Der Wunsch nach Glück innerhalb einer idealen Gesellschaft 
 
 
1. Grundlegende Reflexionen über die Machbarkeit
 
Angeblich wünschen sich Menschen ein glückliches Dasein, doch versteht jeder etwas anderes darunter. Allen gemeinsam ist wohl, das ihre dringenden körperlichen und seelischen Bedürfnisse sicher und langfristig gedeckt sein müssen, bevor sie sich glücklich und zufrieden fühlen können und die Energie haben, nach MEHR zu forschen, nachzudenken, Kultur voranzutreiben. Jeder versteht nicht nur etwas anderes unter einer "idealen Gesellschaft" sondern geht von anderen mitgebrachten Fähigkeiten, Ansichten und Erkenntnissen aus. Eine utopische Gesellschaft zu errichten setzt jedoch immer einen großen Konsens innerhalb der Gesellschaft voraus, oder sie hat keinen Bestand. Der Mensch lässt sich nciht gerne vorschreiben, wie er zu leben hat, vor allem nicht, wenn der den Sinn der Vorschriften nicht einsieht, wenn sie ihm persönlich, weiters seiner Familie und ferner dem Land nichts nützen. Vor allem kommt den meisten Menschen ihr Ego zuerst, welches der Nützlichkeit für das Kollektiv oft entgegensteht. Viele denken, sie können durchwegs glücklich sein, auch wenn es dem Kollektiv gesamt (d.h. seinem Umfeld, seiner Gesellschaft, seinem Land, seinem Planeten) dreckig geht. Kann man in einem Kollektiv überhaupt individuell glücklich sein? Oder nur "zufrieden" leben (falls wunschlos)?
 
Ich weiß nicht, ob Ameisen glücklich sind, weil sie alle eine Kollektivintelligenz bilden. Ist z.B. die Leber glücklich, weil alle Zellen einer Meinung sind? Oder ist sie glücklich, weil die Abweichler zum Zellen(krebs)selbstmord befohlen werden? Oder ist das Organ unglücklich und in Wahrheit sind die Krebszellen, die aus dem Verband ausscheren, ungehorsam sind und tun was sie wollen, die Glücklichen? Und wie ist das in der Gesellschaft – sind die Außenseiter glücklich, oder sind die Glücklichen die, die nicht lange nachdenken sondern einfach wie die Mehrheit handeln und sind? Ist Glück nun eines Sache des Nachdenkens und selbständigen Entscheidens – oder eher das komplette Gegenteil davon?
Fast denke ich, diejenigen, die mit der Masse konform gehen, die keine eigene Meinung haben, die nie nachdenken sondern einfach mitlaufen, dass sie die Glücklichen sind, denn sie grübeln nicht und sind daher mit allem offenbar zufrieden. Allerdings entwickeln sie die Gesellschaft auch NULL weiter. Das tun immer die Außenseiter, die Besonderen, die Außergewöhnlichen, die Unzufriedenen, die Fragen stellen, die unglücklich sind mit dem Ist-Zustand – sofern sie überleben.

Womit also die Unglücklichen die sind, die Veränderungen anstreben, aber selbst nie wissen, was das ist: Glück, Zufriedenheit, Beständigkeit. Und dann wollen sie doch erst wieder, dass alle so ticken wie sie selbst, damit sie sich auch mal glücklich fühlen können. Wollen Massen überzeugen. Und verfolgen dann ihrerseits Abweichler. Und so fort und fort und fort: es werden NIE aller einer Meinung sein. Und damit wird niemals eine Gesellschaft alle glücklich machen können, und nie eine Gesellschaft perfekt sein. Alles was wir tun können, ist Verbesserung, aber Perfektion (d.h. eine endgültige) werden wir nie erreichen.

Wenn die Erde eine Art "Lernphase" ist für Menschen auf den verschiedensten geistigen Stufen, so eine Art Kindergarten in diesem Kosmos ist,  so schaffen erst die Fortschrittlichen und ewig Unzufriedenen eine neue Gesellschaft. Sie sterben während dieser Arbeit und ganz andere Individuen kommen und graben das ganze wieder um. Von wegen "beständige glückliche utopische Gesellschaft" – sie ist unmöglich! Fortwährend Wandel und Widersprüchlichkeit existiert als Naturgesetz, weil eben alle die lebenden (inkarnierten) Menschen eben nicht gleich sind und nicht gleich denken und nicht auf gleicher intellektueller, emotionaler, seelischer, mystischer Stufe sind und nicht dieselbe Einsicht haben und auch sonst die verschiedensten Interessen haben.
 
 
 

2. Gewaltsame Machtergreifung und diktatorische Zwangsbeglückung als Utopie für Minderheiten

 

Damit eine Gesellschaft nur ein bißchen innere Ruhe hat, um sich positiv zu entwickeln, müssen die große Mehrheit der Gesellschaftsform und ihrer Werte zustimmen. Leider gehen die meisten gewaltsamen Revolutionen, wie man im historischen Ablauf erkennt, nur von einer Minderheit von Unzufriedenen in der Größe von ca. 15-22% der Bevölkerung aus (als wäre das anzahlsmäßig eine magische Grenze dafür). Der Rest muss sich bei einem Erfolg dieser "Machtergreifung" gewaltsam fügen, die neuen Ideen werden der Mehrheit einfach aufgezwungen, wobei der Großteil der Bevölkerung dann, schicksalsergeben und Ärger vermeidend, zu Mitläufern mutiert, die aber sofort ihre Meinung wieder ändern könnten, wenn die Bedingungen endlich andere werden. Dafür übernehmen die neuen Machthaber alle Untugenden der alten, die sie zuvor heftigst kritisiert haben. Sie situieren und arrangieren sich, werden selbstzufrieden und träge und wollen sich selbst auf ewig erhalten (d.h. streben nach Beständigkeit).

Ich bin mittlerweile zu der Überzeugung gekommen, dass auf dieser Welt nichts was manifestiert ist 100% (d.h. Perfektion) erreicht. Es wird sich zu jeder sich durchsetzenden Sache und Einstellung oder Lebensform sofort, als wäre es ein kollektiv-psychologisches Naturgesetz, ein feindlicher Gegenpol bilden, ein Widerpart, ein Widerstand, der genau das Gegenteil macht als die Regierenden es wünschen. Vielleicht macht das Sinn: egal wie die Menschen sich entscheiden, wenn ein Teil durch Fehlentscheidung oder Katastrophen ausstirbt, bleibt immer ein Rest übrig, weil er sich dagegen entschieden hat.

Hängt vermutlich auch mit der Chaostheorie zusammen oder mit Yin und Yang, und dem Symbol Taiji, das ist der bekannte der Kreis mit einen Teil licht, ein Teil dunkel, wo eins ins andere übergeht und im anderen bereits ein Kern des einen sich entwickelt. Unsere Welt ist eben dual aufgebaut, und die Gegensätze bedingen einander, bringen erst den Gegenpol hervor, wechseln sich in Ordnung und Unordnung ab.

Für eine gewaltsame Revolution ist eben nicht die Mehrheit ausschlaggebend, wie man meint, denn dann müsste sie kaum gewaltsam verlaufen – zusammen mit den Mitläufern hätte sie doch dann eine satte Mehrheit! Gewaltsame Revolutionen, die dann die Bevölkerung tyrannisieren, gehen eben nur von einer genügend großen Minderheit aus, die die Zustimmung der Bevölkerung dann mit Terror, Einschüchterung und Gewalt erpresst. Weil die sich nämlich wehrt, bevor sie sich ergeben muss. Ohne permanenten Terror kann sich die neue gewaltsame Obrigkeit auch nicht lange halten. Der Terror soll die Massen zwingen, die Ideen anzuerkennen und die neuen Unzufridenen ausrotten oder zumindest machtlos halten, eben unter 15%.

Wenn eine "Revolution" wirklich von der Mehrheit getragen wird, setzt sie einfach die alte Führungsschicht ab. Sie muss ihre vielen Anhänger nicht einschüchtern. So putschte z.B. General Napoleon sich nach oben, und alle von der bestimmenden Basis der Macht, d.h. der Armee und des Bürgertums, stimmten zu. Es ging rasch und es ging leicht! Genauso leicht wurden Deutschland und Österreich zu Ende des 1. Weltkrieges ihre Monarchen los. Und so wären auch die (vom Westen unterstützten) Aufstände Osteuropas gegen die UdSSR im Kalten Krieg verlaufen, hätte die nicht UdSSR militärisch von außen interveniert und dadurch die regierende Minderheit wieder eingesetzt, mit entsprechendem Terror. Mit umgekehrtem Vorzeichen sorgte der Westen für rechtsgerichtete Diktaturen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Wie man sieht, sind diese politischen Ideologien auch nichts anderes als "Utopien" für eine ideale Gesellschaft – allerdings nur für eine (herrschende) Minderheit. Der Rest der Bevölkerung sah die Diktaturen nicht so toll.

 
 
 
3. Utopien – Wunschträume und Vorstellungen von einer idealen fernen Zukunft  
 
Utopie – griechisch "Outopia" bedeutet sovie wie "Nirgendwo", d.h. das Wort bedeutet eine denkbar Wunschvorstellung, eine Vision über eine räumlich ferne Welt (d.h. auf Erden oder sonstwo) oder eine zeitlich ferne Welt (d.h. in der Zukunft oder der Vergangenheit). Der Begriff selbst stammt von Thomas Morus, 1516.
Solche erträumte Welten oder konstruierte Konzepte für eine Wunschzukunft gab es bereits in der Antike und als Vorstellung in allen Kulturen: man denke an Atlantis, Schamballah und Argatha, Reisen auf der ägyptischen Sonnenbarke über den Himmel und zwischen den Sternen, bis hin zu den Gefilden der Götter, die sorglos ihren Interesen nachgehen konnten, ohne Mühen, Hunger, Krankheiten, Schmerzen, ohne Hitze oder Kälte und ohne Mangel und ohne Tod. Auch das paradiesisch ausgemalte Jenseits und das himmlishce Jerusalem sind solche utopischen Welten. Oder das neue Leben auf fernen Sternen.

Wenn Menschen aufgrund von Berichten über eine ach so tolle ferne Weltgegend auswandern, auf wackeligen kleinen Booten, wie die Maoris, die den weiten Pazifik so bevölkert haben, oder wenn Menschen generell als rückständiger Immigranten in verheißungsvolle Länder auswandern, wo der erhoffte Wohlstand winkt, so folgen sie nicht unbedingt einer Realität, sondern folgen einer erträumten Wunschvorstellung von einem besseren Leben (Wunschvorstellungen wie El Dorado – die Straßen sind der Legende nach dort aus Gold.) Oder Träumen wie: die Suche nach dem Jungbrunnen als Quelle der ewigen Jugend und als Quelle des ewigen Lebens. Das  Schlaraffenland. Das Paradies. Das Jenseits. Das himmlische Jerusalem. Der islamische Gottesstaat. Der Wohlfahrtsstaat, der kommunistische Staat der Arbeiter und Bauern.

 
Vermutlich finden Auswanderer und Reisende dann im Leben auch einen ähnlichen erträumten Ort, nur wird der nicht ganz so groß, prächtig, lustig und toll sein, wie vorgestellt. Andererseits ist alles, was man sich vorstellen kann, auch möglich und tendiert zur Manifestation. Was immer man sich bereits vorstellen kann, ist bereits halb verwirklicht. (So bei Platons Ideenhimmel: zuerst existiert die Idee, dann die Manifestation.) Utopien tragen somit bei Menschen immer Elemente des Möglichen an sich. (Und Elemente, die sich nie realisieren werden.) Sie werden zu Leitsternen, die die diversen Kulturen ansteuern, zusteuern und verwirklichen wollen.  Die Menschen erhoffen sich einfach in einer idealen verwirklichten Gesellschaft persönliche Vorteile. Und wollen von Nachteilen nichts wissen.

Man kann von Glück sagen, dass die meisten Utopien so wie geplant nicht umgesetzt wurden und werden, weil sie meistens zur Schreckensherrschaft geführt hätten oder führen würden. Offenbar ist der Mensch unfähig, sich eine harmonische und faire ideale Gesellschaft zu erschaffen, in der jeder glücklich wird. Er kann immer nur träumen. Vermutlich liegt das, wie oben ausgeführt daran, dass  der Mensch selbst nicht vollkommen und umfassend ist, wie sollten es seine dann seine unvorllkommenen, halbausgegorenen Ideen sein! (Mein persönliches Motto aus alledem ist: nichts übertreiben, nichts fanatisch betreiben. Zwischen zwei Extremen ist der mittlere Weg immer der beste und sicherste!

Der Rückzug in ein Kloster kann genauso ein Versuch einer gelebten Utopie sein, indem man sich nach außen abschottet und das Störende einfach ausschließt, wie der Versuch, mit Drogen und Alkohol psychisch aus dieser Realität zu entkommen und zu einem nie von der Realität einholbaren Ort zu fliehen – und sei es nur für ein par Momente. Wo der Schrecken des materiellen Lebens nicht greifen kann.

In der pessimistischen Fiilm-Trilogie "Matrix" kann man nicht entkommen, der Versuch auszusteigen und eine neue Welt zu erschaffen mündet immer wieder in den bisherigen Zustand. Revolutionen führen nirgendwohin, sie geben nur momentan Hoffnung.
 

 

4. Einige literarische, philosophische, religiöse und verfilmte Utopien, Auswahl

Platons "Politeia" (lat. De re publica): Ein in Ständen aufgeteilter Staat mit Arbeitsaufteilung in Bauern, Handwerker, Wächter und Regenten (letzere sind Philosophen). Siehe Wikipedia, Platon: "Ein Stand ist nicht erblich, sondern wird durch persönliche Leistung im Bildungsprozess erreicht. Deshalb wird das neugeborene Kind den Eltern weggenommen und unter völliger Gleichberechtigung von Jungen und Mädchen von Erziehern herangezogen. (Diese ursprünglich harte Forderung relativiert Platon in den Nomoi (= Gesetzen) wieder). Dadurch soll eine große Gemeinschaft entstehen, da ein Kind sehr viele Mütter und Väter und Geschwister hat. Nicht-taugliche Säuglinge, also solche, die aus unerlaubten Beziehungen hervorgehen, werden nach dem Vorbild Spartas umgebracht. Die Regeln der Erziehung werden in Platons Politeia lange erörtert, wobei alle Menschen die gleiche Erziehung durchlaufen. Besonderen Wert legt Platon auf körperliche Ertüchtigung und musische Ausbildung. Mit dem Ausscheiden aus dem Bildungsprozess (welches sich nach den Fähigkeiten des Einzelnen richtet) fällt die Zuteilung in einen Bildungsstand. Wer frühzeitig aus dem Bildungssystem ausscheidet, wird Bauer oder Handwerker (entsprechend seiner Fähigkeiten, die er im Sinne von Platons Gerechtigkeitsdefinition ausüben soll). Wer weiter gebildet wird, wird "Wächter" also Krieger. Erst wer sich in diesem Stand profiliert hat und weiterhin eine tiefgreifende Ausbildung durchlaufen hat, wird Philosoph und damit Herrscher." Männer und Frauen werden von Staats wegen zwangskombiniert, d.h. alt mit jung, dick mit dünn usw. um ideale Kinder zu produzieren. – Den Rest aller Ungerechtigkeiten erspare ich den Lesern.

Thomas Morus veröffentlichte 1516 "Utopia", in der ein Seemann vom (christlichen) Land Utopia berichtet, in dem alle in grauer Einheitstracht herumlaufen (und vieles davon erinnert mich an die Amish, warum wohl?): Siehe Wikipedia: "Die Utopier leben in den Städten in Familienverbänden. Erwachsene Geschlechtspersonen gehen eine monogame Ehe ein. Es herrscht allgemein eine patriarchalische Hierarchie, und die Älteren bestimmen über die Jüngeren. Überfamiliär ist die Gemeinschaft klosterähnlich organisiert mit Gemeinschaftsküche und gemeinsamen Speisungen. Ein jährlich gewählter Vorsteher hat die Aufsicht über einen Familienverband von 30 Familien. Privateigentum existiert nicht, jeder bekommt unentgeltlich die von der Gemeinschaft produzierten Güter für den persönlichen Bedarf zugeteilt, die er begehrt. Männer und Frauen arbeiten als Handwerker sechs Stunden am Tag; in welchem Handwerk ein Bürger ausgebildet wird, kann er selbst entscheiden. Es besteht Arbeitspflicht, und turnusgemäß werden die Utopier aufs Land verschickt, wo sie gemeinschaftlich Ackerbau betreiben. Für Kinder besteht Schulpflicht. Besonders Begabte erhalten eine wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung. Die wissenschaftlichen Vorlesungen sind öffentlich, sie zu besuchen ist die beliebteste Freizeitgestaltung der Utopier. Besonderen Wert legen die Bürger auf eine für jeden Kranken optimale Krankenversorgung. Männer und Frauen üben regelmäßig für den Kriegsdienst. Kriegsverbrecher und Straftäter, teils als Todeskandidaten aus dem Ausland gekauft, müssen Zwangsarbeit leisten. In der säkular organisierten Gemeinschaft herrscht religiöse Toleranz.
Der Staat ist eine Republik. Jede Stadt wird von einem Senat regiert, der sich aus Wahlbeamten auf Zeit zusammensetzt. Das Staatsoberhaupt ist auf Lebenszeit gewählt. Wichtige Entscheidungen werden durch Volksabstimmung getroffen.
Gold (Geld) gibt es bei den Utopiern selbst nicht. Sie sollen aber durch eine Überproduktion an Gütern vieles davon anhäufen, und verwenden es um Söldnerheere oder Handel zu betreiben."

Die Wiedertäufer und ihr "Gottesreich" in Münster: Nach religiösen Unruhen aufgrund der evangelischen Reformation setzten Handwerkergilden und Bürger 1533 die Einführung eines evangelischen Glaubens in Münster durch, aber sie lehnten dabei die Confessio Augustana ab und favorisierten die niederländische Täuferbewegung. Unter Belagerung der Stadt durch das (katholische) Reich kam es zur totalen Radikalisierung unter Jan van Leiden: Zwangsbekehrungen, Hinrichtungen, zwangsweise Einführung der Gütergemeinschaft, Einführung der Polygamie und Aufteilung der vorhandenen Frauen (Leiden nahm für sich persönlich 16 Frauen), Endzeitwahn und Erwartung des Messias. Jan van Leiden ließ sich zu "König Johannes I." ausrufen (König Johannes in Anlehnung an einen erwarteten Endzeiterlöser.) 1535 wurde die Stadt erobert und die Fanatiker entsprechend von den gegnerischen Fanatikern blutig hingerichtet.

Herbert George Wells (1866-1946) beschrieb in seiner "Zeitmaschine" die Entwicklung der Menschheit zu zwei Spezies: die einen sind unschuldige, schöne, aber dumme und oberflächliche Geschöpfe (Eloi) die alles haben. Und im Untergrund lebende räuberische Mörder (Morlocks) mit Knowhow, die gezielt die dummen Elohim wie Vieh halten und sich von ihnen ernähren. (Ein Schelm, der dabei an internationale kriminelle Organisationen, Kartelle, kapitalistische Wirtschaft, heutige globale Zustände, Bilderberger, Weltbank und WTO denkt!)

George Orwell (1903-1950) verfasste als Sozialist, aber Gegner des Imperialismus und der Diktatur seine vernichtende Stalinistenkritik "Animal Farm" (Farm der Tiere) und vor allem die Schilderung eines totalen Überwachungsstaates, der keine Gefühle erlaubt in "1984" : Siehe Wikipedia: "In dem Werk werden Ausdrücke geprägt, die in den Sprachgebrauch der westlichen Welt eingingen. Beispiele sind Wendungen und Begriffe wie ‚1984‘, ‚Großer Bruder‘, ‚big brother is watching you‘, ‚doppelplusungut‘, ‚Altsprech‘, ‚Neusprech‘, ‚Zwiedenk‘ bzw. ‚Doppeldenk‘. Diese sind derart prägnant, dass sie an Stelle der Analyse totalitärer Systeme, die sie ursprünglich darstellen, heute gerne dafür verwendet werden, politische Gegner bloß zu stellen oder zu diffamieren."

Harry Harrisson (eigentlich Henry Maxwell Dempsey) beschrieb als SF-Autor in der Novelle "Soylent Green" 1973 eine schreckliche, überbevölkerte Welt, in der der Mensch die Meere leergefischt und die Tiere so gut wie ausgerottet hat, in der Alte freiwillig Selbstmord begehen, und in der der Staat die Menschen mit "Soylent Green" ernährt. Hergestellt aus – Menschen, dem einzig noch verfügbaren, nie endendem Rohstoff.

Die meisten populären SF-und Fantasy-Autoren versuchen hingegen, eine positive, schöne, interessante und gerechte zukünftige Welt zu zeichnen, eine Sozialutopie, in denen es zwar auftauchende Probleme gibt, die aber vom Menschen irgendwie bewältigt und zum Guten gewendet werden können; so Gene Roddenberry ("Star Trek"). So wie es auch der Geschmck des Publikums verlangt. Oder war das nur so in den Jahren des westlichen Wohlstandes bis zur heutigen Terrorzeit? Denn das Gegenstück zur positiven Utopie sind pessimistische Filmtrilogien wie "Terminator – Judgement Day" (Drehbücher von James Cameron u.a.), in dem die Menschheit ihrem beinahe-Untergang durch Computer, Maschinen, Roboter und Waffentechnik nicht entkommen kann und nur noch auf ihr Überleben – eventuell – hoffen kann. Hier gibt es keine erstrebenswerte Leitsterne mehr, die Zukunft ist dem Untergang geweiht.

Vielleicht ist die einzige Möglichkeit für eine positive Utopie, dauerhaft positiv und attraktiv zu bleiben, ihre Unerreichbarkeit, damit man sich permanent auf sie hinbewegt und solcherart mit einem erstrebenswertem Ideal glücklich und hoffnungsvoll verbleibt. Bei Unerreichbarkeit oder nur Teilerreichbarkeit des Ideals bleibt immer ein Rest, etwas Ausmalbares, Expandierbares, Veränderbares als Grund, sich weiterhin anzustrengen. Das Ideal/der Leitstern kann auch "Gott" sein. Denn etwas, was zu nahe an der unmittelbaren Realität liegt, kann offenbar nur materiell tödlich und düster ausfallen, mutiert zum Alptraum. Aus dem fernen Himmel wird durch Menschenwerk und menschliche Unzulänglichkeit die nahe und direkte Hölle. Es tut dem Menschen nicht gut, seine Ziele zu leicht und zu irdisch zu haben.

Weitere bemerkenswerte Utopien, Utopisten und SF-Klassiker: Jonathan Swift ("Gullivers Reisen"), Edward Bulwer – Lord Lytton ("The Coming Race"), Aldous Huxley ("Schöne neue Welt"), der Film "Metropolis"( Buch von Fritz Lang und Thea von Harbou), Andrew Niccol als Drehbuchautor ("Flucht ins 23. Jahrhundert", "Die Truman Show" und "Gattaca": In "Gattaca" versucht eine eugenetische Gesellschaft durch Präimplantationsdiagnostik und Genetik perfekte Menschen heranzuzüchten.)

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