der Westen nicht abfinden: er hatte es gewagt, den arroganten König Baudoin nach seiner Rede zur Unabhängigkeit des Kongo (1960) auf die begangenen Gräuel hinzuweisen, und für Eisenhower war er zu links. Also wurde Lumumba von CIA und auf Betreiben Belgiens ermordet. Es folgte der westgehorsame Joseph Mobutu als fürchterlich blutiger rechtsgerichteter Diktator, den aber Präsident George Bush sen. in den USA als „lieben geschätzten Freund“ öffentlich titulierte und hätschelte. Nach Mobutu gab es – auch durch Betreiben der Konzerne und des Westens angestachelt, bis vor kurzem Bürgerkrieg ohne Ende. In den 90er Jahren bequemte sich Belgien kurzfristig zu einer halbherzigen Entschuldigung. Und danach wieder Schweigen. Dafür entblödet sich Brüssel heute nicht, dem völlig verschuldeten und heruntergekommenen Kongo seine Schulden bei Belgien und der Weltbank in Rechnung zu stellen… statt Schadensersatz zu bezahlen…

Problem des Kongo ist und war immer: das Gebiet ist zu reich und fruchtbar (Kaffee, Kakao, Kautschuk, Palmöl, Baumwolle… als Bodenschätze z.B. Coltran für Handys usw., 70% des Coltran weltweit stammt aus dem Kongo. Kupfer, Cobalt, Eisen, Silber, Gold, Mangan, Zinn, Erdöl usw. Oder Diamanten – an jedem Diamanten aus der Gegend (West- und Zentralafrika) klebt Menschenblut, dennoch wird der Markt in Antwerpen (Belgien) damit beliefert – übrigens ist der Diamantmarkt in Antwerpen fest in der Hand jüdischer Familien. (Siehe dazu der sehr gute Spielfilm „Blood Diamond“ (2006), der in Hollywood wegen eben dieser Kritik an die Juwelenhändler keine Chancen hatte, und der in Sierra Leone spielt. Der Film versuchte die internationalen Bürgerkriegs-Machenschaften von europäischen und US-Juwelenhändlern in solchen Krisengebieten aufzuzeigen.) Man unterscheidet heute die Republik Kongo (Französisch-Kongo, im Westen) und die Demokratische Republik Kongo (Belgisch-Kongo, Zaire, in Zentralafrika).

http://www.klett-cotta.de/geschichte_buecher_e.html?&tt_products=1280&backPID=99

Zu Belgisch-Kongo unter Leopold II., aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Kongogr%C3%A4uel
„Jedem Dorf wurden Lieferquoten- und -fristen auferlegt (entweder in zwei oder in vier Wochen – je nach Entfernung des Dorfes von der nächsten Sammelstelle). Als Gewähr wurden die Frauen als Geiseln genommen. Kamen die Männer zu spät oder lieferten nicht genügend Kautschuk ab, wurden die Frauen umgebracht. Oft starben die Frauen durch die Entbehrungen in der Geiselhaft. Auch Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung.Oft hackten die Männer die gesamte Kautschuk-Ranke ab, was mehr einbrachte. Die Ranke jedoch starb ab, so dass die Männer mit der Zeit immer weiter in den Dschungel mussten, um genügend Material zu finden. In Reaktion darauf wurde das Abhacken der Ranke verboten und mit dem Tode bestraft.

Weigerte sich ein Dorf oder gab es einen Aufstand, wurde es zerstört und alle Bewohner, Frauen, Männer und Kinder, wurden erschossen.

Die geforderte Kautschukmenge war so hoch, dass sie eigentlich nur durch unablässige Arbeit bei Tag und Nacht gewonnen werden konnte. Wer die geforderte Menge nicht erreichte, galt als faul und wurde hart bestraft.

Wiederholt kam es zu Aufständen und Rebellionen, sie wurden jedoch durch die Kolonialarmee, die Force Publique, brutal niedergeschlagen.

Die durch die brutale Ausbeutung erzielten Gewinne waren enorm, so stiegen die Aktien, einer der beteiligten Firmen, der Anglo-Belgian India Rubber Company (Abir), von 4 ½ Pfund binnen 2 Jahren auf 700, schließlich auf 1000 Pfund.

Die andere ausgeübte Methode war das Hände-Abhacken. Die Force Publique bestand aus Schwarzen – nur die Offiziere waren Weiße. Damit die Soldaten mit ihrer Munition nicht auf die Jagd gingen oder sie etwa für einen Aufstand zurückbehielten, musste genau Rechenschaft für jede abgeschossene Patrone gegeben werden. Dies wurde durch die Formel „für jede Kugel eine rechte Hand“ gelöst: Für jede Kugel, die abgeschossen wurde, mussten sie den von ihnen Getöteten die rechte Hand abhacken und sie als Beweis vorlegen. Oftmals wurden Lebenden die Hände abgehackt, um verschossene Munition zu erklären.“

Ich erinnere nur daran, das Brüssel nicht nur Hauptstadt Belgiens ist, sondern leider auch der EU. Und über diverse Verschwörungstheorien von mächtigen Financiers und Rüstungskonzernen weltweit kann sich jeder selbst den Kopf zerbrechen.

Ach ja, und zu den Briten – in ihren Zuckerrohr- und Baumwollplantagen usw. im 18. und 19. Jhd. in der Karibik hackten man Sklaven, die entlaufen wollten, den halben Vorderfuß ab, dann mussten sie mit Beinstümpfen weiterarbeiten. Und auf die Art wurden die Kolonialstaaten reich…

Man muss verstehen, dass all diese skrupellosen Machenschaften aus absoluter Geld- und Machtgier ab 2. H. 19. Jhd. bis A. 20. Jhd. mit Menschen, denen man die Menschenwürde absprach, direkt zu den Arbeits-, Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis u.a. führte und in den 2. Weltkrieg – und fast zum 3. Weltkrieg geführt hätten.

Wir wollen es gar nicht schönreden, die Kommunisten machen bei der Ausbeutung Afrikas genauso mit und wollen profitieren, Che Guevara war eine Zeitlang in Afrika unterwegs, und nach den Russen sind jetzt die Chinesen groß im Geschäft, so sind sie es, die momentan Mugabe in Simbawe an der Macht halten. Der gerade Simbawe ruiniert und dafür selbst in Luxus schwelgt. Und sind es nicht die Amerikaner, Franzosen, Briten, Belgier (EU), Russen oder Chinesen, sind es die Islamisten (Ost- und Südafrika) oder Lybien (Nordafrika). Und natürlich missionieren auch christliche Sekten aller Art. Die Menschen, die da leben, sind Kanonenfutter oder Versuchskaninchen und ihr Wohlergehen ist so jeder Gruppe egal.Es gab in den 90er Jahren einen Kontinentalkrieg in Zentralafrika, von West bis Ost, mit Millionen von Toten, die mehr oder weniger, mal von Ruanda und Burundi abgesehen, spurlos in den Nachrichten vorbeigegangen ist. Einige Volksgruppen und Militärs kämpfen immer noch. Weiters gibt es die humanitäre AIDS-Katastrophe, die überall Hunderttausende Waisenkinder zurücklässt. Und die uns auch nicht weiter stört. Hauptsache wir haben billiges Gold, Diamanten und Coltran für Handys. Wo es herkommt, fragt keiner. Und das geht immer weiter so, und wir in Europa profitieren davon, und Brüssel wird als Weltstadt bewundert. Die Kriminalität, die Pädophilie bis in höchste Promi-Spitzen, die politische Korruption, das Laster wird nicht gesehen.

Nicht zuletzt verursacht unser CO²-Dreck die Erwärmung und Austrocknung des Äquatorgürtels, d.h. Nordafrikas, Sahelzone.

 
Seit Tagen unlöschbares Feuerinferno in Südost-Australien, Victoria
 
Gestern im ORF, Nachrichten, in zahlreichen australischen Zeitungen, z.B.:

http://www.abc.net.au/news/stories/2009/02/09/2486712.htm, 9.2.2009, ABC News:

"Fires still threatening Vic communities"

Bushfires in several Victorian communities remain dangerous as the death toll from the weekend fires rises to 130.
The toll had earlier been confirmed as 135, but has been revised downwards due to a discrepancy in the reporting process.
Twenty-eight fires are still burning and more than 700 homes have been destroyed."

Im Bundesland Victoria sind 28 Feuerherde noch immer z.T. außer Kontrolle. Wie es im ORF hieß, wurden die Brände absichtlich gelegt (Anm.: Von wem? Auch dort machen jedenfalls Moslems regelmäßig Ärger…). Von gelegten Feuern, wie in Europa berichtet, ist in all den Zeitungen online, die ich angeklickt habe, nicht die Rede, man verniedlicht dass es 40° heiß war. Wie in Kalifornia Sommer 2008 verwüstete das Feuer nicht nur ungeheure natürliche Flächen und brachte die Natur um, sondern tötete inzwischen 130 Menschen (oder mehr), und vernichtete 700-750 Häuser. Das "Buschfeuer" wütet nahe diverser Ortschaften rund um Melbourne, eigentlich im Kreis.
Victoria ist der südöstlichste Zipfel von Australien nahe Tasmanien.
Die Todeszahlen könnten bis zu 200 steigen, denn noch sind nicht alle Opfer (Eingeschlossene) gefunden und das Feuer gelöscht. Es kann Monate dauern, alle Opfer zu identifizieren.

Im Sydney Morning Herald vom 9.2.2009 ( http://www.smh.com.au/) heißt es: "135 killed, 750 homes lost. A tragedy far on belief"

http://www.news.com.au/story/0,27574,25027002-1243,00.html
In "news.com.au" vom 9. 2. 2009 steht: "Melbourne’s Alfred Hospital runs out of morphine treating burns victims"

(Den Spitälern geht wegen der vielen, vielen Brandopfer die Medikamente aus.)

Die Feuer wüten vor allem östlich von Melbourne von Nord bis ganz nach Süden bis Taralgon, im Alpine National Park und bei Wangaratta. Die Australie fühlen sich als wäre es das schlimmste Jahrhundertfeuer und rufen zu Spenden auf, während es im Ausland kaum ein Echo findet.

——————————————————————– 

Das geht irgendwie genauso unter wie die Nachricht, dass die Chinesen das Melamin-verseuchtes Milchpulver nach Afrika liefern, weil es da zwar Babies, aber keine Lebensmittelvorschriften gibt… In China kostete Melamin, welches man aus Geldgier Milchpulver beimischte, weil es Proteine vortäuscht, viele tote Babies und hunderttausende Kinder mit Nierenschäden. Die ersten Todesurteile gab es schon. China hatte den Skandal zur Olympia 2008 entdeckt, aber bis nach den Spielen vertuscht. Protestierende Eltern wurden verhaftet.

Auszug eines Artikels, gesamter Artikel online nachzulesen:
Quelle: http://derStandard.at vom 27. Jänner 2009, Rubrik: Newsroom – Panorama – Integration – Bildung & Integration

"Studie ortet antidemokratische Haltung"
(…)
Wien – Kein gutes Zeugnis in Sachen Demokratiepolitik stellt laut einem Vorab-Bericht des "Falter" eine Studie muslimischen Lehrern in Österreich aus: 21,9 Prozent gaben demnach in einer Umfrage unter 210 Lehrern an, die Demokratie abzulehnen, weil sie sich nicht mit dem Islam vereinbaren lasse. Insgesamt 77,2 Prozent der Befragten sehen sich "als Teil der österreichischen Gesellschaft", 4,5 Prozent, antworteten, dies treffe gar nicht zu. (…)

Mouhanad Khorchide, Autor der Dissertation "Der Islamische Religionsunterricht zwischen Integration und Parallelgesellschaft" am Islamischen Religionspädagogischen Institut der Uni Wien und laut "Falter" selbst Imam und Religionslehrer, (…) führte seine Umfrage im Jahr 2007 durch. Und kam zu dem Schluss, dass 22,6 Prozent der Lehrer "fanatische Haltungen" einnähmen, wobei die Ablehnung rechtsstaatlicher Prinzipien mit höherem Alter der Befragten steige.

Weitere Details, wobei bei der Zustimmung jeweils die Antworten "trifft zu" und "trifft eher zu" addiert wurden: 8,5 Prozent bezeichnen es als "verständlich, wenn Gewalt zur Verbreitung des Islam angewendet wird". 28,4 Prozent sehen einen Widerspruch darin, Muslim und Europäer zu sein; 44 Prozent finden, sie müssten ihre "Schüler befähigen, zu erkennen, dass sie, weil sie Muslime sind, besser als ihre Mitschüler sind". (…)

29 Prozent glauben, eine Integration der Muslime in Österreich sei "nicht möglich, ohne die islamische Identität zu verlieren". Umgekehrt sind indes 85,7 Prozent gar nicht oder eher nicht der Ansicht, Muslime sollten unter sich bleiben, um diesen Identitätsverlust zu vermeiden. Und: 55 Prozent der Befragten empfinden die Österreicher als ausländerfeindlich.

Anas Schakfeh, Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, bezeichnet die Ergebnisse der Studie im "Falter" als "nicht in Ordnung". (…) Dass die Gesinnung der Kinder grundlegend von antidemokratischen Haltungen beeinflusst werden könnte, glaubt er eher nicht (…)

Von den 394 derzeit tätigen Lehrern der Glaubensgemeinschaft gebe es "ein gewisses Segment, das keine adäquate Qualifikation hatte", als es in den 80er und 90er Jahren angestellt wurde, räumt Schakfeh ein. (…) Laut "Falter" melden sich mehr als die Hälfte der Schüler vom islamischen Religionsunterricht ab, rund 50.000 werden derzeit unterrichtet. (…)
(APA)

 
————————————————————————————————————————————————————
 
Und darum bin ich für einen staatlich kontrollierten Religionsunterricht mit westlich ausgerichteten, toleranten und demokratiefreundlichen islamischen Lehrern, die der Staat eigens prüfen und bestellen sollte.
 
 
 

Finanzkrise:

Also irgendwie bin ich froh, dass ich weder viel Vermögen noch viele Schulden habe. Ich bin somit ein hundsnormaler Steuerzahler, eben ein solcher, der mit seinem Steuergeld wieder die Karre aus dem Dreck ziehen soll. Der zuerst das allgemeine, von uns und unseren Eltern erarbeitete staatliche Vermögen erarbeitet hat, damit man es uns wegnimmt, verscherbelt, privatisiert (Kraftwerke, staatliche Gebäude, Kanalisation, Wasser, Bahnen, Post, Strom, Straßen bis hin zu den Polizeiautos, Schulen, Universiäten….), aus rein ideologischen Gründen. Weil, alles was Gewinne macht, nicht der Allgemeinheit, sondern einigen privaten Unternehmern gehören muss. Nur, wenn dann die Verluste kommen, dann wird verstaatlicht, dann dürfen WIR bezahlen. Dann dürfen wir für den Raubtierkapitalismus mit Dschungelmentalität  ("New Economy" = der Staat darf nichts regulieren, der "Markt" regelt als Deus ex machina alles selbst!) aufkommen. US-Kapitalismus eben.

Wir sind somit doppelt bestraft und ein drittes Mal, weil wir auch die Arbeitslosigkeit zu tragen haben, die durch Misswirtschaft und verkehrte Politik entsteht. Wobei besagte Politiker erst durch das Geld gewisser Kreise dahingekommen sind, besagte neoliberale Gesetze weltweit zu beschließen.

Ich komme also nicht in die Verlegenheit zu fragen: wo soll ich mein Vermögen anlegen? Gold kaufen – ist auf dem freien Markt zur Zeit ausverkauft! – oder doch ein Sparbuch und damit die Banken füttern, die damit wieder doch nur Aktien kaufen… 

Lustig oder nicht: dieselben politischen Kaliber, die die Misere mit ihrem laxen Gesetzen erst ermöglicht haben, dieselben finden eine Lösung: die Spekulanten dürfen mit ihrem Geld von dannen gehen, denn der Steuerzahler wird alle Lücken füllen. Und wenn es gar nicht anders geht, dann bekommt er sogar endlich wieder mal eine der Inflation entsprechende Lohnerhöhung, und man schafft Arbeitsplätze. Nicht, weil man das Volk liebt und man für es sorgt, aber nein, sondern damit die Kaufkraft erhalten wird um die Inlands-Wirtschaft zu retten. NUR deswegen.

Wisst ihr überhaupt, wie die Finanzkrise entstanden ist? Nein? Da gab es vor vier Jahren einen Mann namens Greenspan in den USA, der dachte sich, senken wir doch mal die Zinsen auf Hypotheken, damit der Aktienmarkt angekurbelt wird und damit die Leute mehr kaufen. Das taten sie auch, daher erhöhte man flugs die Zinsen wieder, obwohl man genau wusste, dass die Leute sich ihre Häuschen dann nicht mehr leisten können. Entsprechend sank dann der Immobilienpreis, weil die Leute ihre Häuschen – fertig oder halbfertig – wieder unter Wert verkaufen mussten. (Sie zahlten somit schwer drauf.) Das machte aber den Banken nichts, weil die Hypothekenschulden bereits an andere als Aktienpapiere verkauft worden sind. Und um eins draufzusetzen, konnte man sogar auf die wetten, ob sie im Kurs steigen oder fallen. (Bank-Mafiosi, genannt "Spekulanten", sorgten schon dafür, dass sie entsprechend stiegen oder fielen.) Das letztere nennt man "Leerkauf", und war alles bekannt und alles erlaubt wie bei den Casinos in Nevada, die der Mafia gehören. Wie gesagt: "Der Markt regelt sich selbst", sagte das Raubtier zu dem Lamm, bevor er es zerriss. Und Raubtiere sind sie alle, diese Aktien-Zocker.

Also die faulen Kredite gingen reihum von Bank zu Bank, sogar Araber und Chinesen hatten sie reichlich, aber die wollten sie wieder abgeben. Macht nichts, wenn in Großbritannien oder Deutschland längst Banken durch solche Immobilien-Aktien pleite machten und damit Pensionsfonds verschluckten. Die Schulden durften da doch ohnehin nur die dumman Anleger zurückzahlen, die meinten, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Macht nichts, wenn in den USA selbst Pensionisten um ihre Pensionen gebracht wurden durch Spekulanten. Tja, aber jetzt hat es gekracht, weil jemand Gemeines schüttete das faule Zeugs AUF EIN MAL mitten auf den US-Markt und US-hörig und NATO-bewusst wie wir alle sind und mit der fiktiven Währung Dollar bezahlen, hat es uns miterwischt. Na, die anderen auch.

Aber wenn einer schon bankrott geht, dann ist es der Staat, sprich wir Steuerzahler – aber keine Bank. Jedenfalls solange die Banken und Konzerne das Sagen haben. Und plötzlich ist wieder das ganze Geld da, das nicht da war für Schulen, Mindestrentner, Behinderte, Arbeitslose, Krankenversicherungen, Kindergärten, Lohnerhöhungen…

Ob die Mächtigen alle nun durch die Finanzkrise von der New Economy kuriert sind…?

Ob die in den USA weiterhin jedem mehrere "günstige" Kreditkarten hinterherwerfen?

Und Pensionen in Aktien anlegen?

Aber lest mal selbst die gestelzteren, vornehmeren Kommentare und Berichte aus den Zeitungen:

 

 

Aus: sueddeutsche.de vom 10.10.2008, Rubrik Geld: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/739/313645/text/  –  Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

"Die Schuldigen für die Finanzkrise: Lektion für alle"

"Die Verantwortlichen für die Finanzkrise schienen schnell gefunden: Gierige, unverantwortlich handelnde Manager. Doch auch Politiker sind Teil des Problems.

In der Weltwirtschaft geht eine Panik um wie kaum jemals zuvor. Die Aktienkurse fallen ins Bodenlose, Banken gehen reihenweise pleite und müssen von Regierungen gerettet werden. Ganze Nationen werden zahlungsunfähig, und die Menschen sind in Sorge. Sie fürchten um ihr Erspartes, um ihren Arbeitsplatz, und sie zweifeln an der Marktwirtschaft sowie an denen, die in Politik und Unternehmen die Verantwortung tragen.

In solchen Zeiten sind Schuldige schnell gefunden: Es sind offenbar "unverantwortliche Banker" (Kanzlerin Merkel), die die Welt mit kaum durchschaubaren Finanzgeschäften aus den Fugen brachten, die sich persönlich bereicherten und dem Rest der Welt ein beispielloses Chaos hinterließen." (…)

"Für manchen ist der Grund das angelsächsische Wirtschaftsdenken, das schnelle Gewinne für die Aktionäre in den Vordergrund schob, das soziale Bedürfnisse der Menschen hintanstellte und das in Westeuropa erst nach dem Zusammenbruch des Sozialismus breit akzeptiert wurde." (…) 

"Es stimmt ja, dass ins Kriminelle hineinreichende Geschäfte von Finanzjongleuren die Weltwirtschaft aus den Fugen gebracht haben. Aber es ist ebenso richtig, dass auch die Politiker der verschiedenen Regierungen für diese Krise die gleiche Verantwortung tragen. (…) Der Verwaltungsrat der staatlichen KfW-Bank [in Deutschland], die an der zusammengebrochenen IKB-Bank beteiligt war, sitzt voller Bundespolitiker. Finanzminister Peer Steinbrück [aus Deutschland], der sich heute als tüchtiger Krisenmanager feiern lässt, ist sogar stellvertretender Vorsitzender." (…) 

"Die Regeln der Bankenaufsicht sind in Deutschland mangelhaft. (…) Diese Krise ist besonders komplex. Banker und Politiker in aller Welt sind auf ihre Bewältigung schlecht vorbereitet. Es gibt keine staatsfreie Wirtschaft, auch wenn sich Unternehmer das oft wünschen. (…) Staat wie Wirtschaft haben dem Wohl der Menschen und der Nationen zu dienen, sonst werden sie nicht akzeptiert. Das gilt auch, wenn sie sich gegenseitig zum Teufel wünschen. Es wäre viel erreicht, wenn am Ende dieser Krise die Erkenntnis übrigbliebe, dass beide enger verbunden sind, als sie glauben."

 

Hier ist noch ein Artikel mit Eindrücken vom Wochende und der Panik unter den Aktienbesitzern, die von den Medien noch kräftig angeheizt wurde:

Aus: Kurier, Rubrik Nachrichten, 14.10.2008: http://kurier.at/geldundwirtschaft/210684.php

"Finanzkrise: die Folgen des Schwarzen Freitags"

"Angst vor einer globalen Rezension: Die Anleger verkaufen panisch und schicken die Aktienkurse in den freien Fall.

An den Aktienmärkten herrscht Weltuntergangsstimmung. Für die Finanzbranche wurden und werden zwar enorme Rettungspakete geschnürt, die Anleger können die baldige Wirkung dieser Milliardenspritzen jedoch nicht glauben. Vertrauen gibt es keines mehr. Dazu kommt ein weiterer Horror: Die Krise, die ursprünglich auf Immobilien- und Finanzmärkte beschränkt war, ist bereits massiv in der Realwirtschaft zu spüren. Jobs gehen verloren, Unternehmen verschieben Ausbaupläne oder wackeln überhaupt schon. Japanische Volkswirte gehen mittlerweile davon aus, dass die USA, Japan und auch Europa bereits mitten in einer Rezession mit schrumpfender Wirtschaft stecken. Konsequenz all dieser Ängste: Am Freitag rollte eine riesige Verkaufswelle über die internationalen Börsen. Die Panik schickte die Kurse in den freien Fall."

"Wiener Börse: Angesichts der Kursgemetzels an den Aktienmärkten, die schon geöffnet hatten, griff die Wiener Börse zu einem rigorosen Mittel. Erstmals in ihrer Geschichte verfügte sie am Freitagvormittag einen totalen Handelsstopp. Dafür war – so schreibt es das Gesetz vor – ein gemeinsamer Beschluss mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) nötig. Um 12 Uhr wurde auch in Wien der Handel gestartet, die Zwangspause führte aber dennoch zu keiner Entspannung der Lage. Der Wiener Leitindex ATX stürzte zeitweise um mehr als 12 Prozent ab. Zu Handelsschluss lag der ATX mit 7,37 Prozent unter Wasser. Der Index hält mittlerweile nur noch knapp 2000 Punkten, das war zuletzt vor mehr als vier Jahren der Fall. Bei Finanzwerten wie Raiffeisen International (RI), Erste Bank und Wiener Städtische ging es überhaupt fast ungebremst bergab."

Kapitalvernichtung: Seit Jahresbeginn wurden in Wien bereits mehr als 90 Milliarden Euro an Aktienkapital vernichtet, 18,41 Milliarden davon allein diese Woche. Weltweit gehen derzeit unfassbare Mengen an Börsengeldern verloren. "Niemand will mehr ein Risiko eingehen. Alle wollen an ihr Geld und es unter die Matratze legen", beschreibt der Chefökonom David Wyss der US-Ratingagentur Standard & Poor’s die Panik. In den USA hätten sich allein in der Nacht auf Freitag 872 Milliarden Dollar (637 Mrd. Euro) an Aktienkapital in Luft aufgelöst. Der Dow-Jones-Index war Donnerstag um 7,3 Prozent abgesackt, am Freitag verlor er im frühen Handel 4,6 Prozent.

Seit Jahresbeginn gingen allein in Wien 90 Mrd. Euro Aktienkapital verloren, 18,41 allein in dieser Woche. Alle versuchen, Aktien abzustoßen und flüchten sich in Sparbücher. In den USA haben sich alleim am Freitag 872 Mrd. Dollar (637 Mrd. Euro) Aktienkapital aufgelöst, der Dow-Jones-Index fiel um 7,3 Prozent am Donnerstag und am Freitag 4,6 Prozent. An der Mailänder Börse brach der Kurs um 6,5 Prozente ein. Der Kurs der Bank-Austria Mutter "UniCredit" fiel um 13 Prozent. In Tokio fiel der Nikkei-Index um 9,6 Prozent, der tiefste Stand seit fünf Jahren. In Frankfurt, London und Paris sank der Leitindex um 7-9 Prozent, an den kleinen Börsen in Osteuropa sank er noch mehr – in Prag verlor er 15 Prozent. In Russland wurde die Börse kurzfristig überhaupt geschlossen.

 

Aus: WirtschaftsBlatt, 14.10.2008, Rubrik International, von Jochen Hahn: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/346268/index.do?_vl_pos=r.1.MOST

"Der Weltwirtschaft droht erhebliches Ungemach"

"Experten sehen die Weltwirtschaft auf die schlimmste Rezession seit einem Vierteljahrhundert zusteuern – trotz der geplanten Hilfsmaßnahmen der G7-Staaten für den Finanzsektor. (…) In den USA liegt die Arbeitslosenquote mit 6,1 Prozent bereits auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren und Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs rechnet bereits mit acht Prozent. Der Anstieg innerhalb der Rezession würde damit kumuliert bei 3,5 Prozentpunkten liegen und wäre der zweitschwerste seit dem Zweiten Weltkrieg. Nur Mitte der 1970er Jahren war die Arbeitslosenquote in den USA mit 4,1 Prozentpunkten noch stärker gestiegen. (…) Sorge bereitet Volkswirten vor allem der Umstand, dass zwei wichtige Motoren der Weltkonjunktur ins Stottern kommen dürften: das Konsumverhalten der US-Amerikaner und das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer.

Der Ausverkauf an den Börsen hat vergangene Woche allein an den US-Märkten eine Marktkapitalisierung von 2,16 Billionen Dollar (1,5 Bill. Euro) vernichtet und das Vermögen vieler Bürger ist damit erheblich abgeschmolzen. Auf der anderen Seite sind Verbraucherkredite immer schwieriger zu erhalten, da die Banken das Risiko von Zahlungsausfällen fürchten. Das Volumen der ausgereichten Darlehen ging im August so stark zurück wie noch nie, wie Daten der US-Notenbank zeigen. (…) In Einkaufszentren standen im dritten Quartal so viele Läden leer wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Verbraucherausgaben dürften auf Jahresbasis zwei Prozent gesunken sein, schätzen Volkswirte." Auch Länder wie Brasilien, Indien oder China sind betroffen, zumal die Finanzkrise die Nachfrage aus EU und USA nach Exportgütern bremst. "Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte vergangene Woche, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2009 auf drei Prozent abschwächen wird."

 

Aus: www.krone.at, 11.10.2008, Rubrik Welt:

"Finanzkrise: Finanzminister der G7 beschließen Aktionsplan"

 

"Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G-7) haben am späten Freitagabend in Washington einen gemeinsamen Aktionsplan zur Überwindung der dramatisch ausufernden Weltfinanzkrise beschlossen. (…) So wollen die sieben wichtigsten Industrieländer keinen Zusammenbruch einer Bank zulassen, die von großer, "systemrelevanter" Bedeutung ist. Zudem sind die G-7 auch bereit, von staatlicher Seite für Liquidität zu sorgen. Das "eingefrorene" Kreditgeschäft zwischen Banken soll in Gang gesetzt werden. Die Interessen der Steuerzahler wollen die G-7 schützen: Banken, die Staatshilfen nutzen, müssen sich auf scharfe Auflagen gefasst machen, Wettbewerbsverzerrungen sollen vermieden werden.(…)

US-Finanzminister Henry Paulson (…) kündigte an, dass die US-Regierung Anteile von Banken kaufen wolle, um Vertrauen ins Finanzsystem wiederherzustellen (…) Ziel sei, die Finanzmärkte zu stabilisieren und den Kreditfluss sicherzustellen, heißt es in dem Fünf-Punkte-Plan der G-7-Staaten USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien. Es müssten dazu "alle verfügbaren Werkzeuge" eingesetzt werden, um den Zusammenbruch wichtiger Finanzinstitutionen zu vermeiden. Dazu wollen die Regierungen sicherstellen, "dass Banken und andere Finanzinstitutionen breiten Zugang zu Finanzmitteln haben". Zudem verpflichteten sich die Finanzminister und Notenbanker dazu, nationale Einlagensicherungen zu garantieren." (…) Bankkunden sollen wieder Vertrauen zu ihren Sparguthaben fassen. "Zudem soll der Markt für mit Hypotheken verbundenen Wertpapieren in Gang gesetzt werden. Ziel sei auch mehr Transparenz in der Finanzbranche."

 

Aus: merkur-online.de, 13.10.2008, Rubrik Wirtschaft: http://www.merkur-online.de/nachrichten/wirtschaft/plan-gegen-finanzkrise-15808.html

"Gemeinsamer Plan gegen panische Märkte" von André Stahl und Frank Brandmaier

Washington – "Die sieben wichtigsten wollen die Finanzkrise mit „allen verfügbaren Mitteln“Industrienationen bekämpfen", erklärte der Gipfel der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs. Mittels eines Fünf-Punkte-Plans sollen die Kreditmärkte wieder belebt werden. 

"„Dringende und außergewöhnliche Maßnahmen“ kündigte der Club der reichen Länder an: Wichtige Finanzinstitutionen sollen vor dem Untergang bewahrt, eingefrorene Kreditmärkte aufgetaut und privates wie staatliches Kapital „ausreichend“ an Banken fließen, um das beinahe havarierte Finanzsystem wieder flottzumachen. „Robuste“ Garantien müssten Bankkunden zudem Vertrauen geben, der Markt für notleidende Vermögenswerte soll wiederbelebt werden. Von einem „aggressiven Plan“ sprach US-Finanzminister Henry Paulson , von „weitreichenden Verabredungen“ sein deutscher Kollege Peer Steinbrück. Die zuletzt hypernervösen Börsen und die seit Tagen verunsicherten Investoren werden ihr Urteil heute fällen.

Als hätten die Aktienmärkte den Druck auf die Politik bis zur Unerträglichkeit erhöhen wollen, hatten sie am Freitag [10.10.2008] ihren Absturz dramatisch fortgesetzt. Binnen einer Woche brach der japanische Nikkei-Index um 24 Prozent ein, der Dax verlor mehr als ein Fünftel. Dass der amerikanische Dow-Jones-Index nach einer wilden Berg- und Talfahrt um rund 1000 Punkte mit etwa 1,5 Prozent im Minus schloss, galt nach dem Blutbad der Vortage schon als moderat. (…)

Alle 185 Mitgliedsländer des internationalen Währungsfonds IWF stellten sich ausdrücklich hinter den Aktionsplan der G7. Auch aufstrebende Wirtschaftsgiganten wie China, Indien und Brasilien versicherten nach einer Sondersitzung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), dass sie eine aktive Rolle bei der Stabilisierung der Märkte spielen wollen. In der G-20 sind die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G-8) sowie weitere Industrie- und Schwellenländer wie China, Indien, Australien, Südafrika und Saudi-Arabien vereint."

 

Aus: www.krone.at, 13. 10. 2008, Rubrik Welt 

"Gemeinsame Aktion: Eurogruppe will Bankwesen stützen"

 
 
"Mit Finanzspritzen und Staatsgarantien wollen die Staaten der Eurozone die Bankenkrise bekämpfen. Auf ihrem Krisengipfel in Paris haben sich die 15 Mitglieder der Eurozone am Sonntagabend auf einen gemeinsamen Aktionsplan geeinigt. Die Länder der Eurozone, also auch Österreich, verpflichten sich in ihrem Aktionsplan zu dem Ziel, Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren und in Schieflage geratene Institute durch Finanzspritzen zu stützen. (…) Das damit verbundene Programm soll zunächst bis Ende 2009 gelten, wie der französische Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Krisentreffen mitteilte. Frankreich, Deutschland und weitere Euro-Staaten wollen Details zu ihren nationalen Hilfsplänen am Montag bekanntgeben.(…)

Staatsgarantien sollen helfen. Außerdem soll es Staatsgarantien für Kredite zwischen den Banken geben, um das brachliegende Kreditwesen anzukurbeln. Die Regierungen sollen "auf Basis angemessener Geschäftsbedingungen" für Kredite von bis zu fünf Jahren Laufzeit bürgen. (…) Banken, die es benötigten, solle Kapital zur Verfügung gestellt werden – allerdings mit Auflagen, sagte Merkel. [Gemeint sind damit etwa die Reduzierung der exorbitanten Managergehälter und staatliche Kontrollen.] (…)

Die Vereinbarungen des Sondergipfels in Paris führten in dieselbe Richtung wie zuvor der Aktionsplan der sieben führenden Industrieländer (G7) und die Beschlüsse des IWF-Lenkungsausschusses sowie der in der G20 zusammengeschlossenen wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. "Ich denke, wir gehen in eine gute Richtung", sagte Strauss-Kahn." (…) Die internationalen Maßnahmen werden als eine Art "Schutzschirm" betrachtet. [Anmerkung: Den gab es beim Bankencrash "Schwarzer Freitag" 25. Oktober 1929 nicht – als mehrere große Firmen in die Pleite rutschten, traf es zuerst die beteiligten Banken direkt, die dann wie im Domino-Effekt die anderen Banken und Firmen und den ganzen Aktienmarkt mitgerissen haben und welches zur Weltwirtschaftskrise führte.]

"Wie die europäischen Staaten wollen nun auch die USA in großem Stil bei einheimischen Banken einsteigen. Wie das US-Finanzministerium am Montag mitteilte, es arbeite derzeit an einem Programm, mit dem Aktien "von einer breiten Palette von Finanzinstituten" aufgekauft werden sollen. (…) Das "alleinige Ziel" dieses Plans bestehe darin, den Kapitalfluss hin zu den Unternehmen und den Verbrauchern wiederherzustellen. (…) Die USA hatten Anfang Oktober ein Rettungspaket für den Bankensektor mit einem Volumen von rund 700 Milliarden Dollar (513 Milliarden Euro) beschlossen. Dieser Plan hatte vor allem das Aufkaufen von Wertpapieren vorgesehen, die durch das Platzen der US-Hypothekenblase massiv an Wert verloren hatten. Nach Informationen des US-Senders CNBC arbeiten die US-Behörden derzeit auch an einem Programm zur Absicherung von Krediten zwischen den Banken – ebenfalls nach dem Vorbild des Programms, das die Länder der Eurozone am Sonntag in Paris beschlossen hatten. Die Eurostaaten wollen Staatsgarantien für Kredite zwischen den Banken geben, um die zuletzt fast völlig zum Erliegen gekommenen Kreditvergabe zwischen den Banken wieder anzukurbeln."

 

Aus: www.krone.at, 13.10.2008, Rubrik, Rubrik Welt:

"Mega-Paket: Bank-Hilfspaket 100 Mrd. Euro schwer"

 

"Die österreichische Bundesregierung hat angesichts der internationalen Finanzkrise ein bis zu 100 Milliarden Euro schweres Banken-Maßnahmenpaket zur Stärkung der Institute und zur Wiederherstellung von Vertrauen und Stabilität geschnürt. Von der Gesamtsumme sollen bis zu 85 Milliarden Euro auf staatliche Garantien entfallen und weitere bis zu 15 Milliarden Euro für eine allenfalls notwendige Eigenkapital-Stärkung zur Verfügung stehen, wie Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) am Montagnachmittag im Bundeskanzleramt verlautbarten. (…) Falls nötig, werde der Staat sich vorbehalten, auch eine Eigentümerrolle mit entsprechenden Mitwirkungsrechten zu übernehmen. Dazu werde eine eigene ÖIAG-Tochter errichtet. Für alle Unterstützungsmaßnahmen müssten die betreffenden Institute selbstverständlich marktkonforme Preise bezahlen."
 
Der bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt befindliche Bundeskanzler Gusenbauer ist zuversichtlich, dass durch die staatlichen Garantien die Banken gestärkt und die Sparer geschützt würden. Idealerweise sollten die Haftungen gar nicht zum Tragen kommen, da die Banken in Österreich "stark genug" sind. Eine Verstaatlichung von Banken sei nicht vorgesehen [Anm.: Einschub vom originalen ORF-Interview]. "Mit dem Paket werde ein Schutzschirm über die österreichischen Banken gespannt." Im Hinblick auf die zu erwartende internationale Konjunkturabschwächung muss die Regierung den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt ankurbeln und gegensteuern.

"Zur Eindämmung der Finanzkrise einigten sich die führenden Industriestaaten (G7) schon am Samstag [11.10.2008] in Washington auf einen Aktionsplan, der neben der Rettung wichtiger Kreditinstitute vor dem Bankrott auch die Bereitstellung staatlicher Mittel für den Finanzsektor vorsieht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die G20-Staaten unterstützten den Plan."

Anmerkung: Österreich schloß am Wochenende sogar die Wiener Börse für einige Stunden, genauso wie Moskau (welches nun in ähnlicher Weise seine Großbetriebe wie Gazprom z.B. unterstützt, oder Bukarest. Turbulenzen gab es auch auf den Börsen in Lateinamerika und Asien.  

 

Aus: WirtschaftsBlatt, 13.10.2008, Rubrik International, von Leo Himmelbauer: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/wirtschaftspolitik/346273/index.do?_vl_backlink=/home/international/index.do&_vl_pos=1.DT

"Banken-Paket: Eigenkapital-Spritzen groß genug, um Raiffeisen dreimal, die Erste zweimal zu kaufen"

"Die Deutschen genehmigen sich rund 500 Milliarden €, die Franzosen 360 Milliarden €, Österreich wird das Banken-Hilfspaket mit bis zu 100 Milliarden € dotieren, davon 15 Millliarden € für mögliche Eigenkapital-Zufuhren. Das von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer [Österreich] am Wochenende in Paris angekündigte Hilfspaket (…) wird bis zu 100 Milliarden € schwer werden und damit in der erwarteten Bandbreite von 80 bis 120 Milliarden € liegen. (…)

Die vier Teile dieses Maßnahmenpakets sind, wie berichtet, das Verbot von spekulativen Leerverkäufen von Wertpapieren, die volle Sicherung der Spareinlagen rückwirkend ab 1. Oktober, das Bereitstellen von ausreichend Liquidität für den Finanzsektor sowie, der heikelste Punkt, die Vorbereitung für mögliche Rekapitalisierungs-Maßnahmen für betroffene Banken. (…) Im Ministerrat am Dienstag soll das "Finanzstabilitätsgesetz" und das "Interbankmarktförderungsgesetz" verabschiedet werden."

Das Interbankmarktförderungsgesetz schreibt die Einrichtung einer Gesellschaft als "Clearing-Stelle" vor, über die Banken ihre Geschäfte abwickeln können, an der sich auch Versicherungen beteiligen können. Diese Stelle soll neben Eigenkapital auch ausreichende Haftungen vom Bund besitzen. Banken, die einen Liquiditätsfall aufweisen, erhalten von dieser Stelle Sicherheiten. Die Clearing-Stelle kann selbst Anleihen ausgeben, für die der Bund haftet, um selbst Kapital zu schaffen. Bundeshaftungen sollen auch die Wertpapier-Emissionen der Kreditinstitute erleichtern.

Das Finanzmarktstabilitätsgesetz ermöglicht es dem Finanzminister, Eigenkapital als Beteiligung zuzuführen. Das kann unter Bedingungen erfolgen, z.B. auch als Eingriff in die Eigentümerstruktur. Für Maßnahmen kann eine ÖIAG-Tochter herangezogen werden. Beteiligungen des Bundes sind, wenn sie als Hilfsmaßnahme ihr Ziel erreicht haben, wieder zu privatisieren.  

"Wolfgang Reithofer, Vorstandschef der Wienerberger, konnte am Montag am Rande der Immofinanz-Pressekonferenz seinen Frust über die Finanzmarktkrise und die geplanten staatlichen Reaktionen darauf nicht mehr verbergen: "Der Finanzsektor hat die katastrophale Situation ausgelöst, in der wir uns befinden – und jetzt kriegt er auch noch Subventionen dafür", brach es aus Reithofer, der eigentlich diplomatischer Formulierer bekannt ist, regelrecht heraus.

"Das Bankenpaket ist richtig, braucht aber die Ergänzung durch ein kräftiges Konjunkturprogramm sowie das Vorziehen der Steuerreform", sieht ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer weiteren Handlungsbedarf sowohl auf nationaler als auch europäischer Ebene. Vergessen werden dürfe nicht, dass die für das Desaster verantwortlichen Manager zur Rechenschaft gezogen werden müssen, so der ÖGB-Präsident.

Die Finanzminister der Eurogruppe hatten im April 2007 in Berlin vereinbart, ihre strukturellen Haushaltsdefizite bis 2010 auf Null zu bringen. In der Erklärung wurde allerdings ausdrücklich auf die damals "günstigen Konjunkturbedingungen" verwiesen. Frankreich hat das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts seither bereits auf 2012 verschoben, auch Italien hat das Sparziel relativiert."

 

 

Aus: WirtschaftsBlatt, 14.10.2008, Rubrik International, von Leo Himmelbauer: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/346382/index.do?_vl_backlink=/home/international/index.do&_vl_pos=6.1.DT

"Größter Kaufrausch aller Zeiten – USA applaudiert Europa – Jetzt 250 Milliarden Dollar für Investments in Banken"

"Zuerst die größte Wertevernichtung aller Zeiten an den Börsen, jetzt das Gegenteil: Ein Kaufrausch nie dagewesenen Ausmaßes hat die Welt erfaßt. Die USA nehmen Europa als Vorbild und passen ihr Banken-Hilfspaket an.

Den schlimmsten Kursstürzen, den die internationalen Börsen je erlebt haben, folgen jetzt die historisch größten Zugewinne. Auslöser für den Kaufrausch noch nie dagewesenen Ausmaßes sind die von europäischen Ländern geschnürten Hilfspakete für ihre Finanzsektoren. Die Welle der historisch höchsten Zugewinne ist von Europa auf die USA übergeschwappt. An der Wall Street in New York kletterten die maßgeblichen Aktienindizes um mehr als elf Prozent. Der Dow-Jones-Index stieg um 936,42 Punkte. Dies war der höchste Tagesgewinn aller Zeiten – der bisherige Rekorde wurde im März 2000 mit 499,19 Punkten aufgestellt. Zweistellig auch die Zuwächse an den Börsen in Brasilien, Mexiko, Peru. Nahtlos setzte sich der Run auf Aktien in Asien, Austrialien (auch dort ist ein 5,4 Milliarden € schweres Hilfspaket geschnürt worden) und Neuseeland fort. Tokio (die japanische Zentralbank hat die nächsten 7,3 Milliarden € in den Markt gepumpt) schließt sich in breiter Front dem Kursfeuerwerk an.

Der japanische Leitindex Nikkei 225 schloss am Dienstag mit einem Rekord-Plus von 14,15 Prozent. Fast 1200 Zähler wurden damit aufgeholt. Zwar fehlen noch immer gut 8600 Punkte auf den erst 15 Monate zurück liegenden Höchststand von 18.261 Punkten, aber immerhin: Alle 225 wichtigsten japanischen Aktien haben mehr als vier Prozent zugelegt. Für 43 Werte gibt es Zuwinne von 20 bis 42,9 Prozent.

Ein Augenblicksaufnahme übrigens, die der in Wien ähnelt. Auch die im ATX Prime zusammengefaßten wichtigsten österreichischen Aktien sind nach den fulminanten Zuwinnen von Montag noch im Schnitt 52 Prozent unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Schwergewicht Raiffeisen International ist mit einem Minus von 69 Prozent weiterhin unter dem Ausgabekurs. An der Strabag, die seit Jahresbeginn mit 61 Prozent im Rückstand ist, ging der Börsen-Rekordtag sogar spurlos vorüber. Das Papier sackte weiter ab und ist mit 19 € meilenweit vom Emissionskurs (47 €) entfernt. Für zehn der 58 Wiener Prime-Titel brachte jedoch der Montag jedoch Kurssprünge von 20 bis zu 42,9 Prozent."

Angesichts Angesichts dieser europäischen Erfolgstory hat die US-Regierung ihren Rettungsplan für die Banken erweitert und will wie in Europa direkte Staatsbeteiligung an Geldinstitute und Garantien der Einlagensicherung FDIC für Kredite zwischen den Banken. Von den 700 Mrd. Dollar Hilfgelder sollen 250 zum Kauf von Bankaktien dienen, um diesen Geld zuzuführen. Davon soll die Hälfte den 9 größten Banken zugute kommen. Bisher plante die USA, die wertlosen Hypothekarpapiere den Banken abzukaufen. Der Staat soll über drei Jahre Garantien für Interbankhandel übernehmen, und die Sparkonten in unbegrenztem Umfang garantieren.