Was erwartet uns nach dem Tod, was passiert mit unseren traumatischen Erinnerungen und wie wirkt sich eine Organentnahme aus? – Reflexionen
 
 
Mutter – Gattin – Todin 
 
Archaisch war die Vorstellung, dass der Mensch von Mutter Erde (aus Geburtshöhlen oder Bergen) geboren wird, wie alles Leben, und zur Erde wieder zurückkehrt (z.B. beerdigt wird) und sich mit ihr und ihrem Leben, ihrer Lebenskraft, wieder vereint. Mit ihrer selbst, ihrer Lebenskraft, lebte er weiter, vielleicht sogar in neuer Form. Heraussprießend und neu entstehend wie Gras. – Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn hochstehende Tierarten, die um verstorbene Angehörige trauern, ebenfalls diese Vorstellung besäßen. Daraus entstand die Idee der Mutter Erde und Mutter Seele, die den körperlichen Menschen gebirt, ihn nährt wie das Gras, ihn reifen lässt, bis er verwelkt oder gnadenlos geschnitten wird und heimkehrt zur Mutter Tod. In diesem Reigen wird der körperliche Mensch mal Kleinkind, mal befruchtender erschaffender Ehemann und am Ende der sterbende Greis, der in sein Grab gebetet wird wie ein Samenkorn, der im Jenseits der Göttin, in ihrem Bauch fast schlafend weiterlebt bis zu einem neuen Leben. Die Reife auf Erden und die Reife im Jenseits waren die wesentlichen Zeiten, die sich gegenseitig vorbereiteten und zeugten, Jugend und Alter waren nur Übergänge.

 

Der animalische Mensch der Hirten- und Jagdvölker und die Bedeutung der Knochen
 
Vor ca. 3-4000 Jahren war man im Orient der Meinung, dass der Tote einen unversehrten Leichnam benötigt, um als identischer Toter (auf der irdischen Ebene oder im Paradies) weiterleben zu können. (Man hatte keine Lust, die bisherige Form und bisherige Existenz aufzugeben und nach einem langen Schlaf und Traum als was anderes neu zu entstehen.) Vor allem die Knochen des Toten sollten unversehrt bleiben, denn das war ja das, was viel länger haltbar war – das Fleisch verweste und wurde musste entweder durch komplizierte Mumifizierung oder Bildsärge, mittels Symbole erhalten werden – oder wurde von den Knochen entfernt, wie bei den Parsen.) Verbrecher zerteilte man daher in Stücke oder schändete sonstwie den Leichnam, und warf die Reste den Schweinen vor, damit sie als (individueller) Geist zerstört würden. Mitunter traf das auch Kriegsgefangene. Die Verbrennung war auch ein Mittel, das Individuum zu vernichten; dazu die Idee, das Feuer würde das Böse zerstören. Um Ruhe zu finden und um weiterzuleben, musste der Tote rituell und ordnungsgemäß beerdigt werden. Nein, mit etwas magischem Tricksen fiel man nicht der Auflösung in einem irdischen Grab anheim, sondern verblieb so wie man war – jedenfalls LANGE. Mit entsprechenden nützlichen Grabbeigaben – mitunter sogar kleinen Palästen, Personal, Frauen und Tieren, oder zumindest deren Statuetten als symbolischer Ersatz, mit Gebeten und Opfern konnte man auf einer jenseitigen Erde sein Leben möglichst bequem weiterführen. Wäre doch traurig, womöglich als Sklave wiedergeboren zu werden… Der Bezug zur irdischen Welt (in dem man sich an die Toten, an die Ahnen, erinnert, indem ein Grabmahl existiert, indem man für sie betet, gibt ihnen Existenzrecht als Geist auf dieser Welt. Solange man sich an sie erinnert, solange ihr Körper noch nicht völlig verwest war.)
 
 
Die Seele als vergöttlichter Geist auf himmlichen Reisen

Die alten Ägypter mochten keine alten Vorstellung wegen neuen Ideen zu verwerfen, sondern waren Meister darin, die religiöse Weitereintwicklung von Anschauungen synkretistisch miteinander und mit alten Vorstellungen zu verbinden. Nun, dann gab es eben drei jenseitige Körper – der tierartige Geist (Ka), der beim Grab blieb, der menschliche Geist (Ba), der im Paradies träumend mit Osiris weiterlebte und der göttliche erwachte magische Geist (Ach), der mit der Sonne (in der Sonnenbarke) als Licht, Stern und Sein im Universum, im Himmel seinen Platz hatte. Nur war es nicht gesagt, dass alle Menschen alle diese Formen besaßen, vor allem das magisch-göttliche Ach war eine besondere Gnade Amun-Re’s.

Die alte Idee der körperlichen Existenz durch Wiedergeburt oder Erwachen aus dem Schlaf auf einer paradiesischen Erde wurde in der Antike durch eine neue Vorstellung ersetzt, wonach ein Geist (die Seele) auch ohne Körper weiterexistiert und in ein anderes paradiesisches Land geht – ins Jenseits oder hinauf zur Sonne und zu den Sternen (= astra), in das astrale Reich. Der Leichnam darf somit ruhig zerfallen. Diese Vorstellung ist eigentlich die, die derzeit in allen großen Kulturen vorherrscht, auch bei den Indianern Amerikas.

Im Judentum war Jesus einer der Vertreter derer Hellenisten, dessen "gute Botschaft" darin bestand, dass der Mensch nicht auf seine intakten Knochen als Leichnam bis zu einer eventuellen Wiederauferstehung angewiesen ist, sondern dessen Geist unsterblich ist und ins Paradies eingeht, es also keinen Tod gibt. Die traditionellen Juden glaubten bis dahin an ein Mittelding – der Mensch war sterblich, nach dem Tod gab es nichts, aber eines Tages (am Jüngsten Tag) würde Gott aus den unversehrten Knochen einen Leib formen und die Toten wieder auferstehen lassen. Bis dahin ruhten die Toten in einer Art "Schattenexistenzform" ohne Bewusstsein (d.h. im Koma), im Zustand der "Gehenna" (Ausdruck nach einem jüdischen Friedhof, bei Luther einfach falsch übersetzt mit "Hölle").

In Asien – ausgehend von den alten Indoeuropäern, die nach Westeuropa und Indien eingewandert sind – kam es ebenso zu einem Mix: der Mensch geht ein in ein anderes jenseitiges Land, um aber nach einer gewissen Zeit als Körper wiedergeboren zu werden. (= Auch eine Form der Wiederauferstehung! Unter Umständen gelangte auch nur seine unpersönliche Lebensenergie ín eine andere Körperform, d.h. Wiedergeburt nicht nur als Mensch. Und vielleicht nicht mal als Einzelindividuum.) Was mit der Leiche passierte, war weniger wichtig; umso schneller der verweste, desto schneller war der Geist frei und konnte ins Jenseits. Also begannen Inder, oder z.B. auch Kelten, ihre Toten zu verbrennen. Auch manche Indianerstämme Nordamerikas.

Manche südamerikanischen Stämme, auch Germanen oder Griechen u.a. unterteilten das Jenseits in besondere Gefilden – z.B. für Könige, Kriegshelden oder Frauen die bei einer Geburt gestorben waren (= Gäste der himmlischen Götter), für gute Menschen (Elysium = Paradies) oder unerfreulichere Schattenbereiche für normale Menschen oder Sünder (= die sich gegen diverse Gottheiten vergangen hatten), z.B. das Land der Hel (eigentlich: Höhle, Erdhöhle, Hölle, Frau Holle, Earda, die Erde), Hades,… Ältere Vorstellungen blieben offenbar erhalten und waren für die unteren Schichten, während die neueren, erfreulicheren Bilder vom Jenseits der Oberschicht (König, Adel, Verwalter, Priester) vorbehalten waren.

 
 
Das Christentum in Europa

Mit den Christen kam die alte orientalische Vorstellung (des Alten Testaments) nach Europa, dass der Mensch nach dem Tode als Leichnam in der Erde ruht, bis ihn Gott am Jüngsten Tag wieder auferweckt. Daher: keine Leiche darf obduziert werden. Daher: Verbrecher wurden nicht nur körperlich geschändet, sondern Ketzer wurden auch als "Geist" vernichtet, indem man die Leiche (inkl. das Böse) verbrennt. (Glaubte man damals.) Daher: bis ins 20. Jhd. durften/sollten normale Leichen nicht eingeäschert werden. Das Ganze natürlich im totalen Widerspruch zum Christentum des Neuen Testaments, des Weiterlebens nach dem Tode als Geist (wie Jesus) und der Idee des Paradies (bzw. des astralen Himmels), in dem Tote letztlich eingehen, vor allem gute Menschen. Und bei dem die Leiche nicht so wichtig war. Bis heute findet man im Christentum Anhänger der einen und Anhänger der anderen Vorstellung.

Aus dem Widerspruch ergab sich wie folgt: Trotz Paradies (Ba!) besteht parallel die Vorstellung des Jüngsten Tages (Ka!). Zumindest ins Fegefeuer oder in das Höllenfeuer sollten die Seelen von verstorbenen Sündern gelangen: heute interpretiert man das in der Kirche eher als "Seelenqualen der Reue und Sehnsucht", und nicht mehr im Sinne von Schmerzen und Ausrottung. Höllensünder erstehen nicht mehr auf; denn am Jüngsten Tag verurteilt Jesus Christus (= im Grunde die Lebenskraft Gottes, die Weltseele) die einen zu ewigem Himmel (Ach), die anderen zu vorübergehendem Fegefeuer, die großen Sünder zur Verdammnis des ewigen Feuers und Auslöschung der Existenz. Etliche Christen begreifen das Paradies allerdings nicht als himmlisch-astral, sondern als paradiesisch-irdisch: sie werden als reale Menschen (Ka) wiederauferstehen auf einer verwandelten Erde. Moderne Christen fügen noch dazu: sie entstehen wieder mit einem verklärten Geistleib (Ach) wie Jesus, nicht aus Fleisch und Blut. Und das "himmlische Jerusalem", in dem sie leben, ist eine Gesellschaft, die in Gottes Frieden und nach seiner Gerechtigkeit lebt. (Im Grunde: nicht irdisch.)

Die Praxis der NS (als Vertreter einer schwarzen Loge), neben anderer Schandtaten, z.B. tote Juden zu verbrennen, sollte diese nicht nur körperlich, sondern auch als Seelen vernichten. In dieselbe Richtung zielt die Schändung von jüdischen Gräbern. – Als Gegenreaktion hat Israel ein Mahnmal errichtet mit den Namen und ev. Fotos der Getöteten, damit sie so das ewige Leben zurückerhalten, in Erinnerung bleiben.

Wann ist "der Jüngste, Erste Tag"? In der christlichen Theorie nach der Apokalypse und dem Ende der bisherigen Erde und ihrer Regierungen – real oder durch Umwandlung. In dem die Gerechten dann einen himmlischen / gesegneten Ort des Friedens bewohnen (Jeru-Salem). Oder ist der Jüngste Tag nicht der Tag des Todes, in dem sich die Seele seinen eigenen Erinnungen an das vergangene Lebens stellen muss?

 
 
Esoterische Vorstellungen

Die Esoterik, der Okkultismus, auch die Kabbala bis hin zu den Hexen kann aus einem reichen Fundus von Vorstellungen schöpfen und glaubt eher an ein jenseitiges Paradies (je nach Seelenzustand. Das Paradies wird als Traumland erschaffen nach eigenen unbewussten Ideen, ein böser Mensch schafft sich somit selbst die Hölle, ein heiliger Mensch vereint sich mit dem Göttlichen), dazu muss der Geist des Toten aber die irdische niedrige Ebene in Richtung einer anderen Dimension der Existenz ( = "Jenseits") verlassen, den "Geistergürtel", wobei sich einige Seelen dafür Zeit lassen. Das beruht nicht nur auf Vorstellungen aus den Religionen, sondern auch aus Berichten von Nahtoderfahrungen, berichtete Geisterscheinungen und den Aussagen von einem Medium.

Wie man unschwer sieht, ist das, was der Mensch so glaubt, immer im Wandel. Daher sollte man sich an Ideen nicht so verbissen festkrallen.

Ich gehe davon aus, dass die Seele = genauer: der göttliche ewige innere Geist, den Tod überdauert und in ein jenseitiges Land eingeht mit der Option der Wiedergeburt. Die Leiche ist dabei nur ein abgelegtes Kleid, das mit der Zeit vergeht, und BIS DAHIN bestehen noch irdische "Bindungen", die immer lockerer werden. Daher entschließen sich auch viele zur Einäscherung, um den Prozess zu beschleunigen. Was daher die Organentnahme für eine Organspende betrifft, muss jeder selbst entscheiden… Allerdings leben auch Organzellen nicht ewig, die ursprünglichen Zellen sterben je nach Lebensdauer (einige Wochen bis einige Jahre) ab und werden ersetzt durch Zellen, die der Empfänger selbst mit seiner Schwingung herstellt. Es sollte m. E. jedenfalls schon so sein, dass der Spender der Entnahme von Organen nach seinem Tod zugestimmt haben soll.

Es wird allgemein angenommen (aus Berichten von Jenseitsexperten), dass Opfer von massiven Traumata einen Schock erleben und dann eine zeitlang nicht begreifen, dass sie tot sind und (als Spuk) im Schock auf der Erde herumirren könnten. Und wenn sie ins Jenseits eingehen, erst einer Heilphase bedürfen, in der sie sich beruhigen, ausruhen und von Heilerseelen dort betreut werden. Ob jemand einen psychischen Schock erleidet (wozu auch Selbstmord gehört) und wie jemand Traumatas bewältigt, ist ganz individuell. Viele Spukerscheinungen beruhen auf traumatisierte Seelen, die meist dann (ev. mit Zuspruch und durch Gebete) doch ins Jenseits überwechseln, wenn sie begreifen dass sie tot sind und sich beruhigt haben. Klarerweise dürften Atheisten und solche, die nicht an ein Weiterleben glauben, etwas irritiert reagieren, auch Leute, die Angst vor einer Strafe im Jenseits haben, werden sich etwas sträuben. Persönlich glaube ich nicht so sehr an Strafen – das Jenseits fällt danach aus, was und wie der Mensch als Seele denkt, hell und freudig oder entsprechend traurig, düster und bösartig. Der Höllenkandidat verdammt sich damit selbst zu seiner eigenen Hölle oder Auslöschung.

 
Es wird immer wieder gefragt, ob man mit solchen Geistern oder Seelen von Verstorbenen Kontakt aufnehmen kann. Meiner Meinung nach ist der Geist etwas ganz anderes als der Körper. Der Geist kann sich in einen psychischen Körper (aus geformter Energie) hüllen, und tut das auch meist, so dass er (meistens, besonders anfangs) so aussieht wie der Verstorbene, ev. etwas jünger. Aber Kleider und Körper entspringen nur seinen Erinnerungen und Vorstellungen. Genauso die Jenseitslandschaften. Im Grunde ist der Geist reine Energie, und geht man noch weiter zurück, bleibt nur SEIN, ein Gedanke Gottes, übrig. Das ist sein Wesenskern, dass er in verschieden dichte Schichten von Energie und Hüllen kleidet – wobei der materielle Körper bei der Geburt nur der dichteste ist. Nach dem Tod werden Stück um Stück die Hüllen entfernt und der Mensch kehrt wieder zu seinem Ursprung zurück, bis die Energie sich wieder verkörpert, wenn sie sich nicht ganz enthüllen konnte.
 
In diesem Sinne ist es ganz geschickt, das Jenseits – beginnend HIER als Dimension neben uns – als ein Folge immer weniger dichter, dafür höherfrequenter Bereiche zu betrachten, in die der Verstorbene je nach SEINER Einstellung und Vorstellung gezogen (angezogen) wird. Wer gerade verstorben ist, oder wer aus Schock oder Absicht nicht gehen will, bleibt mal hier in der "Geistergürtel"-Dimension neben uns. Und spukt dann rum. Meistens besuchen Verstorbene für einige Tage noch ihre Angehörigen und Lieblingsplätze, bevor sie "aufbrechen" auf eine ihnen gemäße Ebene. Dort soll es anscheinend eine Phase der Regeneration und des Schlafes geben, in deren Zeit sie sich geistig umstellen und umorientieren. In dieser Phase kann man sie ur schwer kontaktieren, davor aber danach schon.
 
Während für uns materielle und zeitliche Gesetze zählen, gelten diese für Geister je nach Höher der Ebene immer weniger, während sie aber geistigen Gesetzen (Vorstellungen, Ritualen, Symbolen…) unterliegen, die für sie so real sind wie für uns eine Mauer. Kontakt können wir mit ihnen telepathisch (durch intensive Gedanken) aufnehmen, sofern sie das ebenfalls wollen. Sie "hören" unsere Gebete und Worte, wenn wir entsprechend intensiv und bildlich an sie denken. Wer Verstorben nicht innerlich mit den inneren Augen und Ohren wahrnehmen kann, kann vielleicht ihre Gegenwart durch Gerüche, Kälte/Wärme (Energien), durch ihre Aura und durch in einem selbst aufsteigende Gedanken erkennen. Da auch Geister auf ihrer Ebene ihre Verpflichtungen haben, sollte man sich aber verabschieden und sie innerlich ziehen lassen und nicht durch übermäßige Trauer und ständiges über sie Grübeln hier "festhalten". Abzuraten ist genauso ein "ständiges Offenhalten" der eigenen unbewussten Tor der Wahrnehmung, Tag und Nacht, zuhause oder unterwegs, da da alles auftauchen und eintreten – KÖNNTE.

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