Schlangen und Drachen in der Mythologie

Perneser Drache

Schlangengottheiten (z.B. Caduceus, Äskulap, Buto…) waren immer ein Zeichen für Leben, Heilung, Jugend, Sexualität; meistens begleiteten sie höherrangige Gottheiten (z.B. einer Erdgöttin, eines Heilgottes…). Als Zeichen der Lebenskraft (oder Libido) standen sie auch für magische Kräfte, waren Hüter der Tempel, der Tore in jenseitige Welten und der Erneuerung (Unsterblichkeit) oder hielten Unglück fern. Sie waren Sinnbild der Klugheit, der Erkenntnis und vom Wissen über die Natur.

Drachen (griech. drákon = „Schlange“) waren echsenartige, oft geflügelte und gehörnte Mischwesen aus Schlangen-, Krokodil- und Löweneigenschaften, die mitunter auch Feuer spien. Sie wurden ebenfalls mit magischen Kräften, Weisheit, Sprache,  langes Leben, Brunnen, Regen, Flüssen, Schutz, Glück und Wohlstand in Verbindung gebracht. Der keltische Drachen steht für Führungsqualität und Reinheit (rot oder weiß), auch für Leben und Erde und findet sich als Symbol in der Alchemie wieder.

Drachen und mehrköpfige Schlangenungeheuer waren aber auch dual verstanden Sinnbild der ungebändigten Triebe, der gefährlichen Naturgewalten und des Chaos, sei es auf See oder am Land. Der Atem vergiftete die Luft, das Monster vernichtete mit Feuer die Felder und tötete Leben. Diese gefährliche Seite musste eliminiert werden, um die positiven Seiten zum Tragen kommen zu lassen (z.B. die Rolle von St. Georg dem Drachentöter, Herakles der die Hydra tötet, Siegfried tötet den Drachen Fafnir und wird durch ein Bad in dessen Blut unverwundbar). Mitunter hortete und bewachte der Drache auch „Schätze“. Bei den Christen wurden Schlangen oder Drachen, in Bezug auf die Schlange im Paradies, und als Sinnbild der wilden Natur dämonisiert.

In Indien glaubte man an Nagas (weibl. Nagis), tibetisch „Lu“ genannt, Mischwesen aus Schlange und Mensch – vermutlich im übertragenen Sinne Menschen mit überragenden entsprechenden Fähigkeiten (?), zumal die Kundalini als Seelenschlange interpretiert wird, die zu entwickeln ist. In China galt der Herrscher als „Sohn des Himmels“ und Abkömmling von Drachen. Auch der Phönix (Symbol der Wiedergeburt und Erneuerung,) gehörte zum Kaiserhaus).

Die Azteken (unter weiter zurück die Tolteken) glaubten an den Sonnen- und Kriegsgott Huitzlipochtli, und dass die Welt durch den Kampf zwischen Dunkelheit und Licht entstanden sei. Diese Dualität zeigte sich in der positiven gefiederten Schlangengottheit Quetzalcoatl (Symbol für Heilung, Medizin und Himmel) und dem blutgierigen Kriegsgott Tezcatlipoca. Da die Menschen aus Blut und zermahlenen Edelsteinen bzw. Mais geschaffen wurden (=> Körper und Lebensenergie/Seele), mussten sie diese Blutschuld den Göttern durch Blutopfer und Maisopfer „zurückzahlen“. Offenbar ab 13.-15. Jhd. nahm die dunkle Seite derartig überhand, dass es geradezu zu einem Blutrausch, ungeheuren Grausamkeiten, Kannibalismus  und Exzessen der Priesterschaft in allen Kulten kam und das Volk sehnsüchtig auf die prophezeite Wiederkehr Quetzalcoatls wartete – als dessen Boten die Spanier verwechselt wurden…

Schamanen kennen aus ihren „außerkörperlichen Reisen“ die Wahrnehmung von auftauchenden geflügelten Drachen. Magier und Okkultisten berichten, dass bei Beschwörungen mitunter auch äußerst intelligente Drachen (Lebensformen aus anderen Dimensionen) auftauchen  können, die zwar sehr viel Wissen haben, aber auch recht unberechenbar und gefährlich sein können. Werden sie auf jemanden aufmerksam, tauchen sie dann auch von selbst und ungerufen auf, bis ihr Interesse erlischt. Sie selbst direkt zu beschwören, ist kaum möglich und auch nicht ratsam.

 

Luzifer

William Blake: Die Prüfung des Hiob. Satan schüttet die Plagen über Hiob aus.

Was hat nun Luzifer mit Drachen und Schlangen zu tun? Eigentlich gar nichts. Lucifer kommt von lat. „lux“ (Licht) und „ferre“ (tragen) und bedeutet übersetzt: Lichtträger, Lichtbringer (der den Tag bringt) und war der lateinische Name des Morgensterns (Planet Venus), griech. Phosphoros (Lichtbringer) oder Eosphoros (Bringer der Morgenröte). Mutter des Phosphoros war Eos, die Göttin der Morgenröte, und des Titanen Astraios, Gott der Abenddämmerung. Die Göttin Venus ist nach röm. Mythologie imstande, die Gestalt des Morgensterns anzunehmen und hat auch eine Liebesbeziehung mit diesem.

Wie der griech. Helios reist Lucifer mit dem Sonnenwagen oder auf einem Pferd über den Himmel, der je nach Tageszeit die Farbe wechselt, und ist ein Begleiter des Sonnengottes Sol. Erst das Christentum setzt ihn als Fakelträger mit dem griechischen Prometheus-Mythos in Verbindung. Prometheus gilt dem Mythos nach als Lehrmeister und erster Kulturbringer der Menschen (Beiname: „Pyrphoros“, der Feuerbringer), der im Hephaistos-Tempel einen eigenen Altar besaß. Es hieß später (in Bezug zum ägyptischen Ptah), er habe die Menschen sogar selbst aus Ton geformt und Athene gab ihnen die Vernunft. Als die Götter von den Menschen Opfer forderten, verleitete er sie zu Ungehorsam. Dafür versagte ihnen Zeus das Feuer, doch Prometheus holte es ihnen von Helios mit einer Fackel. Darauf schickte Zeus den Menschen die Pandora (mit allem Unglück) und ließ Prometheus an den Kaukasus schmieden, bis Herakles ihn von da erlöste. Der Prometheus-Mythos wird in der Aufklärung zum Sinnbild der Befreiung des Menschen aus den Ketten von Unwissenheit und Aberglauben (inkl. Religion).

Im Alten Testament wird in Jes.14, 12-14 der König von Babel (Nebukadnezar) mit dem Morgenstern verglichen, der gestürzt, in die tiefste Grube fällt. Die griech. Übersetzung verwendet für Morgenstern „Phosphoros“, die lateinische Vulgata „Lucifer“, und prompt machen die Kirchenväter Luzifer zum gefallenen Erzengel aus Ez 28,14, wo der frevelnde König von Tyrus, prächtig gekleidet und schön wie ein Cherub, zu Boden gestoßen und in Feuer aufgelöst wird. Luzifer wird auch als Verführer-Schlange im Paradies gesehen. Sowohl Christentum als auch Islam gehen davon aus, dass Iblis, Schaitan, Satan, ein ehemaliger Erzengel war, der aus Ungehorsam zu Gott (= Nichtanerkennung von dessen Autorität und Order) degradiert und verdammt wurde.

Im Neuen Testament Lk.10, 18 heißt es: „Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie ein Blitz.“ In Off.12,3ff. von Johannes wird Luzifer (ungenannt) mit dem Untier mit sieben Häuptern und zehn Hörnern gleichgesetzt, der dann vom Hl. Erzengel Michael besiegt wird: „(…) der große Drache, die alte Schlange, die da heißt der Teufel (…), der die ganze Welt verführt; und ward geworfen auf die Erde; und seine Engel wurden auch dahin geworfen.“ Michael gibt dem Untier gleich einen Namen: Satan, d.h. Schlange und Widersacher (hebr. Shin-Teth-Nun). Nach 1000 Jahren (d.h. irgendwann, lt. Offenbarung) freigelassen, verführt er nochmals die Menschen und wird dann auf ewig in die Hölle verbannt.

In anderen Stellen der Bibel schreibt die Vulgata für Morgenstern ebenfalls Lucifer, ohne jedweden Bezug zum Teufel. Im Alten Testament (z.B. Buch Hiob, Sacharja) ist Satan (hebr. „Ankläger“, Gegner, Antagonist) ein Engel oder eine Gruppe von Engel (und Menschen), die von Gott sogar eigens die Aufgabe übertragen bekamen, die Menschen bezüglich ihrer Ethik und Rechtschaffenheit streng zu testen und sie vor Gott ihrer Sünden wegen anzuklagen, und strenggläubige Juden sehen das noch heute so. Der Herr über die Satane (= als eine Klasse der Engel) wird Samael genannt. Engel  handeln nicht eigenmächtig, sondern sind der personifizierte Wille Gottes. Die verführerische Schlange im Paradies interpretieren sie mit Satan oder dem Engel des Todes (weil er den Tod zu den Menschen brachte).

Im Koran kann die Bezeichnung Schaitan sowohl auf Menschen wie auch auf Dschinn verwendet werden; der Eigenname des Schaitans, auf den sich die Genesis lt. Koran bezieht, ist Iblis, der Herr aller Dschinn. Iblis und alle Menschen, die Iblis folgen würden, werden nach dem Jüngsten Gericht in der Hölle schmorren, so urteilte Gott.

Einige luziferisch-gnostische Strömungen, die Aufklärer (Aufklärung = lat. „Illumination“) und auch Satanisten betrachten die Rolle von Luzifer positiv, weil sie Bezüge zum Prometheus-Mythos setzen: Luzifer ist ein Rebell, der die Menschen aus den beschränkenden Ketten von Unwissenheit, Aberglauben, Traditionen und der finsteren Kirche führt hin zu einem selbstbestimmten, nicht von einem Gott determinierten Leben, und zur Wissenschaft.

 

Quellen:

Mythologie:

 

http://www.tierlobby.de/rubriken/Tiergarten/schlangen/Schlangen3a-reli1.htm

http://www.draconian.com/whatis/whatis-german.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Azteken

http://de.wikipedia.org/wiki/Opferkult_der_Azteken

http://de.wikipedia.org/wiki/Drache_(Mythologie) 

 

Luzifer:

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Luzifer

http://de.wikipedia.org/wiki/Prometheus

http://de.wikipedia.org/wiki/Satan

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