Stigmata – körperliche unerklärbare Male als Zeichen besonderer Gläubigkeit?
 
 
Frage: Was kann es bewirken, wenn man mit aller Kraft an etwas glaubt?

Wird das eigene Innere verändert? Wirkt sich das auf das eigene Erleben aus? Oder verän­dert der Glaube und die intensive Visualisation die Realität, die angeblich ohnehin nur eine Illusion unseres Verstandes ist?
 
Was wäre, wenn man sich so z.B. mit Jesus verbunden fühlt, sich so in diesen Glauben hineinsteigert, dass man beginnt, seine Kreuzigungsmale zu übernehmen? Oder, was ebenfalls eine Erklärung wäre, sich so in das "geistig-kollektive geistige Feld Jesu" begibt, dass man mit seinem Wesen eins wird? Und das so körperlich zum Ausdruck kommt, dass man alle Symptome christlicher Kreuzigungsvorstellungen durchmacht? Nicht, weil das so sein muss – sondern weil man es sich das auf diese Art selbst vorstellt?
 
Ohne Zweifel kann man sich hysterisch in etwas so hineinsteigern, dass man körperliche Symptome bekommt. Notfalls kann man auch etwas nachhelfen und sich selbst diese Symptome zufügen, nur um von anderen verehrt zu werden. In beiden Fällen sind dann die Wundmale kein Zeichen von Spiritualität und Einheit mit Christus – sondern bestenfalls ein Zeichen eigener parapsychischer Fähigkeiten. Es gibt auch Fälle, wo diese Personen angeben, gleichzeitig von "dämonischen Wesen" verfolgt zu werden (die ebenfalls, wohlgemerkt, aus ihnen selbst, aus den kollektiven verdrängten Schattenbereichen ihrer Selbst, aufsteigen und sie als "Existenzen" verfolgen und quälen). Wer parapsychische Fähigkeiten besitzt, hat ohnehin sehr tiefe "Wurzeln" in unser aller gemeinsames Seelenkollektiv.
 
Möglicherweise gibt es aber auch Personen – Stigmatisierte – die sich tatsächlich so innig mit dem "Christusfeld", "Christusbewusstsein" bzw. Wesen Jesu innerlich vereinen können, dass sie Visionen von seinem Leben, seiner Kreuzigung und von sonstigen Begebenheiten haben und dann auch durch diese Verbindung Wundmale bekommen können (nicht notwendigerweise: müssen). Möglicherweise war z.B. Anna Katharine Emmerick (Nonne, 1774-1824) so eine Person. ( http://de.wikipedia.org/wiki/Anna_Katharina_Emmerick 
 
Diese Nonne hatte unzweifelhaft von Kindheit an parapsychische Fähigkeiten, durch die Nähe zur katholischen Kirche wurden alle Visionen und alle geschauten Symbole selbstverständlich stark christlich eingefärbt, ohne das sie wirklich den Unterschied zwischen symbolischer und reeller Schau machen konnte. Für sie war das, was sie in ihren Visionen sah, Realität, reale Vergangenheit, reale Ereignisse, geistige Begebenheiten. Ob es so war, ich weiß es nicht – betrachtet man die Aussagen (siehe zweiten Link oben) so ist da viel mehr Symbolik als Realität da. Aber, auch symbolische seelische irrationale Wahrheiten sind irgendwie Wahrheiten, innere Wahrheiten, wenn auch keine historischen und rationalen. – So gesehen stammen die Visionen und innere Erfahrungen von "oben", d.h. von kollektiv-seelischen und kollektiv-kosmischen und göttlichen Bereichen, aber sind stark irrational und symbolisch. Die Stigmata aber stammen von ihr selbst, durch ihre unbewussten Fähigkeiten.

Stigma = griechisch „Mal, Punkt, Stich“, plural: Stigmata. Beschreibung des Phänomens

 
Im Katholizismus gelten Stigmata als die Wundmale des gekreuzigten Jesus Christus, die an besonders erwählten Personen auftreten können: durchbohrte Hände, Füße, ein Stick in den Leib, Geißlungsspuren, Blut am Kopf von der Dornenkrone. Manchmal können diese Dinge einzeln, in Kombinationen oder nur als Schmerzen auftreten. Sie können als blutunterlaufende Stellen oder als nicht heilende Blu­tungen auftreten, die sich aber nicht entzünden. Mitunter treten sie nur zu bestimmten perio­dischen Zeiten auf. Die Hauptbetroffenen sind Katholiken, und fast überwiegend Frauen.

Die Wundmale erinnern eher an die Art, wie Jesus auf Kruzifixe abgebildet wird, ob histo­risch auch korrekt, ist die Frage! Eben eher nicht. Manchmal tritt Stigmatisation mit anderen paranormalen Phänomenen wie Visionen, Levitation und Bilokation auf. Die Betroffenen haben zudem ein sehr ver­mindertes Schlaf- und Ernährungsbedürfnis, so dass sie lange mit so gut wie keiner Nahrung auskommen, oder nur mit einer symbolischen, z.B. einer Hostie. Mitunter können Stigmati­sierte Visionen von der Kreuzigung Christi haben, sie am eigenen Leib miterleben, die Sitten und Gebräuche und Örtlichkei­ten der damaligen Zeit genau beschreiben und auch in alten Sprachen (aramäisch) spre­chen.

In der Psychiatrie wird das Phänomen einfach mit einer psychischen Störung gleichgesetzt, die sich körperlich manifestiert. So weiß man, dass Lähmungen bei Hysterie auftreten kön­nen, stellvertretend für innere Konflikte und Traumata. In ähnlicher Weise wird Stigmatisation bewertet: als Folgen von Hysterie und Autosuggestion. Stigmatisierten wird auch heimliche Selbstverletzung unterstellt, zumal Stigmatisierte sich eines regen Zulaufs an Gläubigen er­freuen, die sie als quasi Heilige verehren. Parapsychische Phänomene werden in der Regel von Ärzten einfach ingnoriert.

Der erste geschichtlich gesicherte Fall war Franz von Assisi (1181/82-1226), heute bekannt z.B. Anna Katharina Emmerick (gestorben 1824), Therese Neumann aus Konnersreuth (gestor­ben 1962), Pater Pio (gestorben 1968), Marthe Robin (gestorben 1981)… Etwa 80 Stigmati­sierte wurden von der Katholischen Kirche heilig gesprochen. (siehe Wikipedia). Die Stigma­tisierten interpretier(t)en ihr Leiden als Kreuz, das ihnen zum Heil des Volkes und zur Ver­kündung des Glaubens auferlegt wird. Als Opfer, stellvertretend als Sühne und Wiedergut­machung für die Menschheit.

„Für die heilige Kirche und ihre Hirten zu beten und zu leiden geht mir über alles. Jedesmal bei der heiligen Kommunion bitte ich recht innig den lieben Heiland, er möchte schonen seine heilige Kirche und ihre Hirten, möchte mir lieber das qualvollste Martyrium für sie sen­den und möchte mich als kleines Sühneopfer annehmen.” Diese Menschen deuten ihr Lei­den als „Strafe Gottes“, wollen „die Last der Welt tragen“ oder „den Schmerz vom Antlitz der Erde nehmen“ (Padre Pio). Das Leiden diene so zur „Erhöhung der Seele zur Vollkommen­heit“ und dem Näherkommen zu Gott. (siehe http://www.nikodemus.net/1288?page=2 )

 
 
Typisch: ein sehr traditionelles konservatives christliches Verständnis, geprägt von tradierten Bildern aus katholischen Kirchen

Besondere fanatische Frömmigkeit und Jesusverehrung wird bei Stigmatisierten typischerweise komponiert mit parapsy­chischen Begabungen und einem fast hysterischen Opferwillen. Bei Therese von Konners­reuth, die sich angeblich jahrelang nur durch die tägliche Kommunion ernährte, waren chole­rische Ausbrüche, Starrsinn und Rechthaberei genauso gegeben wir Frömmelei. Sie litt und sie blutete, aber sie begrüßte auch, dass so viele Menschen zu ihr kamen, um über sie Bitt­gesuche an den Himmel zu richten. Die Kirche selbst ist bezüglich solchen autosuggestiven Phänomenen inzwischen äußerst skeptisch und überprüft alles sehr genau.

Scharfe Gegenkritik gegen soviel Frömmelei sei hier auch mal angeführt: „Christlich geprägte Stigmatisationen sind ge­nau als das zu nehmen, was sie wirklich sind, nämlich psychogen hervorgerufene Materiali­sationen des religiös-sektiererischen Christus-Glaubens, durch den jede materielle Substanz beeinflusst wird, was gar bewirken kann, dass Blut nach oben statt physikgesetzmässig nach unten fliesst und dass z.B. an Händen und Füssen bei Wundmalentstehungen gar Hammer­schläge beobachtet oder gar gehört werden können. Die Fakten sind also einfach und be­weisen die Lehre, dass nicht die Materie das Herrschende ist, sondern die Kräfte des Be­wusstseins und die Kräfte des Geistes, wobei jedoch bei einer Stigmatisation nicht der schöpferische Geist, sondern das Materiell-Bewusstsein des Menschen die grundlegenden Kräfte erzeugt, im Zusammenwirken mit der Psyche. Stigmatisierte sind tief religiös, ja in der Regel sektiererisch und behaupten, dass Gott oder der ’Heiland‘ ihnen die Wundmale und die Schmerzen auferlegen würde, sozusagen als Zeichen der Liebe usw.“ (siehe http://www.figu.org/de/figu/bulletin/3/stigmatisation.htm )

 

Alles was im Universum geschieht, hinterlässt Spuren in uns…

Ein weiterer Erklärungsversuch esoterisch-mystischer Art könnte ja durchaus sein, wie ich auch oben bereits erwähnt habe, dass sich die Stigmatisierten in ihrer Ekstase oder Trance in das sogenannte menschheitsumfassende gesamtkollektive Gedächtnis ein­stimmen können (=“Akascha-Chronik“ der Weltseele) oder auch nur in den Egregore der Christen (= das geistig-kollektive Feld der Christen) oder direkt in die Heilsperson Jesu (und dessen Wesen und Seele, der "Seelenfamilie") und als dessen Teil die zutiefst traumatisierende Szenerie dann „fernfühlend, fernerlebend, hellsichtig“ über Zeit und Raum hinweg emotional-visionär miterleben. Sich quasi als Teil seiner selbst die Kreuzigung miterleben. Was sie ja selbst immer wieder in etwa von sich behaupten. Offenbar war dieses Ereignis so gravierend, dass es "Spuren" im Gefüge der Weltseele hinterlassen hat…

Ich möchte am Ende nur wieder darauf hinweisen, dass der Geist die Realität formt, wie der Geist sich die Realität vorstellt. Denn die Realität ist alles, nur nicht das, was wir mit unseren Sinnen sehen. 

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