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Sufis und Derwische

Die ersten Sufis (=Derwische) soll es nach muslimischer Überlieferung schon zu Lebzeiten des Pro­pheten Mohammed im 7. Jahrhundert gegeben haben. Sie sollen oft als einzelne Asketen und Aske­tinnen gelebt haben, mit dem Zentrum im heutigen Irak. Im 9. Jhd., in der Gegend von Persien und Türkei, entwickelte sich die Lehre hin zum poetischen frommen Lobpreis Gottes und der Suche nach intuitiver Gotteserkenntnis (Ma’rifa). Ziele waren die innere Liebe, die Vereinigung mit Gott und die Übergabe des individuellen Willens an den Willen Gottes. Der Perser al-Ghazālī (1058 -1111), der be­reits in Konflikt mit dem orthodoxen Islam kam, lehnte eine starre Dogmatik ab und lehrte den Weg zu einem Gottesbewusstsein, das aus dem Herzen entspringt. Der Lehre al-Ghazālīs gemäß besitzen die Menschen in ihrer Brust ein „feinstoffliches Herz“, das in der Welt der Engel beheimatet ist, und an dem man arbeiten muss, da es dem Menschen den Weg zurück ins Paradies weist.

Aus: Wikipedia: Die ersten Sufi-Ordensgemeinschaften (Tariqa) entstanden im 12. Jhd., heute vor al­lem verbreitet in Marokko, Mauretanien und Mali. Das Wort Sufi hat mehrere mögliche Herkünfte: vielleicht von arabisch ṣūf  = „Schurwolle“, das auf die wollenen Gewänder der Sufis hinweist; oder von ṣafā = „rein sein“ von Unwissenheit. Gemeint sind  Unwissenheit, Unkenntnis, Aberglauben, Dog­matismus, Egoismus und Fanatismus sowie frei von Beschränkungen durch die soziale Schicht, politi­sche Überzeugung, Rasse oder Nation. Andere, vor allem westliche Vertreter eines „universellen Su­fismus“, brachten das Wort Sufi (auch als Sofi als Bezeichnung für einen Weisen, der sich in’s An­schauen des Göttlichen versenkt, geschrieben) mit dem griechischen Wort sophia („Weisheit“) oder mit dem hebräischen Wort aus der Kabbala En Sof („es hat kein Ende“) in Verbindung. Die Jüdische Enzyklopädie (Bd. XI, S. 579 ff.) betrachtet die Kabbala und die Chassidim, die jüdischen Mystiker, als aus dem Sufismus entstanden, bzw. als mit ihm identische Tradition.

Klassische sufische Autoren wie al-Kalābādhī (gestorben zwischen 990 und 995) haben die Sufis au­ßerdem zu den sogenannten Ahl as-Suffa („Leute des Schattendachs“) in Beziehung gesetzt. Hierbei handelt es sich um eine Gruppe von Personen, die sich zu Lebzeiten Mohammeds in Medina um ihn scharten und in erzwungener oder freiwilliger Armut lebten. Al-Kalābādhī vertrat die Auffassung, dass ein Sufi jemand sei, der den Ahl as-Suffa von seinem Charakter ähnele. Es wird außerdem be­hauptet, dass das Wort Sufismus auf die Leute der ersten (Gebets-)Reihe (ṣaff-i avval) hindeuten kann.

Vor allem in der Zeit unseres Mittelalters wurde der Sufismus als bedeutendster Teil des Islam ver­standen, und breitete sich von Indien, Zentral- und Südasien über Anatolien (Türkei), Irak, den Balkan bis Libyen, Sudannach Senegal aus, und zwischen 13. und dem 16. Jhd. entstanden vielerorts Zentren oder „Logen“ (zawiya, khanqah, or tekke) mit Schulen mit angeschlossenen Unterkünften, Küchen, Bibliotheken – auch für ärmere Schüler. Erst im 20. Jhd. gerieten die traditionellen Rituale und Dokt­rinen unter massiver Kritik – entweder durch Islamische Reformer, oder durch Nationalisten. Sie wur­den verdrängt, die Logen geschlossen oder gar verboten. Mitunter verschmolzen ihre sufischen Vor­stellungen, gemeinsam mit türkischen und persischen Vorstellungen, mit denen der Aleviten (z.B. in Zypern, Griechenland, Albanien, Bulgarien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Kosowo, und neuer­dings auch in den USA.) In Afrika finden wir Sufis in Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko und Sene­gal.

In der englischen Wikipedia finden wir ergänzende Erläuterungen wie folgt: „Historically, Sufis have often belonged to different ṭuruq or „orders“ – congregations formed around a grand master referred to as a wali who traces a direct chain of successive teachers back to the Islamic prophet, Muhammad. These orders meet for spiritual sessions (majalis) in meeting places known as zawiyas, khanqahs or tekke. They strive for ihsan (perfection of worship), as detailed in a hadith: „Ihsan is to worship Allah as if you see Him; if you can’t see Him, surely He sees you.“ Sufis regard Muhammad as al-Insān al-Kāmil, the primary perfect man who exemplifies the morality of God, and see him as their leader and prime spiritual guide.

All Sufi orders trace most of their original precepts from Muhammad through his cousin and son-in-law Ali, with the notable exception of one. Although the overwhelming majority of Sufis, both pre-mo­dern and modern, were and are adherents of Sunni Islam, there also developed certain strands of Sufi practice within the ambit of Shia Islam during the late medieval period, particularly after the forced conversion of Iran from majority Sunni to Shia:“(…)

„Sufis believe that by giving bayʿah (pledging allegiance) to a legitimate Sufi shaykh, one is pledging allegiance to Muhammad; therefore, a spiritual connection between the seeker and Muhammad is established. It is through Muhammad that Sufis aim to learn about, understand and connect with God. Ali is regarded as one of the major figures amongst the Sahaba who have directly pledged allegi­ance to Muhammad, and Sufis maintain that through Ali, knowledge about Muhammad and a connection with Muhammad may be attained. Such a concept may be understood by the hadith, which Sufis regard to be authentic, in which Muhammad said, „I am the city of knowledge and Ali is its gate“

Übersetzen wir zusammengefasst: die Sufis [arabisch auch: tasawwuf, in der Bedeutung von: „ein Sufi werden“] unterteilen sich in Orden, die sich um einen Großmeister sammelten, der in direkter Blutline auf erfolgreiche frühere Lehrer bis zu Mohammed zurückreichen. Diese Ordensmitglieder treffen sich regelmäßig zur Gottesverehrung. Mohammed wird als vorzüglicher herausragender Mann angesehen, ihr Anführer und spiritueller eigentlicher Lehrer ist und der beispielhaft die Güte und Größe Gottes widerspiegelt.

Alle Sufi-Orden führen ihre Lehren auf Mohammed und seinen Cousin und Schwiegersohn Ali zurück, obwohl die große Mehrheit von ihnen Sunniten sind. Neben Sufi-Praktiken gibt es auch schiitische Einflüsse, vermutlich aus dem Mittelalter stammend, als Iran zum Übertritt von den Sunni zur Schia gezwungen worden war.“

Sufis glauben, wenn jemand einen Scheich (= Lehrer) um Unterweisung bittet, er sich auch durch ihn an Mohammed wendet, und eine geistige Verbindung wird hergestellt. Durch Mohammed wird der Sufi belehrt und mit Gott verbunden. Ali als Schüler des Propheten wird als Hauptfigur und Beispiel solcher Verbindung gesehen, wie es aus den als authentisch betrachteten Hadithen hervorgeht, in denen Mohammed sagt: „Ich bin die Stätte des Wissens und Ali ist das Tor.“

Vor allem in der Zeit unseres Mittelalters wurde der Sufismus als bedeutendster Teil des Islam ver­standen, und breitete sich von Indien, Zentral- und Südasien über Anatolien (Türkei), Irak, den Balkan bis Libyen, Sudannach Senegal aus, und zwischen 13. und dem 16. Jhd. entstanden vielerorts Zentren oder „Logen“ (zawiya, khanqah, or tekke) mit Schulen mit angeschlossenen Unterkünften, Küchen, Bibliotheken – auch für ärmere Schüler. Die Namen der verschiedenen Orden leiten sich in der Regel von ihren Gründern ab, und sie haben auch eigene Embleme und Symbole.

Erst im 20. Jhd. gerieten die traditionellen Rituale und Doktrinen unter massiver Kritik – entweder durch Islamische Reformer, oder durch Nationalisten. Sie wurden verdrängt, die Logen geschlossen oder gar verboten. Mitunter verschmolzen ihre sufischen Vorstellungen, gemeinsam mit türkischen und persischen Vorstellungen, mit den der Aleviten (z.B. in Zypern, Griechenland, Albanien, Bulga­rien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina, Kosowo, und neuerdings auch in den USA.) In Afrika finden wir Sufis in Ägypten, Tunesien, Algerien, Marokko und Senegal.

 

Glaubensvorstellungen und Mystik

Das Streben eines Sufis gilt der Transzendenz, d.h. der Loslösung von Besitz, von sinnlicher Wahrneh­mung, individuellen Eigenschaften, vom eigenen Ego und die Auflösung in das eine, göttliche Prinzip. Damit ist das oberste Ziel der Sufis, Gott in diesem Leben so nahe zu kommen wie möglich und dabei die eigenen Wünsche zurückzulassen. Die transzendente Wahrheit muss erfahren werden, nicht nur intellektuell erfasst und verstanden werden. Dabei wird Gott oder die Wahrheit als „der Geliebte“ erfahren. Der Kern des Sufismus ist demnach die innere Beziehung zwischen dem „Liebenden“ (Sufi) und dem „Geliebten“ (Gott). Niedere Triebe und das Ego sollen in positive Eigenschaften und eine reine Seele verwandelt werden. Diese letzte Stufe, die mystische Gotteserfahrung als Zustand des Einsseins mit Gott (tauhid) als „unio mystica“,  bleibt jedoch ausschließlich den Propheten und den vollkommensten Heiligen vorbehalten. Über das eigene, gereinigte Selbst wird ein Weg in das unbe­wusste der Seele gesucht und von dort ein Tor zur Ebene des Göttlichen. Während die traditionellen Muslime auf ein Leben nach dem Tod und dem Jüngsten Gericht im Paradies hoffen, versuchen die Sufis die göttliche Präsenz bereits zu Lebzeiten zu erfahren, und damit in den vorirdischen, vorschöp­ferischen Zustand „fitra“ zu gelangen, dem Zustand der Reinheit und Unschuld.

Der Begriff Sufismus wurde 1821 in Deutschland geprägt. Ein Sufi bezeichnet sich selbst in der Regel nicht als solcher, vielmehr verwenden Sufis für sich Bezeichnungen wie „Menschen der Wahrheit“, „Meister“, die „Nahen“, „Suchende“, „Schüler“ oder „Reisende“. In der Regel lehnen sich die ver­schiedenen Sufi-Orden entweder an die sunnitische oder schiitische Lehre an, oder an beide an oder betrachten sich als eigene islamische Richtung. Die Vertreter eines „universellen Sufismus“ oder „pantheistischen Neo-Sufismus“ meinen, dass die Zugehörigkeit zum Islam keine Bedingung für den Sufi ist. Nach Meinung der Anhänger des universellen Sufismus existiert diese Form der Mystik aber schon seit Bestehen der Menschheit, damit schon länger als der geschichtliche Islam. In frühislami­schen Zeit lehnten einige Sufis ohnehin die Schari’a als Einengung des wahren Glaubens ab. Daher konnten auch westliche nicht-islamische Sufi-Ableger entstehen. Heute werden Sufis z.B. in Iran, Pa­kistan und Saudi-Arabien verfolgt. Islam-Fanatiker verübten Attentate und Selbstmordanschläge auf Sufis und deren Einrichtungen und heiligen Schreine. Die Wahabiten in Saudi-Arabien, die sogar die Gräber von Mohammed und dessen Verwandte und Anhänger zerstören ließen, verdammen Musik und Tanz und betrachten Sufis als gotteslästerliche Ketzer. – Die Derwische selbst sehen hingegen im „Dschihad“ allein den  Kampf eines jeden Einzelnen um sein eigenes Seelenheil und keine Aufforde­rung zum Krieg.

Der Begriff „Derwisch“ (darwīsch) leitet sich vom persischen Wort dar = Tor, Tür ab. Der von Persien bis Indien bunt gekleidete Derwisch wandert gewissermaßen über die Schwelle zwischen diesseitiger irdischer Welt und jenseitig göttlicher Welt hin und her. Der persische Begriff steht allerdings auch für „Bettler“, der von Tür zu Tür wandert. Oder auch für einen asketischen Mönch, Zauberer, Magier oder Fakir. In Ägypten oder in der Türkei arbeiten Derwische (Kadiri) oft z.B. als Fischer. Die uns be­kannten tanzenden Derwische in der Türkei sind dem Mevlevi-Orden zugehörig. Meist tragen typi­sche Derwische eine spitze Kappe (oder turmartigen Hut) und eine umgehängte Bettlertasche. Die Bektaschi, eine andere Gruppe (eng mit den Aleviten verwandt) konsumieren beim rituellen Mahl (sofra = „Tisch“) bei Zusammenkünften zu Salz und Brot auch Alkohol (Wein) und es gibt dabei keine Geschlechtertrennung. – Kann man sie wirklich zu den Muslimen zählen?

Auf seinem Weg durchwandert der Sufi oder Derwisch geistig folgende Stationen:

  1. Schari‘a („islamisches Gesetz“)
  2. Tariqa („der mystische Weg“)
  3. Haqīqa („Wahrheit“)
  4. Ma’rifa („Erkenntnis“)

(Bei den Aleviten kommt Ma’rifa vor Haqiqa, da das Göttliche die „einzige Wahrheit“ ist.) Das religi­öse irdische Gesetz Scharia regelt die individuellen Rechte zwischen den Menschen: „dein und mein“. Tariqa meint hingegen, wie etwa bei Derwischen oder in den Orden vorgesehen, jeden geschwister­lich und mit Liebe zu behandeln, und Freude wie Eigentum miteinander zu teilen: „meins ist deins und deins ist meins“. Fortgeschrittene Sufis der Stufe Haqiqa erkennen, das alle Dinge von Gott kom­men, wir gar nichts besitzen, sondern bestenfalls verwalten: „weder meins noch deins“. Auf dem Ni­veau der Erkenntnis (Ma’rifa) gibt es „kein ich und kein du“. Der einzelne erkennt, dass nichts und niemand von Gott getrennt ist. Dies ist das oberste Ziel des Sufismus.

 

Die Rose und die Liebe

Der Sufismus gebraucht oft das Symbol der Rose: die Dornen stehen für die Scharia, der Stängel für die Tariqa (der Weg), die Blüte für die Haquqa (Wahrheit) und der Duft für Ma’rifa, die Erkenntnis. „Hierbei lässt sich folgende Sichtweise der Sufis erkennen: Die Dornen schützen den Stängel, ohne sie könnte die Rose leicht von Tieren angegriffen werden. Ohne den Stängel haben die Dornen allein aber keinerlei Bedeutung; es ist deutlich zu sehen, dass die Sufis Schari’a und Tariqa unbedingt als zusam­mengehörig betrachten. Der Stängel ohne Blüte wäre nutzlos, und auch eine Blüte ohne Duft hätte keinen Zweck. Der Duft alleine ohne die Rose hätte aber ebenfalls keine Möglichkeit zu existieren.“

Der Mittelpunkt der echten sufistischen Lehre ist die Liebe (arabisch hubb, ‚ischq, mahabba), die im­mer im Sinne von „Hinwendung (zu Gott)“ zu verstehen ist. Die Sufis glauben, dass sich die Liebe in der Projektion der göttlichen Essenz auf das Universum ausdrückt. Dies lässt sich oftmals in den „be­rauschten“ Gedichten vieler islamischer Mystiker erkennen, die die Einheit mit Gott und die Gottes­liebe besingen. In der Symbolik des Sufismus steht der Wein für die Liebe Gottes, der Sheikh für den Mundschenk und der Derwisch für das Glas, das mit der Liebe gefüllt wird, um zu den Menschen ge­tragen zu werden.

Die Sufis glauben, dass Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat, der im tiefsten Herzen verborgen ist. Gleichzeitig wird dieser Funke durch die Liebe (Hinwendung) zu allem, was nicht Gott ist, verschleiert, genauso wie durch die Aufmerksamkeit gegenüber den Banalitäten der (materiellen) Welt, sowie durch Achtlosigkeit und Vergesslichkeit.

Der Perser al-Ghazālī (Abū Hāmid Muhammad ibn Muhammad al-Ghazālī, 1055-1111) bezeichnet die Liebe zu Gott als das eigentliche Endziel der Stationen auf dem Weg zu Gott. Als ihn selbst die Familie ablenkte und finanzielle Dinge plagten, fand er keine Ruhe und Stille, und die Weisheit war ihm ver­hüllt. Erst später konnte er dies ändern. Er sagt daher, dass nur Gott allein der Liebe (und Hinwen­dung) würdig ist; die Liebe zu Muhammad nennt er lobenswert, weil sie nichts anderes ist, als die Liebe zu Gott. Die Liebe zu den Gottesgelehrten und Frommen ist ebenfalls lobenswert, denn „man liebt diejenigen, die den Geliebten lieben“. Isa bin Maryam (Jesus, Sohn der Maria) wird im Islam oh­nehin als der „Prophet der Liebe“ gesehen. Die Liebe zu Gott ist das einzige, was wirklich zählt (und zählen sollte). Auch nicht Vorstellungen von göttlichen Strafen oder Belohnungen. – Man sah, wie man erzählt, die Mystikerin Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaisiyya (gestorben 801) in den Straßen von Basra, mit einem Eimer in der einen Hand und einer Fackel in der anderen. Gefragt, was das bedeute, ant­wortete sie: „Ich will Wasser in die Hölle gießen und Feuer ans Paradies legen, damit diese beiden Schleier verschwinden und niemand mehr Gott aus Furcht vor der Hölle oder in Hoffnung aufs Para­dies anbete, sondern einzig und allein aus Liebe zu Ihm.“

Einer der wichtigsten Vertreter des Sufismus war Muhyiddin Muhammad b. ‚Ali Ibn ‚Arabi (1165-1240) aus Murcia in Andalusien. Ibn ‚Arab war ein Lehrer, Philosoph, Mystiker und Poet. Von seinen 800 Schriften sind noch 100 erhalten, vor allem widmete er sich der Kosmologie, der Einheit in aller Schöpfung und der göttlichen Vereinigung. Er sagte selbst, seine Schriften wären von Gott isnpiriert.

 

Versammlungen und Meditation

Die spirituellen wöchentlichen Versammlungen, zu denen Sufis sich im Kreis sitzend oder stehend treffen,  mit Gebeten, Meditation, Musik, gewissen rituelle Körperbewegungen und Atemübungen, werden von einem Lehrer (Scheich oder Murschid) geleitet. Das waren ursprünglich vorbildliche, an­gesehene spirituelle Autoritäten. Das wurde später verdrängt durch die „Blutlinie als Erbe des Pro­pheten Mohammed“ verdrängt, die mehr und mehr Gewicht gewann. Der Scheich wurde nur noch als Vermittler und Fürsprecher betrachtet. Die unterrichtenden Sheiks erzählten und erzählen den Derwischen bei den Versammlungen Lehrgeschichten mit tiefgründigen Bedeutungen. Es soll dabei nicht (nur) die Verstandesebene angesprochen werden, denn die Sufi-Lehre besteht nicht nur aus der Theorie, sondern vielmehr aus dem inneren Begreifen und dem praktischen Handeln. Analog dazu sagen sie, dass es zwar viele Bücher über den Sufismus gibt; den Sufismus in den Büchern zu finden sei aber unmöglich. Analog dazu betrachten die Sufis einen Religionsgelehrten, der sein Wissen nicht praktiziert, als einen Esel, der eine schwere Last an Büchern trägt, die ihm aber nichts nützen, weil er schließlich nichts damit anfangen kann.

Durch tägliche Meditationen (dhikr) und geistige Übungen (chalwa) wollen Sufis Gott nahe kommen. (Dies wird im orthodoxen Islam sehr kritisch gesehen oder gar als Ketzerei und Gotteslästerung ver­dammt. Wer es unter strenggläubigen Muslimen wagt, zu behaupten, er hätte – oder sei – die „Wahrheit“, also Gott, wurde und wird öffentlich hingerichtet.) – Einen persönlichen Lehrer zu fin­den, ist für die eigene Entwicklung hilfreich. Es wird erwartet, vor allem in gewissen Orden, dass die Schüler ihrem Lehrer, lange Zeit dienen, selbst über den Unterricht hinaus. Zur Meditation rezitieren Sufis bestimmte Stellen aus dem Koran oder wiederhole göttliche Attributen (z.B. die 99 Beinamen Gottes). Denn die göttlichen Namen und Attribute sind über die gesamte Welt verteilt, und IN ihr. – Ein weiteres Mittel, um sich durch Dhikr weiter zu entwickeln, ist die Musik, die meist gesungen die Namen Gottes rezitiert, oder die Liebe zu Gott und zu Mohammed besingt. Kommen Sufis einem me­ditativen „unbewusst kreisenden, schaukelnden“ Zustand nahe, geraten sie mitunter in Trance. Ei­nige Sufigemeinschaften verletzen sich in Trance absichtlich, indem sie Wangen und Körperteile durchstechen, um ihr völliges Vertrauen in Gott unter Beweis zu stellen. Mevlevi-Derwische aus der Türkei (z.B.) drehen sich während der Meditation (dhikr bzw. Tanz, sema) um die eigene Achse, um in Trance zu geraten. Die Meditation als Mittel zur Vervollkommnung wird so geschätzt, dass man auch mitten in weltlichen Belangen immer wieder kurz innehalten und meditieren und beten solle. Eigent­lich soll das gesamte irdische Leben zu einem Gebet werden.

 

Der Sündenfall – Naqshbandiyya und Cemaat

In der Türkei war die AKP unter Recep Tayyip Erdogan ursprünglich eng mit der Fethullah-Gülen-Be­wegung verbunden, die er heute (nach 2015) als extremistisch, staatsfeindlich und terroristisch be­trachtet. Gülen, der neben 60 Bücher noch Essays und Gedichte schrieb, war ein Anhänger des Kur­den Said Nursi (1876-1960), der ein philosophisch-religiöser Wegbereiter des Islamismus als Antwort auf atheistischen Materialismus und Marxismus war. Gülen war ein erzkonservativer neoliberal ge­sinnter Prediger, der hunderte Privatschulen bis in die ehemals sowjetischen Turkstaaten, Pakistan und Malaysia gründete. Sein Einfluss existiert auch in Bosnien-Herzegowina, Kosowo, Albanien – auch in Deutschland. Außerdem gründete Gülen  zahlreiche Bildungsvereine, Radio- und TV-Sender, Zeitungen, Wohnheime, Gewerkschaften, Versicherungen, Unternehmungen und sogar zwei Kran­kenhäuser. Sein Netzwerk hat an die vier Millionen Anhänger.

Die Gülen-Bewegung wurzelt in der Sufi-Tradition, und zwar in der ursprünglich persischen Tradition der Naqshbandiyya (Siddiqiyya nach Abū Bakr as-Șiddīq als angeblicher Lehrer-Vorfahr). Dieser Orden unterscheidet sich allerdings von allen anderen Sufi-Orden dadurch, dass er sich in die sozialen und politischen Angelegenheiten einmischt.  Die Einflussnahme und Steuerung  der Politik im Sinne der Scharia waren immer für den Orden wichtig. Seit ihrer Entstehung im 13. Jh. verzichtete dieser Orden auf Musik, Tanz und Gesang in ihren Zeremonien, sie verrichteten schweigenden ihre dhikr. Es gab eine enge Beziehung zwischen Meister und Jünger durch eine „gegenseitigen Versenkung“, bei der der Jünger das Bild seines Meisters in seinem Herzen behält. Der Meister ist für ihn wie ein Spiegel, der den Propheten reflektiert und durch ihn strömt das göttliche Licht weiter zu ihm hin. Ein weiteres Merkmal bildeten private Gespräche zwischen Meister und Jünger (sohbet).

Im 17. Jhd. wollten die Mogul-Sultane im Indien den Islam mit dem Hinduismus verbinden. Ihr Anfüh­rer war Scheich Ahmad Sirhindi (1564-1624). Statt die Sufi-Theologie der „Einheit des Seins“ mit Gott und die Lösung von der irdischen Scharia sollte (wieder) eine „Einheit der Schau“ nach oben ange­strebt werden, und die Scharia wieder eine Rolle spielen. Um als Sufi akzeptiert zu werden, musste man die äußeren Vorschriften der Scharia befolgen, welches Sirhindi als dem Weg der Sufis überle­gen ansah. Der Jünger kann nicht mehr selbst mit Gott eins werden, sondern nur „Gott schauen“, und zwar durch die Vermittlung des Meisters als „Repräsentant Gottes“. In der Schau werden Gott und seine Schöpfung als unterschiedlich wahrgenommen, und die höchste Stufe der spirituellen Ent­wicklung bestünde nur (noch) in der totalen Unterwerfung unter Gott. Die islamischen Gelehrten (ulama) sollten die eindeutigen Verse des Koran für Urteile anwenden, die Sufis über die mehrdeuti­gen meditieren. Sirhindi betrachtete außerdem in Indien die Praxis von Schiiten und bisherigen Sufis als Irrglauben und ungläubige Hindus ohnehin als nur so viel wert wie Hunde.

Die zweite Veränderung der Naqshbandiyya war das Werk von Dia‘ al Din Khaled (1776-1827) in Da­maskus.  Er entwickelte den soziopolitischen Aktivismus und die Bindung an den orthodoxen Islam als Hauptbestandteile des sufischen „Naqshbandiyya Khalidiyya“. Nicht Theologie, sondern religiöse Er­ziehung war die Hauptbeschäftigung der Bruderschaft. Außerdem musste kein Jünger (mit nun kürze­rer Ausbildung) mehr den Meister selbst sehen. Es reichte, nur das Bild des Meisters im Geist zu ver­gegenwärtigen. Diese Richtung breitete sich nun überall im Osmanischen Reich aus. Anders als die fanatischen Wahabiten in Arabien, waren diese Leute aber der Moderne gegenüber aufgeschlossen. Schließlich unterstützten sie die Jungosmanen, bekämpften aber die Jungtürken und nach dem 1. Weltkrieg Kemal Atatürk (1924 Abschaffung des Kalifats in der Türkei), der 1925 alle Sufi-Orden ver­bot. Die Naqschbandis verlagerten heimlich ihre Tätigkeiten von Logen in Moscheen und Privatwoh­nungen und überlebten, benannten sich auch um von „Bruderschaft“ (tariqat) in eine Gemeinschaft (cemaat) von Laien. Als Ersatz für charismatische Meister stünden nunmehr die Schriften von Sirhindi (maqtubat) zur Verfügung. Sie sind neben dem Koran auch eine Hauptlektüre bei der Mission in Deutschland.

Said Nursi schaffte die traditionelle Überlieferungskette (der Blutlinien) völlig ab, der Meister wurde durch Schriften ersetzt, die Gemeinschaft wurde zum Leserkreis, die die Koranexegese des Nursi las. Der Glauben wurde in dem des Islam integriert. Die Welt gilt als ein Ausdruck der Attribute Gottes und das Studium der Naturwissenschaften wird so zur Pflicht. Der Weg zu Gott ist nicht mehr der Pfad der Sufis, sondern vielmehr die Schule und die Universität. Daher legte auch Nursis Schüler Gü­len so viel Wert auf gute Bildung und Leserkreise (genannt „Lichthäuser“), in dem neben den Schrif­ten von Nursi die von Gülen als „sobhet“ studiert wurden. Gülen gründete auch eigene Nachhilfeein­richtungen, von der cemaat streng kontrolliert, und von dort wurden auch Leute in seine Gemein­schaft rekrutiert. Dann kamen noch viele andere Bereiche, wie Wohlfahrt, Medien, Wirtschaft usw. dazu, die allesamt in In- und Ausland ein Netzwerk bildeten. Der Dienst an anderen (hizmet) wird fälschlich im Westen als „Wohltätigkeit“ verstanden, aber bei den Naqschbandis ist die eigene Voll­kommenheit nur erreichbar, wenn sie die Gesellschaft in Richtung Scharia lenken, eben z.B. durch praktizierte Wohlfahrt, und durch die Verbreitung des Islam. Die Zugehörigkeit zur Cemaat erfolgt nicht durch eine offizielle Aufnahme, sondern durch Arbeit für sie und durch Akzeptanz der Lehre. Und je nachdem, wie fleißig und willig man sich darin zeigt, steigt man in der Hierarchie auf. Man soll äußerlich „mit der Schöpfung sein“, aber innerlich mit dem Schöpfer. Das gesamte Leben wird dadurch zu einem Gottesdienst. – Wie perfekt das System Gülen ist, zeigt sich, dass man darüber kaum was bei Wikipedia (deutsch) zu lesen bekommt…

Gülen gab sich im Westen als sufistischer Philosoph aus, verfolgte aber insgeheim ständig dieselben politischen Ziele wie die sunnitische Muslimbruderschaft und die Salafisten. In Wahrheit wollte er ei­nen islamistischen Staat. Gülen „islamisierte“ sozusagen den türkischen Nationalismus: der Abfall vom Islam sei (todeswürdiger) Hochverrat, Unglaube sei ein Verbrechen, Frauen seien immer unter­geordnet. Freilich gab er sich in der Öffentlichkeit moderat und pazifistisch, seine wahre Macht war aber der „tiefe unsichtbare Staat“ im Hintergrund der Türkei, die keinen laizistischen Staat und keine Kemal-treues Militär duldete, und die die Gesellschaft mit einem „Netz fundamental-muslimischer Intelligenz“ unterminierte.  Wikipedia: „Kritiker beschuldigten die Gülen-Bewegung, bereits während ihres bis zum Jahr 2013 andauernden engen Bündnisses mit der türkischen Regierungspartei AKP, ih­ren damaligen Einfluss auf Polizei und Justiz zur massenhaften Inhaftierung Tausender politischer Gegner genutzt und dazu Ermittlungsverfahren manipuliert, Beweise gefälscht und ihre Medien zur politischen Diffamierung missbraucht zu haben.“ (…) „Noch 1987 säuberte die Militärführung die Mi­litärakademie von Anhängern Gülens, dem sie in internen Berichten (zuletzt 1992) vorwarf, dass er unter dem Vorwand, sich für eine Ordnung einzusetzen, in der man islamisch leben könne, tatsäch­lich langfristig eine islamistische Revolution und die Einführung des islamischen Rechts (Şeriat), vor­bereite. Zu diesem Zweck erweitere er systematisch seinen Einfluss im Medien- und Bildungssystem, unterwandere Militär- und Polizeischulen und bilde Selbstmordkommandos aus.“

Erdogan wollte unverkennbar selbst einen nationalen und islamischen fundamentalistischen Staat nach eigenem Geschmack als neues Osmanisches Reich schaffen, eigene Netzwerke  und sich selbst als Führer der islamischen Welt darstellen, und zwar ohne die Konkurrenz eines Gülen, der ihn mit öffentlichen Korruptionsvorwürfen politisch schwächen wollte. Was zum Putschversuchs-Vorwurf 2016 gegen Gülen führte. 2018: eine in Deutschland aufgedeckte ausgeklügelte PR-Strategie zeigte, wie die Gülen-Bewegung schon seit Jahren gezielt gegen kritische Journalisten in Deutschland vor­ging. – Seit 2016 lebt der mächtige neoliberale Gülen in den USA (wo auch sonst?) und wird von dort nicht ausgeliefert. Obwohl… In der „Wirtschaftswoche“, noch 16. Juli 2016: Gülen vertrat „eine mysti­sche Form des Islams mit einer entschiedenen Betonung von Demokratie, Bildung, Wissenschaft und Dialog zwischen den Religionen (…). Anhänger des Imams begannen, an die 1000 Schulen in mehr als 100 Ländern zu gründen. In der Türkei entstanden Universitäten, Krankenhäuser, Wohltätigkeitsorga­nisationen und ein großes Medienimperium der Gülen-Bewegung. (…) Im Mai wurde einer Gülen-Schule in Texas vielfacher Visabetrug vorgeworfen: Türkische Lehrer seien in großer Zahl in den US-Staat geholt worden und es seien sowohl Staats- als auch Bundesgesetze verletzt worden, indem sie höher als amerikanische Lehrer bezahlt worden seien. Zudem habe das Netzwerk, Harmony Public Schools, bei Ausschreibungen türkische Anbieter bevorzugt.“

Wobei Erdogans Einfluss heute ausgedehnt wird alle, die außerhalb der Türkei mit türkischer Ab­stammung leben. Ein liberaler, laizistischer Staat und eine moderate Religion war nie Erdogans Ziel, so scheint es, sondern gegenüber dem Westen anfänglich nur Mittel zum Zweck. Islamische Orden sind heute in der Türkei verboten – ausgenommen (aus touristischen Gründen?) einzig der Mevlevi-Orden der Rifa’iyya, der mit Cemalnur Sargut von einer Frau geleitet wird, und deren Mitglieder aus der oberen Mittelschicht stammen. Ihr Orden (der tanzenden Derwische) hat auch einen Lehrstuhl für Sufismus an der Universität von Istanbul. Die außergewöhnlich starke Rolle von Frauen bei den türkischen Rifa’iyya geht auf den Ordensvater Kenan Rifai zurück. Rifai benannte als seine direkte Nachfolgerin eine Frau, Samiha Ayverdi, die nach seinem Tod 1950 an die Spitze des Ordens trat. Von ihr übernahm wiederum Cemalnur Sargut die Führung.

Sargut: „Sufismus ist der Prozess, in dem der Mensch zur inneren Ruhe findet, indem er eine Bezie­hung zu seinem Schöpfer aufbaut und sein zersplittertes Sein zum Ganzen zusammenfügt. Wenn die­ser innere Frieden erreicht ist, dann findet der Mensch in dieser Welt das Himmelreich; und wer in dieser Welt das Himmelreich findet, dem wird es in jeder Welt beschieden sein. Das ist Sufismus.“ (…) „Wenn wir unterschiedliche Ansichten akzeptieren können und wenn wir verstehen, dass jedes Ge­schöpf den Namen Gottes trägt – dass nicht nur Menschen, auch Tiere und Pflanzen und sogar ein Stück Holz ein Teil von Gott sind. Dieses Gefühl gilt es zu finden, was übrigens viele Moslems auch nicht wissen – aber das ist die Erfüllung der islamischen Mystik, wir nennen es den Höhepunkt. Tole­ranz, Liebe, die Ansichten aller Menschen zu achten – das ist die Essenz des Sufismus.“

https://www.youtube.com/watch?v=8sVIzZwDuzI (German / Deutsch, with under titles in English, 8 min.) – Youtube, 31.8.2015

https://www.youtube.com/watch?v=JSoU_RB-EXE (in English, 18 min.)

https://de.wikipedia.org/wiki/Sufismus

https://www.deutschlandfunk.de/politischer-islam-in-der-tuerkei-erdogan-hat-die-tuerkei-in.886.de.html?dram:article_id=420390

https://www.deutschlandfunk.de/mystik-in-der-tuerkei-eine-frau-leitet-einen-sufi-or­den.886.de.html?dram:article_id=411095

https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClen-Bewegung

Ghadban, Ralph: „Die Sufi-Dimension der Gülen-Bewegung“, KAS Berlin, 18.2.2014. Online aus dem web am 26.6.2019:  http://www.ghadban.de/de/wp-content/data/Die-Sufi-Dimension-der-G%C3%BClen-Bewegung1.pdf

https://en.wikipedia.org/wiki/Sufism

Definition:

Weltweit gibt es ca. 20 Millionen Aleviten, die meisten leben in der Türkei (in Anatolien, als Kurden), Turkmenistan, Aserbaidschan oder Iran – bzw. Alaviten (Syrien, mit gnostischen Traditionen). 15 Prozent der Türken sind Aleviten, die in der Türkei nicht richtig als Religion anerkannt sind, sondern nur geduldet. Aleviten anerkennen nicht die Dogmen und Gebote des Koran/Quran. Religion gilt als Privatsache. Frauen kleiden sich wie sie wollen, Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Sie beten gemeinsam, meditieren und singen in Gebetshäusern (Cemevi), wo sie zuerst rituell den Teppich mit Besen kehren (reinigen), dann herbei gebrachte heilige drei Kerzen entzünden (für links 1. Imam Ali, 2. Mitte Mohammed, 3. Rechts Allah), um „das heilige Licht zu erwecken“. Ali und Mohammed stellen dabei nur die irdischen Repräsentanten/Widerspiegelungen des Lichtes Gottes dar. Das reine Licht Gottes ist zu heilig, um sich direkt dahin zu wenden, ohne Vermittlung. Statt „Allah“ verwendet man auch den Begriff „Al-Haqq“ (Wahrheit). Die „göttliche Realität/Wahrheit“ ist eins der Namen Gottes im Quran.

Muslime kennen den Begriff „Sakina“ (Schechina) in der Bedeutung „innerer Friede, Ruhe, Gelassen­heit, (Glück-)Seligkeit, Sicherheit, Stärke, das Gefühl ständiger göttlicher Führung, göttliche Einge­bung, Gottesbewusstsein“. Dieser Zustand ergibt sich durch die „Einwohnung Gottes“ – bei den Ju­den war das im Bereich der Bundeslade der Fall, die so heilig war, dass niemand sie berühren durfte, und erst recht nicht öffnen. In der Bundeslade, in der die Heiligkeit Gottes unsichtbar anwesend war, befanden sich „als Zeichen des Bundes Gottes mit seinem Volk“ die Tafeln des Mose mit den Zehn Geboten, mit denen sich der verborgene, unsichtbare Gott unter den Menschen auf der irdischen Ebene offenbart hat. Die „Sakina“ kann daher nach islamischer Ansicht durch das Einhalten der geof­fenbarten Gebote Gottes erreicht werden. Insbesondere im islamischen Mystizismus, dem Sufismus, spielt die Sakina eine große Rolle.

Nach einer Überlieferung, die auf ʿAlī ibn Abī Tālib zurückgeführt wird, war es auch die Sakina, die Ab­raham (als Diener, Prophet, Gefäß) nach Mekka führte, als er nicht wusste, wo er die Kaaba wieder­errichten sollte. Denn die ursprüngliche Kaaba, die Wohnstätte Gottes, soll nach muslimischer Erzäh­lung von Adam erbaut worden sein, und Abraham ließ auf den Ruinen die neue Kaaba bauen. Abra­ham, Hagar und sein Sohn Ismail sollen noch im Umfeld der Kaaba in Mekka beerdigt worden sein. Außen an der mit Brokat schwarz verhüllten würfelförmigen Kaaba (einem vorislamischen Heilig­tum!) ist der schwarze Meteorit angebracht; das innere der leeren Kaaba ist aus weißem Marmor, oberhalb mit grünem Tuch (mit goldenen Koranversen) abgedeckt. Nur drei weiße Säulen befinden sich darin. Zweimal im Jahr wird die Kaaba durch heilige Männer für ein Reinigungsritual geöffnet und mit Duftölen gewaschen. Wie bei der Bundeslade zeigt ist auch bei der Kaaba Gott bzw. Allah als dem Blick und Erkenntnis der Menschen verborgen, unsichtbar. Seine Anwesenheit in einer „Wohnstätte“, einem Tempel, Gefäß oder Menschen bewirkt vielmehr einen gefühlten inneren Zu­stand von Licht (Erleuchtung), Frieden, Gewissheit und Stärke.

Aus Wikipedia: … „der rituellen Tanz (Semah). Dieser wird von Frauen und Männern gleichzeitig und gleichberechtigt ausgeführt und dabei vom Dede (»Großvater«) – gleichzusehen mit einem Imam, aus dem Stamm des Mohammed oder Alis, der den Koran genau kennen muss, – oder von der Ana (»Mutter«), ebenfalls aus dem Stamm Mohammeds, beaufsichtigt. Dedes und Anas (…) genießen ein hohes Ansehen unter den Aleviten. Wenn jedoch kein Dede zur Verfügung steht, (…) darf jeder andere Alevite, der sich mit den Ritualen auskennt, einen solchen Gottesdienst leiten. Die Menschen sitzen oder stehen dabei im Kreis, wo im Zentrum die Handlungen vollzogen werden.

Der Semah ist ein wichtiger ritueller Tanz und gehört zu den zwölf Pflichten in der Cem-Veranstaltung, und hat gewisse Gemeinsamkeiten mit dem Tanz der Derwische (Sufis). Sein Sinn ist das Einswerden mit Gott und der Natur. Er ähnelt in seiner Ausführung einem Reigentanz. Die (dazu ausgesuchten) Semah-Mitglieder bewegen sich in einer kreisförmigen Figur. Dabei drehen sie sich zusätzlich um die eigene Achse. Die Handinnenfläche der rechten Hand zeigt nach oben und die linke Handinnenfläche ist auf den Boden gerichtet. (…) Die dabei dargestellte Figur, also das Drehen in einer „Kreisbahn“ und das Drehen um die eigene Achse, symbolisiert nicht nur das Universum (Evren) mit den Planeten des Sonnensystems und der Galaxie, also wie die Planeten in einer Umlaufbahn um die Sonne und um ihre eigene Achse kreisen, sondern es werden durch den Kreistanz darüber hinaus die ewigen Kreisläufe des Lebens und der Natur symbolisiert. Seit dem 12. Jahrhundert, vielleicht auch schon früher, diente dieser heilige Tanz zur geistigen Annäherung an Allah. Darum sollte er nach alevitischer Auffassung nicht öffentlich vorgeführt werden. Musik soll im Gebetshaus dabei eine tranceähnliche Atmosphäre erschaffen, durch die das Individuum einen spirituellen Einblick, eine Erkenntnis erlangen können soll.“

Im Gebetshaus soll der „nächtliche Aufstieg des Propheten Mohammed in den Himmel“ nachgespielt und nacherlebt werden , wo er eine Versammlung von vierzig Heiligen sah; so wie die göttliche Wirklichkeit auch dem Imam Ali einst klar geworden ist. Das ist eine Metapher für „Erleuchtung“. Während des Gottesdienstes mit einleitendem Gebet der Gemeinde, Kerzenentzünden, Musik und dem spirituellen Tanz erfolgen symbolisch-rituellen (?) Handlungen des Dede und seinen bestellten Ehren-Helfern (insgesamt 12 Mitwirkende), um den geistigen Zusammenhalt und die Harmonie in der Gemeinde zu stärken (genannt „Görgü Cemi“ = Etikette). Man trinkt nach dem Tanz, nach einem Händewaschen, dann gemeinsam Wein bzw. roten Fruchtsaft („Dem“ = Blut), der symbolisch den „Rausch des Liebenden in der Geliebten“ darstellen soll, oder wohl eher: die Liebe und Lebenskraft des liebenden Schöpfers, einkehrend in seinen geliebten Geschöpfen. Anmerkung: Da man in der Beschreibung von einem „heiligen Mahl“ spricht, gibt es vermutlich auch Brot oder ähnliches dazu. – Es werden die heiligen drei Kerzen feierlich wieder gelöscht und wieder weggeschlossen, und es wird als Ausklang in Versammlung diskutiert („Sohbet“).

Geschichte:

Viele gehen davon aus, dass sich die Aleviten vor etwa 800 Jahren von den Schiiten abgespalten haben, da auch sie den Märtyrer Ali (gestorben 661 n.Chr.) als wahren einzigen rechtmäßigen Nachfolger Mohammeds verehren. ʿAlī ibn Abī Tālib war Cousin und Schwiegersohn des Mohammed (heiratete dessen einzige Tochter – von Chadischa = Ḫadīǧa bint Ḫuwaylid – namens Fāṭima bint Muḥammad). Über die Nachfolge des Mohammed ( = Abū l-Qāsim Muhammad ibn ʿAbdallāh ibn ʿAbd al-Muttalib ibn Hāschim ibn ʿAbd Manāf al-Quraschī , aus dem Stamm der Quraisch) kam es zum Streit und Krieg, und Ali wurde gestürzt, vertrieben und ermordet. Wie die Schiiten verehren sie 11 ermordete und einen verschwundenen, verborgenen 12. Imam, der in Zukunft wiederkehren soll.

Ein zentrales Element ihres Glaubes ist die zelebrierte Trauer um ihre Leidensgeschichte als Opposition innerhalb des Islam, vor allem verkörpert durch das Märyrertum des dritten Imams al-Ḥusain ibn ʿAlī bzw. Abū l-Hasan ʿAlī ibn Abī Tālib, oder kurz: Ali. Der war, geboren ca. 600, als verarmtes Kind in den Haushalt Mohammeds gekommen, wurde der Mann dessen Tochter Fatima, und war kurz vor dessen Tod 632 von diesem zu seinem Nachfolger ernannt worden. Durch Intrigen der Anhänger und Clans, bei der auch ʿĀʾiša bint Abī Bakr (Muhammeds 3. Ehefrau, Lieblingsfrau)  später mitgemischt hat, wurden aber zuerst Mohammeds Schwiegervater Abū Bakr (genannt: Kalif, Nachfolger), dann Umar ibn al-Chattāb, dann ʿUthmān ibn ʿAffān Kalifen, bevor man Ali zum 4. Kalifen wählte (656-661). Der konnte sich jedoch nicht gegen seine Feinde (darunter Muʿāwiya  und ʿĀʾiša) durchsetzen, zumal man ihm die Ermordung Uthmans vorwarf. In einem Anschlag wurde Ali ermordet, und 661 wurde Muʿāwiya aus dem Clan der Umayyaden Kalif, der aus einer Familie stammte, die einst zu den größten Feinden Mohammeds gezählt hatte. Das Machtzentrum der Muslime verlagerte sich dadurch nach Syrien, in die zuvor neu eroberten Gegenden. Die Gebietseroberungen wurden fortgesetzt.

Die „Partei Alis“ (šīʿat ʿAlī), gebildet aus seinen Söhnen, konnte die Macht nicht zurückgewinnen. Aus ihnen entstanden die schiitischen Glaubensrichtungen, wie die

  • Zwölferschiiten (nach 12 Imame; Ausbreitung bis Syrien, Iran, Aserbaidschan, Kuwait, Bahrain, Libanon, Afghanistan, Pakistan bis Indien),
  • die Ismailiten (Syrien, Afghanistan, Tadschikistan, Pakistan bis Indien), mit neuplatonischen und gnostischen Inhalten. In der Vergangenheit sind mehrere revolutionär-ismailitische Gruppen aufgetreten, wie zum Beispiel die Assassinen in der Levante oder die Fatimiden, wobei Letztere mehr als 200 Jahre in Ägypten herrschten. Die Drusen, deren Hauptsiedlungsgebiete in Syrien, Libanon und Israel liegen, gingen aus der ismailitischen Schia hervor und glauben an Reinkarnation.
  • die jemenitischen Zaiditen,
  • die osmanischen Aleviten und
  • die Alawiten, die auch Nusairier genannt werden (Syrien, Jordanien, Israel, z.T. Türkei) und gnostische Wurzeln haben.

Es gibt nun fünf Strömungen auch innerhalb der heutigen Aleviten: solche, die ihre Religion als völlig eigenständig ansehen; solche, die sie als ein eigenständiger Teil des Islam ansehen; solche die sich an Sunniten und solche die sich an Schiiten anlehnen, und solche (z.B. Kurden), die sie als Weiterentwicklung der Religion des Zoroaster begreifen. Viele gehen davon aus, dass diese alevitischen Vorstellungen am ehesten der alten, vorislamischen türkisch-turkmenischen Tradition entsprächen.

 

Alevitische Glaubensvorstellungen:

Ideale: Man strebt die Erleuchtung und innere Vollendung an. Man verlangt Respekt für jede Religion, Kultur, Geschlecht, Rasse und sieht Schöpfung und Schöpfer als Einheit an, Gott ist in der gesamten Natur. Es gilt das Gebot es Wissenserwerbs, der Freundlichkeit und Nächstenliebe, der Bescheidenheit, der Geduld und Aufrichtigkeit. Aber „die alevitische Glaubenslehre basiert auf der Entscheidungs- und Glaubensfreiheit des Menschen. Niemand hat eine Verpflichtung, etwas tun oder glauben zu müssen.“

Wikipedia: …„alle Lebewesen werden als Gottesgeschöpf mit einer (unsterblichen) göttlichen Seele betrachtet, weswegen Toleranz ein wichtige Eigenschaft der Aleviten darstellt. Allen Menschen wohnt die „heilige Kraft Gottes“ (Nur-i Kadim/Zat-ı Mutlak) inne, daher wird der Mensch als Widerspiegelung Gottes betrachtet und Mohammed und Ali als Vorbilder dieser Widerspiegelung, indem sie Gott im Menschen reflektieren. Der Mensch wird genauso als Geschöpf wie Pflanze, Tier und Natur betrachtet, jedoch mit dem Unterschied, dass der Mensch durch die ihm gegebene Vernunft seinen Schöpfer und ihn in seinen Geschöpfen erkennen kann. Der gottgegebene Verstand hat zur Konsequenz, dass jeder Mensch für die Führung seines Lebens verantwortlich ist und somit sein Scheitern nicht auf Gottes Willen zurückführen kann. Daher glauben auch Aleviten daran, dass das Leid durch menschliches Versagen bzw. das kollektive Fehlverhalten der Menschen entsteht.“

Man glaubt an gute Engel, böse Dämonen und Geister. Jeder Mensch hat eine unsterbliche Seele. Aber es gibt weder eine strafende Hölle noch einen vergnüglichen Himmel und keinen strafenden Gott, wie ihn die Muslime verstehen. Quran, Tora, Psalmen und Neues Testament (Gospel) sind ihnen gleichermaßen heilig, und sie sind durchaus offen für andere Glaubensinhalte. Der Quran ist für Aleviten auch fehlerhaft weiterverbreitet worden; man ist also auch offen für Textkritik.

Aleviten halten sich nicht an religiöse Vorschriften für orthodoxe Muslime, z.B. sehen sie die Scharia (religiöse Gesetze) als durch die praktizierte Mystik als überholt an, genauso das dogmatische Religionsgebet, feste Gebetzeiten oder Verschleierung. Sie haben ihre eigenen Gebets- und Andachtsformen, ihre eigenen Pilgerstätten und Fastenpraktiken, die sich kaum mit denen anderer Muslime überschneiden. Wie die Schiiten halten sich die Aleviten allerdings an die Lehren der Imame, besonders die des sechsten Imams Dschaʿfar Ibn Muhammad as-Sādiq. Dessen Lehrbuch (Großer Buyruk) und unzählige mündlich tradierte religiöse Lieder (Bağlama), Gedichte und Predigten (Nahjul Balagha) sind die Hauptquellen zur Lehre der Aleviten. [Der 6. Imam lebte als Theologe in Medina, starb 765 n. Chr. Unter seinen Söhnen und Anhängern spalteten sich 6 Richtungen ab, z.B. eine leugnete seinen Tod und wartete auf seine zukünftige Wiederkehr als Mahdi; die Richtung unter Sohn Ismail sagte, der Vater lebte geistig verborgen und unsterblich weiter. – Das Grab des 6. Imam in Medina wurde 1926 durch die fanatischen Saudi-Whabiten völlig zerstört.]

Das Alevitentum beinhaltet ebenfalls relevante Elemente aus dem Zoroastrismus. „Rechtes Handeln, rechtes Denken, rechtes Sprechen“ – dies sind Worte aus dem Zoroastrismus, doch werden sie so auch im Koran erwähnt. Die vier heiligen Elemente bei den Aleviten (Feuer, Wasser, Erde, Luft) entstammen ebenfalls aus der Lehre des Zoroastrismus bzw. des Zarathustra, jedoch sind diese Elemente auch bei den nichtzoroastrischen Völkern Zentralasiens vorhanden. (…) Die Symbiose aus verschiedensten religiösen und mystischen Strömungen macht verständlich, dass die Aleviten zwar im Islam ihren Ursprung sehen, jedoch nicht den allseits anerkannten islamischen Gruppierungen zugerechnet werden wollen.

Die Grundpfeiler der alevitischen Vorschriften, um das Leiden anderer zu vermeiden:

  • eline sahip ol: Beherrsche deine Hände. Begehe keinen Diebstahl, zerstöre nicht und nutze deine Hände für etwas Sinnvolles.
  • beline sahip ol: Beherrsche deine Lende. D.h. Triebe, vor allem die sexueller Natur, also: benutze deine Sexualität nicht zum Leid anderer.
  • diline sahip ol: Beherrsche deine Zunge. Die Zunge steht für Kommunikation, gemeint daher ist Lüge, Verleumdung, Meineid, Rufmord
  • Die Verbote des Tötens, des Diebstahls, der Verleumdung und des Ehebruchs gelten für Aleviten, gegenüber allen Menschen, um die Menschlichkeit und das Zusammenleben aller Menschen fördern.
  • Hinzu kommen alltägliche Vorschriften der Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft, Bescheidenheit und weitere.

Nach alevitischem Verständnis ist die Scharia (religiöses oberflächliches Gesetz) in der Religion überwunden, da das Alevitentum die Mystik zum Fundament hat. Dennoch gibt es Vier Tore (Dört kapi) und vierzig Pforten, durch die der Mensch in seiner geistigen Entwicklung geht:

  • Das erste Tor ist die Scharia (Şeria), als die Annahme der Gesetze und Pflichten gegenüber der Gemeinschaft [Ehrlichkeit, Gerechtigkeit]
  • Das zweite Tor ist die Tariqa, die Kenntnis der individuellen Rechte und Ansprüche, die man selber hat und stellt [Selbsterkenntnis, Bemühen].
  • Das dritte Tor ist die Marifa, die Erkenntnis des Nächsten. Damit ist die Frage verbunden: „Was begehrt der Mitmensch, was gehört dem Mitmenschen?“ [Nächstenliebe, Verstehen]
  • Das Erreichen des vierten Tores, der Haqīqa, [Conclusio, Gotteserkenntnis] setzt die Beschäftigung mit den Rechten und Pflichten der Gemeinschaft voraus. Ab diesem Tor hat das jeweilige Individuum das Recht und die Möglichkeit, die Pflichten und Rechte der Gemeinschaft aus dem ersten Tor (Tar) mitzugestalten, was dessen Weiterentwicklung sichert.

 

Es gibt auch die Ansicht, dass das Wort („Alevi“, arabisch „Alavi“) nicht von /æˈlɛvi/, d.h. Nachfolge des Ali besdeutet, sondern die türkische Ableitung von „Alev“ (hebr. Aleph!) darstellt, das ist : Flamme, Licht. Im Koran, Kap. 24, Vers 35-36 heißt es:

God is the Light of the heavens and the earth. The example of His light is like a niche within which there is a lamp, the lamp is encased in a glass, the glass is like a radiant planet, which is lit from a blessed olive tree that is neither of the east nor of the west, its oil nearly gives off light even if not touched by fire. Light upon light, God guides to His light whom He pleases. And God sets forth examples for the people, and God is aware of all things. (Lit is such a Light) in houses, which God has permitted to be raised to honor; for the celebration, in them, of His name: In them is He glorified in the mornings and in the evenings, (again and again).

Ungefähre Übersetzung: „Gott ist Licht erhoben über alles Licht, erstrahlt als Lampe wie in einem reinen Glas oder Gefäß, aussehend wie eine Sonne, ein Licht ohne Feuer, genährt/gespeist von Olivenöl*, gewonnen von einem gesegneten [ewigen, paradiesischen] Baum weder im Westen noch im Osten stehend. Und Gott leuchtet mit diesem Licht und geleitet zu sich wer ihm gefällt, Gott sieht alles. Und sein Licht leuchtet in allen seinen Heimstätten (Gefäßen), wo solches Licht entzündet wird, durch die Verehrung an ihn, morgens wie abends, und immer und immer.“

*Chrisam, Salbung für Priester, Propheten und Könige

 

Brauchtum, z.B.:

Aleviten glauben, dass die Brüder Hızır und İlyas als Propheten gelebt und das sogenannte „Wasser der Unsterblichkeit“ getrunken haben. Diesem Glauben zufolge kommen die Brüder Hilfsbedürftigen zu Hilfe. Hızır kommt den Hilfsbedürftigen zu Lande und İlyas denen zur See zur Hilfe. (…) Jedes Jahr wird unter den Aleviten in der zweiten Februarwoche das Fest des Hızır gefeiert. Von Dienstag an wird nach dem Abendmahl bis zum Abend nach drei Tagen gefastet. Viele Nachbarn und Bekannte kommen zusammen und erzählen Geschichten über Hızır. Begleitet vom typischen Saiteninstrument Saz werden Lieder mit meditativem Inhalt vorgetragen, die tiefgründig, positiv stimmend und beruhigend sein sollen. Am Freitagabend schließlich werden auf den Friedhöfen die Verstorbenen besucht und Kerzen angezündet; den Kindern werden zu Hause zahlreiche Geschichten über Hızır erzählt.  Am letzten Fastentag wird inner- und außerhalb der Wohnung saubergemacht, was einer rituellen Reinigung gleichkommt. Am Abend bereitet man eine spezielle Speise (gavul) aus Weizenmehl vor, die die ganze Nacht offen ausgelegt wird. Jedes Familienmitglied wünscht sich dann etwas Besonderes. Man glaubt, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen, falls Hızır vorbeikommt und [geistig] von der Speise probiert.

Ähnlich wie schiitische Glaubensgemeinschaften tragen auch viele Aleviten neuerdings Ketten mit einem gebogenen Schwert (Zülfikar) als symbolischen Anhänger, als Anspielung auf die 12 Imame.

https://de.wikipedia.org/wiki/Aleviten, https://en.wikipedia.org/wiki/Alevism

Aus: „Alis Anhänger – Aleviten in der Türkei“, auf Youtube in Deutsch seit 12.3.2018, ca. 5 min.  Ursprünglich ORF2 in „Religionen der Welt“: Aleviten (Was sind Aleviten?) https://www.youtube.com/watch?v=7ieI9X3I-TU

 

Eine Gartenlaube, meine Loggia

Eine Gartenlaube ist ein Ort, in dem man mitten in der Welt und doch gleichzeitig mitten in der Natur ist, in der man nach außen und nach innen hört, in dem man sich mit Gleichgesinnten unterhält und Meinungen austauscht. Meine Gartenlaube ist vielfältig und bunt, mit vielerlei Blumen, Gewächsen, Heilkräutern und Gewürzen darin, mit einem gemütlichen Esstisch, Bänke und eine frische Quelle in der Nähe.

Vielfältig und bunt sollen auch die Inhalte dieses Blogs sein. Dieser Blog soll interessante Meldungen über das Zeitgeschehen, über wissenschaftliche und popularwissenschaftliche Artikel und Sendungen, Erdachtes und Erlesenes, über Paranormales und Interessantes, über Religion, Geschichte und Kultur –  und meine Überlegungen dazu – behandeln. Dazu kommen auch Interessen und Hobbies, die mich und vielleicht andere interessieren.

Alles soll hier seinen Platz finden und einen kleinen Mikrokosmos widerspiegeln: Wissenschaftliches, Wissenswertes, Klatsch, Spekulationen und Rezensionen aller Art. Gefährliches, Häßliches, Mysteriöses, Philosophisches, Heiteres, Besinnliches, Berührendes und Schönes. Eben alles, was man auch auf einer „Blumenwiese“ rund um die Loggia finden kann, und was man so auf seiner kosmischen Wanderschaft antreffen kann.

 

Das angesprochene Alter von intelligenten Mitlesern und der Jugendschutz

Die Beträge hier sollen den gesetzlichen Normen entsprechen. Die meisten Beiträge, vor allem solche, die Nachrichten, Politik, Gesellschaft, Umwelt und Gesundheit, Religion, Esoterik, UFO’s und dergleichen behandeln, sind allerdings inhaltlich für Erwachsene gedacht, die fähig sind ohne Beeinflussung und eigenständig zu denken, die bereits ethisch und sittlich gefestigt sind und die selbstverantwortlich eigene Entscheidungen für sich treffen können.  (Das heißt, für den gesamten Blog gilt die Altersfreigabe ab 16 Jahren: Das hier ist keine Kinderseite!) Siehe dazu leider auch:

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Ministerpraesidenten-verabschieden-Jugendmedienschutzstaatsvertrag-1019953.html , http://www.heise.de/newsticker/meldung/Blog-macht-wegen-neuem-Jugendschutzgesetz-dicht-Updates-1144566.html : „Die Novellierung des Jugendmediendienstestaatsvertrags (JMStV) sieht vor, dass ab 2011 jeder Anbieter seine Webseiten auf jugendgefährdende Inhalte hin überprüfen, klassifizieren und Maßnahmen zum Schutz der Jugend vor diesen Inhalten treffen muss. Die Klassifizierungsstufen beruhen dann auf den aus dem Filmbereich bekannten Altersfreigaben (ab 0, 6, 12, 16 und 18 Jahren). Die Pflicht zur Einordnung des Inhalts soll für jede Webseite gelten.“

Demnach müssen Beiträge (in Chats, Foren, Blogs…) in Deutschland zukünftig technisch für die jeweiligen Altersgruppen auslesbar bzw. eingeschränkt gemacht sein oder aber man darf sie nur zwischen 20 nachts bis 6 Uhr morgens zugänglich machen, sonst drohen saftige Strafen. Wer sich nicht sicher ist, für welches Alter etwas zugelassen ist (denn international weichen die Bestimmungen darüber, was „entwicklungsbeeinträchtigend, meinungsmanipulierend und sittlich gefährdend“ sei, extrem voneinander ab!) könne gegen 4000.- Euro/Jahr und aufwärts dem Verein „Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter e.V. (FSM)“ beitreten. Das gilt dann aber nur z.B. für Blog- und Forenbetreiber in Deutschland, nicht aber für solche außerhalb (wie Wordpress oder für Österreich). – Das ist allerdings für eine einfache Blog-Seite wohl zuviel Aufwand, und bedeutet m.E. somit eigentlich: inhaltliche Zensur auf Betreiben Deutschlands, wobei die Richtlinien absichtlich vage definiert wurden.

 

Datenschutz und Urheberrechte bei digitalen Medien, Verbot von Hass- und Hetze

2019/2020 verschärft sich das Urheberrecht innerhalb der EU, wonach die Zitierung von digitalen Medien, Inhalten, Fotos, Video- und Audioclips usw. noch weiter verschärft wird. Man muss darauf achten, was auf den jeweilgen Bildern oder Clips zu sehen und zu hören ist… Zudem werden auch Beleidigungen (die schon bislang strafbar waren), religiöse, rassistische oder gendermäßige  Diskriminierung, Hass oder Hetze nicht nur verboten, sondern auch mit kräftigen Strafen belegt. Die Besitzer jeweiliger Seiten im Web werden angehalten, solche Dinge umgehend zu löschen. Ich werde darauf achten; sollte ein Leser mich auf solche Dinge in meinem Blog hinweisen wollen, dann bitte mir mailen.

 

Ich wünsche euch dennoch viel Vergnügen beim Mitlesen!

LisaGoldenFox