Gibt es eine bedingungslose Liebe? Kann ein Mensch bedingungslos lieben? Soll er das überhaupt?

Für mich ist Liebe vor allem VERSTEHEN, sich in Einklang setzen können, Eins-sein.

Wenn man etwas oder jemand vollkommen versteht, vielleicht weil man alles selbst mal getan oder erlebt hat (und sich dann weiterentwickelt hat), weil man auch selbst mal in dessen „Schuhen gegangen“ ist, dann bewertet man nicht und hasst nicht. Man versteht, wo der herkommt, wo er jetzt steht, wohin er gehen wird. Verstehen bedeutet nicht, dass man etwas gut heißt, oder alles mit sich machen lässt, oder man jemand grenzenlos deckt egal was er tut. Verstehen heißt einfach, dass man dessen Wesen kennt und weiß, warum er etwas getan hat und nicht anders kann (weil er eben in diesem Moment da auf seinem perslönlichen Level ist und nirgendwo sonst). Und das bedeutet, man heißt zwar etwas nicht gut, aber ist auch nicht böse und hasserfüllt.

Beispiel: wenn meine Katze etwas runterwirft oder auf den Teppich kotzt, dann erfreut mich das zwar nicht, aber sie ist eben eine Katze und macht was eine Katze so macht und dafür, dass sie eine Katze ist, kann ich ihr doch nicht böse sein, oder? Das Lernvermögen von Katzen ist beschränkt.

Wenn nun mein Freund alles runter werfen würde und besoffen auf den Teppich kotzt, dann erfreut es mich auch nicht, aber eigentlich verhält er sich auch nur wie er sich in seinem Bewusstseinsstand eben verhalten muss und ich dürfte ebenfalls nicht böse sein (sofern mir das bewusst geworden ist). Allerdings würde ich diesen für mich unerfreulichen Zustand ABSTELLEN und ihn, mit allem Verständnis und Liebe, vor die Tür setzen, zumindest bis er gelernt hat, sich zu benehmen.

Ich vergleiche das immer auch mit einem Krokodil: ich liebe Tiere und bin für Artenschutz. Ich verstehe auch ein Krokodil und seine einfache Krokodil-Denke und möchte, dass Krokodile leben, aber ich würde nicht mich als Beute für ein Krokodil anbieten und mich beißen und fressen lassen.

Ich setze somit „bedingungslos“ unter Anführungszeichen, denn das hört sich so an, als ob man weder Erwartungen setzt – was ja noch angeht – aber auch passiv alles erduldet und allem zustimmt. Das ist keine Liebe, das ist Masochismus. Zur Liebe z.B. zu Kindern gehört auch ab und an Strenge und ein NEIN. Zur Liebe gehört allerdings auch, dass ich verstehe, dass sich Kinder wie Kinder benehmen müssen, wenn sie nichts anderes wissen und beigebracht bekamen. Wenn sie es nicht besser wissen. Da ist Wut und Böse-Sein für Eltern fehl am Platz. Das gilt auch im übertragenem Sinn: wer geistig weiter sein will, hat auf Schwächere, Kleinere, Unwissendere Rücksicht zu nehmen und sie zu verstehen. Und das bedeutet auch: sie zu lieben, sich innerlich mit ihnen verbunden zu fühlen. Trotzdem.

Gott ist allumfassende Liebe, aber auch Strenge. Es ist uns nicht alles erlaubt, schließlich sind wir keine Mikroben mehr sondern haben ein Gehirn, Erkenntnisfähigkeit und eine Seele. Wenn wir uns nicht entsprechend benehmen, entfernen wir uns selbst von dieser Liebe und dem Licht. Wenn wir meinen, unseren eigenen Willen und unsere eigenen Wünsche höher stellen zu dürfen als die Liebe (z.B. zur Schöpfung, die Rücksicht gegenüber anderen), entfernen wir uns von dieser Liebe und dem Licht.

Da wir als Teil der Schöpfung auch auch ein Teil Gottes sind (und seinen Atem, seinen Geist in uns tragen), haben wir auch Teil an seiner Weisheit und Liebe: wir sind zwar nicht Gott (= das Ganze und viel mehr, darüber hinaus) – aber wir sind als Teil eine „Mini-Miniatur-Ultra-Miniatur-Ausgabe“ von Gott. Insofern kann man Liebe zu sich selbst, Liebe zur gesamten Schöpfung und Liebe zu Gott nicht trennen, sie gehören zusammen. Man kann nicht das eine hassen und das andere lieben.

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