Finanzkrise:

Also irgendwie bin ich froh, dass ich weder viel Vermögen noch viele Schulden habe. Ich bin somit ein hundsnormaler Steuerzahler, eben ein solcher, der mit seinem Steuergeld wieder die Karre aus dem Dreck ziehen soll. Der zuerst das allgemeine, von uns und unseren Eltern erarbeitete staatliche Vermögen erarbeitet hat, damit man es uns wegnimmt, verscherbelt, privatisiert (Kraftwerke, staatliche Gebäude, Kanalisation, Wasser, Bahnen, Post, Strom, Straßen bis hin zu den Polizeiautos, Schulen, Universiäten….), aus rein ideologischen Gründen. Weil, alles was Gewinne macht, nicht der Allgemeinheit, sondern einigen privaten Unternehmern gehören muss. Nur, wenn dann die Verluste kommen, dann wird verstaatlicht, dann dürfen WIR bezahlen. Dann dürfen wir für den Raubtierkapitalismus mit Dschungelmentalität  ("New Economy" = der Staat darf nichts regulieren, der "Markt" regelt als Deus ex machina alles selbst!) aufkommen. US-Kapitalismus eben.

Wir sind somit doppelt bestraft und ein drittes Mal, weil wir auch die Arbeitslosigkeit zu tragen haben, die durch Misswirtschaft und verkehrte Politik entsteht. Wobei besagte Politiker erst durch das Geld gewisser Kreise dahingekommen sind, besagte neoliberale Gesetze weltweit zu beschließen.

Ich komme also nicht in die Verlegenheit zu fragen: wo soll ich mein Vermögen anlegen? Gold kaufen – ist auf dem freien Markt zur Zeit ausverkauft! – oder doch ein Sparbuch und damit die Banken füttern, die damit wieder doch nur Aktien kaufen… 

Lustig oder nicht: dieselben politischen Kaliber, die die Misere mit ihrem laxen Gesetzen erst ermöglicht haben, dieselben finden eine Lösung: die Spekulanten dürfen mit ihrem Geld von dannen gehen, denn der Steuerzahler wird alle Lücken füllen. Und wenn es gar nicht anders geht, dann bekommt er sogar endlich wieder mal eine der Inflation entsprechende Lohnerhöhung, und man schafft Arbeitsplätze. Nicht, weil man das Volk liebt und man für es sorgt, aber nein, sondern damit die Kaufkraft erhalten wird um die Inlands-Wirtschaft zu retten. NUR deswegen.

Wisst ihr überhaupt, wie die Finanzkrise entstanden ist? Nein? Da gab es vor vier Jahren einen Mann namens Greenspan in den USA, der dachte sich, senken wir doch mal die Zinsen auf Hypotheken, damit der Aktienmarkt angekurbelt wird und damit die Leute mehr kaufen. Das taten sie auch, daher erhöhte man flugs die Zinsen wieder, obwohl man genau wusste, dass die Leute sich ihre Häuschen dann nicht mehr leisten können. Entsprechend sank dann der Immobilienpreis, weil die Leute ihre Häuschen – fertig oder halbfertig – wieder unter Wert verkaufen mussten. (Sie zahlten somit schwer drauf.) Das machte aber den Banken nichts, weil die Hypothekenschulden bereits an andere als Aktienpapiere verkauft worden sind. Und um eins draufzusetzen, konnte man sogar auf die wetten, ob sie im Kurs steigen oder fallen. (Bank-Mafiosi, genannt "Spekulanten", sorgten schon dafür, dass sie entsprechend stiegen oder fielen.) Das letztere nennt man "Leerkauf", und war alles bekannt und alles erlaubt wie bei den Casinos in Nevada, die der Mafia gehören. Wie gesagt: "Der Markt regelt sich selbst", sagte das Raubtier zu dem Lamm, bevor er es zerriss. Und Raubtiere sind sie alle, diese Aktien-Zocker.

Also die faulen Kredite gingen reihum von Bank zu Bank, sogar Araber und Chinesen hatten sie reichlich, aber die wollten sie wieder abgeben. Macht nichts, wenn in Großbritannien oder Deutschland längst Banken durch solche Immobilien-Aktien pleite machten und damit Pensionsfonds verschluckten. Die Schulden durften da doch ohnehin nur die dumman Anleger zurückzahlen, die meinten, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Macht nichts, wenn in den USA selbst Pensionisten um ihre Pensionen gebracht wurden durch Spekulanten. Tja, aber jetzt hat es gekracht, weil jemand Gemeines schüttete das faule Zeugs AUF EIN MAL mitten auf den US-Markt und US-hörig und NATO-bewusst wie wir alle sind und mit der fiktiven Währung Dollar bezahlen, hat es uns miterwischt. Na, die anderen auch.

Aber wenn einer schon bankrott geht, dann ist es der Staat, sprich wir Steuerzahler – aber keine Bank. Jedenfalls solange die Banken und Konzerne das Sagen haben. Und plötzlich ist wieder das ganze Geld da, das nicht da war für Schulen, Mindestrentner, Behinderte, Arbeitslose, Krankenversicherungen, Kindergärten, Lohnerhöhungen…

Ob die Mächtigen alle nun durch die Finanzkrise von der New Economy kuriert sind…?

Ob die in den USA weiterhin jedem mehrere "günstige" Kreditkarten hinterherwerfen?

Und Pensionen in Aktien anlegen?

Aber lest mal selbst die gestelzteren, vornehmeren Kommentare und Berichte aus den Zeitungen:

 

 

Aus: sueddeutsche.de vom 10.10.2008, Rubrik Geld: http://www.sueddeutsche.de/finanzen/739/313645/text/  –  Ein Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

"Die Schuldigen für die Finanzkrise: Lektion für alle"

"Die Verantwortlichen für die Finanzkrise schienen schnell gefunden: Gierige, unverantwortlich handelnde Manager. Doch auch Politiker sind Teil des Problems.

In der Weltwirtschaft geht eine Panik um wie kaum jemals zuvor. Die Aktienkurse fallen ins Bodenlose, Banken gehen reihenweise pleite und müssen von Regierungen gerettet werden. Ganze Nationen werden zahlungsunfähig, und die Menschen sind in Sorge. Sie fürchten um ihr Erspartes, um ihren Arbeitsplatz, und sie zweifeln an der Marktwirtschaft sowie an denen, die in Politik und Unternehmen die Verantwortung tragen.

In solchen Zeiten sind Schuldige schnell gefunden: Es sind offenbar "unverantwortliche Banker" (Kanzlerin Merkel), die die Welt mit kaum durchschaubaren Finanzgeschäften aus den Fugen brachten, die sich persönlich bereicherten und dem Rest der Welt ein beispielloses Chaos hinterließen." (…)

"Für manchen ist der Grund das angelsächsische Wirtschaftsdenken, das schnelle Gewinne für die Aktionäre in den Vordergrund schob, das soziale Bedürfnisse der Menschen hintanstellte und das in Westeuropa erst nach dem Zusammenbruch des Sozialismus breit akzeptiert wurde." (…) 

"Es stimmt ja, dass ins Kriminelle hineinreichende Geschäfte von Finanzjongleuren die Weltwirtschaft aus den Fugen gebracht haben. Aber es ist ebenso richtig, dass auch die Politiker der verschiedenen Regierungen für diese Krise die gleiche Verantwortung tragen. (…) Der Verwaltungsrat der staatlichen KfW-Bank [in Deutschland], die an der zusammengebrochenen IKB-Bank beteiligt war, sitzt voller Bundespolitiker. Finanzminister Peer Steinbrück [aus Deutschland], der sich heute als tüchtiger Krisenmanager feiern lässt, ist sogar stellvertretender Vorsitzender." (…) 

"Die Regeln der Bankenaufsicht sind in Deutschland mangelhaft. (…) Diese Krise ist besonders komplex. Banker und Politiker in aller Welt sind auf ihre Bewältigung schlecht vorbereitet. Es gibt keine staatsfreie Wirtschaft, auch wenn sich Unternehmer das oft wünschen. (…) Staat wie Wirtschaft haben dem Wohl der Menschen und der Nationen zu dienen, sonst werden sie nicht akzeptiert. Das gilt auch, wenn sie sich gegenseitig zum Teufel wünschen. Es wäre viel erreicht, wenn am Ende dieser Krise die Erkenntnis übrigbliebe, dass beide enger verbunden sind, als sie glauben."

 

Hier ist noch ein Artikel mit Eindrücken vom Wochende und der Panik unter den Aktienbesitzern, die von den Medien noch kräftig angeheizt wurde:

Aus: Kurier, Rubrik Nachrichten, 14.10.2008: http://kurier.at/geldundwirtschaft/210684.php

"Finanzkrise: die Folgen des Schwarzen Freitags"

"Angst vor einer globalen Rezension: Die Anleger verkaufen panisch und schicken die Aktienkurse in den freien Fall.

An den Aktienmärkten herrscht Weltuntergangsstimmung. Für die Finanzbranche wurden und werden zwar enorme Rettungspakete geschnürt, die Anleger können die baldige Wirkung dieser Milliardenspritzen jedoch nicht glauben. Vertrauen gibt es keines mehr. Dazu kommt ein weiterer Horror: Die Krise, die ursprünglich auf Immobilien- und Finanzmärkte beschränkt war, ist bereits massiv in der Realwirtschaft zu spüren. Jobs gehen verloren, Unternehmen verschieben Ausbaupläne oder wackeln überhaupt schon. Japanische Volkswirte gehen mittlerweile davon aus, dass die USA, Japan und auch Europa bereits mitten in einer Rezession mit schrumpfender Wirtschaft stecken. Konsequenz all dieser Ängste: Am Freitag rollte eine riesige Verkaufswelle über die internationalen Börsen. Die Panik schickte die Kurse in den freien Fall."

"Wiener Börse: Angesichts der Kursgemetzels an den Aktienmärkten, die schon geöffnet hatten, griff die Wiener Börse zu einem rigorosen Mittel. Erstmals in ihrer Geschichte verfügte sie am Freitagvormittag einen totalen Handelsstopp. Dafür war – so schreibt es das Gesetz vor – ein gemeinsamer Beschluss mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) nötig. Um 12 Uhr wurde auch in Wien der Handel gestartet, die Zwangspause führte aber dennoch zu keiner Entspannung der Lage. Der Wiener Leitindex ATX stürzte zeitweise um mehr als 12 Prozent ab. Zu Handelsschluss lag der ATX mit 7,37 Prozent unter Wasser. Der Index hält mittlerweile nur noch knapp 2000 Punkten, das war zuletzt vor mehr als vier Jahren der Fall. Bei Finanzwerten wie Raiffeisen International (RI), Erste Bank und Wiener Städtische ging es überhaupt fast ungebremst bergab."

Kapitalvernichtung: Seit Jahresbeginn wurden in Wien bereits mehr als 90 Milliarden Euro an Aktienkapital vernichtet, 18,41 Milliarden davon allein diese Woche. Weltweit gehen derzeit unfassbare Mengen an Börsengeldern verloren. "Niemand will mehr ein Risiko eingehen. Alle wollen an ihr Geld und es unter die Matratze legen", beschreibt der Chefökonom David Wyss der US-Ratingagentur Standard & Poor’s die Panik. In den USA hätten sich allein in der Nacht auf Freitag 872 Milliarden Dollar (637 Mrd. Euro) an Aktienkapital in Luft aufgelöst. Der Dow-Jones-Index war Donnerstag um 7,3 Prozent abgesackt, am Freitag verlor er im frühen Handel 4,6 Prozent.

Seit Jahresbeginn gingen allein in Wien 90 Mrd. Euro Aktienkapital verloren, 18,41 allein in dieser Woche. Alle versuchen, Aktien abzustoßen und flüchten sich in Sparbücher. In den USA haben sich alleim am Freitag 872 Mrd. Dollar (637 Mrd. Euro) Aktienkapital aufgelöst, der Dow-Jones-Index fiel um 7,3 Prozent am Donnerstag und am Freitag 4,6 Prozent. An der Mailänder Börse brach der Kurs um 6,5 Prozente ein. Der Kurs der Bank-Austria Mutter "UniCredit" fiel um 13 Prozent. In Tokio fiel der Nikkei-Index um 9,6 Prozent, der tiefste Stand seit fünf Jahren. In Frankfurt, London und Paris sank der Leitindex um 7-9 Prozent, an den kleinen Börsen in Osteuropa sank er noch mehr – in Prag verlor er 15 Prozent. In Russland wurde die Börse kurzfristig überhaupt geschlossen.

 

Aus: WirtschaftsBlatt, 14.10.2008, Rubrik International, von Jochen Hahn: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/346268/index.do?_vl_pos=r.1.MOST

"Der Weltwirtschaft droht erhebliches Ungemach"

"Experten sehen die Weltwirtschaft auf die schlimmste Rezession seit einem Vierteljahrhundert zusteuern – trotz der geplanten Hilfsmaßnahmen der G7-Staaten für den Finanzsektor. (…) In den USA liegt die Arbeitslosenquote mit 6,1 Prozent bereits auf dem höchsten Stand seit fünf Jahren und Jan Hatzius, Chefvolkswirt von Goldman Sachs rechnet bereits mit acht Prozent. Der Anstieg innerhalb der Rezession würde damit kumuliert bei 3,5 Prozentpunkten liegen und wäre der zweitschwerste seit dem Zweiten Weltkrieg. Nur Mitte der 1970er Jahren war die Arbeitslosenquote in den USA mit 4,1 Prozentpunkten noch stärker gestiegen. (…) Sorge bereitet Volkswirten vor allem der Umstand, dass zwei wichtige Motoren der Weltkonjunktur ins Stottern kommen dürften: das Konsumverhalten der US-Amerikaner und das Wirtschaftswachstum der Schwellenländer.

Der Ausverkauf an den Börsen hat vergangene Woche allein an den US-Märkten eine Marktkapitalisierung von 2,16 Billionen Dollar (1,5 Bill. Euro) vernichtet und das Vermögen vieler Bürger ist damit erheblich abgeschmolzen. Auf der anderen Seite sind Verbraucherkredite immer schwieriger zu erhalten, da die Banken das Risiko von Zahlungsausfällen fürchten. Das Volumen der ausgereichten Darlehen ging im August so stark zurück wie noch nie, wie Daten der US-Notenbank zeigen. (…) In Einkaufszentren standen im dritten Quartal so viele Läden leer wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Verbraucherausgaben dürften auf Jahresbasis zwei Prozent gesunken sein, schätzen Volkswirte." Auch Länder wie Brasilien, Indien oder China sind betroffen, zumal die Finanzkrise die Nachfrage aus EU und USA nach Exportgütern bremst. "Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostizierte vergangene Woche, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft 2009 auf drei Prozent abschwächen wird."

 

Aus: www.krone.at, 11.10.2008, Rubrik Welt:

"Finanzkrise: Finanzminister der G7 beschließen Aktionsplan"

 

"Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G-7) haben am späten Freitagabend in Washington einen gemeinsamen Aktionsplan zur Überwindung der dramatisch ausufernden Weltfinanzkrise beschlossen. (…) So wollen die sieben wichtigsten Industrieländer keinen Zusammenbruch einer Bank zulassen, die von großer, "systemrelevanter" Bedeutung ist. Zudem sind die G-7 auch bereit, von staatlicher Seite für Liquidität zu sorgen. Das "eingefrorene" Kreditgeschäft zwischen Banken soll in Gang gesetzt werden. Die Interessen der Steuerzahler wollen die G-7 schützen: Banken, die Staatshilfen nutzen, müssen sich auf scharfe Auflagen gefasst machen, Wettbewerbsverzerrungen sollen vermieden werden.(…)

US-Finanzminister Henry Paulson (…) kündigte an, dass die US-Regierung Anteile von Banken kaufen wolle, um Vertrauen ins Finanzsystem wiederherzustellen (…) Ziel sei, die Finanzmärkte zu stabilisieren und den Kreditfluss sicherzustellen, heißt es in dem Fünf-Punkte-Plan der G-7-Staaten USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Kanada und Italien. Es müssten dazu "alle verfügbaren Werkzeuge" eingesetzt werden, um den Zusammenbruch wichtiger Finanzinstitutionen zu vermeiden. Dazu wollen die Regierungen sicherstellen, "dass Banken und andere Finanzinstitutionen breiten Zugang zu Finanzmitteln haben". Zudem verpflichteten sich die Finanzminister und Notenbanker dazu, nationale Einlagensicherungen zu garantieren." (…) Bankkunden sollen wieder Vertrauen zu ihren Sparguthaben fassen. "Zudem soll der Markt für mit Hypotheken verbundenen Wertpapieren in Gang gesetzt werden. Ziel sei auch mehr Transparenz in der Finanzbranche."

 

Aus: merkur-online.de, 13.10.2008, Rubrik Wirtschaft: http://www.merkur-online.de/nachrichten/wirtschaft/plan-gegen-finanzkrise-15808.html

"Gemeinsamer Plan gegen panische Märkte" von André Stahl und Frank Brandmaier

Washington – "Die sieben wichtigsten wollen die Finanzkrise mit „allen verfügbaren Mitteln“Industrienationen bekämpfen", erklärte der Gipfel der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs. Mittels eines Fünf-Punkte-Plans sollen die Kreditmärkte wieder belebt werden. 

"„Dringende und außergewöhnliche Maßnahmen“ kündigte der Club der reichen Länder an: Wichtige Finanzinstitutionen sollen vor dem Untergang bewahrt, eingefrorene Kreditmärkte aufgetaut und privates wie staatliches Kapital „ausreichend“ an Banken fließen, um das beinahe havarierte Finanzsystem wieder flottzumachen. „Robuste“ Garantien müssten Bankkunden zudem Vertrauen geben, der Markt für notleidende Vermögenswerte soll wiederbelebt werden. Von einem „aggressiven Plan“ sprach US-Finanzminister Henry Paulson , von „weitreichenden Verabredungen“ sein deutscher Kollege Peer Steinbrück. Die zuletzt hypernervösen Börsen und die seit Tagen verunsicherten Investoren werden ihr Urteil heute fällen.

Als hätten die Aktienmärkte den Druck auf die Politik bis zur Unerträglichkeit erhöhen wollen, hatten sie am Freitag [10.10.2008] ihren Absturz dramatisch fortgesetzt. Binnen einer Woche brach der japanische Nikkei-Index um 24 Prozent ein, der Dax verlor mehr als ein Fünftel. Dass der amerikanische Dow-Jones-Index nach einer wilden Berg- und Talfahrt um rund 1000 Punkte mit etwa 1,5 Prozent im Minus schloss, galt nach dem Blutbad der Vortage schon als moderat. (…)

Alle 185 Mitgliedsländer des internationalen Währungsfonds IWF stellten sich ausdrücklich hinter den Aktionsplan der G7. Auch aufstrebende Wirtschaftsgiganten wie China, Indien und Brasilien versicherten nach einer Sondersitzung der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20), dass sie eine aktive Rolle bei der Stabilisierung der Märkte spielen wollen. In der G-20 sind die sieben wichtigsten Industriestaaten und Russland (G-8) sowie weitere Industrie- und Schwellenländer wie China, Indien, Australien, Südafrika und Saudi-Arabien vereint."

 

Aus: www.krone.at, 13. 10. 2008, Rubrik Welt 

"Gemeinsame Aktion: Eurogruppe will Bankwesen stützen"

 
 
"Mit Finanzspritzen und Staatsgarantien wollen die Staaten der Eurozone die Bankenkrise bekämpfen. Auf ihrem Krisengipfel in Paris haben sich die 15 Mitglieder der Eurozone am Sonntagabend auf einen gemeinsamen Aktionsplan geeinigt. Die Länder der Eurozone, also auch Österreich, verpflichten sich in ihrem Aktionsplan zu dem Ziel, Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren und in Schieflage geratene Institute durch Finanzspritzen zu stützen. (…) Das damit verbundene Programm soll zunächst bis Ende 2009 gelten, wie der französische Präsident Nicolas Sarkozy nach dem Krisentreffen mitteilte. Frankreich, Deutschland und weitere Euro-Staaten wollen Details zu ihren nationalen Hilfsplänen am Montag bekanntgeben.(…)

Staatsgarantien sollen helfen. Außerdem soll es Staatsgarantien für Kredite zwischen den Banken geben, um das brachliegende Kreditwesen anzukurbeln. Die Regierungen sollen "auf Basis angemessener Geschäftsbedingungen" für Kredite von bis zu fünf Jahren Laufzeit bürgen. (…) Banken, die es benötigten, solle Kapital zur Verfügung gestellt werden – allerdings mit Auflagen, sagte Merkel. [Gemeint sind damit etwa die Reduzierung der exorbitanten Managergehälter und staatliche Kontrollen.] (…)

Die Vereinbarungen des Sondergipfels in Paris führten in dieselbe Richtung wie zuvor der Aktionsplan der sieben führenden Industrieländer (G7) und die Beschlüsse des IWF-Lenkungsausschusses sowie der in der G20 zusammengeschlossenen wichtigsten Industrie- und Schwellenländer. "Ich denke, wir gehen in eine gute Richtung", sagte Strauss-Kahn." (…) Die internationalen Maßnahmen werden als eine Art "Schutzschirm" betrachtet. [Anmerkung: Den gab es beim Bankencrash "Schwarzer Freitag" 25. Oktober 1929 nicht – als mehrere große Firmen in die Pleite rutschten, traf es zuerst die beteiligten Banken direkt, die dann wie im Domino-Effekt die anderen Banken und Firmen und den ganzen Aktienmarkt mitgerissen haben und welches zur Weltwirtschaftskrise führte.]

"Wie die europäischen Staaten wollen nun auch die USA in großem Stil bei einheimischen Banken einsteigen. Wie das US-Finanzministerium am Montag mitteilte, es arbeite derzeit an einem Programm, mit dem Aktien "von einer breiten Palette von Finanzinstituten" aufgekauft werden sollen. (…) Das "alleinige Ziel" dieses Plans bestehe darin, den Kapitalfluss hin zu den Unternehmen und den Verbrauchern wiederherzustellen. (…) Die USA hatten Anfang Oktober ein Rettungspaket für den Bankensektor mit einem Volumen von rund 700 Milliarden Dollar (513 Milliarden Euro) beschlossen. Dieser Plan hatte vor allem das Aufkaufen von Wertpapieren vorgesehen, die durch das Platzen der US-Hypothekenblase massiv an Wert verloren hatten. Nach Informationen des US-Senders CNBC arbeiten die US-Behörden derzeit auch an einem Programm zur Absicherung von Krediten zwischen den Banken – ebenfalls nach dem Vorbild des Programms, das die Länder der Eurozone am Sonntag in Paris beschlossen hatten. Die Eurostaaten wollen Staatsgarantien für Kredite zwischen den Banken geben, um die zuletzt fast völlig zum Erliegen gekommenen Kreditvergabe zwischen den Banken wieder anzukurbeln."

 

Aus: www.krone.at, 13.10.2008, Rubrik, Rubrik Welt:

"Mega-Paket: Bank-Hilfspaket 100 Mrd. Euro schwer"

 

"Die österreichische Bundesregierung hat angesichts der internationalen Finanzkrise ein bis zu 100 Milliarden Euro schweres Banken-Maßnahmenpaket zur Stärkung der Institute und zur Wiederherstellung von Vertrauen und Stabilität geschnürt. Von der Gesamtsumme sollen bis zu 85 Milliarden Euro auf staatliche Garantien entfallen und weitere bis zu 15 Milliarden Euro für eine allenfalls notwendige Eigenkapital-Stärkung zur Verfügung stehen, wie Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ) und Vizekanzler und Finanzminister Wilhelm Molterer (ÖVP) am Montagnachmittag im Bundeskanzleramt verlautbarten. (…) Falls nötig, werde der Staat sich vorbehalten, auch eine Eigentümerrolle mit entsprechenden Mitwirkungsrechten zu übernehmen. Dazu werde eine eigene ÖIAG-Tochter errichtet. Für alle Unterstützungsmaßnahmen müssten die betreffenden Institute selbstverständlich marktkonforme Preise bezahlen."
 
Der bis zur Bildung einer neuen Regierung im Amt befindliche Bundeskanzler Gusenbauer ist zuversichtlich, dass durch die staatlichen Garantien die Banken gestärkt und die Sparer geschützt würden. Idealerweise sollten die Haftungen gar nicht zum Tragen kommen, da die Banken in Österreich "stark genug" sind. Eine Verstaatlichung von Banken sei nicht vorgesehen [Anm.: Einschub vom originalen ORF-Interview]. "Mit dem Paket werde ein Schutzschirm über die österreichischen Banken gespannt." Im Hinblick auf die zu erwartende internationale Konjunkturabschwächung muss die Regierung den Wirtschafts- und Arbeitsmarkt ankurbeln und gegensteuern.

"Zur Eindämmung der Finanzkrise einigten sich die führenden Industriestaaten (G7) schon am Samstag [11.10.2008] in Washington auf einen Aktionsplan, der neben der Rettung wichtiger Kreditinstitute vor dem Bankrott auch die Bereitstellung staatlicher Mittel für den Finanzsektor vorsieht. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die G20-Staaten unterstützten den Plan."

Anmerkung: Österreich schloß am Wochenende sogar die Wiener Börse für einige Stunden, genauso wie Moskau (welches nun in ähnlicher Weise seine Großbetriebe wie Gazprom z.B. unterstützt, oder Bukarest. Turbulenzen gab es auch auf den Börsen in Lateinamerika und Asien.  

 

Aus: WirtschaftsBlatt, 13.10.2008, Rubrik International, von Leo Himmelbauer: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/oesterreich/wirtschaftspolitik/346273/index.do?_vl_backlink=/home/international/index.do&_vl_pos=1.DT

"Banken-Paket: Eigenkapital-Spritzen groß genug, um Raiffeisen dreimal, die Erste zweimal zu kaufen"

"Die Deutschen genehmigen sich rund 500 Milliarden €, die Franzosen 360 Milliarden €, Österreich wird das Banken-Hilfspaket mit bis zu 100 Milliarden € dotieren, davon 15 Millliarden € für mögliche Eigenkapital-Zufuhren. Das von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer [Österreich] am Wochenende in Paris angekündigte Hilfspaket (…) wird bis zu 100 Milliarden € schwer werden und damit in der erwarteten Bandbreite von 80 bis 120 Milliarden € liegen. (…)

Die vier Teile dieses Maßnahmenpakets sind, wie berichtet, das Verbot von spekulativen Leerverkäufen von Wertpapieren, die volle Sicherung der Spareinlagen rückwirkend ab 1. Oktober, das Bereitstellen von ausreichend Liquidität für den Finanzsektor sowie, der heikelste Punkt, die Vorbereitung für mögliche Rekapitalisierungs-Maßnahmen für betroffene Banken. (…) Im Ministerrat am Dienstag soll das "Finanzstabilitätsgesetz" und das "Interbankmarktförderungsgesetz" verabschiedet werden."

Das Interbankmarktförderungsgesetz schreibt die Einrichtung einer Gesellschaft als "Clearing-Stelle" vor, über die Banken ihre Geschäfte abwickeln können, an der sich auch Versicherungen beteiligen können. Diese Stelle soll neben Eigenkapital auch ausreichende Haftungen vom Bund besitzen. Banken, die einen Liquiditätsfall aufweisen, erhalten von dieser Stelle Sicherheiten. Die Clearing-Stelle kann selbst Anleihen ausgeben, für die der Bund haftet, um selbst Kapital zu schaffen. Bundeshaftungen sollen auch die Wertpapier-Emissionen der Kreditinstitute erleichtern.

Das Finanzmarktstabilitätsgesetz ermöglicht es dem Finanzminister, Eigenkapital als Beteiligung zuzuführen. Das kann unter Bedingungen erfolgen, z.B. auch als Eingriff in die Eigentümerstruktur. Für Maßnahmen kann eine ÖIAG-Tochter herangezogen werden. Beteiligungen des Bundes sind, wenn sie als Hilfsmaßnahme ihr Ziel erreicht haben, wieder zu privatisieren.  

"Wolfgang Reithofer, Vorstandschef der Wienerberger, konnte am Montag am Rande der Immofinanz-Pressekonferenz seinen Frust über die Finanzmarktkrise und die geplanten staatlichen Reaktionen darauf nicht mehr verbergen: "Der Finanzsektor hat die katastrophale Situation ausgelöst, in der wir uns befinden – und jetzt kriegt er auch noch Subventionen dafür", brach es aus Reithofer, der eigentlich diplomatischer Formulierer bekannt ist, regelrecht heraus.

"Das Bankenpaket ist richtig, braucht aber die Ergänzung durch ein kräftiges Konjunkturprogramm sowie das Vorziehen der Steuerreform", sieht ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer weiteren Handlungsbedarf sowohl auf nationaler als auch europäischer Ebene. Vergessen werden dürfe nicht, dass die für das Desaster verantwortlichen Manager zur Rechenschaft gezogen werden müssen, so der ÖGB-Präsident.

Die Finanzminister der Eurogruppe hatten im April 2007 in Berlin vereinbart, ihre strukturellen Haushaltsdefizite bis 2010 auf Null zu bringen. In der Erklärung wurde allerdings ausdrücklich auf die damals "günstigen Konjunkturbedingungen" verwiesen. Frankreich hat das Ziel eines ausgeglichenen Haushalts seither bereits auf 2012 verschoben, auch Italien hat das Sparziel relativiert."

 

 

Aus: WirtschaftsBlatt, 14.10.2008, Rubrik International, von Leo Himmelbauer: http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/wirtschaftspolitik/346382/index.do?_vl_backlink=/home/international/index.do&_vl_pos=6.1.DT

"Größter Kaufrausch aller Zeiten – USA applaudiert Europa – Jetzt 250 Milliarden Dollar für Investments in Banken"

"Zuerst die größte Wertevernichtung aller Zeiten an den Börsen, jetzt das Gegenteil: Ein Kaufrausch nie dagewesenen Ausmaßes hat die Welt erfaßt. Die USA nehmen Europa als Vorbild und passen ihr Banken-Hilfspaket an.

Den schlimmsten Kursstürzen, den die internationalen Börsen je erlebt haben, folgen jetzt die historisch größten Zugewinne. Auslöser für den Kaufrausch noch nie dagewesenen Ausmaßes sind die von europäischen Ländern geschnürten Hilfspakete für ihre Finanzsektoren. Die Welle der historisch höchsten Zugewinne ist von Europa auf die USA übergeschwappt. An der Wall Street in New York kletterten die maßgeblichen Aktienindizes um mehr als elf Prozent. Der Dow-Jones-Index stieg um 936,42 Punkte. Dies war der höchste Tagesgewinn aller Zeiten – der bisherige Rekorde wurde im März 2000 mit 499,19 Punkten aufgestellt. Zweistellig auch die Zuwächse an den Börsen in Brasilien, Mexiko, Peru. Nahtlos setzte sich der Run auf Aktien in Asien, Austrialien (auch dort ist ein 5,4 Milliarden € schweres Hilfspaket geschnürt worden) und Neuseeland fort. Tokio (die japanische Zentralbank hat die nächsten 7,3 Milliarden € in den Markt gepumpt) schließt sich in breiter Front dem Kursfeuerwerk an.

Der japanische Leitindex Nikkei 225 schloss am Dienstag mit einem Rekord-Plus von 14,15 Prozent. Fast 1200 Zähler wurden damit aufgeholt. Zwar fehlen noch immer gut 8600 Punkte auf den erst 15 Monate zurück liegenden Höchststand von 18.261 Punkten, aber immerhin: Alle 225 wichtigsten japanischen Aktien haben mehr als vier Prozent zugelegt. Für 43 Werte gibt es Zuwinne von 20 bis 42,9 Prozent.

Ein Augenblicksaufnahme übrigens, die der in Wien ähnelt. Auch die im ATX Prime zusammengefaßten wichtigsten österreichischen Aktien sind nach den fulminanten Zuwinnen von Montag noch im Schnitt 52 Prozent unter dem Niveau zu Jahresbeginn. Schwergewicht Raiffeisen International ist mit einem Minus von 69 Prozent weiterhin unter dem Ausgabekurs. An der Strabag, die seit Jahresbeginn mit 61 Prozent im Rückstand ist, ging der Börsen-Rekordtag sogar spurlos vorüber. Das Papier sackte weiter ab und ist mit 19 € meilenweit vom Emissionskurs (47 €) entfernt. Für zehn der 58 Wiener Prime-Titel brachte jedoch der Montag jedoch Kurssprünge von 20 bis zu 42,9 Prozent."

Angesichts Angesichts dieser europäischen Erfolgstory hat die US-Regierung ihren Rettungsplan für die Banken erweitert und will wie in Europa direkte Staatsbeteiligung an Geldinstitute und Garantien der Einlagensicherung FDIC für Kredite zwischen den Banken. Von den 700 Mrd. Dollar Hilfgelder sollen 250 zum Kauf von Bankaktien dienen, um diesen Geld zuzuführen. Davon soll die Hälfte den 9 größten Banken zugute kommen. Bisher plante die USA, die wertlosen Hypothekarpapiere den Banken abzukaufen. Der Staat soll über drei Jahre Garantien für Interbankhandel übernehmen, und die Sparkonten in unbegrenztem Umfang garantieren.

 

 

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