"100 Millionen für die Freiheit von Julius" (Aus: derStandard.at, Rubrik Wirtschaft – Finanzen & Börse, 02. April 2009)

(…) Wien – Die Justiz hat am Donnerstag zunächst die Untersuchungshaft über den abends zuvor verhafteten Julius Meinl V. verhängt. Gegen die Zahlung einer Kaution in der Rekordhöhe von 100 Mio. Euro hieß es am Nachmittag werde Meinl wieder freigelassen. Vorerst muss der Banker aber nun doch in U-Haft bleiben.

Bei der Kaution soll es sich um keine Bankgarantie sondern um die Überweisung einer liechtensteinischen Bank auf das Gerichtskonto bei der BAWAG P.S.K. handeln. (…)

Woher das binnen kürzester Zeit aufgebrachte Geld stammt, konnte Meinl-Anwalt Herbert Eichenseder nicht sagen: "Das weiß ich Gott sei Dank selber nicht." (…) Laut Akt der Staatsanwaltschaft geht es für Meinl und MEL-Vorstände um den Verdacht des Betrugs, der Untreue ("durch die nicht veröffentlichen Zertifikatsrückkäufe zu überhöhtem Preis" ) und im Konnex mit der Gebührenstruktur des MEL-Geschäftsmodells um "mögliche Spesenschinderei" . Zudem besteht der Verdacht des Insiderhandels, Verletzung der Prospektpflicht sowie Bilanzfälschung. Bei Untreue drohen bis zu zehn Jahre Haft. (…)

Die Meinl Bank habe über die Partly Paid Shares (PPS) Einfluss auf MEL gehabt, ebenso sei der Einfluss Meinls auf die Managementgesellschaften in Jersey durchaus vorhanden gewesen. Sitzungen hätten in Österreich stattgefunden, die Jersey-Gesellschaften seien Briefkastenfirmen gewesen. Sollte dem so sein, wäre für die MEL österreichisches Recht anzuwenden. (…)

Meinl war Vorstandschef der Meinl Bank; inzwischen ist er in deren Aufsichtsrat zurückgetreten. (…) Was die Glieder der Indizienkette gegen Meinl zumindest enger machen dürfte: Die Befragten gaben Hinweise, in welchen Dokumenten welche Spuren zu finden sind. Das war wichtig für die Ermittler: Bei der Hausdurchsuchung wurden um die 70.000 interne Mails beschlagnahmt, ganz abgesehen von hunderttausenden elektronischen Geschäftsunterlagen.(Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 4.3.2009)"
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Anmerkung: Nun kann das ja wohl keine Überraschung sein, habe ich doch selbst irgendwo in einem Journal mal vor Jahren gelesen, dass nur windige Gesellschaften ihren Sitz auf Jersey haben, so ähnlich wie auf den Kayman Inseln. Anleger freilich kann man ja munter damit täuschen, vor allem wenn man prominente Mitarbeiter anwirbt…

"Woher das Geld stammt, weiß ich Gott sei dank selber nicht..", da werden wohl einige Freunde mit Liechtenstein-Konto das große Zittern vor einer ev. Aussage Meinls bekommen haben…

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"Karl-Heinz Grasser geht auf Jobsuche" (Aus: derStandard.at, Rubrik Wirtschaft – Finanzen & Börse, 5. April 2009)

(…)
"Wien – Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser hängt sein Engagement bei Meinl International Power (heißt jetzt IP) an den Nagel. Ihm gehört ein Drittel der IP-Managementgesellschaft, diesen Anteil gibt er nun zurück.

Sein Engagement im einstigen Meinl-Reich hätte Grasser in den kommenden Monaten ohnehin überdenken müssen, denn der von rebellischen Anlegern übernommene Energie-Fonds wird liquidiert. Damit verliert Grasser den einzigen Kunden der Managementgesellschaft. Aus der Meinl Bank – ihr gehört der Rest des IP-Managements – heißt es, dass es sich um eine geplante und einvernehmlich getroffene Maßnahme handelt.

Grasser wehrt sich dagegen, dass er in der Causa Meinl "Verdächtiger" sei. Er sei lediglich "Auskunftsperson". Dass Grasser und Hans Haider (Ex-Verbund-Chef und Ex-MIP-Chef) weiterhin in den Akten geführt werden, liegt an der ursprünglichen Strafanzeige im Fall Meinl.

Heftig bestritten hat die Meinl Bank einen Bericht der Schweizer SonntagsZeitung, wonach der vergangene Woche in U-Haft genommene und gegen eine Rekord-Kaution von 100 Mio. Euro wieder entlassene Banker Julius Meinl V. eine Flucht in die Schweiz geplant haben soll. (…) (bpf, APA, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2009)"

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Auszug aus den Kommentaren zum obigen Artikel vom 5.4.2009, um 10:25 (über die Richtigkeit der folgenden Behauptungen kann keine Verantwortung übernommen werden! Ich gebe die Kommentare nur wieder]:

"gu si 06.04.2009 14:35

Grasser Kriminalfall Riemergasse II
Die Handelsrichter schreien auf. Eine Übersiedlung würde rund 3,5 Millionen Euro (rund 49 Millionen Schilling) pro Jahr mehr verschlingen, rechnet der Betriebsausschuss beim Handelsgericht dem Finanzminister vor. Der hört nicht hin. Die Riemergasse muss weg.
Grassers Freund Plech muss sich die Hände gerieben haben. Denn er vermittelte der Republik nun im Auftrag der Firma Porr als Ersatz für das alte Gerichtsgebäude den Citytower auf der Landstraße. Nicht umsonst, versteht sich: Die Republik zahlt Grassers Freund eine Provision in der Höhe von 607.476 Euro (rund zehn Millionen Schilling).
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Grüass eich god olle mitanonda 06.04.2009 15:29

Provision
und wer die üblichen Maklerverträge kennt weiss, dass angenommen werden darf, dass die Provision 2-mal bezahlt wurde: Vom Verkäufer und vom Käufer.
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gu si 06.04.2009 14:35

Grasser Kriminalfall Riemergasse I
Wie es der Zufall so will, feilt Grassers Freund Plech nicht nur am lukrativen Verkauf der staatlichen Immobilien. Er vermittelt der Republik zur selben Zeit auch passende Bürogebäude, wenn Bedarf besteht. Das sieht dann so aus: Der Finanzminister und der blaue Justizminister Dieter Böhmdorfer wollen sich plötzlich vom ehrwürdigen Gerichtsgebäude in der Riemergasse trennen. Obwohl ihm die Handelsrichter vorrechnen, dass das Gebäude gerade teuer renoviert wurde, scheint es dem Justizminister trotz Nähe zur U3 "verkehrstechnisch ungünstig" gelegen und dem Finanzminister außerdem viel zu teuer.
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Grüass eich god olle mitanonda 06.04.2009 15:27

Der Finanzminister und der blaue Justizminister Dieter Böhmdorfer ..
verbindet, richtig, der verblichene Jörg Haider. Der Herr Fionanzminister gehörte zur "Buberlpartie", während der Herr Justizminister zu seinen Anwälten gehörte.
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gu si 06.04.2009 14:08

BUWOG Jede Handlung von Grasser ein Kriminalfall
Bestätigt wurde die Kritik am Deal um die Bundeswohnungen durch den Rechnungshof: Die ehemaligen Bundesimmobilien (62.000 Wohnungen, 5,1 Mio. Quadratmeter unbebaute Grundstücke, 400 Gewerbeimmobilien, 23.000 Parkplätze) wären heute dreimal so viel wert wie beim Verkauf, so das oberste Kontrollorgan der Republik. Der Rechnungshof kritisierte auch, dass die Republik wenige Monate nach dem Verkauf auf das im Gegenzug für vom Staat gewährte günstige Darlehen vereinbarte Einweisungsrecht verzichtet hat. Wenn das vorher bekannt gewesen wäre, hätte das „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer Erhöhung der Kaufangebote geführt“, so der Rechnungshof

Alle mithelfen, dieser Mann muss hinter Gittern.

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meteor 06.04.2009 14:17

BUWOG-Chef Ernst-Karl Plech war Vermieter von Grassers Wohnung und Freund."
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Meine Frage nun hier: Wie korrupt ist eigentlich Österreich?????

Das erinnert mich eklatant an das, was die ÖVP so in Tirol getrieben hat: da haben schwarze Bürgermeister und Vorstand einfach eigenmächtig Gemeindegrund verkauft, sehr, sehr, sehr billig – meist an sich selbst, Freunde oder Verwandte! – obwohl der Grund bis zu 10x mehr wert war. Den Grund haben sie behalten oder eben teuer weiterverkauft, auf alle Fälle viel damit verdient.
 
Macht ja alles nichts, solange der Staat (= wir alle!) dabei draufzahlen, damit ein paar Heinis reich werden.
Bei den Staatsbetrieben (z.B. Post) funktioniert das so: man sorgt dafür, dass der Betrieb saniert ist und dann sorgt man kurzfristig für rote Zahlen, damit man eine Begründung für einen Verkauf hat. Verkauft werden dann die finanziellen Rosinen, dem Ramsch – die lästige Versorgung der Bevölkerung am Land z.B. – überlässt man dem Staat oder aber sperrt einfach Schalter, Gebäude, Infrastruktur zu.
 
Andere Variante: man verkauft Staatsbesitz, was kurzfristig die Kassen füllt und das Budget frisiert (gegen viel Provision, versteht sich), aber least dann alles sündteuer von Privaten (=Aktiengeiern) zurück: Dienstautos, Bundesgebäude, aber auch Kanalisation, Wasser… Kanalisation wurde z.B. in die USA für 100 Jahre verkauft und wir dürfen jetzt 40 Jahre zurückleasen, dann darf der Besitzer sich auch andere Methoden einfallen lassen, denn die Politiker, die das gemacht haben, sind ja dann tot und können nicht zur Rechenschaft gezogen werden. In der Zwischenzeit darf der US-Besitzer mit den Aktien (in Fonds) unserer Kanalisation spekulieren. Wem dann das Kärntner Wasser oder Stromanteile oder was auch immer am Ende tatsächlich gehört, und ob der jemals in Sanierungen investieren wird, das wissen allein die Götter.
 
Immobilienhandel: Bei den Geschäften mit den Immobilien der Republik Österreich (CBL-Geschäfte) soll es nicht einmal einen einzigen vollständigen Vertragstext bei heimischen Vertragspartnern gegeben haben, und keine Ausschreibung, trotz der EU-weiten Ausschreibungspflicht bei so großen Transaktionen, – hört man. – Wer weiß davon mehr?

 

Fortsetzung 8. April 2009:

Wie wurde das gestern abend im "Report" von ORF 2 erklärt? Da ist die Meinl-Bank, die streut Aktien aus = Meinl European Land (MEL). Eigentlich ein Schmähgeschäft, dieses MEL sollte Grundstücke für Geschäfte im ehem. Osten "erschließen" *lol* . Die Anleger kaufen Aktien, die aber nichts wert sind, und weil die Aktien sinken, kauft die Meinl-Bank die Aktien, damit der Kurs steigt und es so aussieht, als seien sie was wert. Das Geld der Anlieger wird wie mit einem Staubsauger abgesaugt.

Da solche Manipulationen selbst im britischen Jersey verboten sind, gründet die Meinl-Bank – neben einem Dutzend anderer Schmähgesellschaften – (angeblich) eine namens "Somali", lokalisiert irgendwo in der Karibik. Die macht diese Drecksarbeit, die nichtswerten MEL-Aktien zu kaufen und den Kurs künstlich hochzuhalten. Sagen wir so, die Meinl-Bank bestreitet offiziell, dass ihr Somali gehört, aber der Geschäftsführer ist derselbe wie in anderen Gesellschaften der Meinl-Bank…

Wie bei Madoff klappte es wunderbar, solange die Bilanzen gefälscht werden, (so die zusammengefasste Aussage), Beteiligungen der Bank ODER des Personals der Bank (Geschäftsfüher, Vorstandsmitglieder bis hin zu Meinl selbst) geheim gehalten werden und immer frisches Anleger-Geld proportional ansteigend nachfließt, um solche Manipulationen (Käufe) aufrecht erhalten zu können. Man muss nur irgendwo sitzen, wo die Bilanzen nicht sonderlich kontrolliert werden. (Anm.: bzw. mit Bestechungen, wie offenbar in den USA bei Maddof, wo unter Bush die Finanzkontrollore nie "was fanden", obwohl ganz Wallstreet den Braten roch und es Anzeigen von Privaten gab.)

Wie beim Pyramidenspiel kollabiert es dann mal, die frischen Gelder von Anlegern des MEL bleiben aus, keine Käufe via Somali und Co. mehr, wusch und plötzlich wird allen klar, die Aktien sind nichts wert und waren nie was wert. Das zuvor per Pyramidenspiel abgesaugte Geld – ist jetzt wo??? Na irgendwo, irgendwer stand an der Spitze des Pyramidenspiels. Die Investoren unten beißen die Hunde und gehen leer aus. Meinl behauptet, er stand nicht oben und sein Name ist Hase, er weiß von nix. (Aber im breiten ledernen Chefsessel der Bank bei Sitzungen saß er, dem Filmmaterial nach, sehr gerne…)

Komische Gesellschaften, die nur aus ein paar Hanserl bestehen. Aus 1, 2, 3 Personen…?

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Wie war das damals bei Grassers Homepage damals als Finanzminister?

Die österreichische Industriellenkammer bezahlt 100.000 € für eine Grasser-Homepage (zum Lobe der "New Economy") an einen Freund von Grasser, der die Arbeit gar nicht selbst macht, sondern um vieles Billiger an echte Profis weiterleitet. Den Rest behält er sich als – Provision? – bzw. auch Grasser hat was von der Homepage, aber "das schenkt er ja einer (von ihm gegründeten) caritativen Institution" und darum muss er es nicht versteuern. Fragt sich nur – hat die das Geld je gesehen, oder floß es als Aufwandsentschädigung gar wieder an Grasser zurück? Weiß das jemand? Ich nicht. Fragen über Fragen…

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