Die EU beschließt Quecksilber-Lampen. Was hat das mit japanischen Katzen zu tun oder dem Amazonas?
 
 
 
12. April 2009, Arte, um 21:45 Uhr, "Katzenlektionen" (2008). Darin eine sehr erschütternde kleine Doku darüber, was in den 50-70ern in Japan passiert ist. Da gab es ein kleines Fischerdorf namens Minamata, in dem die Fischer wilden Katzen immer kleine Fischabfälle zugeworfen haben, z.B. zu kleine Fische und Sardinen. Bis ca. 1956, als die Katzen plötzlich speichelten, dann wirr herumtorkelten, und schließlich von den Klippen selbst ins Meer stürzten und ertranken. Und immer wieder. Das Lachen verging den Fischern, als sie mit der Zeit selbst begannen zu zucken und sich am Boden zu wälzen. Sie wurden fast verrückt vor Schmerzen únd wollten sich sogar die Haut vom Leib fetzen. -zig Kinder wurden missgebildet geboren. Betroffen waren vor allem arme Fischer, die sich von Sardinen ernährten.
 
Schon vor dem 2. WK wurde die Chemie-Fabrik Chisso gebaut, die in der Nähe  Plastik ua. produzierten und die Abwässer ungeklärt ins Meer ableiteten. Den Mächtigen im Land war die Fabrik weit wichtiger als die Klagen von einigen stinkenden Fischern und Sardinen. Als die ersten Menschen krank wurden, nach den Katzen, nahm man 900 wilde Katzen, fütterte sie monatelang mit Fisch und dann sah man, wie die Katzen vor Schmerzen verrückt wurden und einige versuchten, sich umzubringen, indem sie den Kopf verzweifelt gegen die Stahlstreben im Versuchsraum schlugen. Wieder und wieder machte man Versuche, 10.000 Katzen wurden "verbraucht", aber die Fa. Chisso akzeptierte die Ergebnisse nicht und tat alles, um die Kritiker mundtot zu machen, machte sie schlecht, ließ sie mit Ausreden einsperren usw. und wurden offenbar von der Regierung gedeckt. Die reiche Erbin der Firma heiratete sogar den japanischen Kronprinzen (!). Erst in den 70er Jahren hatte man eine neue Methode erfunden und verzichtete seitdem auf Quecksilber. Der mit Quecksilber schwer vergiftete Schlamm der Bucht ist heute mehrere Meter tief…
 
Ich erinnere daran, dass wir selbst Quecksilber-Thermometer aus dem Verkehr nehmen mussten. Und heute – verordnet uns die EU Energiesparlampen, die a. schlecht und kalt leuchten und b. hochgiftiges Quecksilber in rauhen Mengen enthalten. Zerbricht eine, darf man die Scherben bloß nicht berühren… Alles Sondermüll, von der Produktion bis zur Endlagerung, und jeder wird wohl wissen, wieviele Lampen er so bislang verschlissen hat… Im TV empfahl man "bei Austritt von Dämpfen nur mal gut durchzulüften" (Wie absurd, siehe Abschnitte unten!)
 
Quecksilber wird oft mit Metallen verbunden, die man Amalgame nennt, für Zahnfüllungen z.B. mit Silber. Aus Wikipedia, "Amalgamfüllung": "Die Verarbeitung von reinem Quecksilber und der hohe Quecksilbergehalt (etwa 50 %) haben bereits sehr früh eine Diskussion über mögliche Gesundheitsgefährdungen bewirkt, die von der Verwendung von Amalgam als Füllungsmaterial ausgehen könnten. Bereits 1833 brach in den USA nach der forcierten Einführung von Amalgam als Füllmaterial der sogenannte „Amalgamkrieg“ aus, der zu einem zeitweiligen Verbot des Amalgam als Füllmaterial führte. In Deutschland flammte eine ähnliche Diskussion in den 1920er Jahren auf. [3] Während dieser sich mittlerweile über fast zweihundert Jahre hinziehenden Debatte konnte eine wesentliche Gesundheitsgefährdung nicht direkt nachgewiesen werden. In der Theorie werden zwei verschiedene Mechanismen der Schädigung angenommen: Intoxikation (Vergiftung) und Allergie.
 
Menschen, die mehrere verschiedene (Schwer-)Metalle im Mund haben (etwa Gold, Amalgam, Silber), weisen erhöhte Quecksilberwerte auf, da durch die elektrochemische Korrosion im Mund Quecksilberionen aus dem Amalgam gelöst werden können. Durch Abrasion gelangen auch die Schwermetalle Kupfer und Zinn in den Organismus. [Gefährliches] Quecksilber wird vor allem in Form von Quecksilberdampf aufgenommen . Bei der Aufnahme von Quecksilber kommt es zu vermehrter Ausscheidung im Urin und zur Einlagerung von Quecksilber im Körper, vor allem im Fettgewebe. Dies ermöglicht die neurotoxische Wirkung des Schwermetalls, denn Nervengewebe ist u. a. von Fett umgeben. Das BfArM (Deutschland) empfiehlt, bei Schwangeren und Nierengeschädigten auf die Verwendung von Amalgam zu verzichten (BfArM 2005, S. 17 [2])."
 
Wikipedia, zu "Quecksilber" (in Auszügen): "In dem Wunddesinfektionsmittel Mercurochrom war der wirksame Bestandteil ein organisches Quecksilbersalz. Die heute erhältliche Mercuchrom-Jod-Lösung ist eine Povidon-Jod-Lösung. In Merfen, einem weiteren Desinfektionsmittel, war früher Phenylquecksilberborat enthalten. HgCl2 (Sublimat) wurde früher als Desinfektionsmittel in Krankenhäusern verwendet. Thiomersal besteht zur Hälfte (Masse) aus Quecksilber und wurde vor allem als Bakterizid bei Impfstoffen eingesetzt.
 
Die konventionelle Landwirtschaft verwendet Quecksilberverbindungen als Beizmittel für Saatgut. In Deutschland wurde die Verwendung von Quecksilber hierfür 1984 verboten.
 
Im ausgehenden 19. Jahrhundert hielt man Quecksilber für ein geeignetes Medikament gegen Frauenleiden, weswegen es zum Teil in toxischen Mengen verabreicht wurde.
 
Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war Quecksilbersalbe ein weit verbreitetes Mittel zur Behandlung der Syphilis. Dazu wurde das Quecksilber in der Regel auf die Haut aufgetragen oder gelegentlich sogar inhaliert, wobei es in vielen Fällen zu Vergiftungserscheinungen kam.
Bei der Goldwäsche wird Quecksilber verwendet, um den feinen Goldstaub zu lösen, wodurch Goldamalgam entsteht (siehe Amalgamation). Da Quecksilber schon bei niedrigen Temperaturen flüssig wird, bildet es Legierungen, die besonders leicht schmelzen. Beim Waschen und bei anschließendem Glühen zur Rückgewinnung reinen Goldes gelangt das Quecksilber in die Umgebung. Dies ist der Hauptgrund für die hohe Umweltverschmutzung bei dieser Art der Goldgewinnung. [Anm.: das betrifft vor allem die Amazonas-Indianer, deren Flüsse durch Goldgräber seuchcht werden und die Minamata-Symptome entwickeln.]
 
"Verwendung findet das Metall in Knopfzellen und Batterien. Mittlerweile gibt es jedoch nur noch einen Produzenten in Taiwan; der Import in die EU ist nicht mehr zulässig. Früher wurde es auch in manchen Röhren der Elektronik wie Quecksilberdampfgleichrichtern, Ignitrons, Excitrons, und Thyratrons verwendet.
 
In manchen Ländern werden oder wurden quecksilber-organische Verbindungen zum Beizen von Saatgut verwendet. Dabei kam es im Irak 1971–1972 zu Massenvergiftungen infolge des Verzehrs von Saatgut.
 
Früher wurden Quecksilbersalze von Hutmachern verwendet und insbesondere bei der Herstellung der im 18. Jahrhundert sehr modischen Filzhüte aus Biberfellen verwendet. Der englische Ausdruck mad as a hatter („verrückt wie ein Hutmacher“) (siehe auch Hutmachersyndrom) geht vermutlich auf die Anwendung zurück. Er wurde auch durch die Figur des verrückten Hutmachers in Lewis Carrolls Alice im Wunderland populär.
 
Laut Pressemitteilung vom 15. Januar 2009 entschied das Umweltministerium in Schweden, den Gebrauch von Quecksilber generell zu verbieten. Das Verbot bedeutet, dass der Gebrauch von Amalgam in Zahnfüllungen eingestellt wird und dass quecksilberhaltige Produkte nicht mehr in Schweden vermarktet werden dürfen. Andreas Carlgren, der schwedische Umweltminister, sagte: „Das Verbot ist ein starkes Signal für andere Länder und der Beitrag Schwedens zu den Zielen von EU und UN, Gebrauch und Emission von Quecksilber zu reduzieren.“ Die neuen Regelungen treten am 1. Juni 2009 in Kraft. [Anm.: Und die Lampen???]
 
Quecksilber wird in großen Mengen durch menschliche Aktivitäten freigesetzt. Es wird geschätzt, dass jährlich etwa 2.200 t als gasförmiges Quecksilber in die Atmosphäre abgegeben werden, zudem noch erhebliche Mengen in Böden und Gewässer. Die größte Emissionsquelle ist die Kohleverbrennung. In Stein- und Braunkohle tritt Quecksilber zwar nur in Spuren auf, die hohe Menge der weltweiten verbrannten Kohle führt aber zu erheblichen Freisetzungsraten. Weitere bedeutsame Quellen sind Chlorproduktion, Zementwerke und die kleingewerbliche Goldgewinnung (Artisanal Small Scale Mining). Aufgrund der bekannten Gefahren freigesetzten Quecksilbers wird derzeit auf der Ebene des UN-Umweltprogramms (UNEP) diskutiert, ob ein eigenes internationales Abkommen mit dem Ziel der weltweiten Senkung der Emissionen verabschiedet werden soll.
 
Quecksilber ist ein giftiges Schwermetall, das bereits bei Zimmertemperatur verdunstet. Bei der Aufnahme über den Verdauungstrakt ist Quecksilber vergleichsweise ungefährlich, eingeatmete Dämpfe wirken aber stark toxisch. Besonders toxisch sind vor allem die organischen Verbindungen des Quecksilbers, wenn sie mit der Nahrung aufgenommen werden. Je nach Aufnahme sind sowohl eine akute als auch eine chronische Vergiftung möglich.
 
In jüngerer Zeit (2007) sind ayurvedische Mittel mit hohen Quecksilbergehalten aufgefallen."
 
Quecksilberverbindungen (z.B. Thiomersal) werden benützt zur Hautaufhellung, Desinfektin von Kontaktlinsen, wird zur Haltbarmachung von Schminke, in pharmazeutischen und kosmetischen Mittel (Augen- und Nasentropfen, Impfmittel etc. …) beigesetzt da schon in geringen Dosen antibakteriell. Zeitweise stand Thiomersal in Verdacht, Autismus bei Kindern auszulösen.
 
Zur Minamata-Krankheit, Wikipedia: "Die Minamata-Krankheit ist eine chronische Vergiftung durch Quecksilber-Verbindungen, die erstmals Mitte der 1950er Jahre an der japanischen Küste in der Umgebung der Stadt Minamata auftrat. Symptome sind zunächst nur Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, später Ataxie, Lähmungen, Psychosen, in schweren Fällen Koma, die Krankheit endete dann nicht selten tödlich.
 
Minamata wurde dabei weltweit zum Begriff für Umweltschäden durch unkontrollierte Verklappung von Abfällen, als sich in dem Ort Mitte der 50er Jahre Schädigungen am zentralen Nervensystem von Menschen und Tieren zeigten, die bald auf die Aufnahme von Quecksilberverbindungen aus Lebensmitteln und Trinkwasser zurückgeführt werden konnten. Der Chemiekonzern Chisso, der am Ort eine Acetaldehyd-Anlage unterhielt, stritt zunächst jeden Zusammenhang ab, (…) Erst nach einer staatlichen Untersuchung musste der Konzern zugeben, dass die Einleitung von Methylquecksilberiodid ins Meerwasser zu einer dramatischen Anreicherung von Quecksilberverbindungen in den Meeresalgen und somit in den Fischen, dem Hauptlebensmittel der Einwohner des Küstenortes, geführt hatte. Nach heutigen Schätzungen wurden etwa 17.000 Menschen durch die Quecksilberverbindungen mehr oder weniger schwer geschädigt, jedoch wurden nur 2265 Personen offiziell als Opfer der Minamata-Krankheit anerkannt, etwa 3.000 dürften an der Vergiftung gestorben sein.
 
Wesentlichen Anteil an der Veröffentlichung und schließlichen Aufklärung des Falles hatten die Fotoreportagen von W. Eugene Smith, (…) sowie die japanische Autorin Michiko Ishimure mit dem Buch "Paradies im Meer der Qualen" und der japanische Dokumentarfilmer Noriaki Tsuchimoto mit seinem 1971 erschienenen Film "Minamata – die Opfer und ihre Krankheit".
 
Ein zweiter Fall einer solchen Massenerkrankung in Japan ereignete sich 1964 am Fluss Agano in Kanose (heute: Aga) in der Präfektur Niigata wo die Firma Shōwa Denkō den gleichen Produktionsprozess wie Chisso in Minamata unterhielt (…). Weitere Fälle der Minamata-Krankheit traten entlang des Songhua-Flusses in China, in Kanada und in Tansania auf. 1999 konnten japanische Wissenschaftler auch bei Indianern am Amazonas die Minamata-Krankheit nachweisen, auch hier gelangte illegal Quecksilber beim Goldwaschen in das Flusswasser."
 
Muss man noch darauf hinweisen, dass man Fische, vor allem nicht Fischinnereien, aus kontaminierten Gewässern essen soll? (Aber, wer weiß schon, woher die Sardinen herkamen…? Was im Tierfutter und Tiermehl wirklich ist?)
 
Zu den Katzen in Japan, siehe "Tierlektionen", noch ein Nachwort: Die Japaner finden es "süß", Katzen zu kaufen oder als Geschenk zu erhalten, spätestens nach 2 Jahren werden die Tiere lästig und einfach ausgesetzt. 600 000 Katzen leben geschätzt wild in Japan, obwohl alle herrenlose Katzen eingefangen und nach 7 Tagen umgebracht werden, wenn sich kein neuer Besitzer findet, d.h. 97% aller eingefangenen Tiere müssen sterben. 25.000 von ihnen leben gemeinsam mit Obdachlosen in Kartons, da die weit über 100.000 Obdachlose aus Mitleid sie als "ihre" Katzen ausgeben, um sie vor dem Tod zu bewahren, Das Durchschnittsalter von Katzen in Japan beträgt 5-10 Jahre, ausgesetzte Katzen überleben somit nicht lange.
 
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