Vom wahren Bösen und vom wahren Guten – das unfassbare Grauen des Bösen
 
 
 
 
 
Nein, ich werde das nie verstehen.
Oder halt, das ist eine Lüge.
Denn das Böse versteht der Mensch sehr gut.
Das Böse ist etwas, was in uns selbst nagt, und das wir in Schach halten, das wir anderen nicht zeigen, aber das wir wenigstens uns gegenüber zugeben.  Zumindest erscheint das besser zu sein, als das Böse bei sich selbst zu negieren und sich scheinheilig als gut und perfekt hinzustellen.
 
Das Böse ist das Hässliche in uns selbst, die hässlichen neidischen, hasserfüllten, boshaften, ego-triebgesteuerten Gefühlsregungen und Visualisationen, die wir normalerweise unter Kontrolle haben, die wir tunlichst nicht herauslassen wegen der gesellschaftlichen Sanktionen, die darauf stehen.
 
Verschmutzte und verdreckte Lampen in uns, die wir von Zeit zu Zeit putzen sollten, erkennen,  umwandeln, ableiten, beseitigen  sollten. Nicht die schmutzigen Lampen tarnen und verhüllen, sondern richtig mit dem Wasser des Bewusstseins putzen.
 
Das Grauen, das wir empfinden, wenn wir über so abgrundtief böse Dinge hören wie etwa, dass J.F. seine Tochter 24 Jahre lang im Keller gefangengehalten hat, missbraucht hat, sie und die Kinder daraus ohne Tageslicht gefangen gehalten hat. Wenn wir in einer Doku hören, wie grauenhaft schmerzvoll die Kreuzigungen bei den Römern abgelaufen sind, wie Tausende oder inzwischen Millionen Menschen auf dieser Welt bereits irgendwie zu Tode gefoltert wurden, wie ganze Gebiete willentlich dem Hungertod überlassen wurden, wie man Millionen Menschen wir Insekten vergast hat,…. Das abgrundtiefe Grauen, das in uns aufsteigt. Weil wir dazu fähig wären, ja und wir wissen es, wir – tun es nur nicht. Normalerweise.
 
"Ich werde es nie verstehen" bezieht sich nicht darauf, wie schrecklich die Tat ist, sondern darauf, wieso der Mensch es gewagt hat, so zu handeln. Alle Regeln zu brechen, und andere körperlich und seelisch zu zerstören, und damit sich selbst innerlich zu zerstören, sich der Menschlichkeit zu berauben, sich selbst innerlich so zu beschmutzen, sich selbst so herabzuwürdigen, so zu handeln, solche Befehle auszuführen, so trieb- und wunschgesteuert zu sein… schlimmer als ein Vieh.
 
Wir regen uns über das auf, was wir selbst gerade mühsam unter Kontrolle gebracht haben, weil wir selbst Regeln befolgen müssen, weil wir uns nicht soweit vergessen dürfen. Wir regen uns nicht über Dinge auf, die wir noch nicht gemeistert und begriffen haben. Wir regen uns viel weniger darüber auf, wenn Tiere zu Tode gequält werden, als ob das wirklich einen Unterschied machen würde, welche Lebensformen mit Schmerz- und Leidempfindungen wir schlecht behandeln, quälen, schlachten. Und wir regen uns überhaupt nicht mehr auf bei Pflanzen oder Einzellern. Der Unterschied besteht nur in unserem Kopf, darin, was wir begriffen haben und was eben noch nicht. Was in uns, mit uns im Einklang schwingt und was nicht. Was wir in uns geklärt und geistig erkannt haben. So hält sich auch J.F. eigentlich für einen guten Menschen, der seine Tochter nur vor schlechtem Lebenswandel retten wollte, der ohnehin die aus dem Verließ heraufgeholten Kinder zu versorgen suchte, und der eigentlich allen das Leben gerettet hat, denn ohne ihn hätte die Polizei nie vom Keller gehört noch je die Gefangenen gefunden. So begreift J.F. das , so allein sieht er das, und wir können es nicht fassen. – Nein, wie trennen uns Berge und Welten von diesem Menschen. Glauben wir. Weil wir die Größe des Universums nicht realisiert haben und uns einige Zentimenter Weiterentwicklung für ganze Welten dünken.
 
Wie ist es denn so, ein guter oder gar erleuchteter Mensch zu sein? Es ist exakt so: man ist zu allem fähig, aber man tut es nicht, weil man alles weiß, wie es kam, wie es wurde, wie es sein wird, warum es so ist, und wie sich das Gegenüber fühlt. Man hat ERKANNT. Vor allem, wie sich das Gegenüber fühlt, denn man ist eins. Und darum hat man seine inneren Lichter und Lampen immer geputzt und hält sie peinlich sauber, damit viel Licht hereinfällt und was so kreucht und fleucht energetisch umgewandelt wird zu entwas Nützlicherem als reine Bosheit. Denn alles ist eine Frage der Energie und der Frequenz der Energie. Ein Engel strahlt, weil er seine inneren Lampen rein hält. So kann ihn das Licht des Allerhöchsten durchdringen, so dass er nicht verdunkelt und verrusst und in die Tiefe fällt. Ein Teufel ist ein verrusster Engel, der sich nicht gereinigt hat. Manko an Bewusstheit, Manko an Energie.
 
Der Unterschied zwischen gut und böse liegt exakt im Verständnis und im Verstehen, im Begreifen. Und wir verstehen meist das, was wir selbst erlebt und in uns selbst entdeckt haben. Was wir bewältigt haben, was wir gereinigt haben. (Was auch genau der Grund ist, dass wir wissen, dass wir zu allem fähig wären, aber aus Klugheit und Einsicht nicht mehr tun.) Gute Menschen wählen ihren Weg selbst, und sie wählen ihn mit dem Maße des Verstehens, des Einfühlens, der Liebe. Sie verstehen die, die sich darin schuldig gemacht haben, zuwenig geliebt und verstanden zu haben. Sie verstehen, weil sie sich selbst verstehen und erkannt haben. Wir alle sind Opfer, wir alle sind Täter. Wir sehen zu oder sehen weg.
 
Leute, die meistens denken, sie selbst wären so edel und zu nichts Bösen imstande, nie und nimmer, sind im Grunde Heuchler, sie setzen ihrer verdrängten inneren Bosheit noch die Krone der Lüge auf, und belügen sich sogar selbst. Sie denken so, weil sie einfach nicht wissen. Sie haben nichts erlebt, und Sie wissen nicht, wie man in eine Lage kommt und Fehler gegeht, die kumuliert zu eben diesem kritisierten fatalen Ergebnis sich steigern. Sie wissen nicht, sie haben die Schuhe von Tätern noch nicht getragen, darum halten sie sich für über alle Schwächen erhaben. Sie geben unfaire herzlose Urteile ab und halten sich berechtigt dafür, andere zu bestrafen und zu verachten. Und jede Hilfe oder Barmherzigkeit zu verweigern. Sie machen aus einer Mücke einen Elefanten oder umgekehrt, denn ihr Urteil ist inkorrekt. Sie halten sich prinzipiell für etwas Besseres, sündenfrei, blütenrein, hübsch gefaltet, gebogen und dekoriert. Es waren gerade diese Heuchler, die anderen immer das größte Unheil beschert haben. In ihrem Größenwahn zettelten sie Kriege an, schickten Menschen ins Feuer, erschlugen angebliche Feinde, trieben Mitmenschen in den Bankrott oder in den Wahnsinn. Die versteckte Bosheit der Heuchler trägt gerne das Mascherl der Rechtschaffenheit, des Glaubens und der Nächstenliebe. Das tatsächliche Verständnis der Heuchler entspricht in etwa dem eines Flohs, genauso wie ihre tatsächliche Einfühlsamkeit und wie ihr tatsächliches Wissen von der Welt.
 
Nein, ich entschuldige nicht einen J.F. und welche grausamen Menschen sich sonst noch mit ihren Untaten auf dieser Erde herumgetrieben haben. Ich sage nur, ich verstehe und hoffe selbst, damit nie mehr in ihre Lage geraten zu müssen. Oder in die Lage ihrer Opfer.
 
(Nur) wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.
Nur – dann wirft man keinen Stein mehr. Man trauert.
 
Das Grauen des Bösen, und vor dem Bösen, überfällt uns mit Wucht, es macht und krank und hilflos, und wir versuchen dem entweder mit Aggression und Empörung oder mit Trauer über die Unwissenheit und Unreife der Welt zu begegnen.
Ich trauere um die Familie F., ich trauere um die vielen Toten und ich trauere wegen dem vielen, vielen Leid und Elend auf der Welt. Menschen tun sich und anderen unglaublich viel an.
 
Manchmal ist es einfach zuviel. Und ich wünschte, es würde endlich aufhören. Und wir alle wären endlich weiter.
 
 
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