Reflexionen über die Art der menschlichen Partnerwahl
 
Aus Wikipedia, Stichwort:
 
" Polygamie ":
 

"Die Polygamie (…) bezeichnet eine Form der Vielehe und der Duldung von gleichzeitigen eheähnlichen Beziehungen. Bei zwei Ehen spricht man von Bigamie. Polygamie wird im Allgemeinen als das Gegenteil von Monogamie verstanden. Polygamie als gesellschaftliche Institution ist zu unterscheiden von Polyamory, bei der die Partner einvernehmlich entgegen gesellschaftlichen Normen mehrere offen geführte und individuell ausgehandelte Liebesbeziehungen eingehen können und die sich als Subkultur mit der Queer-Bewegung überschneidet.

Es wird unterschieden zwischen Polyandrie (Vielmännerei – bei der eine Person mehrere männliche Partner hat) und Polygynie (Vielweiberei – bei der eine Person mehrere weibliche Partner hat) sowie der sogenannten Gruppenehe (Polygynandrie) und anderen Eheformen, bei denen mehrere Frauen und mehrere Männer beteiligt sind. Polyandrie ist besonders in [matriarchalen] Ackerbaukulturen auf niederer Stufe (Hackbau) verbreitet, während Polygynie eher [patriarchalen] Kulturen mit viehzüchterischem Hintergrund kennzeichnet. Entscheidend ist bzw. war ursprünglich, dass das Geschlecht, das den Hauptteil zum Lebensunterhalt liefert, [und dem Haus, Grund und Ressourcen gehören,] das andere Geschlecht auch in dieser Beziehung dominiert."

In römisch-griechischer (klassischer) Zeit ist Polygamie durchwegs verschwunden und bei Christen ausdrücklich nicht vorgesehen, obwohl im (jüdischen) Alten Testament durchwegs üblich. Witwen hatten sogar das RECHT, vom Schwager geheiratet (und damit versorgt) zu werden. Wo Polygamie üblich war oder ist, gibt es gewöhnlich eine oder mehrere Hauptfrauen und dazu Nebenfrauen (z.B. um männliche Nachkommen zu zeugen), auch die Dienerinnen wurden sexuell "benützt".

Wiki: "In allen mehrheitlich muslimischen Ländern außer Tunesien, der Türkei und den Ländern der früheren Sowjetunion ist die Polygamie legal und wird praktiziert. Die berühmteste Person der Polygamie im Islam ist sicherlich der ehemalige saudische König Abd al-Aziz ibn Saud, der Schätzungen zufolge 3000 Frauen in seinem Harem gehabt haben soll, zu dem neben Ehefrauen auch Konkubinen, Töchter und Sklavinnen gezählt werden. (…)

Gemäß dem islamischen Recht darf ein Mann bis zu vier Frauen ehelichen, sofern ihm seine erste Frau dies erlaubt. Jeder Frau hat er einen eigenen Haushalt und eigenes Vermögen einzurichten sowie eine Mitgift zu geben. Oft pflegen die Frauen keinen engen Kontakt untereinander, sondern leben getrennt in jeweils eigenen Wohnungen oder Zimmern, manchmal auch an verschiedenen Orten. Zuweilen untersagen gesetzliche Regelungen jenen Männern, die nicht jeder Frau einen eigenen Hausstand einrichten können, die Polygamie. (…)

Einige moderne Muslime betonen hingegen, dass der Koran die Polygamie verbiete. Dabei berufen sie sich auf Sure 4:129: „Und ihr könnt zwischen den Frauen keine Gerechtigkeit üben, so sehr ihr es auch wünschen möget.“ In Verbindung mit dem Gebot der Gleichbehandlung nach 4:3 und Argumenten aus dem näheren Kontext schlussfolgern sie, dass eine Mehrehe nur in wenigen, besonders außergewöhnlichen Situationen erlaubt sei; als Beispiel wird Männermangel infolge eines Krieges genannt. Grundsätzlich sei jedoch die Einehe vorzuziehen.Gegner dieser Position glauben, dem traditionellen Verständnis folgend, dass 4:129 weder Polygamie verbietet noch von ihr abrät, sondern den Mann anleitet, alle seine Frauen gerecht zu behandeln, auch wenn er sie nicht alle in gleicher Weise wird lieben können oder für sie das Gleiche empfinden wird. "

Aus: (http://www.swissinfo.ch/ger/index.html?siteSect=105&sid=4158638) Swissinfo.ch vom 24.8.2003: "Vielweiberei seit jeher stark verbreitet": Demnach ist die Monogamie frühestens vor 20 000 Jahren aufgekommen. Der Familienverband wies (genetisch belegt) jedenfalls viel mehr Frauen auf, die weiter gewandert sind als Männer, d.h. wenige Männer hatten normalerweise mehrere Frauen und viele Kinder, während viele Männer offensichtlich keine Nachkommen hatten. Damit herrschte diesbezüglich eine ähnliche Situation wie bei Primaten. Ähnlich auch der Artikel in "Welt online", Wissen, vom 12. Augurst 2007: "Vormenschen praktizierten Vielweiberei wie Gorillas"  (http://www.welt.de/wissenschaft/article1099911/Vormenschen_praktizierten_Vielweiberei_wie_Gorillas.html)

 

Hochzeit als Rechtsakt oder aus Liebe?

Siehe u.a. Wikipedia: "Hochzeitsfeier", oder (http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,537086,00.html) Spiegel online, Wisenschaft, 15.3.2008, "Zweckgemeinschaft ohne Gefühl":

In unseren Breiten kommt das Wort "Hochzeit" von "Hohes Fest", genauso wie es Weihnachten, Ostern, Pfingsten oder Allerheiligen hohe Festtage, Feiertage, waren. Im alten Rom gab es eine zeremonialle Ehe (ohne Scheidungsmöglichkeit) nur für den Obersten Priester (Pontifex Maximus), die im Tempel geschlossen wurde; die normalen Römer selbst benützten (wie auch nördliche Volksstämme) großteils die "Gewohnheitsehe", d.h. Mann und Frau lebten mindestens 1 Jahr (im Haus des Mannes) zusammen und bekamen legitime Nachkommen ("Kinder", d.h. solche, die der Mann und der Clan anerkannten). Formalitäten (Rechte, Pflichten, Mitgift, Einkommen, Scheidungsmöglichkeiten ua.) wurden bestenfalls vom Familienclan nach den jeweils herrschenden Sitten ausgehandelt. Eine Ehe war vor allem ein Rechtsakt des Clans und des Pater Familias und oft von den Eltern befohlen. Spiegel online: Rom: "Hatten sich die Väter geeinigt, fand die Verlobung statt, zu der neben den näheren Verwandten auch einflussreiche Gäste geladen waren. Vor Zeugen gaben die beiden jungen Leute ihre Zustimmung zur Ehe. Danach tauschten sie Geschenke aus, insbesondere überreichte der Bräutigam seiner Braut einen Ring als sichtbares Zeichen des Eheversprechens. Er steckte ihn auf den vierten Finger ihrer linken Hand, von dem man glaubte, dass von ihm ein Nerv ausging, der direkt zum Herzen führte. Eine romantische Geste? Wohl nicht, im Lateinischen steht cor, das Herz, nicht weniger für das Gefühl, sondern eher für Verstand oder Mut. (…) Vor allem im Haus der Braut [im Pubertätsalter] herrschte in der nächsten Zeit rege Betriebsamkeit. Am Vorabend der Trauung legte sie in einem uralten Ritual ihre Kleidung ab und opferte diese zusammen mit ihren Spielsachen auf dem Altar der Hausgötter. Damit nahm sie symbolisch Abschied von ihrer Kindheit, sie war jetzt eine erwachsene Frau, bereit, einen Mann zu empfangen. [Es folgten Bad, Parfüms, spezielle lockige Frisur.] Hernach schlüpfte die Braut in die tunica recta, die saumlose Tunika, welche sie aus selbst gesponnenem Garn gewebt hatte, umgürtete diese mit einem doppelten Wollgürtel und verknotete ihn. Dieser durfte erst wieder in der Hochzeitsnacht und nur vom Bräutigam persönlich geöffnet werden. Derart bekleidet verbrachte sie die letzte Nacht in ihrem Elternhaus."

Daneben zeugte der verheiratete Mann auch illegitime Kinder mit Konkubinen und Dienstboten (sogenannte "Kegel"). Sklaven und Minderjährigen war eine rechtsgültige Ehe verboten. Im Christentum wurde der Segnung des Paares durch einen Priester – noch ohne Kirche, sondern im Freien – immer wichtiger. Erst später wurde die Segnung zunehmend in die neugebauten Kirchen (= eigentlich urspr. öffentliche Versammlungshallen!) verlegt.

Wiki: "Im [christlichen] Mittelalter war die formelle Trauung noch nicht Pflicht. Heimliche Verlöbnisse (Matrimonia clandestina) oder so genannte ‚Winkelehen’, die ebenfalls heimlich geschlossen wurden, waren rechtsgültig, aber wegen ihrer Heimlichkeit rechtlich schwer zu handhaben. Nach der Reformation wurde die Ehe erst von protestantischen und weltlichen Obrigkeiten, dann auch von der katholischen Kirche als Schwelle für die Ausübung legitimer Sexualität etabliert. Im katholischen wurde die obligatorische Trauung vom Konzil von Trient im 16. Jahrhundert eingeführt. [Anm.: die Frage einer legetimen Ehe für Priester stellte sich daher zuvor gar nicht!] Eine formgültige Ehe wurde seit dieser Zeit durch contractio (der Ehevertrag) und consummatio (Vollzug der Ehe) geschlossen. Weil der Vollzug der Ehe zur Rechtsgültigkeit erforderlich war, wurde er unter Zeugen vorgenommen [d.h. Zeugen im und vor dem Gemach!]. Da zu dieser Zeit eine Scheidung undenkbar war, musste stattdessen bei Bedarf versucht werden, den Nachweis zu erbringen, dass die Voraussetzungen der Eheschließung fehlerhaft festgestellt worden waren, die Ehe also von vornherein ungültig war.

Zwischen 1489 und 1770 ist die Trauung per Stellvertreter / Handschuhehe belegt. Das war eine besondere Zeremonie der Trauung in Abwesenheit des Bräutigams. Ein Stellvertreter des Bräutigams (ein Gesandter bzw. Diplomat) vollzog „per procurationem“ dabei formell die Eheschließung. Vor 1800 waren die meisten Partner bis zum Zeitpunkt der Hochzeit offiziell Junggesellen und Jungfrauen. In Traueintragungen im Kirchenbuch wurde im allgemeinen die Bezeichnung Jungfrau (abgekürzt J.) für die Braut gebraucht, solange der Pfarrer nicht vom Gegenteil überzeugt war. War er das, so wurde die Braut als „Deflorata“ oder gar „Impraegnata“ bezeichnet, und die Trauung fand „auf Verordnung“ bzw. „in der Stille statt“, wobei dann oft der Name des Brautvaters in der Traueintragung fehlt." Die gesetzlich verpflichtende Zivilehe – vor einer kirchlichen Eheschließung – kam in den Staaten erst nach der Französischen Revolution auf, d.h. im Laufe des 19. Jhd.

"Die Kirchliche Trauung hat in der evangelischen Kirche nur rituelle Bedeutung, sie ist ein Segensgottesdienst anlässlich der Eheschließung; in der katholischen Kirche begründet sie das Sakrament der kirchenrechtlichen Ehe." (Ein Sakrament ist eine heilige, unauflösbare rituelle Weihe unter Mitwirkung Gottes. Eine Segnung hingegen ist nur ein Gebet, eine Bitte an Gott um Segen.) Daher wird eine christliche Eheschließung bei Katholiken als unauflöslich betrachtet (unter Rückgriff auf die Ehe des Pontifex Maximus im alten Rom), nicht aber bei Protestanten. Bei Orthodoxen herrscht die Meinung vor, dass eine Scheidung bei einer irrtümlich und daher nicht segenreichen Heirat möglich ist, und damit eine Wiederverheiratung, aber diese dann im Stillen vollzogen wird. Weiters sehen die meisten evangelischen Kirchen kein Hindernis darin, auch gleichgeschleichtliche Paare zu segnen. In der katholischen Kirche ist das Sakrament nur einem heterosexuellem Paar erlaubt, das Gewicht liegt dabei an der Zeugung von Kindern, die von Gott gesegnet empfangen und geboren werden.

Ehen im Hinduismus: "Die Ehe wird in den klassischen Rechtstexten des Hinduismus (Dharmashastras) als heiliges Sakrament (Samskara) definiert. Das Band zwischen Ehemann und Ehefrau wird als Gesetz der Natur aufgefasst und beide werden vor dem Gesetz als eine Person betrachtet. Die formelle Übergabe der Braut durch den Vater (Sanskrit, Kanyadan, wörtl.: „Mädchengabe“) und das siebenmalige Umringen des heiligen Feuers durch Bräutigam und Braut (Saptapadi) haben essentielle Bedeutung für hinduistische Heiraten." Es gibt zwar keinen Brautkauf, aber eine ansehnliche Mitgift ist geradezu Pflicht und es sind normalerweise strenge Kastenregeln zu beachten. Durch die Engländer wurden ab M. 19. Jhd. die Witwenverbrennung und die Vielehe verboten und die Scheidung ermöglicht. Eine Hochzeit richtet sich nach jeweiligen Traditionen von Land und Kaste und dauert normalerweise mehrere Tage.

 

Monogamie versus Polygamie – Für und Wider

Was spricht gegen die Polygamie? Es gibt in etwa gleich viele männliche als weibliche Kinder; männliche Kinder werden statistisch nur nach Kriegen u.a. in erhöhter Zahl geboren (muss wohl ein kollektive unbewusste Maßnahme sein). Man könnte natürlich argumentieren, dass in der Wildnis unfähige Männer durch Kämpfe ausselektiert werden und sich nicht fortpflanzen können. Der Beste hat dann mehrere Weiber zur Verfügung (allein dadurch, dass sie ihn freiwillig anhimmeln).

Manchmal KANN es unter bestimmten Lebensbedingungen von Vorteil sein, wenn eine Familie mehrere Frauen hat – wegen Geburten-, Einkommens- und Arbeitsteilung. Nicht zu vergessen, das Frauen bei der Geburt sterben können. Der eine Mann dient eigentlich dann nur dazu, andere (feindliche) Männer von der Familie abzuwehren. Umgekehrt kommt es in (matriarchalen) Gesellschaften zu Vielmännerei, wenn es mehrere Männer bedarf, um den Nachwuchs in einer Familie zu erhalten – die Männer haben dann zu arbeiten.

Das normale Bild sieht allerdings so aus, dass die Familie durch Großeltern, unverheiratete Tanten und Onkel und ältere Kinder unterstützt wird (d.h. durch den Clan) und diese immer mitgearbeitet haben oder in traditionellen Familienverbänden mit Arbeitsteilung noch mitarbeiten. In der Tierwelt wären das typische Rudel, z.B. bei Wölfen.

Blöd, das die Großfamilien zunehmend ausfallen, also zurück zur Vielweiberei… Vielmännerei…. Seitensprüngen… ?

Ja, alles recht tierisch, geprägt durch Pheromone, unbewusste Bevorzugungen bei der Partnerwahl (Gesundheit, Aussehen, Potenz, Prestige), Fortpflanzungstrieb…
Nur: ist der Mensch NUR EIN TIER?

Ein geistig-spiritueller Mensch ist jedenfalls mehr als ein Tier und wird an solchen Praktiken und Ansichten keine Freude haben. Beginnend damit, dass er als Partner eher einen Seelenverwandten sucht, der mit ihm geistig harmoniert, ihn ergänzt, mit dem er sich austauschen kann. Er wird zwar viele Freunde/Freundinnen haben, aber mit nur einem – dem innigsten Seelenverwandten – eine Beziehung führen, aus innigster Liebe. Und mit dem, was man liebt, will man auch zusammen sein und zusammen bleiben.

"Rudelbumsen" und Bordellbesuche werden den Geistmenschen nicht befriedigen, denn da ist keine Liebe dabei, d.h. keine geistige Befriedigung. Das bleibt dann den Tiermenschen vorbehalten, die gar nicht wissen, dass sie eine Seele haben. Oder gar der Partner/die Partnerin eine einzigartige Seele ist. Für den Tiermenschen sind Partner austauschbar: was halt gerade der Trieb will, das wird getan. Ohne viel darüber nachzudenken. Außerdem ist innere Verbundenheit mit austauschbaren Partnern kaum verhanden und das (Ur-)Vertrauen an potentielle Partner schwach ausgebildet. Wenn die Freiheit zu groß ist, kann man im Ozean der Freiheit am inneren Alleinsein ertrinken.

Ehe oder nicht, wie auch immer – verdienen die Kinder nicht, Vater und Mutter zu haben und gesichert aufzuwachsen, ohne Trennungsgefühle und Verlustängste miterleben zu müssen? Oder sind Kinder langsam entbehrlich und daher die Frau auf die Mithilfe von Männern nicht mehr angewiesen? Frauen verdienen noch immer nicht genug, um Kinder so ohne weiters alleine aufziehen zu können.

 

In diesem Sinne hat die Vorstellung einer unlösbaren Ehe, beruhend auf ein Sakrament, sicher seine Berechtigung. Geht aber irgendwie am Menschen vorbei, da der Großteil der Menschheit eben nicht aus spirituell erhabenen Menschen besteht (was Christen idealerweise eigentlich sein sollten), sondern noch viel Tierisches mit sich trägt. Und weil der Mensch sich weiterentwickelt – statt vollendet zu sein – entwickeln sich auch Paare auseinander. Oder werden geradezu zum Desaster für alle beteiligten.

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