Category: Literatur, Kunst, Kultur und Musik


„Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?“

Natürlich hört die Königin im Märchen die wahre Antwort aus ihrem Inneren: sie mag zwar schön sein, aber es gibt eine weitaus Schönere… hinter den 7 Bergen…

Spiegel, glitzernde Kristallkugel, reflektierende Wasserschüsseln usw. bis hin zu tanzende Feuerflammen wurden immer als Mittel eingesetzt, den rationalen Verstand zu beruhigen, in die Stille zu bringen und so Zugang zum Unterbewusstsein und dem Inneren Selbst zu erlangen. Die Antwort, die man aus dieesr Stille erhält entsprechen qualitativ und sprituell der Tiefe, in die man auf seiner Bewusstseins-Entdeckungsreiche hin zum eigenen Inneren Selbst gelangt ist. Trifft der Neuling noch überwiegend auf die eigenen verdrängten und erschreckenden Schattenseiten seiner Persönlichkeit, stoßen andere in kosmisch-kollektive Bereiche vor und ein paar Sucher berühren auf ihrer Reise vielleicht auch den göttlichen Funken, das absolute Ein und Alles, das höchste Sein.

Der Blick in den inneren Spiegel führt somit zuallererst in das eigene Selbst und ins eigene Unterbewusstsein, welches man erkennen, bearbeiten und formen sollte. Und dieser erste Blick, der dann aus dem Dunkel auftaucht, kann einen möglicherweise schon erschrecken. Plötzlich ist man gar nicht mehr so schön, edel und mutig, wie man meint, sondern gar fleckig, grimmig und ängstlich. Ein übellauniger Drachen und gar kein Engel!

Und das passt der bis dahin unangefochtenen Königin der Materie gar nicht, sie will das weder hören noch sehen und reagiert auf die viel edlere seelische Konkurrenz aus dem Inneren sogar feindselig. Und wo ist der alte König im Märchenreich? Gerade nicht da, wenn man ihn braucht! – Es dauert im Märchen noch eine ganze Weile, bis die böse Königin ihre Macht verliert, während andererseits das reine Schneeweißchen sich mühsam mit den sieben Erdgeistern (Zwergen) hinter den sieben Bergen herumschlägt und ebenso dazulernen muss, z.B. in dem, was man sich an Irdischem einverleiben sollte und was nicht. Manche dieser Früchte bringen das Leben und andere den Tod! Oder beides.

Während der Kristallspiegel der Königin bricht, bricht auch der Kristallsarg des Schneeweißchens; das edle kosmische Bewusstsein erwacht und besiegt den eigenen Schatten, das Licht erleuchtet die Dunkelheit. Wie im Märchen üblich, kommt es umgehend zur Vermählung von Prinz und Prinzessin und beide herrschen hinfort als immerjunges Königspaar gemeinsam.

Und das alles beginnt, weil man als Neophyt zu tief in den Spiegel blickt…

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Ein Gigant der Musik ist gestorben

 

„You want what you create to live, and I give my all in my work because I want it to live.”

Interview für die TV-Show “extra”, 2007 (siehe ganz unten)

 

         

   1960-er und 1970-er Jahre                    

  

     

  1980-er Jahre in Prinzen-Outfit, Neverland-Ranch                 1990-er Jahre, mit Bubbles (Shimpanse)

 

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Biografie:

 

29. August 1958: Michael Joseph Jackson wird in Gary im US-Bundesstaat Indiana als achtes von 10 Kindern des Joseph Jackson (Bauarbeiter) und seiner Frau Katherine (Verkäuferin) geboren.  Die Eltern hatten insgesamt 6 Jungen – wobei einer starb – und drei Mädchen und es gab noch eine uneheliche Tochter von Joe. Um zu Geld zu kommen versuchte der Vater sein Glück in der Musik und trieb die Kinder zu Talentwettbewerben. 1962 – 1965: Jackson steht erstmals mit seinen Brüdern in der Band "Jackson Five" auf der Bühne, der hochbegabte Michael wird Leadsänger. Vom Vater wird er mit unbarmherzigen Methoden (Tanzen auf heißen Herdplatten, Prügel mit dem Gurt) zu absoluter Perfektion gedrillt.

 

1969: Die "Jackson Five" werden vom Hit-Label Motown unter Vertrag genommen, Kinderstar Michael singt in Hits wie "ABC" und "I’ll Be There".

 

1970: Michael Jackson veröffentlicht seine erste Solo-Platte. 1979 Album „Off the Wall“, 1982 legendäres  Album „Thriller“, an dem kein späteres Album mehr herankam. 8 Grammys für Thriller! 1983 kreiierte er zu „Billie Jean“ den „Moonwalk“. 1984 einen Stern auf dem Walk of Fame in Hollywood. 1985 kauft er die Rechte an Beatles Songs von John Lennon und Paul McCarthney. 1985 schrieb er mit Lionel Ritchie “We are the World“ und verfolgte mit anderen Stars das Projekt “USA for Africa”.  1986 Zusammenarbeit mit Disney für den Kurzfilm „Captain EO“ (für Disneyland). 1987 Album „Bad“, 1992 Album „Dangerous“.

 

Seit Ende der 1970er beginnt sich Michael Jackson zunehmend kosmetischen Operationen zu unterziehen. Beim Dreh des Clips für Pepsi (oder doch für Thriller, wie man damals hörte?) fängt ein Teil seiner Haare Feuer, ein großer Teil seiner Kopfhaut wird verbrannt. Seitdem trägt er Perücken. Die Schmerzen bekämpft er mit Schmerzmittel. Gerüchte sprechen von einem Fluch, den das Drehen vom Zombie-Clip für Thriller bewirkt habe…. Den beim Set soll es auch andere Unfälle gegeben haben.

 

Seine ständig bleicher werdende Haut, zuerst an Körperstellen, dann bald überall, erklärt er 1993 mit der Krankheit Vitiligo und bestreitet, sich absichtlich zu bleichen (z.B. mit Wasserstoffperoxid, um das Melanin der Haut zu zerstören, wobei das Melanin mitunter zurückkehren kann. Oder durch Laser). Vitiligo kann aber auch durch Schilddrüsen-Deffekten, Diabetes mellitus oder psychosomatisch durch Stress ausgelöst werden. Vitiligo gilt als unheilbar. Die weißen Stellen sind sehr empfindlich gegen Sonneneinstrahlung, schon 10 min. Sonne können einen Sonnenbrand auslösen, zuviel Sonnenlicht könnte zu Hautkrebs führen. (In manchen Kulturen wird Vitiligo als Stigma für böse Menschen oder Verfluchte betrachtet.) 1990 sieht man Jackson erstmal mit Gesichtsmaske herumlaufen. 1993 wird er bei den Grammy Awards als „lebende Legende“ ausgezeichnet. Dazu kommen auch weitere Musikpreise.

 

 

        

 In den 1980-iger und 1990-iger Jahren

 

August 1993: Der Vater eines 13-jährigen Buben, mit dem Jackson ständig unterwegs war, zeigt Jackson wegen angeblichen Kindesmissbrauchs an; der Fall wird außergerichtlich gegen insgesamt 24,5 Mio. Dollar Bezahlungen gelöst,  obwohl es außer den Aussagen des Jungen keinerlei Beweise gab, da Millionenverträge für Jackson aus der Werbung deswegen storniert worden waren. Der Imageschaden war immens. Wegen Medikamentensucht, psychischen und körperlichen Problemen wird die anstrengende Dangerous-Tour gekürzt.  Pepsi löst sofort den Werbevertrag (seit 1984 bestehend).  Im Herbst entsteht die Single „Will you be there“. 1994: Jackson heiratet die Elvis-Tochter (und Scientologin) Lisa Marie Presley. Die Ehe – von Medien als arrangierte  Ablenkungsmanöver wegen der Missbrauchsvorwürfe gewertet – wird nach zwei Jahren geschieden. Presley meinte nach M.J.’s Tod dazu, Michael ahnte, dass er so sterben könnte wie ihr Vater (d.h. an Herzversagen, mit 50 Jahren, verursacht durch Medikamente und Drogen). Es war eine depressive Abwärtsspirale in den Tod, sie konnte ihm nicht helfen und wurde selbst krank (lt. Presley). Daher ging sie, Scheidung Januar 1996.

 

1995 Doppel-Album „HIStory, mit vielen Songs zu Umweltschutz, Menschenrechten, Sozialkritik. November 1996: Heirat mit der weißen blonden Krankenschwester Debbie Rowe, einer Assistentin seines Hautarztes, die ihm wie vereinbart (vermutlich durch Samenspende) zwei Kinder schenkt; das erste kurz nach der Heirat. Scheidung nach drei Jahren, Herbst 1999. Und 5 Mio. Dollar Abfertigung. Das Sorgerecht für Michael Joseph Jackson jr. („Prince Michael“) und Paris Michael Katherine behält Jackson. 1997: Album „Blood on the Dancefloor“. 2000 wird er bei den World Music Awards als „bestverkaufender männlicher Popkünstler des Jahrtausends“ geehrt.

 

2001: Veröffentlichung des letzten Albums "Invincible" mit vielen Balladen.  Aber die Musik von Michael ist nicht mehr so gefragt, das Album wird verrissen. Sony Music stellt die Vermarktung ein.  Dennoch landen Singles aus dem Album unter den Top Ten. 2001 wird er in „The Rock and Roll Hall of Fame“ zum 2. Mal aufgenommen (beim 1. Mal mit den Jackson Five.) 2002 wird er beim  American Music Award „Künstler des Jahrhunderts“. 2002 auch Bambi in Berlin für sein Lebenswerk („greatest living pop-icon“) Gleichzeitig organisierte er sich zeitlich ein drittes Kind, Prince Michael II., („Blanket“), welches er noch mit Nabelschnur (er war bei der Geburt anwesend) an sich nahm und zur Neverland-Ranch brachte. Die Mutter ist angeblich unbekannt, Jackson behauptet aber, genetisch der Vater des Kindes zu sein. 2002: Jackson löst weltweit Kopfschütteln aus, als er seinen dritten Sohn über die Brüstung eines Balkons am Hotel Adlon in Berlin hält, um das Baby der Menge zu zeigen. Sehen kann man nicht viel, weil die Gesichter der Kinder generell in der Öffentlichkeit mit Säcken, Tüchern und Hüten verdeckt werden, um die Kinder vor der Presse zu schützen.

 

2003: In einem TV-Interview bestreitet Jackson im Februar den Vorwurf des Kindesmissbrauchs, räumt aber ein, sein Bett in der Neverland-Ranch mitunter mit Kindern zu teilen. Er teilte mit Kindern zum Schlafen zwar das Bett, aber niemals gab es dabei einen sexuellen Kontakt. Im November wird er dennoch unter Missbrauchsverdacht vorübergehend festgenommen, im Dezember wird er formell vom Staat Kalifornia (Staatsanwalt Tom Sneddon, der bereits 1993 den fall untersucht hat) angeklagt. 2005: Im Februar beginnt Jacksons Missbrauchsprozess mit riesigem Medienrummel.  Er soll einen krebskranken Jungen auf Neverland in seinem Bett belästigt haben. Die Ranch wird durchsucht, daher betritt sie Jackson seit 2005 nicht mehr. Neverland war sein Refugium, sein Paradies gewesen, und das Paradies war symbolisch zerstört. Zeugen sagen immerhin für Jackson aus, so auch Macaulay Culkin, der Jackson mit seinen Geschwistern auf Neverland besucht hat: es gab keine sexuellen Kontakte.  Im Juni sprechen ihn dank seines Staranwalts Thomas Mesereau die Angeklagten in allen Punkten frei.

 

Jackson beginnt anschließend ein Nomadenleben ohne festes Heim im Ausland, d.h. Bahrain (angeblich soll er wie sein Bruder Jermaine zum Islam konvertiert sein), Irland und Las Vegas. Berichte über finanzielle Probleme häufen sich. Jeder weiß, dass er verbotene Schlafmittel (Diprivol), zuviele Schmerz-Medikamente und Morphium (Demerol) nimmt, aber die Familie hilft ihm nicht. Jackson gibt viel aus, hatte eigentlich keinerlei Ahnung von Geld, hatte das noch nie, und es kommt kaum noch Geld herein, obwohl die alten Alben remastered und neu verkauft werden. Das sollte doch genügend Geld bringen? Andere zocken ihn unverschämt ab, so offenbar „Nation of Islam“. Die Zoo-Tiere auf Neverland sind unversorgt und werden verkauft genauso wie Mobiliar und viele private Andenken-Stücke Jacksons – eigentlich werden sie per Gerichtsbeschluss gepfändet und beschlagnahmt. Dezember 2008 musste sogar die ehemalige Büroassistentin und langjährige Kinderbetreuerin nach 10 Jahren gehen. Es war kein Geld mehr da. Die Geldverleiher drängen – zwingen – ihn dazu, am Ende wieder aufzutreten.

 

In April 2009 werden seine gerichtlich auf Neverland gepfändeten privaten Habseligkeiten, Outfits und auch Musikpreise versteigert – im letzten Moment gelingt es Jackson, wenigstens einige Erinnerungsstücke und die Neverland-Ranch zu behalten. Auf einige Stücke besitzt er ein Rückkaufsrecht. Wenn man die gezeigten Fotos von den gesammelten Kuriositäten M.J. betrachtet, muss man sagen: er war ein ziemlich verkitschter und verspielter Romantiker, der sich selbst gerne als eine Art verklärten Monarchen oder Prinz von Nirgendwo gesehen hätte.

 

2009: Im März kündigt Jackson eine Serie von Comeback-Konzerten an, zwei in den USA, den Rest in London – 50 binnen eines Jahres (!). Im Mai werden diese zum Teil verschoben. Sein Management bestreitet gesundheitliche Probleme, seine Gesundheit sei "fantastisch". Jackson will nicht mehr auftreten (d.h. vermutlich: tanzen!), immerhin ist er 50 Jahre alt und hat definitiv keine Kondition mehr dazu. Sein Gesicht – vor allem die Nase – zerfällt, er ist völlig abgemagert. Eigentlich hat er nur für 10 Konzerte unterschrieben.

 

25. Juni 2009: Der einstige "King of Pop" stirbt 50-jährig in Los Angeles, 14 Tage vor seinem neuen Konzert und nach ständigen Proben, wahrscheinlich an den Folgen von Herzstillstand. Vermutlich hatte er zu viele (verbotene) Betäubungsmittel, Schmerzmittel und Morphium genommen. Bei 1,77 m wog er nur noch 51 kg.

 

Er war mit 750 Mio. verkauften Tonträgern wohl der erfolgreichste Musiker der Geschichte der Popmusik. Erhebliche Mittel hat er wohltätigen Zwecken gewidmet. Die Einnahmen seiner „Dangerous“-Tour (Sommer 1993) spendete er komplett wohltätigen Zwecken. Er gründete auch die Stiftung „Heal the World“.  Diese Stiftung wurde 2002 von Staats wegen gelöscht, weil sie keine Steuererklärungen und Nachweise für caritative Tätigkeiten mehr ablieferte.  Die Charity-Single für die Opfer von Hurricane Katrina in New Orleans (2005) wurde nie fertiggestellt. Allerdings gehen 20% seines Nachlassen nach seinem Testament von 2002 an wohltätige Organisationen.

 

 

 

Mit Lisa-Marie Presley, Neverland                                 dreiteiliges Gemälde im luxuriösen Speisezimmer, Neverland

 

       

   2001, Invincible                               Michael 2007 real – und so hätte er ausgesehen

 

Fortsetzung auf Teil 2. Alle Quellenangaben siehe Teil 2, d.h. anschließend!

  

Kommentar zur Toten-Gedächtnisfeier von Michael Jackson:

 

      

 

"Ich habe am Dienstag 7. Juni 2009 im TV die Toten-Gedächtnisfeier von Michael Jackson (gestorben 25. Juni 2009 an Herzversagen in Los Angeles, ca. 14 Tage vor seinem seit langem erstmals neuen Konzert) im Staple Center in Los Angeles gesehen und muss meine Meinung revidieren, was nicht oft vorkommt.

 

Die Karten waren kostenlos, auch die Übertragungen waren kostenlos, verdient hat also bei der Feier keiner, im Gegenteil.

 

Das war keine Promi-Party, sondern eine typisch amerikanische Totenfeier mit Reverend, Kollegen, Bekannte, Freunde, Familie und auch KINDER, die alle vor dem (oft offenen) Sarg mit den Blumen in Lobreden ihre Erinnerungen, Anekdoten und Gedanken öffentlich machen und Worte an den Verstorbenen richten. Das ist für uns etwas seltsam, in den USA aber typisch. Das war auch hier der Fall, nur dauerte die Feier länger und hatte mehr Lieder. Die Musik waren entweder langsame schöne Balladen von Jackson oder aber Eigenkompositionen und wurden von einem Gospelchor, Mariah Carey (in einem zu offenen Kleid), Jennifer Hudson, Stevie Wonder, Lionel Richie, John Mayer, Queen Latifah, Usher, Smokey Robinson u.a. wiedergegeben. Anwesend waren vor allem Schwarze, wenn man Brooke Shields (als Freundin) oder John Mayer mal ausnimmt. Keine Liz Taylor da, keine Dionne Warwick und keine sonstigen weißen Musikerkollegen. Dafür waren Bürgerrechtler da (z.B. auch Jessie Jackson) und Leute, Musikverleger, auch eine Senatorin (Sheila Jackson Lee) , die extra darauf hinwies, dass das Repräsentantenhaus eine Schweigeminute eingelegt hatte, als sie vom Tod Jacksons gehört hatten – nicht wegen der Musik, sondern weil er soviel für die Wohltätigkeit getan hatte, was kaum einer wusste. Jackson hatte Zeit seines Lebens irrsinnig viel Geld für caritative Projekte in In- und Ausland (z.B. auch in Afrika, Namibia) ausgegeben und sich immer wieder auch persönlich engagiert. Besuchte auch die Truppen im Irak. Sie betonte auch, dass er damals bei den Anklagen in allen Punkten für nichtschuldig erklärt worden war.

 

M.J. wurde als bester Entertainer und Musiker aller Zeiten hochgelobt, was ein wenig übertrieben ist, aber ein Meilenstein der Musikgeschichte ist er allemal. Er hat Pop, Beat, Rock, Soul und andere Stilrichtungen miteinander vereint.

 

Die Familienangehörigen haben immer wieder geweint. Am Ende kamen sie, alle Teilnehmer und der Chor auf die Bühne zum gemeinsamen Lied "Heal the World", wobei auch Kinder auf die Bühne kamen. Man sah es der kleinen Paris an, wie sie nach all den Lobreden auf den Vater geradezu strahlte. Zwischendurch hielt sie sich geradezu rührend an ihrer Tante Janet an und kuschelte sich ganz von selbst in deren Arme. Nachdem die Jackson Brüder (unter Tränen) sich bei den Besuchern bedankt haben, und alle schon dabei waren, von der Bühne zu gehen, zupfte Paris (11 Jahre) spontan Janet und die half ihr dann zum Mikrophon, wo sie dann weinend in etwa sagte: ich wollte nur sagen, mein Vater war der beste Vater, den man sich nur vorstellen kann, und ich vermisse und liebe ihn so sehr…. 

 

Also ich denke mir, die Kinder sahen gut aus und haben wirklich M.J. als Vater offenbar geliebt, und wäre der ein Unmensch gewesen, hätte sie das wohl nicht so spontan gesagt. Das war nicht gestellt. Muss schwer für die Kinder gewesen sein, bei all der bösen Nachrede gegen M.J., und daher hatten sie auch das Recht, bei der Feier teilzunehmen und soviel Lob zu hören.

 

Wenn Leute sagen, er war von keinem der Kinder der leibliche Vater, (vermutlich auch nicht vom Jüngsten, mit dessen  Mutter war er nicht mal verheiratet), lässt das eigentlich nur den Schluss zu, dass M.J. nicht nur impotent sondern auch zeugungsunfähig war – ev. verursacht durch Medikamente in der Kindheit, damit er lange klein und die Stimme süß bleibt? Wären ja nicht die ersten Eltern, die Kinder so bearbeiten, dass sie durch das Kind Geld verdienen. (Bettlerfamilien sollen sogar Kinder deswegen verstümmeln.)

 

Alle Redner haben betont, dass M.J. sehr sensibel, extrem schüchtern und introvertiert, höflich, liebenswürdig und in der Arbeit absolut perfektionistisch war. Auf der Bühne ein Star, flüchtete er sich nach der Show immer sofort total depressiv ins Hotel. Auf der Bühne war er ein komplett anderer Mensch. Nach der Verhaftung und Hausdurchsuchung in Neverland hat er die Ranch nie mehr betreten und dadurch, dass er nicht mehr auftrat, weil er psychisch schwer getroffen und verletzt war, hat er auch nichts mehr verdient und am Ende war er ein Wrack, der bei sich zuhause unterm Teppich, in Plastiksäcken oder im Bett Geld versteckte. Wenn man die Shows noch in seinen 30-ern ansieht, so tanzen kann man ja nur unter Schmerzmittel und Drogen…. Wie soll ein 50 Jahre alter Mann noch so tanzen wie mit 18? Mit kaputten Gelenken, kaum Muskeln, untrainiert, erschöpft, depressiv. Er wusste, sein Tanzstil aus den 80ern war längst veraltet (!!), und er wollte nicht mehr auftreten und wusste, er würde 50 Konzerte mit Tanzeinlagen in einem Jahr (!) nicht schaffen. Auch unter massiven Schmerzmitteln und Drogen nicht. Er wollte eigentlich ganz andere Dinge machen, z.B. Filme, und nicht mehr tanzen. Doch er war offenbar nicht imstande, bei Auftritten den eigenen Tanz einfach wegzulassen. In "Die Ganze Woche", Nr. 27/1. Juli 2009 steht, wenn er nicht aufgetreten wäre – hätte man ihn getötet. (Oder zumindest hat er das geglaubt.) Denken wir weiter, – immerhin hatte er zuletzt in Las Vegas und mit einem verärgerten Scheich zu tun und war vielen Leuten sehr viel Geld schuldig.

 

40% von dem, was bleibt nach Abzug der Schulden (vermutlich mehrere 100 Mio. Dollar) bekommt seine Mutter (und damit nach Erbrecht nach ihr deren Söhne und Töchter), 40% die Kinder und 20 % gehen an caritative Organisationen.

 

Was Debbie Rowe betrifft, die ja nur die Mutter der zwei ältesten Kinder ist, ist natürlich die Frage, will sie die Kinder oder deren Millionen? Denn zu den Kindern, wie sie sagt, habe sie keinen Bezug. Aber dass die Kinder über die Großmutter Katherine womöglich zu ihrem Großvater Joe (der erblich leer ausgeht) kommen, kommt auch für Debbie nicht in Frage.

 

Aus früheren Interviews von Michael Jackson und seinen Geschwistern geht eigentlich hervor, dass sein Vater M.J. nicht nur halbtot geprügelt hat, mehr als alle anderen Kinder zusammen, sondern ihn auch wegen seiner "dicken Nase" verspottet hat, und das war auch eins der ersten Dinge, die er operieren ließ. Er wollte unter keinen Umständen je so aussehen wie sein Vater. Was dann an Herumschneiden an seinem Gesicht in zig-Operationen passiert ist, kann man dann unter Selbstverstümmelung einreihen (und mich wundert, wieso plastische Chirurgen dabei mitgemacht haben).

 

Im Web habe ich eine einfache Frage gefunden: Warum haben alle Missbrauchsklagen gegen M.J. aufgehört genau dann, als bekannt wurde, er sei pleite? Weil dann nichts mehr finanziell zu holen war?

 

In vielen Liedern und Clips von M.J. entdeckt man versteckte persönliche Bezüge zu seinem Leben und Denken. So die Robotik-Marionetten-Bewegungen inklusive „Moonwalk“, als wäre er ein von allen gegängelte Puppe. Seit größter Hit war „Thriller“ mit seinem Zombie-Clip, und als solcher halbtoter „Zombie“ ist er auch gestorben. Vorerst wird er in am Forest Lawn Friedhof beerdigt, wobei Bestrebungen bestehen, ihn später in Neverland zu beerdigen und das zu einer Art Kultstätte wie „Graceland“ für Elvis umzubauen, sobald eine behördliche Genehmigung besteht. Sein Gehirn wird den Meldungen nach noch von der Gerichtsmedizin wegen der Todesursache untersucht. 

 

Weitere Bilder von der Feier und den drei Kindern siehe: http://derstandard.at/fs/1246541698114/Abschied-mit-vielen-offenen-Fragen

  

    

   Brüder Jackson tragen den Sarg in die Halle, 2009                

 

        

   Janet, Blanket und Paris                                                                                                                                              

                                                                             

       

Janet Jackson beim BET-Award                    Paris, Blanket und Michael     Paris, Katherine und Blanket

für schwarze Künstler (Black Entertainment                    

Television) 28.6.2009 in Los Angeles, in dem

alle auftretenden Künstler M.J. ehrten.  

 

      

 

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Nachtrag:

 

Aus: www.krone.at, Rubrik Topnachrichten, gesehen 13.7.2009:

http://www.krone.at/krone/S13/object_id__152646/hxcms/index.html

 

 

"Will Gerechtigkeit"

12.07.2009, 11:03

La Toya Jackson: "Mein Bruder wurde ermordet"

 

 

"Nach Michael Jacksons Vater hat nun auch seine Schwester La Toya (…) den Verdacht geäußert, dass der Popstar wegen seines Vermögens ermordet wurde. "Wir glauben, dass nicht nur eine Person in den Mord verwickelt war. Es war eine Verschwörung, um an Michaels Geld zu kommen", sagte die 53-Jährige der Zeitung "News of the World". Sie und die Familie seien überzeugt, dass ihrem "kleinen Bruder" absichtlich eine Medikamentenüberdosis verabreicht wurde. "Michael war mehr als eine Milliarde wegen seiner Musikrechte wert, und irgendjemand hat ihn dafür umgebracht. Er war tot mehr wert als lebend."

 

La Toya sagte in dem Interview mit dem britischen Sonntagsblatt außerdem, dass am Tag von Jacksons Tod Juwelen und Bargeld im Millionenwert aus seinem Haus verschwunden seien. "Michael hatte immer Bargeld zu Hause, gewöhnlich um die zwei Millionen Dollar." Als die Familie eintraf, sei aber nichts mehr zu finden gewesen. (…)

Eine Gruppe von "schattenhaften" Figuren habe Michael dazu gezwungen, den Vertrag für 50 Konzerte in London zu unterschreiben. Er selbst wollte höchstens zehn Auftritte, sagte La Toya, die dem berühmtesten der neun Jackson-Geschwister eigenen Worten nach am nächsten stand. (…)  Selbst der Polizeichef von Los Angeles, Bill Bratton, schließt nicht mehr aus, dass der Popstar einem Mordkomplott zum Opfer fiel. Zuvor hatte auch Michaels Vater Joe Jackson schon von Mordverdacht gesprochen. (…)

Sorgen machen sich Fans von Michael Jackson nun um seine drei Kinder: Vater Joe Jackson, der Michael und seine Geschwister mit strenger Hand zum Singen gebracht hat, meint nun auch bei seinen Enkeln Talent zu sehen. "Ich beobachte Paris ständig", sagte der 80-Jährige über Michaels Tochter in der Sendung "Good Morning America". Ebenso vielversprechend findet er den jüngsten Sohn des "King of Pop": "Blanket kann echt gut tanzen." (…) Die Anhörung zur Entscheidung über das dauerhafte Sorgerecht für die Kinder wurde auf Wunsch der Mutter, Katherine Jackson, und Michaels Ex-Frau Debbie Rowe vom 13. auf den 20. Juli verlegt. (…) Rowe ist die leibliche Mutter der beiden älteren Kinder. In den "News of the World" hieß es dazu, die beiden Frauen verhandelten noch privat über eine Abfindung für Rowe. Im Gespräch sei eine Summe von fünf Millionen Dollar."

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Quellen und Links zu Teil 1 und 2 (sofern nicht bereits im Text angegeben):

 

Die Fotos stammen von Google Bilder oder aus den angeführten Medien. 

 

Biografie: http://www.krone.at/krone/S13/object_id__150579/hxcms/index.html , aus: „Tragischer Tod. Die wichtigsten Stationen in Jacksons Leben“, www.krone.at, Rubrik Shows und Stars,  26.6.2009

 

Biografie: http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Jackson

 

La Toya über Michael und sein Sanftmut, Höflichkeit und seine Großzügligkeit: 

(2001) http://www.youtube.com/watch?v=B2u4QMzDPWc

(2006?) http://www.youtube.com/watch?v=ijTBRnQNdz0

(1994) http://www.youtube.com/watch?v=RfUC82XkO4c

 

Zu Vitiligo: http://de.wikipedia.org/wiki/Vitiligo

 

Zu Lisa-Marie Presley: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,632964,00.html

 

Lisa-Marie Presley sagt: http://www.bild.de/BILD/unterhaltung/leute/2009/06/27/ex-frau-lisa-marie-presley-bloggt-bei-myspace/michael-jackson-wollte-nicht-wie-elvis-presley-enden.html

 

Bericht „Leute heute“ von seinem 50. Geburtstag, ZDF (2008): http://www.youtube.com/watch?v=B2nAt1bSLeQ

 

Michael Jacksons Comeback-TV report: (von extra, 2007): http://www.youtube.com/watch?v=NFNJzpMtLUk

 

The return of Michael Jackson, NBC-Report, 2007: http://www.youtube.com/watch?v=Og75-afQtA8

 

Jacksons Kindermädchen: http://www.welt.de/vermischtes/article4016408/Jacksons-Kindermaedchen-enthuellt-tragische-Details.html

 

Medikamentensucht: http://www.focus.de/panorama/boulevard/medikamentensucht-kindermaedchen-musste-jacksons-magen-auspumpen_aid_412147.html

 

Aus dem Leben eines unglücklichen Stars: http://www.rp-online.de/public/article/kultur/michael_jackson/725457/Ich-musste-ihm-mehrfach-den-Magen-auspumpen.html

 

Besitztümer versteigert: http://www.suedkurier.de/_/tools/diaview.html?_CMTREE=552156&_CMELEM=0

 

Tot mehr wert als lebendig: http://www.sueddeutsche.de/kultur/99/476609/text/

 

Neverland-Inventar: http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,618748,00.html

 

Neverland: http://www.focus.de/panorama/boulevard/neverland-ranch_did_24037.html

               http://www.focus.de/panorama/boulevard/neverland-ranch_did_24037.html?slide=2

 

Medikamentensucht: http://www.tt.com/tt/freizeit/story.csp?cid=10086596&sid=55&fid=21

 

Jacksons Kindermädchen: http://www.tagesanzeiger.ch/kultur/dossier/michael-jackson-ist-tot/Jacksons-Kindermaedchen-Musste-regelmaessig-seinen-Magen-auspumpen/story/12860480

 

Jackson gestorben: http://derstandard.at/fs/1245820185884/Nachruf-Michael-Jackson—der-tragische-Superstar

 

BET-Awards: http://www.focus.de/panorama/boulevard/bet-awards-schwarze-kuenstler-ehren-michael-jackson-_aid_412221.html

 

Paris weint um Daddy: http://www.gala.de/stars/news/66167/Paris-Jackson-Michael-Jackson-Abschiedsworte-an-Daddy.html

 

Paris Jackson: http://www.krone.at/krone/S13/object_id__152207/hxcms/index.html

 

Zusammenfassung Beerdigungsfeier: http://www.sueddeutsche.de/kultur/265/479753/text/

 

Trauerfeier: http://www.spiegel.de/fotostrecke/fotostrecke-44141-13.html#backToArticle=634926

                 http://www.mdr.de/brisant/6473799-11.html#anker-inhalt

                 http://www.bunte.de/stars/michael-jackson/michael-jackson-bilder-der-trauerfeier_did_4509.html

                

 

Zeitungsbeurteilungen: http://derstandard.at/fs/1245820159212/Pressestimmen-Welcher-Michael-Jackson-wird-in-Erinnerung-bleiben

 

Nachruf auf Jackson: http://derstandard.at/fs/1245820185884/Nachruf-Michael-Jackson—der-tragische-Superstar

 

Nach dem Tod boomt das Geschäft: http://www.manager-magazin.de/geld/artikel/0,2828,632994,00.html

 

 

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Youtube-Clips:

 

Thriller: http://www.youtube.com/watch?v=hWYgkCCTwP4

 

Remember the time: http://www.youtube.com/watch?v=xWPmOdjEtxs

 

Dangerous: http://www.youtube.com/watch?v=aXK5xOJaYHI&feature=related

 

Leave me alone: http://www.youtube.com/watch?v=CJvfnQ_E7uw

 

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Sehenswerte Video-Clips von mtv über ein Interview mit Michael Jackson vom 7. 2. 2009 über seine Musik, leider in englisch, mit Clip von Thriller in ganzer Länge, Bad, Billie Jean, Black and White: „Michael Jackson in his own words“ :

http://www.mtv.com/videos/news/406507/what-makes-a-great-music-video.jhtml#id=1615223

M.J. wirkt hier trotz seines Aussehens völlig normal, klar, kompetent, sanft und sehr sympathisch.

 

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Geld macht nicht automatisch glücklich

 

 

 

 
 
 
Hast du einige Minuten Zeit? Dann höre doch mal rein:
 
 
aus: www.vorleser.net , Literatur kostenlos hören:
 
"Tiere erzählen von ihrem Leid"
 
– drei sehr berührende Briefe von einem Hund, einem Gorilla und einem Elefanten. Geschrieben und vorgetragen von Wolfgang Edelmayer
 
 
Der Hund wendet sich an seinen Vorbesitzer, der ihn weggegeben hat, der Gorilla schreibt an den lieben Gott, und der Elefant an seine Eltern.
Alle ertragen sie viel Leid. Indirekt ist es ein trauriger Appell an die Menschen, doch ihr Herz zu entdecken.
Edelmayer tauscht die Perspektiven, in dem die Tiere – nicht die Menschen – berichten und über das schreiben, was sie leider mit Menschen erleben.
 
 
 
Einige Liebeslieder aus den umfassenden poetischen Liebesliedersammlungen der Papyrii Chester Beatty I und Harris 500, gesammelt und niedergeschrieben ca. 1300-1100 v. Chr. in der Ramessidenzeit.
 
Aus den ‚Sprüchen der großen Herzensfreude‘
 
I.
 
Einzig ist die Geliebte, ohnegleichen, schöner als jede Frau.
Strahlend ist sie, wie der aufgehnde Stern, der dem guten Jahr voranzieht.
 
Die vor Tugend leuchtende, Glanzhäutige, mit Augen die klar blicken
und mit Lippen, die süß reden, hat sie kein Wort zuviel.
 
Mit hohem Wuchs und schimmernder Brust, hat sie echtes Lapislazuli zum Haar.
Ihre Arme übertreffen das (begehrenswerte) Gold , ihre Finger sind wie (sanfte) Lotoskelche.
 
Mit prangerndem Hintern und doch schmalen Hüften tragen ihre Schenkel ihr Schönstes,
mit edlem Gang, wenn sie dahinschreitet, raubt sie mein Herz mit ihrem Gruß.
 
Sie lässt den Hals aller Männer sich verrenken, nur dass sie sie sehen.
Ein jeder, der sie umarmt, spürt Wonne und fühlt sich als erster aller Liebhaber.
 
Sieht man sie hinausgehen, gleicht sie der Liebesgöttin (Hathor), der Einzigen.
 
 
VII.
 
Sieben Tage sah ich die Geliebte nicht, und Krankheit befiel mich.
Meine Glieder wurden schwer, und ich verlor sogar das Bewusstsein.
 
Es kommen die Ärzte zu mir, doch ich bin mit ihren Rezepten nicht zufrieden.
Die gelehrten Doktoren finden keinen Ausweg, mein Leiden wird nicht erkannt.
 
Doch wer mir sagt: "Schau, sie ist da!", der belebt mich.
Ihr Name ist das, was mich hochbringt.
Das Kommen und Gehen ihrer Boten ist es, was mein Herz lebendig macht.
 
Besser als alle Mittel ist mir die Geliebte, bedeutsamer als alle Rezepte,
ihr Eintritt von draußen ist mein (Heil-)Amulett, wenn ich sie sehe bin ich gesund.
 
Schlägt sie die Augen auf, dann verjüngt sich mein Leib,
spricht sie, so werde ich mutig,
und wenn ich sie umarme, verjagt sie alles Übel –
 
Aber sie ging von mir vor sieben Tagen!
 
 
II.
 
Der Geliebte erregt mein Herz durch seine Stimme – sie macht, dass mich Krankheit ergreift.
Ganz nah wohnt er am Hause meiner Mutter, aber ich weiß nicht, wie ich ihn erreichen kann.
 
Gut wäre es, meine Mutter könnte ihm von mir sagen: "Höre damit auf, dass sie dich sehen muss!"
Denn mein Herz sträubt sich, an ihn zu denken, und doch bin ich erfüllt mit Liebe für ihn.
 
Schau, er ist ohne besondere Vernunft, aber ich bin genauso wie er.
Er kennt meinen Wunsch nicht, ihn fest zu umarmen,
sonst würde er bestimmt bei meiner Mutter um mich anhalten.
 
Geliebter, ach wäre ich dir vermählt von der "Goldenen" (Hathor, Göttin) der Frauen!
Komm zu mir, dass ich deine Schönheit schaue, dann freuen sich Vater und Mutter
und alle Menschen freuen sich inniglich mit dir, sie jubeln dir dann zu, Geliebter!
 
 
IV.
 
Wie pocht mein Herz so schnell, denk ich an meine Liebe zu ihm!
Es lässt mich nicht wie ein (normaler) Mensch gehen, sondern hüpft an seinem Platz.
 
Es lässt mich nicht das Hemd anziehen, und hindert mich, den Fächer zu greifen.
Es lässt mich keine Schminke an meine Augen legen und hält mich ab, mich zu salben (=parfümieren).
 
"Halte dich nicht auf, damit du das Ziel erreichst", sagt es zu mir, so oft ich an ihn denke.
Ach mein Herz, begeh keine Dummheiten, weshalb willst du mir Kummer machen?!
 
Bleibe ruhig, der Geliebte kommt doch zu dir (mein Herz),
aber zugleich sehen die Augen der Menge das. Lass die Leute nicht über mich sagen:
"Da, eine Frau, die der Liebe verfiel!"
Bleibe fest, wann immer du an ihn denkst, mein Herz, und poche doch nicht so!
 
 
 
III.
 
Mein Herz gedachte ihre Schönhit zu sehen, dass ich ihr innig beiwohne.
Doch dann traf ich (Prinz) Mehi im Wagen unterwegs mit der Schar seiner Liebhaber.
 
Ich wusste nicht, wie ihm auszuweichen wäare, oder sollte ich so unbefangen an ihm vorbeigehen?
War mir doch der Fluss wie eine Straße, und ich sah keinen keinen (festen) Boden mehr unter meinen Füßen.
 
Wie so unwissend bist du, mein Herz – warum willst du denn auch an Mehi vorbei?
Schau, wenn ich vor ihm so betont ausweiche, verrate ich ihm meine Gefühle.
 
"Sehe, ich gehöre zu dir", würde ich ihm sagen. Er aber würde mich beim Namen rufen
und mich als ersten (Lieblings-)Diener einteilen (unter all denen), die in seinem Gefolge sind.
 
 
 
Aus den Liedern des Papyrus Harris 500
 
 
13.
 
Du Schönster, mein Wunsch ist, deine Sachen zu erledigen als wäre ich deine "Herrin des Hauses"!
Dann ruht mein Arm auf deinem Arm und meine Liebe umfängt dich.
 
Ich sage dem Herzen in meiner Brust den Wunsch:
"Ich will meinen Schatz heute nacht, sonst bin ich wie eine, die im Grabe liegt!"
Bist du denn nicht Gesundheit und Leben für mich?
Deine Nähe macht so froh… und mein Herz verlangt nach dir!
 
 
14.
 
Die Stimme der Schwalbe spricht und sagt: "Es ist Tag geworden – wann machst du dich auf dem Weg?"
 
Nicht doch, du Vogel, du quälst mich!
Ich traf den Geliebten in seiner Kammer, mein Herz war darüber überaus glücklich.
Wir sprachen zueinander: "Ich will nicht fortgehen, wir bleiben Hand in Hand, und wenn ich ausgehe,
bin ich doch mit dir an jedem schönen Ort."
Er macht mich bestimmt zum glücklichsten Mädchen und betrübt mein Herz nicht!
 
 
 
 
Aus: Andere Lieder (Chester Beatty I)
 
 
Ich ging zur Nacht an ihrem Haus vorüber, ich klopfte, aber es wurde mir nicht geöffnet.
 
Gute Nacht wünsche ich dem Türhüter! – Riegel, ich will dich selbst öffnen!
 
Tür, du bist mein Schicksal, du bist mir ein guter Geist, man wird dir zum Ruhme unseren Ochsen schlachten!
 
Ein Ochse wird gechlachtet auch für den Riegel, ein Rind für das Schloß,
eine fette Gans für den Pfosten, das Schmalz davon für den Schlüssel.
 
Allerlei erlesene Stücke unseres Ochsen sind dann für die Lehrbuben des Meisters,
damit er uns einen Riegel aus Rohr und eine Tür aus Stroh mache.
 
Kommt dann der Geliebte zu irgendeiner Zeit, findet er ihr Haus offen…
findet ein Bett, mit feinem Leinen bezogen,…
und ein hübsches Mädchen zu allem bereit….
 
Das Mädchen jedoch sagt leichthin zu mir:
Dieses "Haus" gehört bereits dem Sohn des Bürgermeisters!
 
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In: Altägyptische Dichtung. – Reclam: Stuttgart 1996, S. 139 – 151, in stilistisch leicht korrigierter Fassung.
 
Der Wunsch nach Glück innerhalb einer idealen Gesellschaft 
 
 
1. Grundlegende Reflexionen über die Machbarkeit
 
Angeblich wünschen sich Menschen ein glückliches Dasein, doch versteht jeder etwas anderes darunter. Allen gemeinsam ist wohl, das ihre dringenden körperlichen und seelischen Bedürfnisse sicher und langfristig gedeckt sein müssen, bevor sie sich glücklich und zufrieden fühlen können und die Energie haben, nach MEHR zu forschen, nachzudenken, Kultur voranzutreiben. Jeder versteht nicht nur etwas anderes unter einer "idealen Gesellschaft" sondern geht von anderen mitgebrachten Fähigkeiten, Ansichten und Erkenntnissen aus. Eine utopische Gesellschaft zu errichten setzt jedoch immer einen großen Konsens innerhalb der Gesellschaft voraus, oder sie hat keinen Bestand. Der Mensch lässt sich nciht gerne vorschreiben, wie er zu leben hat, vor allem nicht, wenn der den Sinn der Vorschriften nicht einsieht, wenn sie ihm persönlich, weiters seiner Familie und ferner dem Land nichts nützen. Vor allem kommt den meisten Menschen ihr Ego zuerst, welches der Nützlichkeit für das Kollektiv oft entgegensteht. Viele denken, sie können durchwegs glücklich sein, auch wenn es dem Kollektiv gesamt (d.h. seinem Umfeld, seiner Gesellschaft, seinem Land, seinem Planeten) dreckig geht. Kann man in einem Kollektiv überhaupt individuell glücklich sein? Oder nur "zufrieden" leben (falls wunschlos)?
 
Ich weiß nicht, ob Ameisen glücklich sind, weil sie alle eine Kollektivintelligenz bilden. Ist z.B. die Leber glücklich, weil alle Zellen einer Meinung sind? Oder ist sie glücklich, weil die Abweichler zum Zellen(krebs)selbstmord befohlen werden? Oder ist das Organ unglücklich und in Wahrheit sind die Krebszellen, die aus dem Verband ausscheren, ungehorsam sind und tun was sie wollen, die Glücklichen? Und wie ist das in der Gesellschaft – sind die Außenseiter glücklich, oder sind die Glücklichen die, die nicht lange nachdenken sondern einfach wie die Mehrheit handeln und sind? Ist Glück nun eines Sache des Nachdenkens und selbständigen Entscheidens – oder eher das komplette Gegenteil davon?
Fast denke ich, diejenigen, die mit der Masse konform gehen, die keine eigene Meinung haben, die nie nachdenken sondern einfach mitlaufen, dass sie die Glücklichen sind, denn sie grübeln nicht und sind daher mit allem offenbar zufrieden. Allerdings entwickeln sie die Gesellschaft auch NULL weiter. Das tun immer die Außenseiter, die Besonderen, die Außergewöhnlichen, die Unzufriedenen, die Fragen stellen, die unglücklich sind mit dem Ist-Zustand – sofern sie überleben.

Womit also die Unglücklichen die sind, die Veränderungen anstreben, aber selbst nie wissen, was das ist: Glück, Zufriedenheit, Beständigkeit. Und dann wollen sie doch erst wieder, dass alle so ticken wie sie selbst, damit sie sich auch mal glücklich fühlen können. Wollen Massen überzeugen. Und verfolgen dann ihrerseits Abweichler. Und so fort und fort und fort: es werden NIE aller einer Meinung sein. Und damit wird niemals eine Gesellschaft alle glücklich machen können, und nie eine Gesellschaft perfekt sein. Alles was wir tun können, ist Verbesserung, aber Perfektion (d.h. eine endgültige) werden wir nie erreichen.

Wenn die Erde eine Art "Lernphase" ist für Menschen auf den verschiedensten geistigen Stufen, so eine Art Kindergarten in diesem Kosmos ist,  so schaffen erst die Fortschrittlichen und ewig Unzufriedenen eine neue Gesellschaft. Sie sterben während dieser Arbeit und ganz andere Individuen kommen und graben das ganze wieder um. Von wegen "beständige glückliche utopische Gesellschaft" – sie ist unmöglich! Fortwährend Wandel und Widersprüchlichkeit existiert als Naturgesetz, weil eben alle die lebenden (inkarnierten) Menschen eben nicht gleich sind und nicht gleich denken und nicht auf gleicher intellektueller, emotionaler, seelischer, mystischer Stufe sind und nicht dieselbe Einsicht haben und auch sonst die verschiedensten Interessen haben.
 
 
 

2. Gewaltsame Machtergreifung und diktatorische Zwangsbeglückung als Utopie für Minderheiten

 

Damit eine Gesellschaft nur ein bißchen innere Ruhe hat, um sich positiv zu entwickeln, müssen die große Mehrheit der Gesellschaftsform und ihrer Werte zustimmen. Leider gehen die meisten gewaltsamen Revolutionen, wie man im historischen Ablauf erkennt, nur von einer Minderheit von Unzufriedenen in der Größe von ca. 15-22% der Bevölkerung aus (als wäre das anzahlsmäßig eine magische Grenze dafür). Der Rest muss sich bei einem Erfolg dieser "Machtergreifung" gewaltsam fügen, die neuen Ideen werden der Mehrheit einfach aufgezwungen, wobei der Großteil der Bevölkerung dann, schicksalsergeben und Ärger vermeidend, zu Mitläufern mutiert, die aber sofort ihre Meinung wieder ändern könnten, wenn die Bedingungen endlich andere werden. Dafür übernehmen die neuen Machthaber alle Untugenden der alten, die sie zuvor heftigst kritisiert haben. Sie situieren und arrangieren sich, werden selbstzufrieden und träge und wollen sich selbst auf ewig erhalten (d.h. streben nach Beständigkeit).

Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass auf dieser Welt nichts was manifestiert ist 100% (d.h. Perfektion) erreicht. Es wird sich zu jeder sich durchsetzenden Sache und Einstellung oder Lebensform sofort, als wäre es ein kollektiv-psychologisches Naturgesetz, ein feindlicher Gegenpol bilden, ein Widerpart, ein Widerstand, der genau das Gegenteil macht als die Regierenden es wünschen. Vielleicht macht das Sinn: egal wie die Menschen sich entscheiden, wenn ein Teil durch Fehlentscheidung oder Katastrophen ausstirbt, bleibt immer ein Rest übrig, weil er sich dagegen entschieden hat.

Hängt vermutlich auch mit der Chaostheorie zusammen oder mit Yin und Yang, und dem Symbol Taiji, das ist der bekannte der Kreis mit einen Teil licht, ein Teil dunkel, wo eins ins andere übergeht und im anderen bereits ein Kern des einen sich entwickelt. Unsere Welt ist eben dual aufgebaut, und die Gegensätze bedingen einander, bringen erst den Gegenpol hervor, wechseln sich in Ordnung und Unordnung ab.

Für eine gewaltsame Revolution ist eben nicht die Mehrheit ausschlaggebend, wie man meint, denn dann müsste sie kaum gewaltsam verlaufen – zusammen mit den Mitläufern hätte sie doch dann eine satte Mehrheit! Gewaltsame Revolutionen, die dann die Bevölkerung tyrannisieren, gehen eben nur von einer genügend großen Minderheit aus, die die Zustimmung der Bevölkerung dann mit Terror, Einschüchterung und Gewalt erpresst. Weil die sich nämlich wehrt, bevor sie sich ergeben muss. Ohne permanenten Terror kann sich die neue gewaltsame Obrigkeit auch nicht lange halten. Der Terror soll die Massen zwingen, die Ideen anzuerkennen und die neuen Unzufridenen ausrotten oder zumindest machtlos halten, eben unter 15%.

Wenn eine "Revolution" wirklich von der Mehrheit getragen wird, setzt sie einfach die alte Führungsschicht ab. Sie muss ihre vielen Anhänger nicht einschüchtern. So putschte z.B. General Napoleon sich nach oben, und alle von der bestimmenden Basis der Macht, d.h. der Armee und des Bürgertums, stimmten zu. Es ging rasch und es ging leicht! Genauso leicht wurden Deutschland und Österreich zu Ende des 1. Weltkrieges ihre Monarchen los. Und so wären auch die (vom Westen unterstützten) Aufstände Osteuropas gegen die UdSSR im Kalten Krieg verlaufen, hätte die nicht UdSSR militärisch von außen interveniert und dadurch die regierende Minderheit wieder eingesetzt, mit entsprechendem Terror. Mit umgekehrtem Vorzeichen sorgte der Westen für rechtsgerichtete Diktaturen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Wie man sieht, sind diese politischen Ideologien auch nichts anderes als "Utopien" für eine ideale Gesellschaft – allerdings nur für eine (herrschende) Minderheit. Der Rest der Bevölkerung sah die Diktaturen nicht so toll.

 
 
 
3. Utopien – Wunschträume und Vorstellungen von einer idealen fernen Zukunft  
 
Utopie – griechisch "Outopia" bedeutet sovie wie "Nirgendwo", d.h. das Wort bedeutet eine denkbar Wunschvorstellung, eine Vision über eine räumlich ferne Welt (d.h. auf Erden oder sonstwo) oder eine zeitlich ferne Welt (d.h. in der Zukunft oder der Vergangenheit). Der Begriff selbst stammt von Thomas Morus, 1516.
Solche erträumte Welten oder konstruierte Konzepte für eine Wunschzukunft gab es bereits in der Antike und als Vorstellung in allen Kulturen: man denke an Atlantis, Schamballah und Argatha, Reisen auf der ägyptischen Sonnenbarke über den Himmel und zwischen den Sternen, bis hin zu den Gefilden der Götter, die sorglos ihren Interesen nachgehen konnten, ohne Mühen, Hunger, Krankheiten, Schmerzen, ohne Hitze oder Kälte und ohne Mangel und ohne Tod. Auch das paradiesisch ausgemalte Jenseits und das himmlishce Jerusalem sind solche utopischen Welten. Oder das neue Leben auf fernen Sternen.

Wenn Menschen aufgrund von Berichten über eine ach so tolle ferne Weltgegend auswandern, auf wackeligen kleinen Booten, wie die Maoris, die den weiten Pazifik so bevölkert haben, oder wenn Menschen generell als rückständiger Immigranten in verheißungsvolle Länder auswandern, wo der erhoffte Wohlstand winkt, so folgen sie nicht unbedingt einer Realität, sondern folgen einer erträumten Wunschvorstellung von einem besseren Leben (Wunschvorstellungen wie El Dorado – die Straßen sind der Legende nach dort aus Gold.) Oder Träumen wie: die Suche nach dem Jungbrunnen als Quelle der ewigen Jugend und als Quelle des ewigen Lebens. Das  Schlaraffenland. Das Paradies. Das Jenseits. Das himmlische Jerusalem. Der islamische Gottesstaat. Der Wohlfahrtsstaat, der kommunistische Staat der Arbeiter und Bauern.

 
Vermutlich finden Auswanderer und Reisende dann im Leben auch einen ähnlichen erträumten Ort, nur wird der nicht ganz so groß, prächtig, lustig und toll sein, wie vorgestellt. Andererseits ist alles, was man sich vorstellen kann, auch möglich und tendiert zur Manifestation. Was immer man sich bereits vorstellen kann, ist bereits halb verwirklicht. (So bei Platons Ideenhimmel: zuerst existiert die Idee, dann die Manifestation.) Utopien tragen somit bei Menschen immer Elemente des Möglichen an sich. (Und Elemente, die sich nie realisieren werden.) Sie werden zu Leitsternen, die die diversen Kulturen ansteuern, zusteuern und verwirklichen wollen.  Die Menschen erhoffen sich einfach in einer idealen verwirklichten Gesellschaft persönliche Vorteile. Und wollen von Nachteilen nichts wissen.

Man kann von Glück sagen, dass die meisten Utopien so wie geplant nicht umgesetzt wurden und werden, weil sie meistens zur Schreckensherrschaft geführt hätten oder führen würden. Offenbar ist der Mensch unfähig, sich eine harmonische und faire ideale Gesellschaft zu erschaffen, in der jeder glücklich wird. Er kann immer nur träumen. Vermutlich liegt das, wie oben ausgeführt daran, dass  der Mensch selbst nicht vollkommen und umfassend ist, wie sollten es seine dann seine unvorllkommenen, halbausgegorenen Ideen sein! (Mein persönliches Motto aus alledem ist: nichts übertreiben, nichts fanatisch betreiben. Zwischen zwei Extremen ist der mittlere Weg immer der beste und sicherste!

Der Rückzug in ein Kloster kann genauso ein Versuch einer gelebten Utopie sein, indem man sich nach außen abschottet und das Störende einfach ausschließt, wie der Versuch, mit Drogen und Alkohol psychisch aus dieser Realität zu entkommen und zu einem nie von der Realität einholbaren Ort zu fliehen – und sei es nur für ein par Momente. Wo der Schrecken des materiellen Lebens nicht greifen kann.

In der pessimistischen Fiilm-Trilogie "Matrix" kann man nicht entkommen, der Versuch auszusteigen und eine neue Welt zu erschaffen mündet immer wieder in den bisherigen Zustand. Revolutionen führen nirgendwohin, sie geben nur momentan Hoffnung.
 

 

4. Einige literarische, philosophische, religiöse und verfilmte Utopien, Auswahl

Platons "Politeia" (lat. De re publica): Ein in Ständen aufgeteilter Staat mit Arbeitsaufteilung in Bauern, Handwerker, Wächter und Regenten (letzere sind Philosophen). Siehe Wikipedia, Platon: "Ein Stand ist nicht erblich, sondern wird durch persönliche Leistung im Bildungsprozess erreicht. Deshalb wird das neugeborene Kind den Eltern weggenommen und unter völliger Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen von Erziehern herangezogen. (Diese ursprünglich harte Forderung relativiert Platon in den Nomoi (= Gesetzen) wieder). Dadurch soll eine große Gemeinschaft entstehen, da ein Kind sehr viele Mütter und Väter und Geschwister hat. Nicht-taugliche Säuglinge, also solche, die aus unerlaubten Beziehungen hervorgehen, werden nach dem Vorbild Spartas umgebracht. Die Regeln der Erziehung werden in Platons Politeia lange erörtert, wobei alle Menschen die gleiche Erziehung durchlaufen. Besonderen Wert legt Platon auf körperliche Ertüchtigung und musische Ausbildung. Mit dem Ausscheiden aus dem Bildungsprozess (welches sich nach den Fähigkeiten des Einzelnen richtet) fällt die Zuteilung in einen Bildungsstand. Wer frühzeitig aus dem Bildungssystem ausscheidet, wird Bauer oder Handwerker (entsprechend seiner Fähigkeiten, die er im Sinne von Platons Gerechtigkeitsdefinition ausüben soll). Wer weiter gebildet wird, wird "Wächter" also Krieger. Erst wer sich in diesem Stand profiliert hat und weiterhin eine tiefgreifende Ausbildung durchlaufen hat, wird Philosoph und damit Herrscher." Männer und Frauen werden von Staats wegen zwangskombiniert, d.h. alt mit jung, dick mit dünn usw. um ideale Kinder zu produzieren. – Den Rest aller Ungerechtigkeiten erspare ich den Lesern.

Thomas Morus veröffentlichte 1516 "Utopia", in der ein Seemann vom (christlichen) Land Utopia berichtet, in dem alle in grauer Einheitstracht herumlaufen (und vieles davon erinnert mich an die Amish, warum wohl?): Siehe Wikipedia: "Die Utopier leben in den Städten in Familienverbänden. Erwachsene Geschlechtspersonen gehen eine monogame Ehe ein. Es herrscht allgemein eine patriarchalische Hierarchie, und die Älteren bestimmen über die Jüngeren. Überfamiliär ist die Gemeinschaft klosterähnlich organisiert mit Gemeinschaftsküche und gemeinsamen Speisungen. Ein jährlich gewählter Vorsteher hat die Aufsicht über einen Familienverband von 30 Familien. Privateigentum existiert nicht, jeder bekommt unentgeltlich die von der Gemeinschaft produzierten Güter für den persönlichen Bedarf zugeteilt, die er begehrt. Männer und Frauen arbeiten als Handwerker sechs Stunden am Tag; in welchem Handwerk ein Bürger ausgebildet wird, kann er selbst entscheiden. Es besteht Arbeitspflicht, und turnusgemäß werden die Utopier aufs Land verschickt, wo sie gemeinschaftlich Ackerbau betreiben. Für Kinder besteht Schulpflicht. Besonders Begabte erhalten eine wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung. Die wissenschaftlichen Vorlesungen sind öffentlich, sie zu besuchen ist die beliebteste Freizeitgestaltung der Utopier. Besonderen Wert legen die Bürger auf eine für jeden Kranken optimale Krankenversorgung. Männer und Frauen üben regelmäßig für den Kriegsdienst. Kriegsverbrecher und Straftäter, teils als Todeskandidaten aus dem Ausland gekauft, müssen Zwangsarbeit leisten. In der säkular organisierten Gemeinschaft herrscht religiöse Toleranz.
Der Staat ist eine Republik. Jede Stadt wird von einem Senat regiert, der sich aus Wahlbeamten auf Zeit zusammensetzt. Das Staatsoberhaupt ist auf Lebenszeit gewählt. Wichtige Entscheidungen werden durch Volksabstimmung getroffen.
Gold (Geld) gibt es bei den Utopiern selbst nicht. Sie sollen aber durch eine Überproduktion an Gütern vieles davon anhäufen, und verwenden es um Söldnerheere oder Handel zu betreiben."

Die Wiedertäufer und ihr "Gottesreich" in Münster: Nach religiösen Unruhen aufgrund der evangelischen Reformation setzten Handwerkergilden und Bürger 1533 die Einführung eines evangelischen Glaubens in Münster durch, aber sie lehnten dabei die Confessio Augustana ab und favorisierten die niederländische Täuferbewegung. Unter Belagerung der Stadt durch das (katholische) Reich kam es zur totalen Radikalisierung unter Jan van Leiden: Zwangsbekehrungen, Hinrichtungen, zwangsweise Einführung der Gütergemeinschaft, Einführung der Polygamie und Aufteilung der vorhandenen Frauen (Leiden nahm für sich persönlich 16 Frauen), Endzeitwahn und Erwartung des Messias. Jan van Leiden ließ sich zu "König Johannes I." ausrufen (König Johannes in Anlehnung an einen erwarteten Endzeiterlöser.) 1535 wurde die Stadt erobert und die Fanatiker entsprechend von den gegnerischen Fanatikern blutig hingerichtet.

Herbert George Wells (1866-1946) beschrieb in seiner "Zeitmaschine" die Entwicklung der Menschheit zu zwei Spezies: die einen sind unschuldige, schöne, aber dumme und oberflächliche Geschöpfe (Eloi) die alles haben. Und im Untergrund lebende räuberische Mörder (Morlocks) mit Knowhow, die gezielt die dummen Elohim wie Vieh halten und sich von ihnen ernähren. (Ein Schelm, der dabei an internationale kriminelle Organisationen, Kartelle, kapitalistische Wirtschaft, heutige globale Zustände, Bilderberger, Weltbank und WTO denkt!)

George Orwell (1903-1950) verfasste als Sozialist, aber Gegner des Imperialismus und der Diktatur seine vernichtende Stalinistenkritik "Animal Farm" (Farm der Tiere) und vor allem die Schilderung eines totalen Überwachungsstaates, der keine Gefühle erlaubt in "1984" : Siehe Wikipedia: "In dem Werk werden Ausdrücke geprägt, die in den Sprachgebrauch der westlichen Welt eingingen. Beispiele sind Wendungen und Begriffe wie ‚1984‘, ‚Großer Bruder‘, ‚big brother is watching you‘, ‚doppelplusungut‘, ‚Altsprech‘, ‚Neusprech‘, ‚Zwiedenk‘ bzw. ‚Doppeldenk‘. Diese sind derart prägnant, dass sie an Stelle der Analyse totalitärer Systeme, die sie ursprünglich darstellen, heute gerne dafür verwendet werden, politische Gegner bloß zu stellen oder zu diffamieren."

Harry Harrisson (eigentlich Henry Maxwell Dempsey) beschrieb als SF-Autor in der Novelle "Soylent Green" 1973 eine schreckliche, überbevölkerte Welt, in der der Mensch die Meere leergefischt und die Tiere so gut wie ausgerottet hat, in der Alte freiwillig Selbstmord begehen, und in der der Staat die Menschen mit "Soylent Green" ernährt. Hergestellt aus – Menschen, dem einzig noch verfügbaren, nie endendem Rohstoff.

Die meisten populären SF-und Fantasy-Autoren versuchen hingegen, eine positive, schöne, interessante und gerechte zukünftige Welt zu zeichnen, eine Sozialutopie, in denen es zwar auftauchende Probleme gibt, die aber vom Menschen irgendwie bewältigt und zum Guten gewendet werden können; so Gene Roddenberry ("Star Trek"). So wie es auch der Geschmck des Publikums verlangt. Oder war das nur so in den Jahren des westlichen Wohlstandes bis zur heutigen Terrorzeit? Denn das Gegenstück zur positiven Utopie sind pessimistische Filmtrilogien wie "Terminator – Judgement Day" (Drehbücher von James Cameron u.a.), in dem die Menschheit ihrem beinahe-Untergang durch Computer, Maschinen, Roboter und Waffentechnik nicht entkommen kann und nur noch auf ihr Überleben – eventuell – hoffen kann. Hier gibt es keine erstrebenswerte Leitsterne mehr, die Zukunft ist dem Untergang geweiht.

Vielleicht ist die einzige Möglichkeit für eine positive Utopie, dauerhaft positiv und attraktiv zu bleiben, ihre Unerreichbarkeit, damit man sich permanent auf sie hinbewegt und solcherart mit einem erstrebenswertem Ideal glücklich und hoffnungsvoll verbleibt. Bei Unerreichbarkeit oder nur Teilerreichbarkeit des Ideals bleibt immer ein Rest, etwas Ausmalbares, Expandierbares, Veränderbares als Grund, sich weiterhin anzustrengen. Das Ideal/der Leitstern kann auch "Gott" sein. Denn etwas, was zu nahe an der unmittelbaren Realität liegt, kann offenbar nur materiell tödlich und düster ausfallen, mutiert zum Alptraum. Aus dem fernen Himmel wird durch Menschenwerk und menschliche Unzulänglichkeit die nahe und direkte Hölle. Es tut dem Menschen nicht gut, seine Ziele zu leicht und zu irdisch zu haben.

Weitere bemerkenswerte Utopien, Utopisten und SF-Klassiker: Jonathan Swift ("Gullivers Reisen"), Edward Bulwer – Lord Lytton ("The Coming Race"), Aldous Huxley ("Schöne neue Welt"), der Film "Metropolis"( Buch von Fritz Lang und Thea von Harbou), Andrew Niccol als Drehbuchautor ("Flucht ins 23. Jahrhundert", "Die Truman Show" und "Gattaca": In "Gattaca" versucht eine eugenetische Gesellschaft durch Präimplantationsdiagnostik und Genetik perfekte Menschen heranzuzüchten.)

 
II.
Wenn du einen Mann im öffentlichen Disput triffst, in führender Stellung und angesehender als du,
dann beuge deinen Arm und krümme deinen Rücken. Fordere ihn nicht heraus, dann kann er dich nicht zurechtweisen.
Wenn er dich allerdings erniedrigt durch schlechte Reden, unterlasse es nicht, ihm öffentlich entgegenzutreten,
und zwar so, dass er als jemand dasteht, der von der Sache keine Ahnung hat –
dann ist (für jedermann) seine Macht durch deine Sachlichkeit ausgeglichen.
 
V.
Wenn du jemand in leitender Stellung bist, der für viele zu sorgen hat,
dann bemühe dich um lauter Vortrefflichkeit, so dass dein Verhalten ohne Tadel ist.
Groß ist die Gerechtigkeit, dauernd und wirksam!
Sie ist nicht verwirrt worden seit den Zeiten des Osiris, und man bestraft den, der diese Gesetze missachtet.
Der Habgierige beachtet sie zwar nicht, und Gemeinheit rafft Schätze zusammen,
doch nie ist das Unrecht wo erschienen und hat überdauert.
Ist das Ende da, bleibt nur das Recht.
 
VI.
Unterdrücke die Menschen nicht, denn Gott straft mit Gleichem.
Sagt ein Mann, ich nehme es an mich umzu leben, so erwirbt er wegen dieser Aussage kein Stück Brot.
Sagt ein Mann, ich werde davon reich, so kann er nur meinen: durch eigene Fähigkeiten.
Sagt ein Mann, er werde einen anderen berauben, so wird mit ihm geschehen, was dem Fremden geschehen sollte.
Nie tritt das ein, was Menschen sich ausdenken, sondern was die Gottheit befiehlt, das geschieht.
Trachte danach, zufrieden zu leben, denn nur was man verdient hat, tritt ein.
 
X.
Wenn du arm bist, doch der Gefolgsmann eines Reichen, dessen frühere Niedrigkeit du kennst,
dann sei dein Verhalten tadellos für Gott und König, und sei nicht überheblich gegenüber diesen da,
wegen der Kenntnis, die du von seinem früheren Zustand hast.
Achte ihn entsprechend dem, was er erreicht hat, denn kein Wohlstand kommt grundlos,
sondern nach göttlichen Gesetz für einen Gesegneten.
Hat er Überfluss, dann hat er ihn zwar selbst zusammengebracht, doch die Gottheit hat bewirkt, dass es so ist
und sie wacht über ihn, während er schläft.
 
XVII.
Wenn du ein Beamter in leitender Stellung bist, dann höre geduldig auf die Worte des Bittstellers.
Weise ihn nicht ab, bis er sich alles "~von der Seele geredet~" hat, und alles gesagt hat, was er vorbringen wollte.
Wer Kummer hat, möchte lieber sein Herz erleichtern, als mit seinen Bitten Erfolg haben.
Wer einen Bittsteller entmutigt, von dem fragt man sich "Warum will er ihm schaden?".
Nicht alles, worum jemand bittet, kann gewährt werden, aber bereits das Zuhören tut dem Herzen wohl.
 
XIX.
Wenn du willst, dass deine Amtsführung gut sei, mache dich frei von allem Bösen.
Hüte dich vor der Sünde der Habgier – sie ist eine schlimme, unheilbare Krankheit, die nicht behandelt werden kann.
Sie entzweit Väter und Söhne mit den Brüdern von der Mutter, sie trennt die Frau vom Manne.
Ein Bündel ist sie von allem Schlechten, ein Sack mit allem Hassenswerten.
Nur der Mann überdauert (ewig, jenseitig), der sich an die Gerechtigkeit hält.
Wer seinen Weg recht geht, der gibt sein Vermögen weiter, doch für den Habgierigen gibt es kein (gesegnetes) Grab.
 
XXXIV.
Sei freundlich, solange du lebst.
Was aus dem Speicher gegangen ist, kehrt zwar nicht zurück, doch die Nahrung, die ausgeteilt wurde, ist begehrt.
Der mit leerem Magen wird sonst Ankläger, der Benachteiligte wird zum Widersacher –
mache sie dir nicht in deinem Umfeld!
Nur die Güte eines Mannes bleibt (letzlich) als Erinnerung für die Jahre im Ruhestand zurück.
 
 
Etwas stilistisch überarbeiteter Auszug aus: Der weise Ptahhotep. – In: Altägyptische Dichtung. Reclam: Stuttgart 1996, S. 59-72.
 
Älteste erhaltene Weisheitslehre aus dem Ende des ägyptischen Alten Reiches 2200 v. Chr., und dem alten Wesir Ptahhotep, als Vermächtnis des Mentors an Pharao Asosi (5. Dyn., 2370 v. Chr.) als fiktiven oder realem Autor, zugeschrieben. Überliefert als Holztafel und in drei Papyri aus dem Mittleren und Neuem Reich.