Vorgestern sah ich auf 3Sat (als Wiederholung) einen Beitrag darüber, dass Bauern einerseits über einen Preisverfall bei Milch klagen, andererseits aber überall fleißig und billigst von Lebensmittelherstellern "Analogkäse" produziert und verwendet wird statt echten Käse. Wir wissen ja, wie menschenfreundlcih Lebensmittelhersteller sind, seitdem in China die Beimengung vom hochgiftigen Melamin in Babymilchpulver aufflog. Melamin täuscht bei Tests einen höcheren Protein- (und damit Milch-)Wert vor als tatsächlich vorhanden. Erinnern wir uns – die Babys trugen schwere Nierenschäden davon oder starben, 300 000 Babys waren erkrankt, ein paar hundert sind gestorben. Bei Erwachsenen dauert die Schädigung etwas länger und ist vermutlich nur schwer nachzuweisen (in Saucen, Fertigprodukte, Schokolade bís hin zu vermutlich Tierfutter…). (Wer muss auch heute Protein vortäuschen, wenn man Eiweiß auch mittels Bakterien herstellen kann?)
 
 
 
Der eigentliche TV-Beitrag stammt vom ZDF ("frontal21") vom 7.4.2009: http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/10/0,1872,7552586,00.html, von Friedrich Kurz. (Gelesen 27.4.2009):
 

"Ahnungslose Verbraucher. Hersteller täuschen mit Kunstkäse"

"Offenbar verkaufen Pizzabäcker, Gastwirte und Lebensmittelproduzenten immer häufiger das billige Käse-Imitat – ohne die Verbraucher genau darauf hinzuweisen. (…) Schätzungsweise an die 100.000 Tonnen Analog-Käse werden jährlich in Deutschland produziert. Der verträgt bis zu 400 Grad Hitze. Selbst das robuste Teflon schmilzt bei 327 Grad. So können Fließband-Pizzas doppelt so schnell gebacken werden wie mit echtem Käse, der schon bei 200 Grad anbrennt.

"Ein großer Teil der Fertig-Pizzen enthält bereits unsere Produkte" sagt Max Wiedemann, Chef des deutschen Herstellers "Jeneil", dessen US.Partner Weltmarktführer für "Käse-Geschmackskomponenten" ist. Auf der ANUGA-FoodTec-Messe in Köln stellte Jenil kürzlich den Analog-Käse vor: Eiweißpulver [Anm.:Protein, woher auch immer], Wasser, Pflanzenöl [Anm.:gesättigt?] und Geschmackskonzentrat in sechs Variationen werden gerührt und erhitzt. In nur 20 Minuten entsteht eine cremige Masse, die wie Käse schmecken soll. Die Einkäufer – vor allem aus arabischen Ländern und aus Russland – zeigen sich begeistert. Denn das Produkt ist billig, echter Milchfett-Käse muss monatelang reifen, kostet viel mehr. (…)

Das Hessische Landes-Labor in Kassel prüft, ob die Produkte dementsprechend gekennzeichnet sind. Denn so verlangt es das Gesetz. "Käse muss auch zu 100 Prozent aus Milch hergestellt sein", erklärt der Laborleiter Dr. Hasan Taschan. Wenn aber Pflanzenfett dazu gemischt wird, dann ist das kein Käse und darf auch nicht so genannt werden. Taschans Labor kontrollierte Bäckereien, die Käsebrötchen verkaufen. Ergebnis: Von 92 geprüften enthielten 35 keinen echten Käse. In Baden-Württemberg prüften amtliche Kontrolleure Gaststätten, wollten wissen, ob dort den Verbrauchern falscher Käse serviert wird. "Von den 51 Proben aus dem Bereich Gaststätten, die als Käse oder Schafkäse bezeichnet worden sind, hatten wir eine Beanstandungsquote von 20 Prozent aufgrund von Pflanzenfett-Beimischungen", erklärt Laborleiter Dr. Jörg Rau vom Chemischen und Veterinär-Untersuchungsamt Stuttgart." Die meisten Länder lassen so gut wie gar nicht überprüfen, während die Konsumenten mit schönen Käse-Bildern und Begriffen am Produkt getäuscht werden. Es geht um viel, viel Geld! Analogkäse ist schließlich um 30-40% billiger als richtiger Käse, und das summiert sich!

Aus: http://www.kaeseplatte.com/allgemein/pseudokase-kunstkase-oder-analogkase-so-wird-der-kunde-irregefuhrt , gelesen 27.4. 2009.

Hier geht man von 2/3 aller Fertigprodukte aus, die solcherart gepanschten Kunstkäse aufweisen, unter netten Phantasienamen wie:

  • Pizza Topping – Typ italienischer Mozzarella
  • Streichkäse – die gewünschten Käsesorten können je nach Kundenwunsch optimal verändert werden
  • Käse zum Braten und Grillen – eine Abwechslung zum klassischen Steak
  • Weißkäse – Typ griechischer Feta
  • Kashkaval – wie am Balkan bekannt und beliebt
  •  
     
     
    "Analogkäse" , siehe Wikipedia:

     

    "Als Kunstkäse, Analogkäse oder Käseimitat bezeichnet man Imitate von Käse, die nicht oder nur zu einem Anteil aus Milch oder Milchprodukten hergestellt werden. Dabei wird das Milchfett durch andere tierische oder pflanzliche Fette ersetzt, zum Teil auch das Milcheiweiß durch solches anderer Herkunft." Der erste Kunstkäse wurde Ende 19. Jhd. in den USA und Europa aus Magermilch und flüsigem Rindertalg (Oleomargarin) hergestellt und mit Lab eingedickt. Bezeichnet wurde der billige Käseersatz mit "Schmalzkäse, Oleomargarinekäse oder Margarinkäse".

    "Für heutige Kunstkäse dienen meist Wasser, Milch-, Soja- oder Bakterieneiweiß und Pflanzenöle wie Palmöl als Grundstoffe, teils auch Stärke. Weitere Zutaten sind Aroma- und Farbstoffe, Salz und Geschmacksverstärker, um Geschmack und Aussehen an Vorbilder wie Parmesan, Emmentaler oder Mozzarella anzunähern. Kunstkäse wird vorwiegend in der Lebensmittelindustrie bei Convenience-Produkten, in der Gastronomie und in Bäckereien verwendet, z. B. für Pizza, Lasagne, Käsebrötchen u. ä. Gründe sind der erheblich günstigere Preis gegenüber Käse und die durch die Zusammensetzung der Zutaten einstellbaren Eigenschaften wie Schmelzverhalten und Hitzebeständigkeit, die die Produktion erleichtern."

    Selbst im geriebenen Käse oder bei Schafkäse usw. ist das Zeugs drin. Eine Kennzeichnungspflicht besteht nicht, nur darf dafür nicht die Bezeichnung "Käse" (= nur bei Milch und Milchprodukten) verwendet werden. Eine Bezeichnung als "Analogkäse", "Käseimitat" oder "Kunstkäse" ist ebenfalls nicht gestattet, man erkennt das nur durch die verwendeten Zutaten. Um hier den Eindruck zu erwecken, es würde sich bei der Ware um Käse handeln, mischt man einfach etwas echten Käse zu den Zutaten – und schon darf der getäuschte Konsument "Käse" auf der Zutatenliste lesen.

    "Die Produktionsmenge von Kunstkäse wird für Deutschland auf jährlich 100.000 Tonnen geschätzt. Bei amtlichen Untersuchungen in Gaststätten und Bäckereien wurde in rund 20 bis 30 Prozent der Fälle festgestellt, dass Kunstkäse als Zutat verwendet, aber rechtswidrig als Käse deklariert wurde."

     

    Wikipedia, zu "Geschmacksverstärkern" :

    "Geschmacksverstärker sind Lebensmittelzusatzstoffe, die den Geschmack von Speisen verstärken." Wie im Blogbeitag gestern über Glutamat und Guanocylat (= 10-20x stärker als Glutamat!) verdeutlicht, handelt es sich dabei um Neurotransmitter, die den Hungerreflex beeinflüssen, d.h. das Sättigungsgefühl ausschalten. Und vielleicht auch abhängig machen, jedenfalls bei uns Leute im Westen, die mit Soja, Tomaten u.a. in der Küche keine jahrtausendealte Tradition haben. Ein Trinker hört nicht auf, Alkohol zu trinken, auch wenn er nach 3 Liter Bier nicht mehr durstig sein KANN. Und ein Mensch, der sensibel auf Glutamat reagiert, hört nicht auf zu essen, auch wenn er eigentlich satt sein müsste! Und Glutamat ist überall, in allen Fertigprodukten, sogar in Patato-Chips. Und wie man sieht, in Analogkäse. Und vermutlich auch im Tierfutter ("Knuspertaschen lecker gefüllt mit Käse…")

    "Die stärkste Wirkung wird bei Mischungen mit 95 % Glutamat und 5 % Guanylat oder Inosinat erzielt. Als echte Geschmacksverstärker werden nur Stoffe mit den E-Nummern E 6xx bezeichnet. Alle übrigen aufgeführten Zusatzstoffe eignen sich aber durch ihre Wirkung auch als Geschmacksverstärker. Besonders häufig wird in der industriellen Lebensmittelherstellung Mononatriumglutamat (E 621) eingesetzt. Viele Lebensmittel, unter anderem reife Tomaten und Käse, Sojasauce und Fischsauce enthalten von Natur aus relativ hohe Anteile von Glutamat. Glutaminsäure ist in jedem eiweißhaltigen Lebensmittel enthalten, auch in Muttermilch." [Anm.: Glutaminsäure ist nicht automatisch gleichzsetzen mit Glutamat, und viele Menschen haben Kuhmilch- oder Sojaallergien! Die lateinamerikanische Tomate kam zu uns anfänglich als Zierpflanze, ab 1700 wurde sie in der italienischen und erst ca. ab 1900 in der deutschen Küche verwendet. Siehe Wikipedia, "Tomate".] 

    E-Nummern:

    • Adipinsäure: 355, 356, 357
    • Aspartam: 951 (Süßstoff!)
    • Bernsteinsäure: 363
    • Chloride: 508, 509, 511
    • Glutaminsäure: 620, 621, 622, 623, 624, 625 (Glutamate!)
    • Glycin: 640
    • Guanylsäure: 626, 627, 628,629 (Guanylat!)
    • Inosinsäure: 630 631, 632, 633
    • Kaliumadipat: 357
    • Lactate: 325, 326
    • Maltol: 636
    • Ethylmaltol: 637
    • Ribonucleotide: 634, 635
    • Thaumatin: 957

    Man möchte fast meinen, man dürfe nichts mehr an Fertigprodukten essen, denn das sind keine Lebensmittel, sondern Krankheitsmittel oder Todesmittel. Tragisch wird es, wenn man weiß, dass ärmere Schichten die weder Zeit haben frisch zu kochen noch das Geld haben für frische biologische Waren besonders betroffen sind. Das sind auch genau die Schichten, die von Fettsucht befallen sind.

     

    Schon längst geneppt, aber zumindest noch nicht körperlich geschädigt, wird man bei Speiseeis:

    Aus: http://suedbaden.business-on.de/verband-verwendung-von-analogkaese-ist-verbrauchertaeuschung_id4410.html vom 16.4.2009, gelesen 27.4.2009:

    "Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter BDM e.V. verurteilt diese Praxis [= Analogkäse-Verwendung] als unzulässige Verbrauchertäuschung aufs Schärfste. Selbst unter vermeintlichen Branchenkennern waren dieser Vorgang und das Ausmaß der Verwendung bis vor kurzem nicht oder nicht ausreichend bekannt und wurde daher kaum bis gar nicht überprüft und geahndet. Mit Sorge nimmt der BDM wahr, dass immer mehr Naturprodukte aufgrund eines günstigeren Preises durch künstlich hergestellte Ersatzprodukte substituiert werden. (…) Befürworter werben sogar schon mit dem Schlagwort „Gesundheit“. Diese Art von Käse werde mit Pflanzenfett, also dem „gesünderen“ Fett, hergestellt – kein Wort jedoch dazu, dass bei der Herstellung mit Geschmacksverstärkern gearbeitet wird, um den Käsegeschmack zu erzeugen. 

    Im Übrigen werden die Verbraucher laut BDM nicht nur im Käsebereich nicht ausreichend aufgeklärt. Kaum ein Verbraucher weiß, dass das von ihm gekaufte Schokoladen- oder Vanilleeis oft keine Milch mehr enthält. (…)

    • Eis: Produkte, die in der Vergangenheit als „Eis mit Pflanzenfett“ bezeichnet wurden, werden heute unter der Bezeichnung „Eis“, ergänzt durch die Geschmacksrichtung wie z.B. Schokoladeneis, geführt.
    • Eiskrem: enthält mindestens 10 Prozent Milchfett (Einfacheiskrem muss mind. 3 Prozent Milchfett enthalten, Fruchteiskrem mind. 8 Prozent Milchfett und einen deutlich wahrnehmbaren Fruchtgeschmack)
    • Milcheis: enthält mindestens 70 Prozent Milch.
    •  
      Rahmeis, Sahneeis, Fürst-Pückler-Eis: mindestens 18 % Milchfett, bei neueren Herstellungen z.T. auch nur 15 %.
    • Cremeeis: mindestens 50 % Milch und auf einen Liter Milch mindestens 270 g Vollei oder 90 g Eigelb. Es enthält kein zusätzliches Wasser."

    In Deutschland gibt es für Speiseeis nur Leitsätze, aber keine gesetzlichen Regelungen für die Produktion. Von den Leitsätzen kann der Hersteller abweichen, wenn der Konsument das erkennen kann (d.h.die Zutaten liest). -Fragt sich nur, wer tut das schon, und wer kennt sich überhaupt aus? Sind wir alle akademische Chemiker oder Nahrungsbiologen?

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    Weitere Links:

    Lese auch zum Thema Geschacksverstärker und fatale Gesundheitsfolgen: http://buntegartenlaubeno7.spaces.live.com/blog/cns!656F1EEF7FFB1856!534.entry

    http://www.derwesten.de/nachrichten/wr/2009/4/23/news-117817371/detail.html

    http://www.nahrungsmittel-blog.de/2009/04/verbrauchertaeuschung-durch-analog-kaese/

    http://weinverkostungen.de/verbraucherschuetzer-warnen-vor-analogkaese/

    http://www.szon.de/lokales/biberach/stadt/200904160218.html?_from=rss

     

     

     

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