Aus: www.krone.at vom 13. Juni 2008, Rubrik Steil:

 

"Wie im Märchen: Einhorn in Italien entdeckt" 

 

 

 

„Ein Reh mit einer einzigen Stange in der Mitte seines Kopfes ist in einem Wildpark in Italien entdeckt worden. Weiß ist es zwar nicht, es sehe aber trotzdem genauso aus wie das Einhorn aus der Fabel, erklärte Gilberto Tozzi, Direktor des naturwissenschaftlichen Zentrums in Prato bei Florenz. (…) Der zehn Monate Rehbock lebt erst seit kurzem in dem Naturpark und wurde auf den Namen "Unicorno", also "Einhorn", getauft.“ Laut Tozzi ist der etwa 10 Monate alte „Unicorno“ sehr scheu, weiß um seine Besonderheit und zeige sich daher nur selten.

Die Wissenschaftler bezeichnen das Phänomen als genetischen Defekt, zumal der Zwillingsbruder des Rehbocks ganz normal zwei Geweihstangen besitze. Solche Gendefekte könnten allerdings die Sagen um Einhörner mitbeeinflusst haben.

Krone: „Einhörner gelten als die edelsten aller Fabeltiere und stehen als Symbol für das Gute. Ihren gedrehten Hörnern wird magische Kraft nachgesagt, die heilen und sogar Tote auferwecken kann. Die Tränen des Einhorns können versteinerte Lebewesen entzaubern. Und wer durch das Trinken von Einhornblut Unsterblichkeit erlangt, führt von da an ein unglückliches, verfluchtes Leben.“

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Das Einhorn soll der Sage nach einem Pferd oder einer Ziege ähnlich sehen, trägt ein Horn auf der Stirn und manchmal wird es mit gespaltenen Hufen (d.h. als Paarhufer), einem Ziegenbart und dem „Schwanz wie beim Löwen“ beschrieben. In der chinesischen Mythologie ähndelt der „k’i-lin“ eher einem Ochsen. Die Fellfarbe soll weiß, weißschattiert oder vielfarbig sein, und mitunter schreibt die Fabel dem Einhorn wie bei Pegasus Flügel zu.

Das Einhorn findet sich als mythisches Symbol für Reinheit, Sanftheit und Schönheit in ganz Europa mit dem Mittelmeerraum bis nach Asien. Das Einhorn K’i-lin gehört neben Drachen, Phönix, Schildkröte und Fuchs zu den heiligen symbolischen Tieren in China. In Japan war das Kirin ein Symbol der Gerechtigkeit, das vor Gericht erschien, um die Schuldigen zu töten und die Unschuldigen zu befreien. In Indien hingegen steht das Einhorn wegen seines für „Lingham“ (Zeugungs- und Schöpfungskraft). In Südindien trug das Einhorn auch ein nach hinten ragendes Horn und galt als Wächter gegen böse Geister. In Persien (wo alle Gottheiten anders laufen) wird sagt, dass der Wind, wenn er auf das (dort hohle) Horn trifft, unwiderstehlich schöne Musik erzeuge, jedoch was immer sich nähert, ob Tier oder Mensch, wird vom grausamen Einhorn getötet.

Das weiße Horn soll schneckenartig zusammengedreht sein und wird geschildert als etwa bis zu einem halben Meter groß. Wikipedia: „Einige zeitgenössische Wissenschaftler vertreten die Hypothese, dass der Ursprung des Einhorns in Rindern oder Ziegen liegt, denen man im Orient des 3. vorchristlichen Jahrhunderts zu Schmuck- oder kultischen Zwecken in jungen Jahren die Hörner zusammenband, so dass diese im Laufe der Jahre scheinbar zu einem einzigen Horn zusammenwuchsen. Das könnte auch die gespaltenen Hufe und den „Löwenschwanz“ erklären, die besser zu einem Paarhufer als zu einem Pferd passen.“ Vielfach wurde ein gefundener Zahn des Narwals für das Horn eines Einhorns gehalten, es war um ein Vielfaches mehr wert als pures Gold. Der Thron der dänischen Könige aus dem 17. Jhd. wurde ganz aus „Ainkhürn“ hergestellt und bearbeitet wie Elfenbein.

Später, als der westliche Entdecker ab dem 17. Jhd. auf die ersten Nashörner stießen, hielt man zuerst diese für Einhörner. Mitte des 19. Jahrhunderts versuchte Johannes Lennis die Die Beisa-Antilope aus der Gattung der Oryx-Antilopen als Einhorn zu identifizieren.  Josef H. Reichholf benannte die Arabische Oryx ("Körper milchweis, Hals und Nase rostbräunlich; Hirschgröße, Arabien.") als solche. Denn die langen, geraden Hörner sehen auf den ägyptischen seitlichen Reliefdarstellungen wie ein Horn aus. Außerdem ließ sich diese Antilope nicht zähmen.

Das Einhorn steht für das Gute. Überschreitet ein Einhorn die Grenze in ein karges, verwüstetes Land, so erblühe es. Es sollen zwar Einhörner auch in Höhlen oder in der Tiefsee leben (vgl. Horn- bzw. Knochenfunde!), doch der wirkliche Platz des Einhorns ist in seinem Wald mit einem See, wo es sein Spiegelbild bewundern kann. Hier ist das Einhorn unsterblich (oder wird sehr alt), beschützt wie ein Geist den Wald und alles darin wächst üppig. Das neugeborene Einhorn soll bis zu 10 Jahre benötigen bis zur Reife, und solange benötigt auch das Horn, um zu wachsen. Dann verlässt das Junge seine Mutter und sucht sich selbst einen eigenen Wald. Das Einhorn soll sehr scheu sein, weil es wegens eines Horns von Menschen verfolgt wird, und doch sollen nur Menschen reinen Herzens ein Einhorn erkennen können, alle anderen sehen nur ein Pferd. Andere sagen, das männliche Einhorn habe Zutrauen zu Jungfrauen und lege sich zu einer solchen im Wald schlafen, was man ausnützen könne, um ein Einhorn zu fangen.

Die Hörner sollten heilen und sogar Tote erwecken können, die Tränen des Einhorns entzauberten versteinerte Lebewesen. Das Trinken des Blutes des Einhorns verliehe Unsterblichkeit, aber um den Preis eines unglücklichen, verfluchten Lebens. Mit dem Horn könne das Einhorn gegen alle Feinde und Drachen kämpfen, und das Horn neutralisiere alle Gifte; daher war es das ideale Trinkhorn für Könige.

Das Einhorn symbolisiert in der Alchemie Quecksilber und im Mythos Jungfräulichkeit oder auch die Madonna. Das Einhorn findet sich auf alten Abbildungen, auf Altären, ja sogar auf dem altbabylonischem Ischtar-Tor. Man findet das Einhorn in Mythen der alten Jägerkulturen, in indischen und germanischen Schöpfungsmythen. Der griechische Zeus z.B. schlägt der Ziege Almathea, die ihn säugt, ein Horn ab – seitdem läuft sie als pferdeähnliches Einhorn umher, und das abgeschlagene Horn ist das legendäre „Füllhorn“. Das Einhorn symbolisierte aber auch den Mond und gehörte somit zur jungfräulichen Artemis, der römischen Diana, Göttin der Jagd.

Das weiße Einhorn (Mercurius) und der rote Löwe (Sulphur) sind die Grundessenzen der Welt (Sal). Geist (Idee, Bewusstsein) und Lebensenergie. Auch hier symbolisiert das Einhorn den Mond und die Dunkelheit, der Löwe die Sonne und die Helligkeit. Mercurius steht für das „oberste Bewusstsein“, welches die immanenten verborgenen Bilder hervorbringt, die sich dann mittels Energie als Schöpfungsakt real und in Helligkeit manifestieren. In diesem Sinne könnte man meinen, das Einhorn symbolisiere die Essenz der Natur, die reine verborgene Idee, die aller Schöpfung zugrunde liegt, und die nur das reine Herz erkennt. Und wo dieses reine ewige Urbild im verborgenen leuchtet, da ist die Welt gesegnet, blüht und das Böse, Vergängliche hat keine Macht mehr. Das „Horn“ wäre demnach kein Horn, sondern korrekt übersetzt und verstanden die göttliche, heilige Aura – Corona, Kether, Krone (siehe hebräische verwandte Ableitungen für Horn – Musik – Schwingung – Göttliche Gnade!). Das „Horn“ ist das Füllhorn der kosmischen Gnade, der „Musik“, des Schöpferwortes, der Strahlung… Das „Horn“, das Zeus ernährte…

Womit wir nun den symbolischen Zusammenhang zur Madonna verstehen: Die göttliche Gnade berührt die reine Jungfrau als wäre sie ein Altar oder reines Gefäß dafür.

 

           

 

Links: "Die sanfte und gedankenvolle Maid hat die Macht, das Einhorn zu zähmen." – Fresco, Palazzo Farnese, Rome, wahrscheinlich von Domenico Zampieri, ca 1602  

Rechts: "Das umzäunte Einhorn", Einhorn-Gobelin ca. 1500, im Mittelalter-Museum "The Cloister", Metropolitan Museum of Art, New York

 

Links: "Die sanfte und gedankenvolle Maid hat die Macht, das Einhorn zu zähmen." – Fresco, Palazzo Farnese, Rome, wahrscheinlich von Domenico Zampieri, ca 1602  

Rechts: "Das umzäunte Einhorn", Einhorn-Gobelin ca. 1500, im Mittelalter-Museum "The Cloister", Metropolitan Museum of Art, New York

 

Weiters: http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.cberth.at/foto/ladyunicorn/licorne_seeing.jpg&imgrefurl=http://www.cberth.at/foto/ladyunicorn/&h=500&w=549&sz=145&hl=de&start=9&tbnid=zIsrBfMRciRnuM:&tbnh=121&tbnw=133&prev=/images%3Fq%3DAlchemie%2BEinhorn%26gbv%3D2%26hl%3Dde  (Sechs alchemistische Wandteppiche aus dem späten 15. Jahrhundert, Musée National du Moyen Age in Paris Cluny (Nationalmuseum für mittelalterliche Kunst im Stadtteil Cluny, Paris.)

 

 

Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Einhorn (zum Einhorn)

http://www.tierlobby.de/rubriken/Tiergarten/huftiere/einhorn.htm  (zum Einhorn)

 

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