Ich beziehe mich auf einen Artikel von derStandard vom 22./23. 10.2007, Rubkrik "Panorama – Wien", http://derstandard.at/
und drücke meine grenzenlose Empörung über diese Zustände aus. Ganz offensichtlich weiß die (sozialdemokratische!) Wiener Stadtverwaltung sehr wohl darüber Bescheid, aber alle Eingaben und Beschwerden von Seiten der Tierschützer werden ignoriert, bleiben unbeantwortet – es könnte sogar der Eindruck entstehen: absichtlich, um diversen Fiakerbesitzern "gefällig zu sein"? Man hat die früher begrenzte Anzahl der Fiaker (=zweispännige Kutschen) unbotmäßig erhöht, indem man vor Jahren plötzlich unbegrenzt Lizenzen ausgab. Das führt dazu, dass Zwergunternehmer mit nur zwei Pferde entstehen, die nicht mal die Pferde richtig versorgen können, von Verdienst keine Spur. Eingestellt werden bei minimalsten Löhnen auch sehr "merkwürdige" Männer mit nicht gerade vorzüglichem Lebenslauf, brutale Gesellen.
 

Aus dem Artikel:

"Fiaker: Erschöpfte Wiener Stadtklepper

Fiaker-Pferde sind teils so überarbeitet, dass sie im Dienst zusammen­brechen – Touristen bleiben häufig trotzdem in der Kutsche sitzen"

Die Wiener Fiaker (= Kutscher) sind für ihre Grobheiten berüchtigt. Etwas höflicher ist man bestenfalls zu Touristen, den Verkehrsteilnehmern wird hingegen der Weg abgeschnitten und sie werden mit Pöbeleien und Beschimpfungen bedacht.

"Nicht gerade zimperlich gehen viele Fiaker-Unternehmer offenbar auch mit ihren Vierbeinern um. Viele Tiere, die sie da täglich durch die City scheuchen, sind so erschöpft, dass sie mitten auf der Straße zusammenbrechen. Ende September kippte ein Pferd Am Hof um und war auf der Stelle tot, ein anderes klappte vor vor einigen Tagen ein paar Meter weiter zusammen und regte sich minutenlang nicht. "
Das Schlimmste aber war, dass die Touristen einfach in der Kutsche sitzen blieben und auch sonst keiner der Zuschauer dem Tier zu Hilfe kam. Der Umstand, dass ein Tier mal umkippt, ist kein Grund für den Unternehmer, das erschöpfte oder kranke Tier nicht einzuspannen.

"Die "Poo Bags", die sie seit ein paar Jahren sinnloserweise hinter sich herschleifen, weil es die meisten Kutscher nicht schaffen, die Mistsäcke so anzubringen, dass die Pferdeäpfel nicht auf der Straße landen, sind dabei ihr kleinstes Problem. Die Tiere sind vor allem wegen des neuen Bundestierschutzgesetzes arm dran. Seit 2005 in Kraft, streift es das Thema Fiaker nämlich nur, während es gleichzeitig die Wiener Pferdeordnung mit ihren viel strengeren Schutzbestimmungen außer Kraft setzt. "Davor musste ein Pferd mindestens zwei Tage hintereinander frei haben, jetzt kann es jeden Tag, von 9 bis 23 Uhr, eingesetzt werden", sagt Herrmann Gsandtner, Wiener Tierschutzombudsmann."

Die 58 Stellplätzen alleine in Wien, um die sich alle rangeln,  werden alle sechs Monate neu vergeben, um die mafiösen Zustände im Gewerbe aufzuweichen. Aus diesem Grunde hat man auch usrpünglich die Zahl der Lizenzen erhöht. Die Tierschutzbestimmungen werden aber kaum kontrolliert. Stattdessen überlegt man sich nach den aufgezwungen Kotsäcken ("Poo-Bags" am Hinterteil der Pferde, die an den Beinen reiben und die Fliegen anziehen – der Schwanz musste deswegen extrem zurückgestutzt werden!) überlegt man sich stattdessen auch noch die Pferde mit ganzen Kunststoff-Schuhen zu versehen, um den Asphalt zu schonen. Im Moment sind sie noch zu teuer und zu wenig beständig. Die Hitzebelastung im Sommer – bis zu 40° C im Sommer – scheint auch keinen zu interessieren – die Menschen können sich in den Schatten stellen, die Pferde stehen in der prallen Sonne.

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Anmerkung:

Die Frage, warum man in der Großstadt mit viel Verkehr überhaupt so viele Fiaker benötigt und sich nicht einfach auf Schlossparks wie Schönbrunn usw. beschränkt, kann man nur mit Geldgier beantworten: man kann doch die armen Touristen nicht mit Taxis, Bussen und Trams fahren lassen… Ist doch egal, wenn das Tier totunglücklich, hungrig, krank, mager und struppig aussieht, das "goldene Wienerherz" (sic! ohne Herzblut) braucht eben Fiaker, auch wenn die aussehen und Verhalten als kämen sie frisch aus der Gefängnisanstalt Stein… Tiere, die nicht weiterkönnen, enden zuletzt im Schlachthof.

Außerhalb Wiens, in den anderen Bundesländern, fahren Kutschen mitunter nur mit einem Pferd, mit Aufbau und bis zu 8 menschlichen Insassen – und dass bei schwerstem Verkehr, und völlig entkräftet – mit Einsatz der Reitpeitsche. In manchen Städten ist die Zeit reguliert von Sonnenauf- bis -untergang oder von 10-18 Uhr.

 

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