Was tun bei bösen Geistern? Was tun, wenn man das Gefühl hat, es spukt?
 
Das kennt doch jeder: man fröstelt, man hat ein ungutes, ängstliches Gefühl, es knarrt und knackt in der Wohnung, man glaubt Schritte und Murmeln und Pfeifen zu hören, Gerüche treten möglicherweise auf, das Licht flackert, Glühbirnen explodieren und erzeugen Kurzschlüsse, aus einem Lautsprecher hört man Laute, Dinge sind plötzlich verschwunden und man kann sich absolut nicht daran erinnern, dass man sie woanders hingelegt hat. Oder sie bewegen sich, tauchen an unmöglichen Stellen auf. Man hat Kopfschmerzen, es ist einem übel, schwindlig, man ist dauernd müde und daraus gereizt und gestresst. Was tun? Befragen wir 5 unterschiedliche Experten zu diesem Thema und beobachten wir in diesem Moment ihre professionelle Vorgehensweise an Hand eines Beispiels aus Tuttlingen, wo eine Frau P.* sehr an einem Spukfall litt:                                                                                    *etwaige Namensübereinstimmungen sind rein zufällig…
 
 
Cooler Typ: "Also nee, die olle Tante soll mal weniger Fernsehen und den Fernseher ausmachen, dann hat sie weniger Grusel  in der Nacht und kann echt besser schlafen, nee. Und gegen die Marder und Katzen auf dem Dachboden und gegen die Ratten im Keller, echter Wahnsiinn, soll’se auch was machen! Die knabbern alle Leitungen an, nee."
 
Wissenschaftler: "Es ist doch wohl selbstverständlich, dass es so etwas wie Geister nicht gibt. Die Ursachen liegen somit eindeutig in einer überreizten Vorstellung und sich zu Halluzinationen übersteigender Phantasie, vermutlich durch sexuelle Frustration hervorgerufen. Hier fehlt eindeutig ein Mann im Haus, und das wird kompensiert durch zuviel Fernsehen. Daher die körperlichen Beschwerden, die Vergeßlichkeit und die Gereiztheit. Kalte Bäder, Baldrian oder ein Medikament sollten helfen. Die Knackgeräusche erklären sich aus dem alten Gemäuer und die Kurzschlüsse aus mangelhaften Elektroleitungen. Auf alle Fälle hat alles eine einfach physikalische und medizinische Erklärung."
 
Priester: "Dieses Haus wurde nicht geweiht und die Bewohnerin hat eine lockere Auffassung vom Christentum, besucht nicht regelmäßig die Messe. Sie sollte zur Beichte, um ihr Gewissen zu erleichtern, und damit aufhören, sich mit parapsychologischen Büchern und Gruselfilmen zu beschäftigen, denn das ist alles Teufelswerk. Schon allein, dass sie sich ausgerechnet eine schwarze Katze zulegen musste, ist ein Affront gegen den Glauben. Das ist kein redliches Betragen vor dem Herrn." *kopfschüttel*
 
Medium, tiefbewegt: "Ich sehe dunkle Schatten hinten im Badezimmer, da ist ein Eingang zu einer anderen Dimension, ein Tor das durchlässig ist zum Jenseits. Unerlöste Seelen bewohnen dieses Haus, etwas Schreckliches ist geschehen – hier ist jemand oben bereits einmal im Schlafzimmer gestorben. Im Wohnzimmer wurde bestimmt mit dem Ouiji-Board gespielt, habe ich recht? Ts, ts, das war sehr schlecht." (Lauscht in sich hinein.) "Außerdem fließt hier das Chi nicht richtig, man müsste hier einige Möbel umstellen und den Spiegel aus dem Bad entfernen und durch ein Regal ersetzen, alles nach den Regeln des Feng Shui. Dabei kann ich behilflich sein, alle diese Dinge zu besorgen."
 
Geisterjäger: "Ich koste 100.- pro Stunde, was für meine Art der Dienstleistung nicht zuviel ist. Hier wird nichts erlöst, hier wird gereinigt und entfernt und diese Gestalten und Kreaturen werden aus der Wohnung geworfen. Ich weiß, was ich tue, keine Angst. Also zuerst wird hier ein Großreinemachen veranstaltet, jede Ecke wird geschrubbt und dazu verwendet ihr Rosmarin, Zitrone und Salbei. Kein Geist soll sich in einer modrigen Ecke oder vergammelten Kleidern verstecken können. Die Fenster werden nicht ausgelassen. Während ihr hier so die nächsten Stunden putzt und die schlechte Aura entfernt, und das Licht aufträgt, werde ich durch die Zimmer gehen und dabei meine schamanistische Trommel schlagen, um die Geister aufzuschrecken und zusammenzutreiben."
 
Cooler Typ: "Also nee, Mann, was soll das yet? Putzen, nee das ist’n Scherz, wat? Hier ist doch alles sauber."
 
Priester, aufgebracht: "Wenn hier so ein Hokuspokus veranstaltet wird, sind meine Dienste sicher nicht vonnöten. Anstatt in sich zu gehen, fährt man mit diesem Teufelszeug fort!"
 
Medium: "Warum so massiv? Die Seelen gehören doch nicht vertrieben, damit löst man doch keine Probleme. Sie gehören ins Licht geschickt, und das kann man nur mit viel Liebe und Verständnis."
 
Wohnungseigentümerin: "Mein Fernseher ist mittlerweile kaputt, mein Mann zu seiner Mutter gezogen, mein Hamster hat panische Angst und die Katze sitzt nur noch vor seinem Käfig und faucht eine imaginäre Wand dahinter an. Vor kurzem ist das ganze Porzellan aus dem Wandschrank zu Bruch gegangen, als er umgefallen ist. Mit ist hier ständig kalt. Ich will dass das aufhört!"
 
Wissenschaftler: "Hier zieht es aber auch, das fühle sogar ich. Aber liebe Frau, was lassen sie denn die Katze nachts frei in der Küche herumlaufen, wenn sie Mäuse haben, da können Sie sich doch denken, dass der Schrank umfällt."
 
Wohnungseigentümerin sendet ihm einen vernichtenden Blick zu und beginnt zu putzen. Einige Stunden später:
 
Die Wohnung wurde gründlich geputzt und vom Priester mit viel Weihrauch und Bekreuzigungen und Gebeten neu eingesegnet. Er hat auch die Wohnungseigentümerin zu einem privaten kleinen Exorzismus mit Beichte eingeladen und sitzt nun im Wohnzimmer, bei einer Tasse Kaffee, um seinen Seelsorgeverpflichtungen der Wohnungseigentümerin nachzukommen und ihr ins Gewissen zur reden. 
 
Der Wissenschaftler hat sich über soviel Aberglauben sehr befremdet gezeigt, hatte inzwischen Türen und Fenster abgedichtet, die Gemäuer und Elektroleitungen abgesucht ohne wesentlich Neues herauszufinden. Dann hatte er seine eigenen Beruhigungstabletten für die Hausfrau zurückgelassen einschließlich der Adresse eines Psychiaters und das Haus verlassen, völlig überzeugt, dass Seine zur Lösung beigetragen zu haben: "Verehrte gnädige Frau, ich empfehle Ihnen dringend meinem Rat nachzukommen und ärztliche Hilfe aufzusuchen, denn hier ist nichts Ungewöhnliches, war nie etwas Ungewöhnliches und wird nie etwas Ungewöhnliches sein. Hier gibt es nur Wind, Feuchtigkeit und altes Holz!" Und ging.
 
Während das Medium in den vergangenen Stunden durch die Räume gegeistert war, um Kontakt mit den Verstorbenen aufzunehmen, die durch das Getrommle des Schamenan bestimmt verängstigt und genervt waren, schlug nun der schamanistische Geisterjäger unter exotisch gemurmelten Gebeten vor Türen, Fenster, Wasserleitungen und Kaminen ein Pentagramm, segnete nochmals das Haus auf seine Weise und ging dann zuletzt ins Badezimmer, wo er den coolen Typen zuerst rauswerfen musste, der hier auf der Toilette gesessen war um Zeitung zu lesen. Statt zu arbeiten. Der Coole behauptete jedenfalls er habe gelesen, allerdings waren seine Hände viel zu zittrig um die Zeitung zu halten, er sah richtig grün um seine Nase aus und murmelte dazu was von "was Schlechtes gegessen habend". Schmutzwäsche einer Frau  in die Waschmaschine zu stopfen war offenbar nicht wirklich sein Ding, so wie er deswegen aussah. Er schlich sich wie ein psychisch angeknabberter Hamster ächzend in den Flur. Das Medium tauchte nun ebenfalls auf, spät aber doch, und empfahl ihm jedenfalls vor der Badezimmertür fürsorglich die Beruhigungstabletten, die der Wissenschaftler zurückgelassen hatte und tat des weiteren so, als ob sie etwas wüsste, was dem Geisterjäger entgangen war.
 
"So", sagte der Schamane und Geisterjäger, als er wieder auftauchte, "ich habe diese Kreaturen mit Hilfe meiner Schutzgeister durch das Loch wieder zur Hölle geschickt und das Tor im Badezimmer geschlossen. Ein paar unerlöste Seelen und ein Dämon waren auch dabei. Und jede Menge anderer Wesen. Ich habe auf der Badezimmerwand ein Sigel aufgemalt und damit das Tor geschlossen, ich hoffe, es geht in Ordnung. Am besten stellt man etwas davor, damit sich Fremde nicht wundern. Einen Kasten, vielleicht. – Den Spiegel habe ich zerschlagen, bitte dort keinen neuen mehr aufstellen. Wir können nun abrechnen. Falls wieder was auftaucht, meine Nummer anrufen."
 
Medium: "Nein, nein, das war mein Werk, ich habe mit dem Verstorbenen gesprochen und dessen Frau, die zwei Kinder und das Dienstmädchen ins Licht geschickt. Seine Frau, eine gierige Person, hat das Mädchen und die Kinder ein Schmuckstück suchen lassen, das damals verschwunden war, als ihr Mann starb. Aber es ist alles in Ordnung, er hatte es nur damals im Bad verloren. Es fiel durch einen Spalt im Boden vor der Mauer, aber er konnte es nicht mehr rausholen, weil er einen Herzinfakt erlitten hatte. Man brachte ihn zu Bett, wo er dann starb.  Das Schlafzimmer war früher da, wo jetzt die Küche ist und der Hamsterkäfig steht, müsst ihr wissen."
 
Cooler Typ, der inzwischen durch die Tabletten high ist und schwankend auf einem Stuhl sitzt: "Nee, ich sehe hier überall farbige Lichter, und es ist ja so schön…. Wie die Engelein! Die sind do im Bad so durch mich durchgegangen, so niedlich, und denkst, ich glaube die kommen morgen alle zu mir, ich habe sie gerade eingeladen, besonders die Erika mit dem Ring… die hat jetzt keinen Mann, hat sie gesagt… Uch, ist mir schwindlig…"
 
Schwarze Katze faucht nun den coolen Typen an, macht einen Buckel und rennt davon.
 
Wohnungseigentümerin: "Fein, meine Herrschaften, aber eure Dienste werden nicht mehr gebraucht. Die Hauptarbeit mit Putzen und Lüften habe sowieso ich alleine machen müssen. Ich habe mit mit Pater Georg ausgesprochen und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das alles teuflische Halluzinationen gewesen sind aufgrund meines unchristichen Lebenswandels und meiner unerfüllten Sehnsüchte. Ich habe beschlossen, der Esoterik ade zu sagen und mich wieder mehr der Kirche zu widmen. Und meinem Mann natürlich. Sollte er seine Mama verlassen und je wieder heimkommen. Quiji-Board spielt der bei mir nie wieder! – Jedenfalls, leben Sie wohl!"
 
Priester: "Ich bete auf alle Fälle für eure irrenden Seelen! Beten ist immer das am Besten geeignete Mittel, nichts sonst."
 
 
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