Artemis und Apollon

   

 

 

Römische Diana, Statuette, Palermo. Quelle: Wikimedia Commons

 

Artemis (zuerst) und Apollon waren Zwillinge der Titanin Leto, die auf der Insel Delos („die Leutende“) geboren wurden, im Kreis von Athena und anderer Göttinnen, während die Insel von Schwänen umringt wurde. Von der Titanin Themis (Rechtsordnung, Gerechtigkeit) wur­den die Kinder mit Nektar und Ambrosia genährt. Ihr Vater war der Zeugungs- und Him­melsgott Zeus (Eltern: die Titanen Rhea und Kronos (Zeit, Saturn), Großeltern: die Urgötter Uranus (Himmel) und Gaia (Erde)).

 

Von diesen immer das Prinzip „Leben und Tod“, „Unendlichkeit und Endlichkeit“, „Himmel und Erde“,„Geist und Materie“, „Licht und Dunkelheit“ wiederholenden Götterdynastien ist zu sagen, dass mit jeder Emanationsstufe ihre Macht eingeschränkter erscheint, da immer mehr Gottheiten (Geschwister) auf dem Plan treten und Funktionen übernehmen. In selber Weise wiederholen Artemis diese Prinzipien:

 

Artemis = vertrat die wilde Vegetation, Fruchtbarkeit, Jagd, Tiere – vor allem Bär, Hirsch, Katzen und Skorpione -, Bäume – sie war Herrin der Nymphen. Sie verlangte Reinheit, Un­berührtheit, Respekt und den Schutz der Natur, andernfalls sie sich grausam rächte. Mit ih­rem silbernen Bogen und Pfeilen durchstreifte sie in Begleitung von Hunden, Tieren und jungfräulichen Mädchen die Wälder und Schluchten. Sie konnte Sterblichen einen friedlichen Tod bescheren, aber auch (wie Apollon) Krankheiten wie die Pest senden und Frauen bei Geburt sterben lassen. Artemis wurde auch mit Selene, dem Mond gleichgesetzt und heute oft (als römische Diana) mit magischen Künsten. Vermutlich war sie ursprünglich mal eine kleinasiatische Muttergottheit.

Ihr wichtigstes Heiligtum stand in Ephesos. Bei Neumond pflegt sie selbst zu jagen.

 

Apollon = vertrat die kultivierte Vegetation, Fruchtbarkeit, Ackerbau, Viehzucht, die Künste – er war Herr der Musen (Kunst und Wissenschaften), Vater der Heilkunst (Askleipios), Bringer von Kultur, Rechtschaffenheit, Ordnung, Klarheit – er war Herr der Orakel und der Verkünder und galt als Abwehrer aller Übel aber auch unbarmherziger Vernichter von Übeltätern). Tö­tete Zeus mit Blitzen, tötete Apollon mit Pfeilen wie Artemis. Der Lorbeer (Daphne), die Kithara und die Lyra (Saiteninstrumente) waren im heilig. Apollon wurde auch als „Phoebus“ bezeichnet (der Leuchtende, das Licht) und mitunter mit Helios, dem Sonnengott, gleichge­setzt.

 

 

  

Der Apollo von Belvedere, Vatikan

 

 

Der Tempel von Delphi

 

Hera als Gemahlin und Widersacherin des Zeus und Schutzgöttin der Ehe verfolgte mit Ei­fersucht Leto und versuchte, die Geburt zu verhindern. Sie stachelte den Titanen Tityos auf, damit er Leto zu vergewaltigen versuche und hetzte ihr die große, orakelnde, geflügelte Schlange Python, Kind der Gaia, auf den Hals. Apollon, auf Rache aus,  verletzte Python  später schwer, und als Python sich in Themis’ Orakelstätte Delphi flüchtete, verfolgte ihn Apollon bis in den Schrein und zum Erdspalt und tötete ihn. In dieser Weise ging die Gabe der Prophetie und die Macht über alle Orakelstätten (ehedem matriarchale Kultstätten) in seine (patriarchale) Macht über. Für Delphi weihte Apollon einen Dreisitz für die Pythia. Die dortige Hellseherin musste sich kultisch vorbereiten und sich im Allerheiligsten (Adyton) in Trance, auf dem Dreisitz hockend, „von den seelisch-göttlichen Kräften“ erfassen lassen zur Weissagung. Die Pythia war die einzige Frau, der noch erlaubt wurde, den nunmehr grie­chisch-antiken Tempel zu betreten. Obwohl diese Kultstätte einst den Frauen gehörte… „Delphos“ leitet sich von griechisch „Gebärmutter“ ab und war offenbar zuvor ein Grottenhei­ligtum der Erdgöttin Gaia gewesen, mit Quelle und heiligen Schlangen.

 

Am Eingang des Tempels stand „Erkenne dich selbst“ (γνθι σεαυτόν gnōthi seauton), auf der Rückseite stand angeblich: „dann erkennst du (den) Gott“. Weitere apollonische Weis­heiten auf den Mauern, verfasst von den „Sieben Weisen“ im Tempel: „nichts im Übermaß“ (μηδν γαν mēden agan) oder: „Die meisten sind schlecht“, „Alles ist Übung“, „Nutze die Zeit“, „Eile mit Weile“, „Keiner entflieht dem Schicksal“.

 

  

  

Delphi. Quelle: Wikipedia

 

 

Bei den vorklassischen Griechen war die Orakelstätte Delphi/Mittelgriechenland, bereits vor dem Tempelbau (vor dem 8. Jhd. v. Chr.) als Kultstätte existierend, nicht nur für Orakel da, sondern gab auch Auskunft in kultischen und religiösen Fragen, wirkte bei der Gesetzgebung mit und ordnete die Sühnemaßnahmen bei Blutschuld an. Für junge Männer war er offenbar auch ein Inititationstempel – noch in klassischer Zeit opferte der Jugendliche da seine Haare als Zeichen der Mannbarkeit. Mit der Rationalisierung der Griechen ab 5. Jahrhundert v. Chr. kam es zu einem Niedergang des Orakelwesens, welches zunehmend zweideutig zu formu­lieren begann, sich zunehmend auf sakrale und private Angelegenheiten beschränkte. Viele Orakel wurden geschlossen. Gegen missliebige Gestalten (z.B. gegen Christen, gegen Ju­den) wurden in Rom gezielt manipulierte Orakel als Hasspropaganda eingesetzte. Die Rö­mer ließen im Niedergang eine nur noch teilweise erhaltene Orakelsammlung aufschreiben, die „Oracula Sibyllina“. Mit dem Sieg des Christentums wurden die Orakel verboten.

 

 

Dionysos

 

Als Gott es Lichtes und des Frühlings flog Apollon im Spätherbst, vor Winterbeginn, in einem von Schwänen gezogenen Wagen in das nördliche Land der Hyperboräer, jenseits des Nordwindes, und kehrte erst im Frühling wieder zurück. Während seiner Abwesenheit be­wachte Dionysos (Bacchus) das Orakel von Delphi. Vater des Dionysos war Zeus (selten: Hades), seine Mutter war allerdings je nach Interpretation Demeter (Erd- bzw. Korngöttin), Persephone in der Unterwelt (Todesgöttin, der er sich als Schlange genähert hatte), Lethe (das Vergessen), Semele oder Io. Geboren wurde Dionysos auf Kreta, wo er als Zagreus („der große Jäger“) auf dem Berg Ida lebte, oder anderswo auch „Chtonios“ (Unterirdischer, unterirdischer Zeus) genannt wurde. In den Eleusinischen Mysterien wird er Iakchos ge­nannt, „göttliches Kind“. Auch Bakchos, der Rufer.

 

 

   

Dionysos mit Satyr, attische Schale , 480 v. Chr., Berlin – Charlottenburg

 

 

Aus Eifersucht der Hera heraus wurde Dionysos als Kind von Titanen in sieben Teile zerris­sen und in einem Kessel auf einem Dreifuß gebraten und verschlungen. Zuvor hatte er ver­sucht, der Hera zu entkommen, indem er sich als Mädchen verkleidete, oder als Zicklein. Die Hörnchen des Gottes erinnern daran, dass es sich dabei um ein geopfertes Zicklein handelt.

 

Die Titanen wurden für den Mord mit Blitzen getötet, aus der Asche der Titanen und Diony­sos entstanden der Legende nach die Menschen. Auch der erste Weinstock sei aus der Asche entstanden.

 

 

Die Orphische Mysterienschule

Die Orphiker versuchten, die titanischen Elemente zu beseitigen, um als göttlicher „Bakchos“ Erlösung zu finden. Aus Wikipedia: Der Mysterienkult der Orphiker führten ihre Lehren auf den mystischen Sänger Orpheus zurück, 7. Jhd. v. Chr.. Orpheus war der Sage nach der Sohn der Muse Kalliope und des Flussgottes und Königs von Thrakien, Oiagros – oder aber des Apollon. Von ihm erhielt er seine Lyra. Mit seinem Gesang und seiner Musik vermochte er alle Natur zu verzaubern und zu beruhigen. Als seine Frau, die Nymphe Eurydike un­glücklich starb, folgte er ihr in die Unterwelt und bezauberte Hades und Persephone mit Mu­sik so, dass sie Eurydike gehen lassen wollte – sie werde ihm folgen, aber er dürfe sich nicht umdrehen. Orpheus konnte sie jedoch nicht hören, drehte sich um, und Eurydike musste in den Hades zurück. Da er sich allen Frauen nunmehr verweigerte und trauerte, und dann noch auf die Mänaden des Dionysos traf, soll er von ihnen zerissen worden sein.

„Nach Auffassung der Orphiker trägt der Mensch von Dionysos Göttliches und Gutes in sich, von den Titanen Böses und Verwerfliches. Die im menschlichen Körper eingekerkerte Seele kann ihr Gefängnis nur durch die Einhaltung orphischer Lebensweise und nach mehreren Wiedergeburten verlassen. Diese Seelenwanderung kann durch sittlich einwandfreies Leben und die Einhaltung asketischer Vorschriften abgekürzt werden. Dann wird ein glückseliges Leben im Jenseits erreicht.“ Die Orphik beeinflusste die im 6. Jhd. gegründete Bruderschaft der Pythagoräer (glaubten an Seelenwanderung, Unterweltsstrafen), den Philosophen Xe­nophanes und die Eleaten (Vorsokratiker. Vertreter: Parmenides, Zenon von Elea und Melis­sos von Samos) mit ihrer Betonung von Gottheit und Welt.

 

Orpheus besänftigt die Natur, altrömisches Bodenmosaik, Palermo 

 

Der Dionysos-Kult

 

Doch zurück zu Dionysos und seinem Tod und seiner Zerstückelung. Dionysos starb und lebte fortan bei seiner Mutter Persephone im Hades. Andere Varianten der Dionysos-Le­gende besagen, Zeus versammelte die Teile in Delphi zur Bestattung, wo Dionysos im Tem­pel seine Auferstehung feiert, wenn Apollon abwesend ist: in Spätherbst/Winter. Doch die ausgebaute Legende besagt, dass Zeus etwas von den geretteten Teilen (Herz oder Phal­los) zuvor Semele einflösste, die sozusagen Dionysos neuerliche Mutter wurde, obwohl sie vor der Geburt starb. Zeus rettete den Fötus und trug das neue Kind für seine Wiedergeburt selbst aus.

 

So, neugeboren, verfolgte Hera Dionysos weiterhin und brachte ihn langsam um den Verstand. Wahnsinnig irrte er umher, durch Ägypten, Syrien, Vorderasien bis nach Indien, wo ihn die Göttin Kybele (= „Magna Mater“, die kleinasiatische Muttergottheit mit ihrem Ge­liebten Attis) endlich vom Wahnsinn befreite. Her fand er seine „göttlichen Wurzeln“ wieder. Während seiner Reisen belehrte er dennoch die Menschen über Weinbau und ziviles Zu­sammenleben. Geheilt, wurde er in den Olymp aufgenommen. Seine Gemahlin wurde die von Theseus auf Naxos zurückgelassene Ariadne.

 

Ein echt verwirrendes Leben voller Tod und Neubeginn, welches sich die Priesterschaft zu­sammensponn, um diesen Gott irgendwie an die olympische Götterwelt anzupassen.

 

Dionysos gilt ursprünglich als thrakischer Bauerngott, der nicht zum olympischen Pantheon gehörte. Es gibt Hinweise, dass die Dionysischen Mysterien noch aus der Zeit der mutter­rechtlichen Pelasgern stammen, der vorindogermanischen Bevölkerung, die vornehmlich laut Herodot in Arkadien, Athen, Argos, Lesbos und Delos, in Kleinasien u.a. vor der Einwande­rung Ionier, Archäer, Äolier und Dorer lebte. Ob sie mit den Peleset (Philistern) und Seevöl­kern verwandt sind, ist strittig. Jedenfalls bauten sie älteste befestigte Burgen und verehrten als einzigen und nicht anthropomorphen Gott den Äther, den leuchtenden Himmel („Zeus) auf Bergspitzen, ohne Tempel. Mit der indogermanischen Einwanderung kam die patriar­chale Ordnung, die allmähliche Entmachtung der weiblichen Gottheiten und die Überant­wortung matriarchaler heiliger Stätten an männliche Gottheiten und männliche Priester.

 

In Griechenland wurde Dionysos mit Efeu- und Weinranken dargestellt, mit weingefülltem Kantharos (großer Trinkkelch mit Henkeln) und dem umkränzten Thyrsosstab (eine langen Stengel hochwachsenden Fenchelart, mit einem Pinienzapfen oben auf) abgebildet. Ge­wöhnlich befand er sich in Begleitung von der Silenen (Mischung Pferd/Mensch), lüsternen Satyrn (Mensch/Ziegen) und  rasende Weiber in Reh-, Fuchs- und Pantherfellen, bekränzt mit Efeu  (Mainades – von „Mania“; = Mänaden). Aus diesem Grund nannten die Thraker Dionysos auch den „Fuchsgott“. Die Frauen trugen Thyrosstäbe, Fackeln, tanzten zur Musik von Flöten, Pauken, Tamburinen praktizierten freie Liebe und zerrissen Tiere (und fallweise Menschen) um sie wie toll zu essen. Früher trugen sie auch Schlangen um die Arme gewun­den und der Gott erschien zwischen ihnen als Stier. Im Grunde weist alles darauf hin, dass der Kult einst im frühesten Matriarchat ein Frauen- und Initiationsfest mitten in der Wildnis gewesen ist, in der unerbetene entdeckte Männer mitunter einfach getötet worden sind. Dann entwickelte sich der Gott zum Sinnbild des wahnsinnigen, lebenstrunkenen triebhaften Menschen, der sich erst über den Tod erneuern und vergöttlichen lassen musste.

 

Im Kult wurde Dionysos als bärtiger Männermaske dargestellt, der mit einem langen Mantel oder Fell auf ein Stab oder eine Säule gehängt wurde. Bis 5. Jhd. v. Chr. war Dionysos als bärtiger Mann mit Efeukranz dargestellt worden, ein Trinkgefäß in der Hand. Nachdem aber die Legende von der Wiedergeburt des Dionysoskindes so populär wurde, wurde er später vorwiegend als Jüngling im Reh- oder Pantherfell dargestellt. In der exoterischen Lesart war Dionysos ein schamloser, harmloser Weingott. In der esoterischen Lesart war er ein Totengott, der ins Totenreich stieg um den Tod zu besiegen, der mit Hades oder Osiris gleichgesetzt wurde, ein periodisch sterbender und wieder auferstehender Gott. Nach Theben und Athen galt Del­phi als Hauptzentrum des Kultes, denn der Apollontempel mit dem ewigen Feuer der Hestia war ebenso Dionysos geweiht. Hier, im Tempel, befand sich unter dem Omphalos sein offi­zielles „Grab“, der Ort zwischen Leben und Tod.  Apollon (Sommer, Horus, Leben) und Dio­nysos (Winter, Osiris, Tod) waren zwei Seiten derselben Gottheit.

 

Alle zwei Jahre fand in Delphi zur Wintersonnenwende ein Fest der Thyaden (weibliche An­hänger) von Athen und Delphi in den Bergwäldern des Parnass statt bei Fackelschein und Ausgelassenheit, bei der die Frauen zu Ehren des Gottes rohes Fleisch eines lebendig ge­vierteilten Tieres – meist einer Ziege – konsumierten. Gleichzeitig brachten die Priester im Tempel dem Dionysos ein geheimes Opfer dar, damit dieser nach zweijährigem Schlaf aus der Unterwelt erwache – nur um kultisch von den Thyaden am Parnass, stellvertretend für die Titanen (Naturkräfte), zerrissen zu werden. Aber wir wissen, dass Athene das Herz rettet, dieses gelangt zu Semele, die aber – auf eigenem Wunsch (!) Zeus in seiner wahren Gestalt erblickt und vom Glanz geblendet zu Asche verbrennt. Zeus rettet jedoch den ungeborenen Dionysos und gebirt den neuen Gott aus seinem eigenen Schenkel. Der Tiermensch ist tot, es lebe der Mensch, der am Ende, nach Irrungen, als Gottmensch in den Olymp Eingang findet.

 

Varianten: bei den Kretern ist es nicht Semele, sondern Europa, der sich Zeus in Stiergestalt nähert und daraus entsteht Minos, germanisch Mannus, indisch Manu….

Varianten: Bei Euripides ist ein anderer Kultort für Thyaden/ Bakchantinnen das Kitharionge­birge nahe Theben, Griechenland. Bei Euripides (5. Jhd. v. Chr.) wird Dionysos bereits mit Attis gleichgesetzt, dem sterbenden Gefährten der Kybele.

 

Hier eine andere Interpretation einer Initiation im Mysteriumskult des Dionysos, die offenbar Eleusinische und Kybele-Mysterien gleich zusammenmixt: http://www.sphinx-su­che.de/lexeso/dionyso.htm  Na ja, wer es glaubt…:

„Neulinge, die an diesen Zeremonien teilnahmen, mussten sich zunächst einer Reinigung durch das Feuer einer brennenden Fackel unterziehen, danach durch Wasser mittels eines feuchten Lorbeerzweiges und durch Luft, die durch eine Getreideschwinge in Bewegung gesetzt wurde. Nach dem Verlesen der heiligen Formeln ließ man unter anderem den Phal­lus (künstliches Glied) auf das Haupt des Neulings fallen.

Diese nächtliche Zeremonie wurde untermalt durch das Geschrei von Frauen (Mänaden).

In Erinnerung an das Schicksal des Dionysos zerstückelte man einen Stier und trank Wein.“

 

 

Die attischen Dionysien

 

Aus den kultischen Gesangs-, Tanz- und Opferriten zu Ehren des thrakischen Gottes entwi­ckelte sich in Griechenland die griechische Tragödie und Komödie. Ab 534 v. Chr. gibt es bereits Belege für Wettkämpfe von Tragödiendichtern.

 

Die dreitägigen Lenäen fanden in Januar oder Februar in Athen im Dionysostheater bei der Akropolis statt. Es wurden nach einem sakralen Umzug mit Gesang fünf Komödien und zwei Tragödien aufgeführt und bewertet.

 

Die Dionysien in Athen dauerte in März oder April jeweils 8 Tage. Zuerst stellten die Dichter von Tragödien (und später auch Komödien) die Stücke, Chöre und Darsteller zwei Tage lang vor.  Am ersten Festtag holte man dann das Kultbild des Dionysos aus einem Tempel in der Stadt zu seinem Festplatz im Theater. Es gab dabei einen Festumzug mit Gesang und die Ehrung von gefallenen Helden. Am zweiten Tag wurden 3 – 5 Komödien gespielt, am 3.- 5. Tag wurden jeweils eine Tetralogie aus drei Tragödien und ein Satyrspiel aufge­führt. Eine Volksversammlung bestimmte am Ende die hochgeehrten jährlichen Gewinner.

 

Ursprünglich war der Dichter auch Regisseur und einziger Darsteller (in verschiedenen Masken), der von einem Chor begleitet wurde. Aischylos führte dann den 2. Schauspieler, Sophokles den dritten ein, und so entstand ein neuer Berufszweig, der ebenfalls ab 450 v. Chr. Preise erhielt. Weitere berühmte Preisträger waren z.B. Aristophanes oder Euripides.

 

 

 

Der römische Bacchus-Kult

 

In Rom galt Bacchus vor allem als Vegetations- und Weingott, die (abschließenden) von Griechenland eingeführten Bacchanalien wurden 16.-17. März gefeiert (d.h. kurz vor Früh­lingsbeginn). Die Teilnehmer konsumierten Alkohol., Tollkirschen, halluzinogene Pilze, kos­tümierten sich mit Tierfellen und spielten schamanistische Traditionen durch. Wegen den immer zügelloseren Orgien dabei wurden wegen eines Skandals (eine hohe Dame wurde getäuscht, betäubt und ihr abgewiesener Verehrer vergewaltigte sie als Bacchus verkleidet in einem Tempel, und alles mit Zustimmung der Tempelpriesterschaft) wurden 186 v. Chr. 7000 Mittäter am Fest zum Tod verurteilt (Kreuzigungen) und der römische Senat übernahm die gänzliche Kontrolle, d.h. ohne Genehmigung gab es bei Todesstrafe keine heimlichen Bacchanalien und Privatpersonen komplett ausgeschlossen.

 

Offenbar trafen sich am Ende alle Kulte der Mittelmeer-Region später im antiken vergnü­gungssüchtigen Rom und dienten immer mehr der dekadenten sittenlosen Unterhaltung. Sie pervertierten. Drastische sporadische Maßnahmen des Senats gegenüber gewissen Kulten bis hin zum Verbot  konnten den Werte-Verfall nicht aufhalten.

 

 

Kybele und Attis

 

 

römische Kybele 50 n. Chr., J.Paul Getty Museum, Malibu

 

Von Löwen gezogener Wagen der Kybele, Platte 2. Jhd. v. Chr., Baktrien/Afghanistan

 

Die Verknüpfung Dionysos mit dem Kybele-Kult (etruskisch: Turan mit Geliebtem Atu­nis /Adonis, indisch: Kali mit Geliebtem Schiwa) ist interessant. Kybele war die Große Göttin der Natur und Fruchtbarkeit aus Lydien und Phrygien, die die Natur nach dem Winter wiederbe­lebte. Es gibt Hinweise, dass diese Erdgöttin bereits 6000 v. Chr. in Çatal Hüyük und im 2. Jahrtausend v. Chr. von Hethitern und Hurritern verehrt worden ist. Heilig waren ihr der Himmelsstier, der Vollmond und das tamburine als Musikinstrument. Die Griechen hatten das Problem, die vorderasiatische und skythische Göttin aus dem 8. Jhd. vor Chr., die ev. sogar in neolithischer Zeit als Erdgöttin in Anatalien verehrt worden ist, und die im 5. Jhd. v. Chr. in Griechenland Eingang fand, in ihr eigenes Pantheon zu integrieren und sie entweder als Halbgöttin abzuwerten (eine passende menschliche Legende zu erfinden) oder sie mit dem Olymp in Verbindung zu bringen – z.B. soll sie aus dem Samen von Zeus entstanden sein, als der sich auf Kreta befand. Eine andere Legende besagte, dass sie von ihren Eltern (Kö­nig Meon und Dindyma) ausgesetzt wurde. Von wilden Raubtieren aufgezogen, fanden Hir­tinnen sie. Sie lernte, Pfeifen, Trommeln und Cymbeln zu spielen und befasste sich mit Heil­kunde. Nachdem sie zu ihren Eltern heimgekehrt war, allerdings schwanger von Attis, ließ König Meon Attis und die Hirtinnen hinrichten und die Leichen unbestattet verwesen. Kybele, wahnsinnig, zog heulend umher, bis Apollon sie fand und mit ihr ins Land der Hyperboräer flog. Phrygien wurde indessen von der Pest heimgesucht, bis Meon die Leichen bestatten ließ – nur Attis wurde nicht gefunden, man benützte ein Bildnis. (Eine andere Lesart sagt, Attis wurde von der eifersüchtigen Kybele in den Selbstmord getrieben, da er sich in eine andere verliebt hatte. Das bereute sie dann sehr.) Der Versuch, sie auch mit dem Dionysos-Kult zu verbinden, und Dionysos mit Attis gleichzusetzen, gelang nur noch teilweise, weil die Menschen einfach dem alten Götter-Pantheon überdrüssig wurden.

 

 

Der Kult der „Magna Mater“, Kybele in Rom

 

 

Kybele bewohnte der Legende nach einen mythischen Berg (Ida, für Griechen auf Kreta). Kybele reiste in einem Wagen, gezogen von zwei Panthern oder Löwen, begleitet von den rasenden Fruchtbarkeits- und Vegetationsdämonen Rheas (genannt Kureten und Korybanten). Auf dem Kopf trug sie eine „Mauerkrone“. Kybele, die Kraft der Natur, wurde in Griechenland z.T. mit Demeter, Gaia oder Rhea gleichgesetzt. Verehrt wurde sie ursprünglich auf Berghöhen.

 

Nach der Götter- und Mysterien-Legende war Kybele-Attis einst ein furchterregendes Wesen, geschaffen aus Zeus/Jupiter, genannt Agdistis. Durch Entmannung unter Beihilfe des Dionysos, der Agdistis am Phallos an einen Baum band, um das mächtige Wesen unschädlich zu machen, entstanden zwei Wesen: die weibliche Kybele und (das männliche Glied) Attis. Der  zwittrige Agdistis riss sich frei und verlor dabei sein Glied.

 

 

Attis, Bronze, Rheinisches Landesmuseum Trier. Quelle: Wikipedia

 

„Attis“ ist abgeleitet von phrygisch „attis“ = Knabe, oder „attagus“ = Bock. Das (ausgerissene) Geschlechtsorgan fiel als Blut zur Erde, daraus entstand ein Mandelbaum. Eine Mandel fiel herab und befruchtete eine Flussnymphe namens Nana, die darum vom Flußgott Sangarios wegen Unkeuschheit zum Hungertod verurteilt wurde. Doch Kybele – die entmannte Agdistis – brachte Nana Nahrung und sorgte dafür, dass der geborene und ausgesetzte Knabe durch Ziegenmilch aufgezogen wurde und wunderschön heranwuchs. Kybele verliebte sich naturgemäß heftig in ihn, war er doch ihr Gegenstück, der aber liebte jedoch die Tochter des Königs Midas von Pessinos. Durch Kybeles Schuld – ihre Besitzgier und Eifersucht – starb Attis, in den Wahnsinn getrieben, am Ende durch eigene Kastration und Selbstmord, mit den Worten: „Dir – Agdistis!“. Aus seinem Blut entstanden die Veilchen, er selbst wurde (unter einer Pinie sterbend) zur Pinie – lebendig aber scheinbar starr, unverweslich. Dargestellt wurde Attis (als Sinnbild der sterbenden und wiederkehrenden Vegetation) als Pinienbaum oder Pinienzapfen, und sein Tod wurde jährlich rituell beweint, ein Pinienbaum seinetwegen in Rom aufgestellt. Attis galt auf Grabsteinen als Sinnbild der Trauer aber auch der Hoffnung.

 

Der Kybele-Kult kam 204 v. Chr. nach Rom. Die Priester des Kultes waren prinzipiell Eunu­chen. Zu Kybeles importiertem Fest im alten Rom genau zu Frühlingsbeginn (genannt Hilaria, 15. – 28. März) fanden unter Musik von Tympana, Zimbeln und Klappern, phrygischer Hörner, Flöten und Klagege­heul der „Gallen“ Blut- und Schmerzopfer zugunsten Kybeles statt: die weiblichen Gallen zerfleischten sich mit Astragalenpeitschen und zerschnitten sich zur Klage Kybeles den Kör­per, junge Männer verstümmelten und kastrierten sich im orgiastischen Taumel nach Attis Vorbild. Danach folgten Freudetage für die Bevölkerung und Umzüge der silbernen Kultstatue und eines Behält­nisses mit Stierhoden (Kernos) unter Blumen bis zum 27. März, dann wurde das Bildnis im Bach Almo am Palatin rituell gewaschen (gereinigt) und ins Heiligtum zurückgefahren.

 

Zu Kybeles importiertem Fest im alten Rom genau zu Frühlingsbeginn (genannt Hilaria, 15. – 28. März) fanden unter Musik von Tympana, Zimbeln und Klappern, phrygischer Hörner, Flöten und Klagege­heul der „Gallen“ Blut- und Schmerzopfer zugunsten Kybeles statt: die weiblichen Gallen zerfleischten sich mit Astragalenpeitschen und zerschnitten sich zur Klage Kybeles den Kör­per, junge Männer verstümmelten und kastrierten sich im orgiastischen Taumel nach Attis Vorbild. Danach folgten Freudetage für die Bevölkerung und Umzüge der silbernen Kultstatue und eines Behält­nisses mit Stierhoden (Kernos) unter Blumen bis zum 27. März, dann wurde das Bildnis im Bach Almo am Palatin rituell gewaschen (gereinigt) und ins Heiligtum zurückgefahren.

 

Be­sondere Initiaten stellten sich während der Feiertage zum Taurobolium in eine Grube unter einem Altar, wo das Blut eines geschlachteten Stiers herabregnete und sie taufte als „wie­dergeboren in alle Ewigkeit“. Der Stier starb stellvertretend für den Mysten, der damit (als Toter) der Kybele (der Großen Mutter als Herrin von Leben und Tod, der Weltseele, der Natur) „anver­mählt“ wurde und damit unsterblich wurde. – Offenbar konnte nur ein symbolischer Tod die ursprünglichen Einheit Kybele – Attis (= der nun zwittrige Myste, = unsterbliche Seele + sterblicher Körper) wiederher­stellen. Somit eine ähnliche Symbolik wie im Isiskult oder im Mithraskult.

 

Dazu passend Wikipedia, zu „Dionysoskult“: „Im Tode kehrt der Geist gewissermaßen zu sich selbst zurück, bei der Geburt dagegen wird er verstrickt mit der Materie in Raum und Zeit.“  

 

  

Kybele mit Mauerkrone und Füllhörnern, Bronze

 

 

 

Kleinasiatische Artemis aus Ephesos (Türkei), eher an Kybele erinnernd.

Passend trägt Ar­temis manchmal den Beinamen „Kynthia“, d.h. die vom Berg kommende.

Quelle: Wikimedia Commons

 

 

Links

 

Zu Artemis, Apollon:

http://lexikon.meyers.de/meyers/Artemis

http://de.wikipedia.org/wiki/Apollon

http://www.mythologica.de/apollon.htm

http://www.mythologica.de/artemis.htm

http://www.mythologica.de/leto.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Artemis_(Mythologie)

http://www.internetloge.de/arstzei/mkgnothi.htm

http://www.kalimera-griechenland.de/sehenswuerdigkeiten/antikes-delphi-griechenland.htm 

 

Zu Dionysos:

http://www.mythologica.de/dionysos.htm

http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysos

http://lexikon.meyers.de/meyers/Dionysos

http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysoskult

http://de.geocities.com/ho_tripous/delphi/delphi12.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Orphiker

http://www.stefan.cc/geschichte/hintergrund/dionysia.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Dionysien 

 

Zu Kybele:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kybele

http://www.beyars.com/kunstlexikon/lexikon_5284.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Kybele

http://www.sungaya.de/schwarz/griechen/kybele.htm

http://en.wikipedia.org/wiki/Cybele

 

 

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