Überzogene Berichte – oder besorgniserregend?
 
 
Siehe Artikel Krone.at, Ruprik Welt, vom 25.4.2008: "Hamsterkäufe":
 
"Die Krise um weltweit steigende Lebensmittelpreise hat einen neuen Höhepunkt erreicht: In Thailand kostete eine Tonne Reis am Donnerstag erstmals mehr als 1.000 Dollar. Damit hat sich der Preis für das lebenswichtige Grundnahrungsmittel im größten Reisexportland seit Jahresbeginn fast verdreifacht. Auch an der weltgrößten Warentermin-Börse in Chicago kletterte der Reispreis auf ein Rekordhoch. Um Hamsterkäufen vorzubeugen, begann der führende US-Einzelhändler Wal-Mart mit der Rationierung von Reis.

Die rasant steigenden Lebensmittelpreise haben von Asien über Afrika bis in die Karibik bereits zu gewaltsamen Protesten geführt. In Haiti stürzte die Regierung im Zuge der politischen Unruhen. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht, weil sich an den Gründen für die Preisexplosion vorerst nicht viel ändern dürfte. Dazu zählen die wachsende Weltbevölkerung, der Anstieg der Lebensqualität in Schwellenländern wie China, der Trend in Industrieländern hin zu Bio-Sprit und Ernteausfälle in wichtigen Exportländern wie Australien im Zuge immer stärkerer Wetterschwankungen. Hinzu kommen außerdem Spekulationsgeschäfte mit Nahrungsmitteln durch Hedge-Fonds und andere Investoren."

http://derStandard.at, Rubrik Investor – Wirtschaft, meldet 24.4.2008 in "USA: Rationierung von Reis nach Preisexplosion", dass vor Wal-Mart auch Sam’s Club und Costco Reis rationiert haben.

Die Rationsgrößen sind allerdings Säcke und Pakete in mehreren Kilos. Außer Wal-Mart sind die genannten Firmen nicht ausgesprochen US-weit bedeutend. Wal-Mart, wen es interessiert, gehört z.T. chinesischen Aktionären, was sich in vielen aus China importierten Waren niederschlägt.

 
Spekulanten, Schulden, Missmanagement und Katastrophen

Anscheinend haben die Aktienspekulanten eine neue Methode entdeckt, reich zu werden: Man spekuliert in Chikago an der Agrarbörse mit Lebensmittel. Und damit diese immer schön knapp und die Preise daher teuer sind, sorgt man bewusst für Verknappung.

Statt Treibstoff aus Abfall herzustellen (Methan), investiert man in Biodiesel. Bringt auch Geld, vor allem bei der Menge an Steuern, die die Regierung auf Sprit hat, je teuerer, desto mehr. Jubel bei Spekulanten. Wer wird den Wasserstoffmotoren für Autos bauen, wenn man so viel Geld erzocken kann?

Die EU hat ja schon immer nachgeholfen, indem sie die Großagrarier (wie etwa den Fürsten Liechtenstein oder Prinz Charles) subventioniert, Flächen stilllegen lässt und Nahrungsmittelüberschüsse vernichtet, um die Preise künstlich hoch zu halten. Z.B. Getreidepreis für Biosprit. (Statt den gepanschten Wein aus Italien für den Biosprit zu reservieren.) Die korrupte Preisgestaltung setzt sich ja fort bis in die österreichischen Raiffeisenlagerhäuser.

Die Weltbank zwingt die armen Dritte-Weltländer, zwecks Schuldenrückzahlung Kaffee, Kakao, Bananen, Zucker etc. in Monokulturern für den Export anzubauen statt Getreide, Reis, Mais für die eigene Bevölkerung. Die einheimischen Bauern z.B. in Afrika können ihre Waren nicht verkaufen, da die EU hochsubventioniert (was sonst!) Milch, Butter, Obst, Gemüse usw. dahinliefert. Die indischen Bauern können das Saatgut von Monsanto nicht mehr kaufen, außerdem führte die damalige Getreideüberproduktion zum Bankrott von Bauern, die ihre Höfe nicht mehr bebauen konnten und zu Tausenden wegen völliger Überschuldung Selbstmord begingen und noch begehen. Monsanto wiederum zwingt allen, die es nicht wollen, gentechnisch verändertes Saatgut auf, Hybriden, die kein Saatgut mehr selbst produzieren, und passende Dünger und Pestizide etc. für die Monokulturen gleich dazu.

Dazu kommt noch selbstverursachtes Missmanagement (z.B. in Simbawe), Umweltkatastrophen wie Überschwemmungen (China, Bangladesch usw.) und Rauschgiftproduktion (Opium bzw. Kokafelder in Kolumbien, Afghanistan usw.) für Kriminelle und Terroristen, die z.T. die dortigen Bauern dazu zwingen – statt Lebensmittel zu produzieren. Und natürlich können wirtschaftliche Giganten wie China heute einfach Märkte leerkaufen, wenn Millionen Chinesen wegen Naturkatastrophen die Ernte verloren haben. Oder Asiaten ihr Geflügel wegen Vogelgrippe exekutieren mussten. Ach ja, und da waren auch noch die Bienen, die bis zu 80% in den USA seit ca. 2001/2 (witzig: seit dem Terroranschlag!) verschwunden sind und die Obstplantagen, Soja, Ölsaaten, Kräuter, Blumen usw. nicht mehr bestäuben konnten. (Sollen den militärischen Mikrowellen von Satelliten zur Bodenspionage zum Opfer gefallen sein – ist aber sicher ein böses "antiamerikanisches Gerücht", *lol*)

Also bei all den wunderbaren Konditionen, noch dazu wo die Immobilienpreise gefallen sind, und Millionen Menschen Geldverluste durch verspekulierte Aktien hinnehmen mussten, müssen sich die Aktienfonds doch auf etwas Neues stürzen, etwas was die Menschen unbedingt zum Leben brauchen: Lebensmittel. (Wasser wäre die nächste, zukünftige Option!) Wäre doch gelacht, würde man nicht etwas finden für die mittellosen Pensionsfonds usw. Also rasch noch Lebensmittelverknappung und militärische und epidemische Bedrohungen aufbauen, und schon regnet es wieder Gold – für die Geier.

 
 
Empfohlene Literatur dazu
 
z.B. Jean Ziegler: Das Imperium der Schande. Der Kampf gegen Armut und Unterdrückung. (Orginalausgabe Paris 2005. Aus dem Französischen Übersetzt durch Dieter Hornig.) – Pantheon: 2007, ISBN 978 – 570 – 55019-9. (Weitere Verlage: Bertelsmann 2005, Goldmann 2008.)
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