Aus: http://www.tt.com/tt/home/story.csp?cid=9771527&sid=57&fid=21  TT.com (Tiroler Tageszeitung online), Rubrik Überblick, vom 21.6.2009, von Beate Troger
 
"Kunsteis“ ärgert Bauern, Sojabohnenanbau boomt

Industriell hergestelltes Speiseeis enthält kaum noch Milch.

 

Die Landwirtschaft in Ostösterreich setzt stärker auf Soja, während Milchbauern um die Existenz bangen."

"(…) Rund acht Kilo Eis verzehrt der Österreicher pro Jahr. Ein Drittel des Eiskonsums entfällt auf die Eisdielen, zwei Drittel auf industrielle Produkte im Handel. Doch im Speiseeis in den Tiefkühltruhen der Supermärkte muss man die Milch in der gefrorenen Leckerei immer öfter mit der Lupe suchen. Der Anteil der Milchfette im Eis sinkt kontinuierlich“, ist Josef Moosbrugger, Vorsitzender des Ausschusses für Milchwirtschaft in der Landwirtschaftskammer (LK), sauer. Die Tirol Milch etwa stellt im Herbst ihre Eisproduktion komplett ein. (…)

Der Begriff Eis ist nicht geschützt. Sogenanntes „Cremeeis“ muss laut EU-Lebensmittelrecht mindestens 50 Prozent Milchbestandteile enthalten. „Die korrekte Bezeichnung findet man daher kaum noch auf den Packungen“, warnt der Verein für Konsumenteninformation (VKI). Und wie beim milchfreien Kunstkäse ist die mangelnde Deklaration das Problem. Der Kunde weiß nicht, was er isst, und ist angehalten, das Kleingedruckte zu entschlüsseln. „Wenn Milch oder Milchpulver an erster Stelle der Zutatenliste steht, heißt das nicht, dass viel Milch enthalten ist“, so Verena Darnbaur vom VKI. Meist werden „pflanzliche Fette“ an zweiter Stelle der Aufzählung angeführt – „oder immer öfter an erster Stelle“. Darunter verbirgt sich günstiges Palmöl, das Fett der Ölpalme aus dem Amazonas oder Südostasien. Auch Soja erfreut sich wachsender Beliebtheit. Nur Eisdielen seien der Milch laut AK treu geblieben. (…)

Auf TT-Anfrage schreibt Jutta Bednarz, Nestle-Produktmanagerin von Schöller Eis, „dass sich der Geschmack des Kunden verändert hat“, „der gesundheitsbewusste Konsument mag den schweren, buttrigen Geschmack nicht mehr“. (…) Unilever („Eskimo“) wollte keine Stellungnahme abgeben. (…) Als Alternative wird für die Industrie und die heimische Landwirtschaft die Sojabohne immer interessanter. (…)

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Es reicht eben nicht zu sagen, dass der angeblich mündige Konsument seien Wahl trifft. Nein, er muss das kaufen, was die Lebensmittelkonzerne im Geschäft anbieten – in Österreich existiert bekanntlich ein Monopol von 4- 5 riesigen Anbietern, die auch sonst noch untereinander Absprachen treffen. Diverse Absprachen wären zwar verboten, aber kontrolliert ja vom Staat einfach keiner. (Warum wohl…?) Also der Konsument muss kaufen, was angeboten wird, oder wie in diesem Fall eben den ganzen Sommer über kein Eis essen.

 

Konsumenten sind sowas wie angelocktes Vieh, das man mit Abfall füttert, und das dafür Geld einbringt. Mehr sind wir für die doch gar nicht. Qualität? Gesunde Produkte? Aber nicht doch, die ist doch nur noch für Eliten in Elitengeschäfte, zu denen man vermutlich mit dem Privatjet anreist, um mal einzukaufen. Sogar die hunderttausende unerwünschte Werbepapierfetzen im Postkasten, mit denen wir zugemüllt werden,  dürfen wir selbst bezahlen, sobald wir diese Geschäfte betreten und was kaufen. Ist alles auf den Preisen draufgeschlagen.

Ja, der Analogkäse – warum ist "Käse" kein geschützter Begriff??? Man produziert Analogfleisch aus miesesten Fleischabfallstücken, man produziert Analogkäse aus gesättigten höchst ungesunden Fetten, und man produziert selbstverständlich Kunsteiscreme. Und bitte fragt erst gar nicht, wie die Arbeits- und Lebensbedingungen in den Ländern aussehen, von wo wir diese Öle uns Sojabohnen beziehen.

Vorigen Freitag kaufte ich mir im S…-Geschäft einen Becher Eis mit Haselnuss, Hausmarke Konzern S… Keine einziges Haselnussstückchen zu sehen. Milch, aber vermutlich eher zur Tarnung auf der Inhaltsliste, damit es ausschaut als ob…  1-, 2- und dreifach gesättigte und ungesättigte Fettsäuren, "kann Spuren von Soja enthalten" (SO NENNT MAN DAS GEPANTSCHE, Allergiker freuen sich), Aroma- und Farbstoffe usw. usw. Ach wie freut sich doch meine Leber, das zu hören! Alles war dann picksüß aber so richtig nach Nuss schmeckte es nicht. Es schmeckte unecht und billig. Selbst im halbaufgetautem Zustand, also sehr weich, war es noch eiskalt wie der Weltraum, mir taten alle Zähne weh.

So richtig eine Wahl hatte ich nicht, die anderen Eissorten sind inzwischen nicht wirklich besser, die einzige kleine Eissorte der Tirol Milch (bei uns bekannt), die mal mit echter Milch begonnen hat, aber zunehmend Ersatzstoffe verwendet hat, wird lt. Meldung eingestellt.

Übrigens: ICH wurde nicht gefragt, ob ich den "buttrigen Geschmack von echtem Eiscreme" mag oder nicht (JA, ich mag ihn!) und wenn ich mir die Kommentare auf obigen Artikel ansehe, ging es den anderen Lesern genauso. Aber wenn wir das Kunstfraß von klein auf essen, dann merken wir es irgendwann gar nicht mehr, weil wir echte und gesunde Produkte nicht mehr kennen. Wir blödes pekunäres Schlachtvieh, wir!

 

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Nachtrag vom 6. Juni 2009, Montag: Wie die Konsumenten von diversen Sendungen im deutschen TV am Wochende erfahren konnten, gibt es auch die übliche Praxis im Gaststätten, Pizzerien usw. statt Kochschinken (ohnehin dubiose Zusammensetzung) ein noch lausigeres Produkt zu verwenden: den Analagschinken. Der Dreck besteht hauptsächlich aus Stärke, Wasser, und Farbe, Würzmittel und Konservierungsmittel und ein paar Brocken Fleich oder so ähnlich. In dem dunkelrosa Stück leuchten die paar Brocken weißlich heraus. Aufgeschnitten, sieht es so aus wie kleine Stückchen Schinken, verliert aber unmäßig Wasser. In Deutschland wurde dieser Analogschinken in ca. 1/3 aller überprüfter Gaststätten gefunden.

Natürlich wird NIRGENDWO ausgezeichnet, dass das KEIN echter Schinken ist. Man nennt das verbrecherisch-betrügerischerweise Käse, Schinken usw. und verlangt vom Kunden den entsprechenden vollen Preis. Und sollten wo Inhaltsstoffe angegeben sein, dann gibt man eben ein paar Prozent echte Ware in die Mixtur, damit der dumme Kunde glaubt, das wäre das was er kaufen wollte. Die Lebensmittelindustrie, von der EU gedeckt, ist echt groß darin, die Kunden zu betrügen, mal so, dann durch halbleere Packungen oder neuerdings die Freigabe der Packungsgrößen.

 

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