Manchesterliberalismus – Militarismus – Imperialismus – Kolonialismus
 
Im 19. Jhd. entwickelte sich eine unglaubliche nationale Arroganz von Völkern gegenüber andere, fremde und womöglich weniger erfolgreiche Völker. Dies, verbunden mit Geldgier und bereits seit 100, 200 Jahren bestehender staatliche unterstützter Handelskompagnien führte zum Erwerb von Kolonien, indem man zuerst in technisch und militärisch unterentwickelte Länder Handelsstützpunkte anlegte, dann diese von Soldaten beschützen ließ und am Ende ganze Territorien gewaltsam und brutal annektierte. Leider haben die Deutschen als Kolonialmacht ebenso gewütet. Wer hat nicht mal die Hunnen-Rede Wilhelms II. gehört, wie man mit Asiaten umzugehen hat, die den nötigen Respekt vermissen lassen? (Gemeint hat der damit die Chinesen nach dem Boxer-Aufstand.)
 
Die West- und Ostindien-Kompagnien, die Handelsgesellschaften der europäischen Länder – die mit voller Militärmacht ihrer Länder unterstützt wurden – waren immer Vorboten der Kolonialisierung. Selbst wenn man die angebliche Missionierung als Vorwand anführte – ging es doch immer nur um Beutemachen und Ausplündern von fremden Ländern, so auch in Lateinamerika oder Asien. Doch Kolonialgeschichte ist etwas, was prinzipiell in der Schule und sogar an der Uni kaum gelehrt wurde oder wird. Und sie mündete als Ergebnis in den 1. und 2. Weltkrieg mit allen Folgen (wobei die fanatischen Kommunisten auf ihre Art auch nur Kolonien schufen nur anders benannten). Imperialismus ist heute eine peinliche Sache, sei es für Katholiken, sei es von Puritaner (Calvinisten) oder Anglikaner. Weil zutiefst unchristlich und menschenverachtend. Aber damals äußerst lukrativ.

Die Weißen haben damals nicht nur andere Völker auf fremden Kontinenten abgeschlachtet, sondern traurigerweise auch sich in Europa selbst. Grenzenlose Geldgier, Machtgier, Arroganz: ohne die Zeit 1800 bis 1925 mit allen ihren negativen Entwicklungen in Europa und im Rest der Welt hätte es keinen Hitler und keinen Holocaust in dieser Form gegeben.

 
 
Einige kurze Erläuterungen zu folgenden Begriffen:
  
Manchesterliberalismus:
 
Eine politische und soziale Strömung, ausgehend von der Freihandelsbewegung, lokalisiert  vor allem in der Textilindustrie um Manchester. Die Ideen des Freihandels stammten von David Hume, Adam Smith und John Stuart Mill. "Als Freihandel bezeichnet man einen internationalen Handel (Außenhandel), der nicht durch Handelshemmnisse wie Zölle oder Import-Kontingente eingeschränkt ist. Die Idee des Freihandels basiert auf dem klassischen Wirtschaftsliberalismus. Eine daraufhin ausgerichtete Wirtschaftspolitik bezeichnet man als Freihandelspolitik, eine dem Freihandel entgegengesetzte Politik als Protektionismus."(1) Die herrschende wirtschaftsliberale Ideologie besagte, dass der Staat sich in keinster Weise in die Wirtschaft einmischen darf, auch nicht durch Sozialprogramme, Steuerauflagen, Marktregulierung oder Schutz und Förderung der eigenen Märkte (= Protektionismus), sondern dass der Markt sich selbst regelt und nur eine freie Wirtschaft zu reichen Bürgern und einem prosperierenden Staat führt.
 
"Die Liberalen um Richard Cobden und John Bright sahen im Protektionismus die Ursache für die Verelendung der Massen und im Freihandel den Schlüssel zu mehr Wohlstand. Der Protektionismus, verkörpert beispielsweise durch die Corn Laws, galt bei Freihändlern nicht nur als schädlich für das Ausland, sondern auch für die Wirtschaft im Inland. Nach Ansicht der Unternehmer waren die hohen Getreidepreise der wichtigste Grund für das hohe Lohnniveau in Großbritannien. Sinkende Getreidepreise hätten ihrer Ansicht nach die Möglichkeit eröffnet, die Löhne und damit die Produktionskosten zu senken. (…) 
 

Schon Adam Smith hatte im 18. Jahrhundert davor gewarnt, dass Einfuhrbeschränkungen insbesondere bei Grundgütern wie Getreide bei ärmeren Bürgern zu Unterernährung führen könnten. Dennoch belegte die britische Regierung 1815 die Getreideeinfuhr mit einem hohen Zoll, um den Getreidepreis künstlich hochzuhalten (auch als Antwort auf Napoleons Kontinentalsperre). Die hohen Zölle führten dann tatsächlich zu einer großen Hungersnot; im Winter 1847 beklagte man in England 250.000 Hungertote. (…)

Außerdem erhofften die Manchesterliberalen vom Freihandel mehr Frieden, denn die zunehmende Abhängigkeit durch die fortgeschrittene Arbeitsteilung zwischen den Völkern sollte es – so die Manchesterliberalen – den Regierungen nahezu unmöglich manchen, ihre Völker gegeneinander aufzuhetzen. (…) Die Manchesterliberalen lehnten den damals praktizierten Militarismus ab, weil sie auch darin eine Ausnutzung (z. B. durch Wehrpflicht) der ärmeren Bevölkerungsschichten durch das Königshaus und den Adel sahen. Der Kolonialismus wurde genauso abgelehnt, weil er als „teures Hobby“ des Adels angesehen wurde und auch nur mit Militär betrieben werden konnte. Zudem hielten die Manchesterliberalen die Schaffung von Kolonien und die Bevormundung und Ausnutzung der dort lebenden Menschen für Unrecht. Die Manchesterliberalen engagierten sich auch gegen die Sklaverei. (…) Die Anhänger des Manchestertums waren durchgängig kosmopolitisch. Sie sahen sich als Weltbürger, die Grenzen, welche freien Reise- und Warenverkehr behinderten, abschaffen wollten, weil sie darin die Ursache für Kriege und Elend sahen. Sie betonten daher den Nutzen des Freihandels für alle Völker.
 

Die Manchesterliberalen waren Befürworter der Demokratie und Befürworter von freien, geheimen und gleichen Wahlen, obwohl beispielsweise Cobden skeptisch gegenüber dem allgemeinen Wahlrecht (welches das Zensuswahlrecht ablöste) blieb, denn er befand, dass eine grundlegende Bildung für alle notwendig sei, um an Wahlen teilnehmen zu können. Er sah in den noch sehr ungebildeten Massen leichte Beute für Hassschürer und Besitzstandswahrer (Sozialisten und Konservative). (…)

Ab 1840 existierte der vom Deutsch-Briten John Prince-Smith geführte Deutsche Freihandelsverein. (…) Das endgültige Ende des Einflusses der Manchesterliberalen auf die Politik Bismarcks kam 1879/1880, als Bismarck seine Schutzzollpolitik durchsetzte. 1880 kam es auch zum Bruch in der Nationalliberalen Partei. Die deutschen Manchesterliberalen, allen voran Hermann Schulze-Delitzsch, nahmen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Genossenschaftswesens und der Arbeitervereine. Die Ablehnung des Freihandels war im Deutschen Reich populär. Vor allem Handwerker, Landwirte und Großgrundbesitzer fühlten sich durch den zunehmenden Welthandel, die Industrialisierung und eine liberale Wirtschaftsordnung (ohne Zunftwesen, ohne Meisterzwang) bedroht." (2)

Wie sehen daraus, dass die ursprüngliche Forderung der liberalen Groß- und Bildungsbürger nicht nur pekunäre, sondern auch sozialpolitische Inhalte besessen hatte, bis sich die liberale Bewegung nach rechts und links spaltete. Durch die Forderung der liberalen Wirtschaftskapitalisten nach freiem Markt, freier Produktion, freiem Wettbewerb kam es zur (ersatzlosen) Beseitigung von alten gewachsenen sozialabsichernde Strukturen wie der Beseitigung von Zünften (mit ihren Notkassen für Zunftangehörige und deren Familien) und dem Meisterzwang (zugunsten von industrieller Produktion mittels ungelernter Arbeitskräfte) – was bisher von Zünften Ausgeschlossenen (wie etwa Juden) diese neue industriellen Branchen öffnete – , sowie zur Bauernbefreiung (d.h. die Gutsherren mussten nicht mehr für alte oder überflüssige Landarbeiter sorgen und setzten sie auf die Straße; die Bauern konnten aus Geldmangel aber ihre Felder nicht kaufen oder verloren sie bei Missernten!). Der freie Wettbewerb und freie billigere Einfuhren führten zum Aussterben von Berufen und zu unerhörtem Lohndumping. Durch Umweltkatastrophen, Missernten und steigender Bevölkerung kam es nicht im Mindesten zu einer Verbilligung der Lebenserhaltungskosten (Nahrung), sondern nur zu sinkenden Einkommen für die Unterschichten. Während die Liberalen sich im In- und Ausland nach immer mehr Märkte und billigere Produktionsstätten zur Steigerung ihrer Profite umsahen, sahen die Konservativen die liberale Wirtschaftspolitik als Bedrohung ihrer bisherigen Einnahmen z.B. aus der Landwirtschaft (durch Kornimporte) und die Sozialisten die liberalen großbürgerlichen Unternehmer als Ausbeuter, ständig bemüht nach Profitsteigerung auf Kosten von sinkenden Löhnen und immer mehr eingeforderte Arbeitsleistung. Die Antisemiten kritisierten den "jüdischen Kapitalismus" in Produktion und Bankwesen. 

 

Militarismus und Imperialismus, alt und neu:

Den Militarismus frönen vor allem imperialistische Staaten. Oberste Pflicht eines Soldaten ist der absolute Gehorsam zu seinem Landesherrn und dessen Staat, und indem man Männer auf Jahre einer zwangsweisen Ausbildung beim Heer unterwirft und bewusst und überall das Militär glorifiziert, werden militärische Strukturen innerhalb der Gesellschaft implementiert und zur Norm, so wie im preußisch-wilhelminischen Staat.  

"Militarismus als kultureller Stil ist geprägt von der übertriebenen Wertschätzung militärischer Hierarchien, Waffen, Orden, Uniformen (die bei gesellschaftlichen Anlässen den Frack bzw. schwarzen Anzug ersetzen können), Paraden, Mythen, Rituale (z.B. des Stechschritts) und vom Muster von Befehl und Gehorsam. Oftmals werden Gewaltanwendung (wie im Krieg) und damit einhergehende Bewusstseinszustände und Emotionen glorifiziert (…) und erscheinen als Heldenverehrung. Der Soldat wird zum Rollenmodell für die Gesellschaft (Der Soldat, der Soldat | ist der erste Mann im Staat) und entwickelt den entsprechenden Dünkel. Eine Übertragung militärischer Prinzipien auf die Zivilgesellschaft wird angestrebt bzw. hat stattgefunden. Beispiele für eine derartig geprägte Gesellschaftsordnung sind z. B. der Wilhelminismus und der Nationalsozialismus (…)".(3)

Unter dem Begriff Imperialismus (von lat. imperare „herrschen“; imperium „Weltreich“; z. B. Imperium Romanum) versteht man die Bestrebungen eines Staates, seinen Einfluss auf andere Länder oder Völker auszudehnen. (…) In der Neuzeit trat die Erscheinung des „Imperialismus“ im Gefolge der bürgerlichen Revolution zuerst in England, dann in Frankreich auf. Das Wort findet sich zwar schon in der Bezeichnung „Britisches Empire“, wurde aber in der Form „Imperialismus“ erstmals für die Großmachtbestrebungen Napoléon Bonapartes benutzt. Geläufig wurde der Begriff „Imperialismus“ im Zusammenhang mit der europäischen Expansionswelle zwischen 1870 und 1914 verwendet. In Bezug auf das Deutsche Reich wird dabei häufig nicht beachtet, dass die englische Übersetzung von Reich „empire“ lautet. Daher sprach man im englischsprachigen Ausland von der kaiserlichen Reichsregierung als Imperial German Government. Das Großmachtstreben der europäischen Mächte führte dann auch zum Ersten Weltkrieg, mit dem das „Zeitalter des klassischen Imperialismus“ endete.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Begriff „Imperialismus“ ganz allgemein für Bestrebungen benutzt, die – z. B. aus ideologisch-missionarischen Gründen – eine Weltherrschaft oder zumindest die Herrschaft über großräumige Gebiete außerhalb des eigenen Staates anstreben. (…)

Gegenwärtig können die Vereinigten Staaten als einzige imperiale (nicht notwendigerweise jedoch als einzige imperialistische) Macht bezeichnet werden, wobei man die Stellung der Vereinigten Staaten nicht mit den alten „klassischen“ imperialistischen Mächten gleich setzen sollte (Münkler, Imperien). Der Politologe Herfried Münkler warf vor kurzem auch die Frage auf, ob den Vereinigten Staaten der Sprung über die so genannte augusteische Schwelle gelingen könnte. Nach Judith Butler rechtfertigten die Vereinigten Staaten den Irak-Krieg mit einem "imperialen Recht", da sie ihn weder durch national noch international geltendes Recht begründen können. Die unilaterale Politik der Vereinigten Staaten seit dem 11. September [2001, Anschläge] hat auch zu einer neuen Imperialismusdebatte geführt. Hierbei wird der neue Imperialismus v.a. von einigen konservativen US-Außenpolitikern explizit gefordert. Dagegen wendet sich die neue imperialismustheoretische Diskussion, die den neuen Imperialismus als die gewaltförmige Durchsetzung der „neoliberalen Globalisierung“ begreift, wobei unter Globalisierung hier das „Eindringen kapitalistischer Sozialbeziehungen in jede Facette unseres Lebens und jeden Winkel unseres Planeten“ (Leo Panitch/Sam Gindin) verstanden wird. Der britische Wirtschaftsgeograph David Harvey begreift den neuen Imperialismus als eine neue Form kapitalistischer Akkumulation, die aus dem Scheitern der fordistischen Akkumulation durch erweiterte Reproduktion entstanden sei. Diese neue Form, die in den 1970er Jahren entstand und sich in den 1980er Jahren durchsetzte, bezeichnet Harvey als Akkumulation durch Enteignung. Frank Deppe u. a. begreifen die neue imperial(istisch)e Politik aus den ökonomischen, politischen und ideologischen Strukturen des amerikanischen Imperiums als dem „Manager“ des globalen Kapitalismus. Der neue Imperialismus sei die „externe Stabilisierung eines internen Regimes.“ (4)

Kommentar dazu: Wenn sich ein Imperium neuerdings auf Geldakkumulation durch Firmenkannibalismus stützt, dann ist es naheliegend, dieses Imperium auch durch Geld(mangel) und wertlos gewordene Firmen zu stürzen…

 

Kolonialismus:

Als Kolonialismus bezeichnet man ein Diktat einer herrschenden Minderheit (volksfremde und/oder kulturfremde nicht anpassungswillige Kolonialherren) über die Masse eines unterworfenen, nicht wehrfähigen unterlegenen Kolonialvolkes, wobei die Kolonialherren auf Kosten der Einheimischen ihre Interessen und Ziele durchsetzen, sie mit Sendungsideologie rechtfertigen und sich selbst für höherwertig einstufen.

"Als Kolonialzeit bezeichnet man heutzutage gemeinhin die Epoche des neuzeitlichen Kolonialismus, der mit dem Übergreifen von Portugal bzw. Kastilien auf Afrika zu Beginn des 15. Jahrhunderts einsetzte und bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1945 andauerte, obwohl es zu allen Zeiten Kolonialzeiten gab (vgl. die römische Kolonialzeit, arabische Kolonialzeit etc.). Eine Zuspitzung erfuhr die Ideologie und Praxis des Kolonialismus durch den Imperialismus. (…) Der Begriff ist zu unterscheiden von der Kolonisation, einem Phänomen, das sich, genau so wie der Kolonialismus, in allen Weltgegenden in verschiedenen Zeiträumen nachweisen lässt, (…).

Ein weiteres Charakeristikum bildet der weltgeschichtlich seltene Unwille der kolonialen Herrscher sich auch auf die unterworfenen Gesellschaften zuzubewegen. Man erwartete von den Beherrschten eine fast totale Akkulturation an die Normen und Gebräuche Europas. Im 19. Jahrhundert wurde diese einseitigen Anpassungsforderungen durch die angeblich unüberwindliche rassische und kulturelle Höherwertigkeit der weißen Rasse gerechtfertigt. Somit kam es durch die europäische Expansion nie zu einer Kultursynthese, wie sie etwa die griechische Kolonisation im Hellenismus vollbrachte.

Man sprach auch von the white man’s burden, den kulturell „zurückgebliebenen“ Völkern die „Zivilisation“ zu bringen. Dies beinhaltet neben der Überzeugung von der eigenen Überlegenheit noch zusätzlich das Sendungsbedürfnis diese anderen auch durch aggressiv-expansionistisches Vorgehen aufzuzwingen." (5) Beispiele: Preußens "Grenzkolonisation" im Slawengebiet, deutscher versuchter Grenzkolonialismus über Österreich hinaus nach Osten bis ans Schwarze Meer. Zuvor schon die Verusche iener "Heidenmissionierung" im Rahmen eines "göttlichen Heilsplans für Barbaren".  "Auch der spätere US-amerikanische und japanische Kolonialismus bedienten sich solcher sendungsideologischen Rhetorik. Andere traditionale Kulturen, wie z. B. auch die chinesische Hochkultur, waren selbstverständlich auch von ihrer Höherwertigkeit überzeugt, gingen aber nicht dazu über sie ihren Nachbarn aufzuzwängen." (…) (5)

Zum Thema Sklavenhandel, Gold- und Gewürzhandel, ausgehend von Europa seit der Antike bis in unsere Zeit, siehe Wikipedia.

Kolonialmächte im Spätmittelalter waren Genua, Venedig (die auch Sklavenhandel betrieben) und ein wenig Pisa. Kolonialmächte in der Kolonialzeit bis 19. Jhd.: Portugal, Spanien, England/Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Dänemark/Norwegen, Deutsches Reich; Italien, Russland, Belgien, das Osmanische Reich, USA und Japan. Im kleineren Umfang Österreich, Schweden, Brandenburg-Preußen, Kurland. Länder, denen durch "ungleiche Verträge" ein Halbkolonialstatus aufgezwungen wurden: Kaiserreich China, Saudi-Arabien, Jemen, Iran, Afghanistan, Korea, Siam, Äthiopien. "Ob der Zionismus zum Kolonialismus gezählt werden kann, ist eine höchst umstrittene und politisch aufgeladene Frage, die im Umfeld des Nahostkonflikts immer wieder aufkommt." (5) Die weltweite neoliberale Wirtschaftsideologie durch Diktat der USA wird in weiten Kreisen ebenfalls als eine Art "Kolonialismus neu" betrachtet.

Mit "Imperialismus" verbindet sich der Versuch eines Aufbaus von transkontinentalen Imperien und das Bestreben, die eigenen Nationalinteressen international zur Geltung zu bringen. Globale Interessensvertretung und die (globale) Erschließung großer Wirtschaftsräume in Übersee gelang nur Großbritannien und den USA völlig, (der USA dabei ohne eigentliches Kolonialimperium,) anderen Kolonialmächten wie Spanien, Frankreich, dem Deutschen Reich, Russland/Sowjetunion und Japan nur teilweise oder vorübergehend. Entweder waren sie global zu wenig präsent oder wirtschaftlich zu schwach für einen Aufbau globaler Märkte. 

 

Zur Geschichte der Kolonien in der Neuzeit bis 1999:

"Die Entstehungen der ersten Banken in norditalienischen Stadtstaaten vereinfachte die Zusammenführung größerer Geldmengen für die teuren überseeischen Unternehmungen. Da aber dennoch die Gewinnaussichten sehr vage waren, übernahm häufig der Staat die Kosten des Seeexpeditionen um das hohe Risiko zu mindern. Die privaten Unternehmen beteiligten sich meist nur an der Befrachtung der Schiffe mit Lebensmitteln und Tauschwaren und erhielten dafür einen festgelegten Teil des Gewinns aus den Eroberungsfahrten. (…)

Nach katholischer Ansicht ist der Papst der Stellvertreter Christi. In dieser Funktion waren Päpste, der Meinung, über neu entdeckte Länder verfügen zu können. Als 1455 mit der päpstlichen Bulle Romanus Pontifex den Portugiesen das Patronat für die Missionierung Asiens zugesprochen wurde, erhielten diese auch das Recht, Länder zu erobern sowie Heiden zu versklaven und ihren Besitz zu nehmen. 1493 wurden den Spaniern mit Inter caetera die Rechte an neuen Ländern in Amerika „geschenkt“, denen sie den katholischen Glauben bringen sollten. Die missionarischen Absichten, das Christentum über die ganze Welt zu tragen, wurden später überlagert von dem vordergründig zivilisatorischen Motiv, die für "zurückgeblieben" und "wild" gehaltenen Völker an den Segnungen der europäischen Kultur teilhaben zu lassen. (…) Als Rechtfertigung für die Inbesitznahme wurde die Ideologie des Sozialdarwinismus in Verbindung mit der wissenschaftlich inzwischen widerlegten Theorie menschlicher Rassen konstruiert.

Im Fall von Australien und Teilen Amerikas wurde das Land als unbesiedelt deklariert, weil es keine Staaten gab. In anderen Gegenden wurden Staaten militärisch unterworfen, oder über Handelsbeziehungen und Diplomatie vereinnahmt. Siedler der jeweiligen Kolonialmacht nutzen die beschlagnahmte Region und genossen höhere Rechte als die Einheimischen.(…) Die Erschließung und Inbesitznahme der Kolonien erfolgte häufig zunächst auf Initiative und Risiko von privaten Gesellschaften, die von ihrem Staat dazu aber mit einem Schutzbrief legitimiert wurden. (…) [Dem Mutterland] traten sie die Herrschaft meist erst dann ab, wenn sich das wirtschaftliche Engagement nicht mehr lohnte bzw. mit zu hohem Risiko verbunden war. (…)

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts schlug dann auch noch das nationalistische Expansionsdenken in imperialistische Rivalität um, welches zu einem Wettlauf um die Eroberung und Beherrschung auch noch der letzten Weltgegenden führte, die als Verhandlungsmasse im Machtpoker der europäischen Großmächte und als Symbol nationaler Größe zu dienen hatten. (…) Die Ära des Kolonialismus im engeren Sinne ging in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende, als fast alle ehemaligen Kolonien in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Aufgrund der Festlegung von Grenzen auf dem Reißbrett durch die ehemaligen Kolonisatoren ergaben sich in Afrika und im Nahen Osten immer wieder Kriege, da diese Grenzziehungen kulturelle Zusammenhänge kaum berücksichtigt hatten. Viele Staaten der Dritten Welt befanden sich auch nach ihrer Unabhängigkeit in einem Zustand wirtschaftlicher Abhängigkeit von ihren ehemaligen Kolonisatoren. Die letzten Beendigungen einer Kolonialherrschaft in einer bedeutsamen Kolonie waren die von Hongkong 1997 und von Macao 1999. – Neuere Bestrebungen, kolonialistische Machtstrukturen herzustellen, bezeichnet man als Neokolonialismus." (5) 

Als Mittelding und Versuch eines Neokolonialismus und Imperialismus muss man wohl Angriff und Ausbeutung des Irak (Öl) durch die USA (Bush-Ära ab 2003) bezeichnen. Und was stellt die Mission der (arabischen) sunnitischen Wahabiten oder Taliban anderes dar als religiösen Kolonialismus?

Die Kolonialzeit ist gekennzeichnet durch unendlich viele Fälle von Gräuel, Massaker, Verstümmelungen, Gewaltexzesse, Sklaverei, Enteignungen von Land und Ausbeutung. Die privaten Handelsgesellschaften (Gesellschafter: reiche Großbürger und Adelige) hatten meist keine Hemmungen und Skrupel, solange nur ausreichend Profite erzielt wurden. Bei Widerstand oder Aufruhr rief man nach militärischer Unterstützung durch das Mutterland. Unterentwickelte Völker wurden nicht als gleichwertige Menschen wahrgenommen, sondern als so eine Art versklavbares "Nutzvieh" ohne Rechte. Diese Einstellung wurde religiös, ideologisch oder sozialdarwinistisch gerechtfertigt. Die Zerstörung der einheimischen Gesellschaft, Kultur und Tradition wurde bewusst in Kauf genommen oder sogar angeordnet (siehe Indio-Kulturen in Lateinamerika).

Lese dazu auch: http://buntegartenlaubeno7.spaces.live.com/blog/cns!656F1EEF7FFB1856!518.entry

 

Deutsche Kolonien: Allein in Namibia wurde das Volk der Herero (80.000 Menschen) gezielt zu bis zu 80% ermordet, was als erstes gewolltes Genozid der Geschichte einging, und die ersten deutschen Konzentrationslager gab es da ebenfalls (1904-1908), wo jeder 2. Insasse da starb.
siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Aufstand_der_Herero_und_Nama 

Als gezielter Genozidversuch gilt für mich ebenso der Versuch der Vereinigten Staaten, die Prärie-Indianer ab 2. H. 19. Jhd. auszurotten, indem sie die Büffel auszurotten versuchten. Die Überlebenden wurden "eingesammelt" und in Gewaltmärschen in "Reservate" getrieben, d.h. auf kleine Gebiete ohne viel Wert für die weißen Siedler. Und diese "Indianerreservate" wurden immer weiter  nach Westen verlegt, immer öder und immer kleiner. In den Reservaten waren die Indianer auf Versorgung durch die Regierung angewiesen, und diese Versorgung war gotterbärmlich.

"Zu diesem Zeitpunkt [bis 1870] lebten gemäß Schätzungen 60 Millionen Bisons in Nordamerika. Nach der Ankunft der Weißen mit ihren Schusswaffen in den Plains begann eine massenhafte Vernichtung. Bis 1870, so hat Scott Taylor, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Calgary, rekonstruiert, töteten indianische wie weiße Jäger allerdings nur so viele Bisons, wie sie für ihren eigenen Bedarf benötigten. 1871 entwickelten dann Gerber in Großbritannien und Deutschland ein neues Verfahren, mit dem Büffelleder in Schuhsohlen und Antriebsriemen für Maschinen verwandelt werden konnte. Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 rüsteten sämtliche europäische Staaten ihre Armeen neu aus, darunter auch mit Stiefeln für Soldaten. Wegen der damit verbundenen Profite erlegten die Bisonjäger die Tiere in Massen, wobei sie nur das Leder interessierte; das Fleisch ließen sie auf den Prärien verrotten. (…)
Eine Rolle spielte auch die Erschließung des Lands mit Eisenbahnlinien; (…) Mit der Eröffnung der Central Pacific Railroad wurde es ein Volkssport, vom Zug aus mit dem Gewehr Bisons abzuschießen. So konnte ein einziger „Büffeljäger“ etwa 50 bis 100 Tiere täglich erlegen. Einer der bekanntesten Bisonjäger war William F. Cody, der bald Buffalo Bill genannt wurde. Von 1872 bis 1874 wurden pro Jahr mehr als eine Million Büffelfelle nach Osten verfrachtet. Durch die Eisenbahnlinie war das Vorkommen der Büffel in eine Nord- und eine Südherde geteilt worden. Zuerst wurde die Südherde ausgerottet, dann auch die Nordherde. Nur der Nordwesten mit seinen Verteidigern, den Lakota und Cheyenne, konnte zunächst noch größere Bisonherden halten. Um den Stämmen dieser Plains-Indianer die Lebensgrundlage zu nehmen und sie durch Hunger in ihre Reservationen zu zwingen, dezimierten die Weißen auch diese Bisonherden stark. Die letzten 10.000 Tiere erlegten sie, indem sie an Wasserlöchern Scharfschützen aufstellten.
Dank der Gründung des Yellowstone-Nationalparkes im Jahre 1872 erhielten die Bisons noch rechtzeitig ein Rückzugsgebiet."

aus: http://de.wikipedia.org/wiki/Amerikanischer_Bison

"Frühamerikanische Endlösung der Indianerfrage! Wie die Statistik aussagt, wurde die rote Bevölkerung in Nordamerika von ursprünglich etwa 890 000 auf 270 000 im Jahre 1901 dezimiert, also auf rund ein Drittel der autochthonen Bevölkerung. Im Kalifornien des Goldrausches zählte man 1848 noch 100000 Indianer, 1859 waren es nur noch 30 000, 1895 noch 15 000, bis 1911 der letzte freie Indianer wie ein von weitem zugereistes Stück Wild, verstört vor Angst und Hunger, im Hof des Schlachthauses von Orville auftauchte.‘ (…) Hinter solch nüchternen Zahlen verbergen sich viele Verbrechen: etwa die totale Ausrottung der reichen Büffelherden, von denen die Indianer lebten. 370 Verträge hat die Regierung gebrochen! Der" „Wilde" wurde von den puritanischen Einwanderern nicht mit dem Menschen, sondern mit jagdbarem Wild gleichgesetzt, eine halbe Stufe tiefer noch als der schwarze Sklave, den man, wie das Haustier, wohl schikanieren, nicht aber einfach abschießen zu dürfen glaubte. Es hat lange gedauert, bis diese Einstellung überwunden war. Vor 1924 ist kein Indianer in den Genuß der Bürgerrechte gekommen. Noch 1940 verweigerten sieben Staaten den Indianern das Wahlrecht."
(aus: http://www.zeit.de/1971/22/Voelkermord-in-Amerika ,  Zeit online vom 28.5.1971: "Völkermord in Amerika", von Marianne von Matuschka)
 
Bis in den 1960er Jahren gab es verfügte Zwangsabtreibungen, Kindesabnahmen und Zwangsunterricht in weißen Schulen, Verbot der indianischen Sprache für diese Kinder, Zwangsmissionierung. Viele entwurzelte Indianer haben sich bis heute nicht vom Schicksal ihres Volkes erholt und sind alkoholkrank.
 
 
So erbärmlich ging man mit Indianer um, mit Afrikaner, mit Asiaten, mit Arabern – und so auch mit Juden.

 
Zitat-Quellen, u.a.:

 

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