Zitat

Klimawandel – wir stehen an der Kippe

 

Klimawandel – wir stehen an der Kippe

 

http://assets.panda.org/downloads/plugin_tp_final_report.pdf  (25.11.2009)

"Major Tipping Points in the Earth’s Climate System and Consequences for the Insurance Sector"

The Tipping Points Report was commissioned jointly by Allianz, a leading global financial service provider, and WWF, a leading global environmental NGO.

 Authors:

Prof. Tim Lenton, UEA/Tyndall Centre (Tipping points, science, outcomes and research focus)

E-Mail: T.Lenton@uea.ac.uk

Anthony Footitt, UEA/Tyndall Centre (consequence analyses and report production)

E-Mail:a.footitt@uea.ac.uk

Dr. Andrew Dlugolecki, Andlug Consulting (insurance implications and research focus)

E-Mail: landlug@btopenworld.com

 

Tyndall° Centre for Climate Change Research, University of East Anglia, Andlug Consulting

 

Published in November 2009 by WWF – World Wide Fund for Nature (formerly World Wildlife Fund), Gland, Switzerland and Allianz SE, Munich, Germany. Any reproduction in full or in part of this publication must mention the title and credit the above-mentioned publisher as the copyrightowner. ©Text (2009) WWF and Allianz SE. All rights reserved."

 

 

” The phrase ‘tipping point’ captures the intuitive notion that “a small change can make a big difference” for some systems (pp.iii)

 

Eigentlich ging man ursprünglich in den Berechnungen von einer  “nur 2° C”-Erwärmung aus, die man mittels Maßnahmen zu erreichen versuchte.  Nun sieht es leier so aus, als ob es Kipp-Punkte gäbe, die den Rest des Systems durch ein Zusammenfall von verschiedensten Faktoren massivst negativ bis 2050 beeinflussen würden, mit enormen Kosten und Folgen(p.iii):

 

Der Anstieg des Meeresspiegels global um 50 cm würde an den Küsten 136 Großstädte der Welt (darunter Guangzhou Guangdong, Miami, Kalkutta, Shanghai, New York, Bombay, Hongkong, Tokyo, New Orleans, Rotterdam, Amsterdam, Baltimore, Boston usw.) und die Flachgebiete treffen. Mit allen ökonomischen Folgen. Dazu kämen vermehrt stärkere Tornados (Tzunamis) und steigende Kosten für Versicherungen aller Art. Das allein würde mehrere 1000-Miliarden-Dollar-Verluste für die USA bedeuten… (pp. iii-iv, 32-37)

 

Die Änderung des indischen Monsun-Sommers und die Abschmelzung des Himalaya-Gletschers, der den gesamten Hindukusch, Tibet und den Indus mit Wasser speist, würden Ernten aus der Trockenheit heraus gefährden und Hungersnöte für die ganze Region auslösen (p.iv)

 

Die Abholzung des Regenwaldes kombiniert mit der Austrocknung des Amazonas (schon ab 1-2 ° C mehr) würden das gesamte Amazonasbecken verwüsten. Dazu kämen Buschfeuer, Rückgang der Landwirtschaft,  der Einnahmen, Ende der Stromgewinnung aus Wasserkraft, notwendige Änderungen der gesamten Infrastrukturen der Ortschaften, teure Versicherungen usw. (pp.iv-v)

 

Die Austrocknung des Südwestens von Nordamerika, des Südens von Europa, Nordafrika, das Ausbleiben des Monsuns in Westafrika, die Austrocknung  des Mittleren Ostens würde die Landwirtschaft, Viehwirtschaft, die Wasserversorgung treffen und zu Waldbränden führen. Menschen würden ihre Existenzgrundlage verlieren, die Staaten die Einnahmen. (pp. v-vi)

 

Arktik, Antartik, Grönland, Gletscher,  würden abschmelzen. Die Permafrostböden von Sibirien und Kanada würden auftauen, durch die fehlende Reflexion von Licht mehr Licht auf die Erde treffen.  Die tiefe Meeresströme, die Wärmeregulatoren darstellen, könnten sich durch die Abschmelzung ändern (El Niño, Golfstrom). Flora und Fauna am Land und im/ am Meer wären massiv betroffen, Arten würden aussterben. (pp. 8, 15-17) Durch die Abschwächung des Golfstroms und die dadurch prognostizierte stärkere Kälte im Norden würde die Dürre der Sahelzone gestoppt oder umgekehrt werden (in einen durch Monsun grünen Zustand wie vor 6000 Jahren). Die Regenzeiten in Mittel- und Südamerika würden beeinflusst werden. (pp. 20, 25)

 

Es sieht momentan so aus, als ob die Erwärmung im 21. Jhd. mehr ausmachen wird als 2 °C – vermutlich bis zu 3°C … Daher müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um wenigstens „nur“ 2° C Erwärmung zu erreichen! Der Anstieg auch nur um Zehntelgrade bedeutet immense Mehrschädigungen und Kosten. (pp vi-2)

 

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derStandard.at, Rubrik Wissenschaft, Natur,  25.11.2009:

http://derstandard.at/1256745435258/WWF-und-Allianz-listen-potenzielle-Tipping-Points-auf

 

„Erderwärmung stärker als erwartet

Experten: Temperaturanstieg um durchschnittlich sieben Grad droht – CO2-Reduktion sollte spätestens 2020 beginnen

(…) „Der Spielraum ist so gut wie ausgeschöpft" – auf diesen Nenner brachte der Innsbrucker Glaziologe Georg Kaser den vom Menschen verursachten Klimawandel. Zusammen mit 25 anderen Wissenschaftern, die wie er an früheren Berichten des Weltklimarates IPCC mitgearbeitet haben, fordert er von den Politikern bei der kommenden Klimakonferenz in Kopenhagen eine schnelle und deutliche Aktion: Um die Erderwärmung halbwegs im Zaum zu halten, müssen die globalen Emissionen in spätestens fünf bis zehn Jahren ihren Gipfel überschritten haben und dürfen anschließend nur mehr abnehmen.

Nur mit einer raschen Aktion kann das Ziel erreicht werden, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, so die Autoren in ihrer Studie, die sie in Anbetracht der kommenden Klimakonferenz "Copenhagen Diagnosis" genannt haben. Darin haben sie neue Beobachtungen und Erkenntnisse beschrieben, die im letzten Sachstandsbericht des IPCC aus dem Jahr 2007 noch nicht inkludiert waren. Diese Zwei-Grad-Grenze ist insofern wichtig, als die Klimaforscher davon ausgehen, dass eine darüber hinausgehende Erwärmung unbeherrschbare Probleme – Meeresanstieg, Überflutungen, Stürme – mit sich brächte. Das absolute Maximum an Treibhausgas-Emissionen sollte jedenfalls vor 2020 erreicht sein, erklärt Kaser. Und je später der Umstieg auf treibhausgasfreie, alternative Energien durchgeführt wird, desto schneller muss die Zurücknahme des Treibhausgasausstoßes danach stattfinden. Aufgrund der Höhe der Treibhausgas-Konzentration und der Langlebigkeit der Treibhausgase in der Atmosphäre müssen Kohlendioxid-Emissionen noch in diesem Jahrhundert fast auf null gesenkt werden  (…). Ohne deutliche Verminderung der Emissionen könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius ansteigen. Dies wäre ein Szenario, das die schlimmsten Berechnungen des IPCC noch übertreffen würde. Seit dem Jahr 1900 wird eine Zunahme von einem Grad Celsius auf das Konto anthropogener, also menschlicher Gründe zurückgeführt.

 

Die Kernaussagen der Studie:

Sowohl der Grönländische als auch der Antarktische Eisschild verlieren zunehmend Masse und tragen damit zum Anstieg des Meeresspiegels bei.  (…)Durch den Schmelzwasserzufluss von Eisschilden und Gebirgsgletschern könnte der Pegel bis zum Jahr 2100 global um mehr als einen Meter bis maximal zwei Meter ansteigen.

Im Jahr 2008 wurden rund 40 Prozent mehr Kohlendioxid aus fossilen Quellen freigesetzt als im Jahr 1990. Selbst wenn die Emissionen nicht weiter zunehmen, würde schon innerhalb von 20 Jahren die Situation eintreten, dass das Zwei-Grad-Ziel nicht mehr eingehalten werden kann.

Keinen Zweifel gibt es für Kaser, dass die Erderwärmung vom Menschen verursacht ist. (…) (ruz/DER STANDARD, Printausgabe, 25.11.2009)"

 

[Anm.:  allgemein geht man davon aus, dass ein Klimawandelt über 4 ° C unumkehrbar ist und das Leben auf der gesamten Erde gefährdet ware.]

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Universität Innsbruck, i-Point, 25.11.2009:
 
"Forschung: Klimawandel rascher als erwartet

(…) Die großen Eisschilde der Erde verlieren zunehmend an Masse, das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als noch kürzlich projiziert und der Meeresspiegel wird wahrscheinlich stärker ansteigen als bislang angenommen. Das geht aus einem neuen globalen Synthesebericht hervor, den einige der führenden Klimawissenschaftler der Welt verfasst haben. In dem „Copenhagen Diagnosis” genannten Bericht kommen 26 Wissenschaftler, die meisten davon Autoren früherer Berichte des Weltklimarates IPCC, zu dem Schluss, dass einige Aspekte des Klimawandels früher und stärker eintreten als noch vor wenigen Jahren vermutet. Der globale Temperaturanstieg folgt weiterhin den früheren Projektionen des IPCC aufgrund der wachsenden Treibhausgas-Konzentrationen in der Atmosphäre. Ohne deutliche Verminderung der Emissionen könnte die globale Durchschnittstemperatur bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius ansteigen, berichten die Autoren. (…)

Prof. Georg Kaser vom Institut für Geografie präsentierte am Dienstag in Wien vor zahlreichen Medienvertretern die Ergebnisse des internationalen Berichts, der das Ergebnis einjähriger Zusammenarbeit ist. Darin sind neue Schlüsselergebnisse der Klimaforschung zusammengefasst, die noch nicht im vierten Sachstandsbericht des IPCC enthalten waren: So zeigen Satelliten- und direkte Messungen, dass sowohl der Grönländische als auch der Antarktische Eisschild zunehmend an Masse verlieren und zum Anstieg des Meeresspiegels beitragen. Das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als nach den Projektionen von Klimamodellen zu erwarten war. So war der Eisverlust in den Sommern der Jahre 2007 bis 2009 jeweils rund 40 Prozent größer als der Mittelwert der Simulationsrechnungen für den vierten Sachstandsbericht des IPCC von 2007. In den vergangenen 15 Jahren ist der Meeresspiegel um mehr als fünf Zentimeter angestiegen. Der Anstieg liegt damit rund 80 Prozent über den Projektionen aus dem dritten Sachstandsbericht des IPCC von 2001. Durch den Schmelzwasserzufluss von Eisschilden und Gebirgsgletschern könnte der Pegel bis zum Jahr 2100 global um mehr als einen Meter bis maximal zwei Meter ansteigen – deutlich stärker als nach den Projektionen des IPCC. In den nächsten Jahrhunderten muss mit einem weiteren Anstieg um mehrere Meter gerechnet werden. „Schon die Anpassung der Gletscher an das heutige Klima wird den Meeresspiegel voraussichtlich um 18 Zentimeter ansteigen lassen. Bei weiterer Erwärmung könnten sie bis zum Jahr 2100 mehr als einen halben Meter zum Anstieg beitragen“, betonte Georg Kaser, der als einziger österreichischer Lead-Autor am letzten Weltklimabericht mitgearbeitet hat. (…)

Die Wissenschaftler berichten außerdem, dass im Jahr 2008 rund 40 Prozent mehr Kohlendioxid aus fossilen Quellen freigesetzt wurde als im Jahr 1990. Selbst wenn die Emissionen nicht weiter zunähmen, wäre schon innerhalb von 20 Jahren das Emissionsbudget aufgebraucht, das der Welt noch zur Verfügung steht, wenn die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius begrenzt werden soll. Aus dem Bericht geht hervor, dass die globalen Emissionen in spätestens fünf bis zehn Jahren ihren Gipfel überschritten haben und anschließend schnell abnehmen müssen, damit die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vermieden werden können. Um das Klimasystem zu stabilisieren, müssen die Emissionen von Kohlendioxid und anderen langlebigen Treibhausgasen noch in diesem Jahrhundert fast auf Null gesenkt werden, berichten die Autoren. „Unser Spielraum für ‘erlaubte Emissionen’, die unsere Klimazukunft nicht zu stark gefährden, ist so gut wie ausgeschöpft. Innerhalb nur eines Jahrzehnts müssen die globalen Emissionen beginnen abzunehmen. Angesichts des schnellen Wirtschaftswachstums in einigen Nationen, brauchen wir dringend eine verbindliche Einigung, die sicherstellt, dass die großen Emittenten einmütig handeln“, sagt Matthew England, Direktor am Climate Change Research Centre der University of New South Wales in Australien, der Koordinator des neuen Klimaberichts."

 

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derStandard.at, Rubrik Wissenschaft, Natur,  23.11.2009:

http://derstandard.at/1256745435258/WWF-und-Allianz-listen-potenzielle-Tipping-Points-auf

 

"Heißes Klima bringt mehr Bürgerkriege

 

US-Forscher belegen erstmals anhand konkreter Zahlen: Im südlichen Afrika sind Bürgerkriege sehr viel wahrscheinlicher, wenn die Temperaturen höher sind als normal

Washington – Klimakriege. Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird. Unter diesem Titel veröffentlichte der deutsche Sozialpsychologe Harald Welzer im Vorjahr ein vielbeachtetes Buch über dramatische Auswirkungen des Klimawandels. (…) Eine neue Studie US-amerikanischer Wissenschafter der Universitäten Berkeley, Stanford, Harvard und New York enttäuscht diese Hoffnung: Sie haben erstmals auf handfester Zahlengrundlage einen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und dem wachsenden Risiko für Bürgerkriege hergestellt.

Diese führten bereits in den vergangenen Jahren zu humanitären Katastrophen riesigen Ausmaßes: So sind allein in der Demokratischen Republik Kongo während des Bürgerkriegs im vergangenen Jahrzehnt mindestens 5,4 Millionen Menschen durch Kämpfe, Hunger oder Seuchen gestorben.

In ihrer neuen Untersuchung kombinierten die Forscher erstmals historische Daten über Bürgerkriege im Afrika südlich der Sahara mit Temperaturaufzeichnungen und Niederschlagsstatistiken. Dabei zeigte sich, dass zwischen 1980 und 2002 Bürgerkriege in besonders heißen Jahren eindeutig häufiger waren. Konkret: Wenn die Durchschnittstemperatur um ein Grad Celsius über dem Normalwert lag, wuchs die Wahrscheinlichkeit [von Kriegen] um fast 50 Prozent.

Aufbauend auf diese Zusammenhänge sowie unter Zugrundelegung von 20 Klimaentwicklungsmodellen kamen die Wissenschafter um den Agrarökonomen Marshall Burke (Uni Berkely) zum Schluss, dass die Zahl der bewaffneten Konflikte angesichts des zu erwartenden Temperaturanstiegs bis zm Jahre 2030 in Afrika um rund 54 Prozent steigen könnte. Und das wiederum hätte bis zu 393.000 zusätzliche kIregstote zur Folge, so die Forscher im US-Magazin PNAS (…) (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe 24.11.2009)"

 

[Anm.: nicht nur der Kampf um Wasser und Lebensmittel würde ausbrechen, sondern auch eine riesige Völkerwanderung, d.h. Kampf um Land in noch ertragreichen und feuchten Regionen.]

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