„„Die Strengen sind nicht frei, sondern sie sind Sklaven: Sklaven des Gesetzes.“ Das sagte Papst Franziskus an diesem Montag bei seiner Frühmesse im Vatikan. (…) Die Strenge ist keine Gabe Gottes. Die Milde sehr wohl; auch die Güte, das Wohlwollen, auch das Vergeben. (…) Hinter der Strenge versteckt sich immer etwas; in vielen Fällen ist das ein Doppelleben, aber da ist auch etwas Krankhaftes. (…)“
Hinter der Strenge steckt der Hochmut, sich gegenüber anderen als gerecht, jedenfalls gerechter, besser zu halten. Franziskus: „Möge der Herr sie spüren lassen, dass er Vater ist und dass ihm die Barmherzigkeit gefällt, die Zärtlichkeit, die Güte, die Milde, die Demut.“

Aus: Radio Vatikan, vom 24.10.2016: „Papstmesse: Wer streng ist, heuchelt, oder ist krank.“ Online:
http://de.radiovaticana.va/news/2016/10/24/papstmesse_%E2%80%9Ewer_streng_ist,_heuchelt_oder_ist_krank%E2%80%9C/1267342, aus dem Web am 14. Dezember 2017
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Viele Menschen sind geistig so verbohrt, vernagelt und verbissen, dass sie meinen, alles was vorgeschrieben erscheint, bis auf das i-Tüpfelchen erfüllen zu müssen – ja selbst die Spielräume, die sie gesetzlich hätten, werden von ihnen „aus Prinzip“ nicht ausgeschöpft. Den Mitmenschen wird nicht geholfen, nein, man reicht ihnen aus Hartherzigkeit noch den Strick um sich aufzuhängen. Selbstverständlich haben sie auch immer recht und sind persönlich unfehlbar, und anderen Mitmenschen zu vergeben ist unvorstellbar für sie. Nicht mal deren kleinen Laster und Sünden.

Wieso auch, müssen sie sich ja selbst so anstrengen, um unfehlbar zu erscheinen. Was im Grunde keiner von ihnen verlangt hat, aber…

Es ist natürlich auf viel bequemer, sich auf andere zu berufen, auf vorgegebene Prinzipien, nie selbst zu entscheiden, nie selbst verantwortlich zu sein. Das ist der beste Weg für denkfaule und träge Menschen. Man kommt so auch gar nicht in die Lage, Fehler zu begehen, oder? Denn wo andere Tag für Tag flexibel je nach Situation selbst nachdenken und Entscheidungen treffen müssen, berufen die Denkfaulen sich auf Anweisungen von oben. Sie erwähnen dabei nicht ihre Ermessensfreiräume und nicht, dass sie diese Anweisungen so interpretieren, wie sie ihnen gelegen kommen, um gegenüber anderen mit mehr Macht und Glanz auftreten zu können.

Wer keine Fehler macht, kann nichts dazulernen, und wer keine Schwächen überwinden kann, kann innerlich nicht wachsen. Wer sich selbst für vollkommen hält, ist in Wahrheit klein, unbedeutend und unfähig, zu wachsen, sich zu entwickeln, zu lernen, So ein Mensch ist entscheidungschwach, wenig intelligent, vermeidet Herausforderungen, ist dabei aber selbstgerecht bis grausam und wenig sozial. Somit sind sie wahrlich als selbstherrliche Perfektionisten und selbstgerechte Fanatiker keine Kandidaten für den Einzug in den Himmel oder in ein Paradies.

Ja, wenn wir Kinder erziehen, müssen wir auch manchmal auf die Einhaltung von Regeln bestehen, denn sie geben den Kindern auch Halt. aber diese Regeln sollen die Kinder durch eine überstrenge Auslegung auch nicht ersticken, verkümmern lassen, sie geistig deformieren, ihnen das Rückgrat brechen. Regeln und Gesetze sind dazu da, der Gesellschaft ein Rüstzeug zum besseren Funktionieren zu geben, aber nicht um das eigene Denken zu unterbinden und die Menschen zu gehorsamen Marionetten zu erziehen.

Oder wie Jesus einstmals in Hinblick zu den jüdischen Pharisäern gesagt hat: „Das Gesetz ist für die Menschen da, und nicht die Menschen für das Gesetz.“

Das andere Extrem ist die Konsequenzlosigkeit bei absichtlichen Verstößen und das ausbrechende Chaos, wenn nur noch Milde, Güte und Nachsicht existiert und keiner die Folgen seines Handelns – oder Nichthandelns – tragen muss. Die Gesellschaftsstruktur würde in sich zusammenfallen wie Pudding, da es nichts gibt, was sie trägt. Könnte das Universum existieren, ohne seine grundlegenden pysikalischen Gesetze als formende Struktur?

Daher gibt es auch im „Kabbalistischen Lebensbaum“ drei Säulen: die Säule der Strenge, die Säule der Milde und die mittlere Säule von Liebe und Weisheit, die der Mensch geistig empor geht, dabei gleichzeitig weise und liebevoll zugleich die Balance zwischen Strenge und Milde haltend.

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