Reflexionen über innere Zustände, Tugenden, Laster und Jenseitsvorstellungen
 
 
Brennt man in der Hölle? Was bedeutet "ewige Verdammnis"?
 
"Hölle" ist eine Abänderung des Wortes "Höhle", Erdhöhle, Tiefe, Hel (Holle), Erdmutter. Es war die archaische Vorstellung, dass jeder Verstorbene zur Erde (Erdmutter, Gaia, Demeter) zurückkehrt, in ihre Höhle (Grab, ihrem Mutterschoß).
Um von dort durch die Erdmutter als Spenderin allen Lebens wieder geboren zu werden in ein paradiesisches Leben. So wie das Gras wächst, reift und stirbt, in ewigen Zyklen. Das muss nicht unbedingt eine Wiedergeburt als Mensch sein, die Lebenskraft besselt auch Tiere, Pflanzen, Materie, Idole/Gefäße…

Als sich die Menschen den astralen Gottheiten zuwandten (Sonne, Mond, Sterne) wollte man nach dem Tod natürlich im "Himmel", oben, sein. Nun wurde auch das Jenseits, das paradiesische Leben, in den Himmel verlegt, vor allem für die Vornehmen, Edlen, während die bösen Toten nur das Grab (die Hölle) kennen. Und damit Auflösung, Ende, kein Weiterleben nach dem Tod. Auslöschung als Seele.

Hinausgezögert bestenfalls solange, als der Leichnam (die Knochen) nicht verwestet – daher die Idee der Einbalsamierung.
Oder zumindest, solange man Nachkommen hat, die an einen denken – daher Ahnenkult und steinerne Gedenkstätten.
Und am besten man nahm auch sein Habe, Waffen, Frauen, Sklaven, Pferde mit ins Grab. Oder zumindest deren Symbole. Sicher ist sicher.

Aus der Lebensspenderin Gaia wird mit der Zeit Isis, die kollektive Weltseele und Lebensenergie (in der sich auch das Jenseits befindet), aus dem irdischen Paradies wird ein himmlisch-jenseitiges Paradies. Der Mensch gehört beiden Sphären an – dem Himmel und der Erde. Und er lebt auch mal hier, mal da.

 

Heutige Jenseitsvorstellungen

Aus früheren Vorstellungen entwickelten sich drei Varianten: a. der Tote ruht mit seinen Knochen in der Erde und darf am "Jüngsten Tag" (=der erste Tag seines neuen Lebens) wiederauferstehen. Körperlich – oder mit einem vergeistigten Körper.
b. der Tote verbringt eine Zeitlang sein Leben im Jenseits und wird immer wiedergeboren, bis er würdig für den Himmel (endgültiges Eingehen in das Gottesreich oder Norwana) wird.
c. Beim Jüngsten Tag wird ausgesiebt – die Bösen kommen in die Hölle der ewigen Strafe, die Sünder in eine Art Fegefeuer der Reinigung, bevor sie dann doch in den Himmel kommen, die Seligen kommen direkt in den Himmel (Gottesreich, Paradies) der ewigen Freude.

Die katholischen Christen, die da irgendwo zwischen Variante a und c schwanken, glauben mittlerweile nicht an Hölle als "Feuerort der Qual", obwohl das im Mittelalter ein überaus beliebtes Bild war (offenbar auch im Islam), aber durch nichts in der Bibel begründbar. Heute verstehen sie Hölle und Fegefeuer eher als "Ort"/ inneren Zustand der großen Reue und großen Gewissensqual und der unerfüllten Sehnsucht nach Gott.

Gottesnähe und Gottesferne

Meiner Meinung nach ist "Hölle" einfach "Gottesferne". Wenn Gott das Gute, die Liebe, die Barmherzigkeit ist, die Weisheit, Wahrheit, das Leben, das Licht, die Fülle, der Friede, eben alles ist was gut ist… dann ist "Gottesferne" das Gegenteil davon: Schmerzen, Hass, Gewalt, Depressionen, Müdigkeit, Freudlosigkeit, Neid, Intrigantentum, Dunkelheit… Wenn das ein jenseitiger Ort ist, dann eben so, dass sich dort alle gegenseitig die Existenz zur Hölle machen und dort alle Laster (Todsünden) exzessiv ausgelebt werden. Aber was sie auch tun, es macht ihnen keine Freude, es gibt keinen Frieden. Hölle kann aber auch ein irdischer Ort oder Zustand sein, indem sich Menschen gegenseitig und anderen das Leben zur Hölle machen oder einfach es unerträglich finden, zu leben. Böse Menschen verbreiten um sich überall die Hölle. Sie wollen auch andere leiden sehen und gönnen ihnen keinen Frieden. Verzweifelte depressive Menschen wiederum sehen überall um sich die Hölle und sehnen sich verzweifelt nach innerem Frieden.

Immer dann, wenn der Mensch Böses tut (darum nennt man das "Todsünden"), trennt er sich ein Stück von Gott (dem absoluten Guten) und damit vom ewigen Leben. Wenn er sich über alle Maßen vom Guten wegbewegt, dann bringt er sich um das ewige Leben, und wenn der Körper zerfällt, ist es mit ihm meines Erachtens aus, er wird einfach in seine Bestandteile reycyclt, ausgelöscht… Ausgelöscht aus dem Buch des Lebens. Da aber es ausgesprochen selten vorkommt, dass ein Mensch sich innerlich völlig selbst ermordet (selbst Mörder wissen meist noch, was gut oder böse ist und tun manchmal was Gutes) ist es eher so, dass der böse Mensch sich in die Dunkelheit und Gottesferne begibt und dort wirklich lange an sich arbeiten muss, bis er begreift, dass er umkehren muss. Irgendwann. Liegt an ihm.

Die allermeisten Atheisten, die vorgeben nicht an einen (personalen) Gott zu glauben, glauben mitunter sehr wohl (abstrakt) an das Gute… Wirkliche Gottesferne erreicht kaum einer, denn sonst könnte er gar nicht leben. Dennoch haben Atheisten die Vorstellung, da ja für sie Gott und unsterbliche Seele nicht existieren, nach dem körperlichen Ende wäre ihr Da-Sein aus, ausgelöscht. Nun, Da-Sein, Person X sein, bewusstes Sein vielleicht – aber nicht das Sein, das was wir im innersten Wesen sind, wo wir keine Person X mehr sind, sondern nur noch "sind". Ich bin. Energie. Ein Iota.

Gute Menschen verbreiten um sich ein Stück Himmel, und nach dem Tod des materiellen Körpers kommen sie auch dahin, was ihrem inneren Wesen entspricht, nämlich dem Himmel (Frieden, Freude, ewiges Leben…). Und der Rest der Menschheit hängt irgendwo dazwischen und geht seinen Weg nach oben oder nach unten.

 

Tod-Sünden und Lebens-Tugenden

Zu den christlichen Todsünden (Vergehen, die uns immer weiter vom Guten abbringen) zählt man wie folgt: Stolz (inkl. Eitelkeit, Hoffart, Hochmut, Prunksucht und Ruhmsucht), Habsucht (inkl. Geiz und Begierde), Neid (inkl. böse Verleumdung und Missgunst), Zorn (Gewalttätigkeit), Unkeuschheit (d.h. Unsittlichkeit und Triebhaftigkeit – mitunter gehört auch Homosexualität u.a. dazu), Unmäßigkeit (unmäßiger Lebenswandel; inkl. Völlerei, Alkoholabhängigkeit, Drogen, unmäßige Verschwendung, unmäßige Traurigkeit oder unmäßige Vergnügungssucht) und Trägheit (im spirituellen und geistigem Sinn und im Hinblick auf seinen Lebensunterhalt). Man soll zudem an (den einen) Gott glauben und vor allem darf man "den Geist nicht lästern", d.h. Gott verachten, fluchen, foppen oder wider besseres Wissen, obwohl man genau das falsche Tun erkennt, mit den bösen Taten fortfahren.

Wenn Todsünden erkannte Regeln sind für den inneren Tod, so sind die Tugenden die Regeln für das ewige Leben: Glaube, Liebe, Hoffnung als die drei "theologischen" Tugenden der Christen; Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Mäßigung (=das rechte Maß halten) sind die vier weltlichen Kardinaltugenden aus der Antike.

. Zusätzliche Tugenden: Geduld (Sanftmut), Demut (Bescheidenheit), rechter (aber nicht: blinder!) Gehorsam, Beharrlichkeit (Fleiß), Aufrichtigkeit, Keuschheit (Sittlichkeit), Eintracht (Friede), Wissenserwerb und Frömmigkeit (Spiritualität).

Die fünf Silas der Buddhisten:
  1. Ich gelobe, mich darin zu üben, kein Lebewesen zu töten oder zu verletzen.
  2. Ich gelobe, mich darin zu üben, nichts zu nehmen, was nicht freiwillig gegeben wird.
  3. Ich gelobe, mich darin zu üben, mich keinen anstößigen sexuellen Freuden hinzugeben.
  4. Ich gelobe, mich darin zu üben, nicht zu lügen und (zu) wohlwollend zu sprechen.
  5. Ich gelobe, mich darin zu üben, keine berauschenden Substanzen zu konsumieren, die den Geist verwirren und das Bewusstsein trüben.

Die Morallehre im Islam nennt Pflichten im Umgang mit Allah, Allahs Gesandten, mit einem selbst, mit Familienangehörigen, Muslimen und Mitmenschen vor Regeln zum guten Umgang mit Mitmenschen. Es gibt folgende Tugenden:

Ehrfurcht vor Allah, Großzügigerweise etwas schenken, Geradheit, Schamgefühl , Sich anstrengen, Dankbarkeit, Geduld, Beratung, Einander helfen, Seine Zunge vor schlechten Worten bewahren, Gerechtigkeit, Bescheidenheit, Genügsamkeit, Vertrauen auf Allah, Bedächtigkeit, Verbindung mit Verwandten, Keuschheit, Mitleid, Versprechen = Sein Wort halten, Bedecken der Fehler, Erleichterung.

 

Und folgende Laster (Todsünden): Lügen, Üble Nachrede, Verleumdung, Neid, Die böse Vermutung, Verspotten.

Siehe zu denTugenden und ihre Symbole auch:                                                                                                                          http://www.unikiel.de/gza/2/Friedrich/Themenseiten/Tugenden/UrsprungtheologischeTugenden.htm                                                              http://www.uni-kiel.de/gza/2/Friedrich/Themenseiten/Tugenden/BedeutungweltlicheTugenden.htm                        http://www.kunstdirekt.net/Symbole/allegorietugend.htm                                                                                     http://de.wikipedia.org/wiki/Silas_(Buddhismus) http://home.schule.at/lehrer/islam/moral.htm

 

Advertisements